Hernando de Talavera

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Hernando de Talavera
Wappen des Erzbischofs von Granada Hernando de Talavera

Hernando de Talavera OSH (auch: Fernando de Talavera) (* um 1428 in Talavera de la Reina, Kastilien; † 14. Mai 1507 in Granada) war ein spanischer Theologe und Politiker.

Leben[Bearbeiten]

Herkunft und Beginn der Laufbahn als Theologe[Bearbeiten]

Hernando de Talavera wurde 1428 oder 1430 in Talavera de la Reina geboren. Als sein Vater wird Fernan Alvarez de Toledo, der spätere Graf von Oropesa vermutet, der zumindest sein Theologiestudium in Salamanca finanzierte. Bei seiner Mutter wird die Abstammung aus einer Converso-Familie angenommen.[1] Von 1445 bis 1460 studierte er Theologie an der Universität Salamanca an der er dann zwischen 1463 und 1466 Moraltheologie unterrichtete. Im Juli 1466 legte er im Kloster Jerónimo de San Leonardo in Alba de Tormes sein Gelübde als Mönch des Hieronymiten-Ordens ab. Ab 1470 war er Prior des Klosters Nuestra Señora del Prado in Valladolid.

Laufbahn als Politiker[Bearbeiten]

Zu Beginn des Jahres 1475 wählte Königin Isabella I. ihn zu ihrem Beichtvater und Berater.[2] Wenige Monate war er auch der Beichtvater des Königs Ferdinand.

In den Jahren 1475 bis 1480, während des Kastilischen Erbfolgekrieges, unterstützte er die Königin bei der Lösung verschiedener Probleme. Er erwies sich auch später noch als Finanzexperte der Monarchie. So organisierte er die Beschlagnahme sakraler Gefäße der Kirchen mit dem Versprechen, sie zurückzugeben, wenn die Umstände es zulassen.[3] Das Kirchensilber (la plata de las iglesias) wurde für Kredite verpfändet mit deren Hilfe die Kosten des Krieges gedeckt werden konnten. Nach Ende des Kastilischen Erbfolgekrieges wurden die Eigentumsverhältnisse und die vorhandenen Forderungen des hohen Adels auf Staatsleistungen überprüft. Eine Kommission die von Hernando de Talavera geleitet wurde stellte anhand von Registern aus den Jahren 1477 bis 1479 im ganzen Königreich Untersuchungen an, um herauszufinden, welche zu Forderungen zu Recht bestanden und welche nicht. Als Ergebnis dieser Überprüfung verloren die früheren Gegner der Katholische Könige etwa zwei Drittel, die Unterstützer aber immerhin auch ein Drittel ihrer Pensionen.[4]

Ab 1480 war Hernando de Talavera wieder vorwiegend seelsorgerisch tätig. Ab 1480 war er Visitator des Hieronymiten-Ordens. In dieser Position setzte er sich für die Befolgung der Ordensregeln in ihrer ursprünglichen Form ein.[5] 1483 übernahm er das Amt des Administrators der Diözese Salamanca. 1485 wurde er zum Bischof von Ávila geweiht.

Von 1486 bis 1492 organisierte er die Beschaffung und Verwaltung der Mittel die notwendig waren um die Feldzüge gegen das Emirat von Granada zu finanzieren. Eine Maßnahme war, dass er im Kloster Santa Maria del Prado die Kreuzzugsbulle, die Papst von Papst Sixtus IV. erlassen worden war, die einen Sündenstrafnachlass gewährte in mehreren 100.000 Exemplaren drucken ließ. Sie wurde von Hunderten von Predigern an die Gläubigen verkauft. Von dem Erlös erhielt der Papst nur eine kleine Abfindung der größte Teil wurde für den Kreuzzug gegen die Mauren verwendet.[6]

In seiner Stellung als Berater der Königin war er auch 1486 und 1492 an der Erstellung von Gutachten beteiligt die die Pläne von Christoph Kolumbus bewerteten. Talavera lehnte das Projekt ab weil Experten die Berechnung der Entfernungen als fehlerhaft einschätzten. Nachdem die Übereinkunft von Santa Fe von den Katholischen Königen unterschrieben war beschaffte Talavera aber das notwendige Geld für die Ausstattung der Flotte von drei Schiffen.[7]

Erzbischof von Granada[Bearbeiten]

Während der Herrschaft der Mauren war Granada ein Titularbistum. Im Laufe des Krieges gegen das Emirat von Granada waren verschiedene andere Städte (Almería, Guadix, Málaga) erobert worden die früher einmal Bischofssitze waren und an denen neue Diözesen errichtet wurden. Am 10. Dezember 1492 wurde das Erzbistum Granada mit den verschiedenen Suffragandiözesen neu eingerichtet. Talavera wurde der erste Erzbischof von Granada. Es gab nur wenige Priester, kaum geweihte Kirchen oder Klöster und keine kirchlichen Verwaltungsstrukturen. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung bestand aus getauften Christen oder sprach spanisch. Talavera hatte in verschiedenen Schriften zwar schon früher seine Ansichten zur Bekehrung der Mohammedaner dargelegt, nun musste er diese theoretischen Überlegungen in die Praxis umsetzen. Talavera bemühte sich dabei die Vorgaben der Verträge für die Übergabe Granadas an die Katholischen Könige, an deren Ausarbeitung er selbst beteiligt war, genau einzuhalten.[8] Er verlangte, dass die Bekehrung der Muslime durch Überzeugung und nicht durch Anwendung von Gewalt geschehen solle. Dieser Einstellung stand der neue Beichtvater der Königin Gonzalo Jiménez de Cisneros ablehnend gegenüber.[9] Talavera förderte den Druck eines Lehrbuches der arabischen Sprache durch Pedro de Alcalá und ermutigte sein Pfarrer arabisch zu lernen um mit den Gemeindemitgliedern kommunizieren zu können. Er selbst besaß Übersetzungen des Korans in spanischer und lateinischer Sprache.[10] Cisneros dagegen ließ alle in Granada auffindbaren Bücher in arabischer Sprache, vermutlich gegen 5000 öffentlich verbrennen, wobei nur die Bücher mit medizinischem Inhalt in die Bibliothek der Universität von Alcalá gebracht wurden. Heinrich Heines 1821 erschienene Tragödie Almansor enthält eine Replik auf die von Jiménez de Cisneros angeordneten Bücherverbrennungen. „Dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen“.[11]

Nach Ansicht Talaveras sollten die Neubekehrten ohne Einschränkungen wie alle anderen getauften Christen behandelt werden. Einen Generalverdacht gegen alle „Neuen Christen“ lehnte er ab. Er wurde in dieser Ansicht auch durch den Papst bestätigt. Papst Nicolaus V. stellte fest, dass alle Christen, ungeachtet des Zeitpunktes an dem sie es geworden sind eine einzige Gruppe bilden und somit das gleiche Anrecht auf Ämter und die Vorteile der bürgerlichen und kirchlichen Gesellschaft hätten. [12]

Der Inquisitor von Córdoba, Diego Rodríguez de Lucero ließ Freunde, Mitarbeiter und Familienmitglieder des Erzbischofs festnehmen und strengte im Frühjahr 1506 einen Inquisitionsprozess gegen Talavera an. Es wurde ihm vorgeworfen sich gegenüber den Conversos zu nachsichtig verhalten zu haben. Außerdem habe er die Arbeit der Inquisition in Granada behindert. Mit der Bulle „Exponi nobis“ vom 30. November 1506 beauftragte Papst Julius II. den Nuntius in Spanien Juan Rufo damit den Prozess gegen den Erzbischof von Granada und die Prozesse gegen seine Verwandten und Mitarbeiter zu übernehmen. Hernando de Talavera wurde schließlich freigesprochen und rehabilitiert.[13] Der Inquisitor von Córdoba, Diego Rodríguez de Lucero und der Generalinquisitor von Kastilien Diego de Deza mussten ihr Amt aufgeben.[14]

Der erste Erzbischof von Granada Hernando de Talavera starb am 14. Mai 1507 im hohen Alter von mehr als 75 Jahren in Granada.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Joseph Perez: Ferdinand und Isabella. Callwey, München 1989, ISBN 3-7667-0923-2, S. 177 (Aus d. Franz. von Antoinette Gittinger).
  2. Miguel Angel Ladero Quesada: Fray Hernando de Talavera en 1492. de la corte a la misión. In: Chronica nova: Revista de historia moderna de la Universidad de Granada, ISSN 0210-9611, Nº 34, 2008. Universidad de Granada, 11. April 2008, S. 255 ff, abgerufen am 14. Dezember 2014 (pdf, spanisch).
  3.  Joseph Perez: Ferdinand und Isabella. Callwey, München 1989, ISBN 3-7667-0923-2, S. 90 (Aus d. Franz. von Antoinette Gittinger).
  4.  Joseph Perez: Ferdinand und Isabella. Callwey, München 1989, ISBN 3-7667-0923-2, S. 123 (Aus d. Franz. von Antoinette Gittinger).
  5.  Joseph Perez: Ferdinand und Isabella. Callwey, München 1989, ISBN 3-7667-0923-2, S. 177 (Aus d. Franz. von Antoinette Gittinger).
  6.  Joseph Perez: Ferdinand und Isabella. Callwey, München 1989, ISBN 3-7667-0923-2, S. 126 (Aus d. Franz. von Antoinette Gittinger).
  7. Miguel Angel Ladero Quesada: Fray Hernando de Talavera en 1492. de la corte a la misión. In: Chronica nova: Revista de historia moderna de la Universidad de Granada, ISSN 0210-9611, Nº 34, 2008. Universidad de Granada, 11. April 2008, S. 266, abgerufen am 14. Dezember 2014 (pdf, spanisch).
  8.  Thomas Freller: Granada, Königreich zwischen Orient und Okzident. Jan Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0825-4, S. 146.
  9.  Thomas Freller: Granada, Königreich zwischen Orient und Okzident. Jan Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0825-4, S. 148.
  10. Miguel Angel Ladero Quesada: Fray Hernando de Talavera en 1492. de la corte a la misión. In: Chronica nova: Revista de historia moderna de la Universidad de Granada, ISSN 0210-9611, Nº 34, 2008. Universidad de Granada, 11. April 2008, S. 272, abgerufen am 14. Dezember 2014 (pdf, spanisch).
  11. Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 2. Berlin und Weimar 1972, S. 490 Almansor. Bei: Zeno.org..
  12.  Joseph Perez: Ferdinand und Isabella. Callwey, München 1989, ISBN 3-7667-0923-2, S. 271 (Aus d. Franz. von Antoinette Gittinger).
  13.  Thomas Freller: Granada, Königreich zwischen Orient und Okzident. Jan Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0825-4, S. 151.
  14. Tarsicio Herrero del Collado: El proceso inquisitorial por delito de herejía contra Hernando de Talavera. In: Anuario de historia del derecho español, ISSN 0304-4319, Nº 39, 1969 ,. 1969, S. 671-706, abgerufen am 15. Dezember 2014 (pdf, spanisch).

Literatur[Bearbeiten]

  •  Joseph Perez: Ferdinand und Isabella. Callwey, München 1989, ISBN 3-7667-0923-2, S. 394 (Aus d. Franz. von Antoinette Gittinger).
  •  Luis Suarez Fernandez: Isabel I, Reina. 1 Auflage. Editorial Ariel, Barcelona 2000, ISBN 84-344-6620-1, S. 493 (spanisch).
  •  Thomas Freller: Granada, Königreich zwischen Orient und Okzident. Jan Thorbecke, Ostfildern 2009, ISBN 978-3-7995-0825-4, S. 216.

Weblinks[Bearbeiten]