Hero und Leander

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Hero und Leander (Darstellung aus dem Jahr 1828 von William Etty)

Hero (griechisch Ἡρώ) und Leander (Λέανδρος) sind zwei Gestalten aus der griechischen Mythologie. Hero war eine Aphroditepriesterin in Sestos an der Meerenge Hellespont, den ihr Geliebter Leander aus Abydos allnächtlich durchschwamm, um mit ihr vereint zu sein. Als die Lampe, die Hero als Wegweiser aufgestellt hatte, in einem Sturm erlosch, verirrte er sich auf dem Meer und ertrank. Am folgenden Morgen entdeckte Hero seinen Leichnam und stürzte sich von einer Klippe in den Tod.

Bearbeitungen[Bearbeiten]

In der antiken Literatur finden sich Bezüge zu dieser Sage bereits bei Vergil (Georgica 3.258), Ovid (Heroides 18.19) und bei Statius (Thebais 5.535).

Am ausführlichsten erscheint die Sage in dem um 500 entstandenen Epyllion Τὰ καθ̓ Ἡρὼ καὶ Λέανδρον des spätgriechischen Dichters Musaios.

In der Neuzeit diente das Gedicht des Musaios Christopher Marlowe als Vorlage für ein episches Gedicht. Georg Friedrich Händel komponierte 1707 in Rom eine italienische Solokantate Ero e Leandro (HWV 150). Später entstehen u. a.

sowie je eine Oper von Giovanni Bottesini und Günter Bialas. Auch das Volkslied Es waren zwei Königskinder bezieht sich darauf. Ludwig Christoph Heinrich Hölty und Daniel Schiebeler travestierten den antiken Stoff in ihren Gedichten, die den umgestellten Titel Leander und Hero trugen. Auch in der Moderne wird diese Sage z. B. von Milorad Pavić in seinem Roman Die inwendige Seite des Windes oder Der Roman von Hero und Leander als Anhaltspunkt verwendet.

In einem Gedicht von Heinz Erhardt wird die Geschichte von Hero und Leander humoristisch erzählt. Auch der Schauspieler und Mitarbeiter der „Fliegenden Blätter“ Otto Sommerstorff hat ein sprachspielerisches, ironisches Gedicht über den Stoff verfasst.[1]

Weiterhin tritt die Sage als wichtiges Element auch im Roman Die Nacht von Lissabon von Erich Maria Remarque auf.

Trivia[Bearbeiten]

Auf diese Sage geht die europäische Bezeichnung des Leanderturms in Istanbul zurück, der auf Türkisch Kız kulesi, „Mädchenturm“, genannt wird.

Literatur[Bearbeiten]

  • Musaios: Hero und Leander. Einleitung, Text, Übersetzung und Kommentar von Karlheinz Kost. Bouvier, Bonn 1971. ISBN 3-416-00655-0
  • Hans Färber (Hrsg.): Hero und Leander : Musaios und die weiteren antiken Zeugnisse. Griechisch und Lateinisch mit deutscher Übersetzung. Heimeran, München 1961.
  • Max Hermann Jellinek: Die Sage von Hero und Leander in der Dichtung. Speyer und Peters, Berlin 1890.
  • Wikisource Hero und Leander. In: Die Gartenlaube, Jahrgang 1879, Heft 9 – online verfügbar bei Wikisource

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hero und Leander – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hero und Leander. Dramatisches Gedicht in einem Auf- und Abzug. In: Scherzgedichte. 6. Aufl. Berlin 1911, abgedruckt in: Robert Gernhardt, Klaus Cäsar Zehrer (Hg.): Hell und Schnell. 555 komische Gedichte aus 5 Jahrhunderten. 2005, ISBN 3596159342, S. 355f