Herodium

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Das Herodium. Luftbild von Südwesten
Herodium von Süden gesehen

Das Herodium, Herodion oder Herodeion (hebräisch ‏הרודיון‎, arabisch ‏هيروديون‎) ist eine von Herodes dem Großen (74–4 v. Chr.) in der Zeit 24-12 v. Chr. errichtete Festungs- und Palastanlage, zwölf Kilometer südlich von Jerusalem im heutigen Westjordanland gelegen.

Bau der Anlage[Bearbeiten]

Der Berg hat die charakteristische Form eines Kegelstumpfes, dessen Durchmesser 64 m beträgt[1], das obere Plateau liegt auf einer Höhe von 758 m ü.d.M. Herodes erhöhte dazu einen vorhandenen Hügel um ca. ein Drittel. Danach überragte dieser die umgebenden Anhöhen deutlich, war von Jerusalem aus gut sichtbar und bot Ausblicke bis nach Bethlehem. Auf dem Gipfelplateau entstand eine stark befestigte Zitadelle, die neben Aufenthaltsräumen unter anderem auch ein Mausoleum umfasste. Am Fuß des Berges ließ Herodes einen weiteren Palast mit zahlreichen Gebäuden, Ställen und Lagerräumen errichten. Hervorzuheben ist ein künstliches Wasserbassin mit Insel, das vermutlich für erfrischende Badevergnügen und Wasserspiele genutzt wurde. Das Wasser dazu wurde durch einen Kanal aus Jerusalem herangeführt.

Hintergrund und Zerstörung[Bearbeiten]

Der jüdische Historiker Flavius Josephus berichtet, dass an dieser Stelle Herodes auf der Flucht von den angreifenden Parthern eingeholt wurde, er aber die Parther trotz deren Überzahl schlagen konnte. Josephus ist auch die Quelle für die ausführlichen Berichte und Aufzeichnungen über Herodes’ Begräbnis auf dem Herodium.[2]

Das Herodium wurde im Jahr 71 n. Chr. von einer römischen Legion, der legio X Fretensis unter dem Kommando von Lucilius Bassus, auf ihrem Marsch gegen Masada eingenommen und zerstört.

Archäologie[Bearbeiten]

Franziskaner begannen in den 1950er-Jahren mit Ausgrabungen am Herodion. Die Überreste des Palastes auf dem Hügel mit vier starken Turmanlagen wurden bei dieser ersten Grabungskampagne freigelegt und illustrieren die Herausforderungen und großen Leistungen Herodes des Großen als Bauherr. Der Herodion-Hügel und auch die Ausgrabungsstätten unterhalb des Hanges wurden trotz der Lage in den besetzten palästinensischen Gebieten zu einem israelischen Naturreservat erklärt und werden durch die Nationalparkverwaltung in Zusammenarbeit mit der israelischen Militärverwaltung (Civil Administration) verwaltet. Dadurch wird u.a. der Schutz des Gebietes vor Grabräubern und anderen nicht legitimierten archäologischen Unternehmungen erleichtert.

Der Bauforscher und Archäologe Ehud Netzer, Professor für Klassische Archäologie an der Hebräischen Universität Jerusalem, gab im Mai 2007 bekannt, das Grab des Herodes entdeckt zu haben. Netzer, der als Herodes-Experte gilt, konnte das Grab nach 35-jähriger Forschungs- und Grabungstätigkeit am Herodium lokalisieren.[3] Netzer, der inzwischen verstorben ist, glaubte an die Authentizität des Fundes, auch wenn bisher keine Inschriften gefunden werden konnten, die den Bestatteten eindeutig als Herodes ausweisen. Seit 1972 grub der israelische Archäologe nach der Ruhestätte des Herodes.[4] Die Fundstätte soll sich zwischen der Festung und zwei Palästen am Fuße des Hügels befinden. In dem Grab entdeckte Netzer Bruchstücke eines womöglich im Gefolge der römischen Eroberung Jerusalems von aufständischen Juden in Wut zertrümmerten[5] monumentalen Sarkophags aus Kalkstein.[6][7]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herodes – Visionär und Feldherr ausgestrahlt am 7. März 2009 auf Super RTL, 21:15 - 22:25
  2. Jüdischer Krieg 1,13,8; 21,10; 33,9; Jüdische Altertümer 14,13,9.
  3. n-tv: Herodes Grab entdeckt, zugegriffen am 8. Mai 2007; Al-Dschasira: Herod's tomb 'found' in West Bank; The Daily Telegraph: Tomb of King Herod discovered in West Bank.
  4. NTV-Bericht: Herodes Grab entdeckt (8. Mai 2007) [1], Bericht des israelischen Außenministeriums [2]
  5. Ulrich W. Sahm: "Das Herodes-Grab", 10. Mai 2007
  6. Bible Earth: Grab des Herodes gefunden!
  7. Video: Forscher entdecken nahe Jerusalem Grab des Herodes (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[3] [4] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung

Literatur[Bearbeiten]

  • Günther Garbrecht/Ehud Netzer: Die Wasserversorgung geschichtlicher Wüstenfestungen am Jordantal. In: Wiel Dierx/Günther Garbrecht: Wasser im Heiligen Land. Biblische Zeugnisse und archäologische Forschungen. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2001. S. 222-239.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herodium – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

31.66583333333335.241388888889Koordinaten: 31° 39′ 57″ N, 35° 14′ 29″ O