Herr Christ, der einig Gotts Sohn

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Herr Christ, der einig Gotts Sohn ist eines der ältesten evangelischen Kirchenlieder und gehört zum Kernbestand der reformatorischen Choräle (Evangelisches Gesangbuch Nr. 67). Den Text verfasste die zum lutherischen Glauben konvertierte Nonne Elisabeth Cruciger geborene von Meseritz (um 1500–1535). Die Melodie dürfte auf eine weltliche Vorlage zurückgehen, wird aber schon 1524 in einem der ältesten evangelischen Gesangbücher abgedruckt.

Text[Bearbeiten]

(1) Herr Christ, der einig Gotts Sohn, / Vaters in Ewigkeit,/ aus seim Herzen entsprossen, / gleichwie geschrieben steht, / er ist der Morgensterne, / sein Glänzen streckt er ferne / vor andern Sternen klar;
(2) für uns ein Mensch geboren / im letzten Teil der Zeit, / der Mutter unverloren / ihr jungfräulich Keuschheit,* / den Tod für uns zerbrochen, / den Himmel aufgeschlossen, / das Leben wiederbracht:
(3) lass uns in deiner Liebe / und Kenntnis nehmen zu, / dass wir am Glauben bleiben, / dir dienen im Geist so, / dass wir hier mögen schmecken, / dein Süßigkeit im Herzen / und dürsten stets nach dir.
(4) Du Schöpfer aller Dinge, / du väterliche Kraft, / regierst von End zu Ende / kräftig aus eigner Macht. / Das Herz uns zu dir wende / und kehr ab unsre Sinne, / dass sie nicht irrn von dir.
(5) Ertöt uns durch dein Güte, / erweck uns durch dein Gnad. / Den alten Menschen kränke**, / dass er neu' leben mag / und hier auf dieser Erden / den Sinn und alls Begehren / und G'danken hab zu dir.
(* = in neueren Gesangbuchausgaben meist „dass wir nicht wärn verloren / vor Gott in Ewigkeit,“
 ** = schwäche, vgl. Röm. 6,1-4)

Lied[Bearbeiten]

Das Lied beinhaltet in seinen ersten beiden Strophen, dem Lobgesang vom Christus, die Heilsgeschichte in Leben und Werk Jesu Christi für die Menschheit. Die letzten drei Strophen wollen das von der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus ausgehende Heil für die Menschen vertiefen: in Form der Bitte ergeht der Wunsch nach Verstehen der Heilstat Jesu durch Beständigkeit und Wachstum im Glauben und in echter gelebter Herzensfrömmigkeit, der Süßigkeit im Herzen. Damit zeigt der Text in seiner Grundhaltung die Verbindung reformatorischer Verkündigung des Evangeliums mit einer innigen, fast mystischen Herzensfrömmigkeit des mittelalterlichen Klosterlebens und spiegelt dadurch die Lebenserfahrung der jungen Verfasserin wider.

Das Lied hat verblüffend schnell Eingang in das Gesangbuch der Kirche gefunden. Darüber hinaus fand es auch schnell seinen Platz als Gebet christlichen Lebens. So wird es von Philipp Nicolai mehrfach als Gebet zitiert, und sein Lied Wie schön leuchtet der Morgenstern (Evangelisches Gesangbuch Nr. 70) greift vielfach auf das Lied von Elisabeth Cruciger (die auch den „Morgenstern“ als Hoheitstitel für Jesus Christus in Strophe 1 verwendet) zurück.

Gesangbuchzuordnung[Bearbeiten]

Die in den Strophen 1 und 2 komprimierte Zusammenfassung der Menschwerdung Gottes mit ebendiesem Morgenstern-Titel lässt das Lied im Evangelischen Gesangbuch als zweites der Epiphanias-Choräle erscheinen (im Vorgängergesangbuch stand es sogar an erster Stelle). Auch ist es das Wochenlied für die Woche nach dem letzten Sonntag nach Epiphanias.

Melodie[Bearbeiten]

Die Melodie des Liedes geht auf eine Vorlage (Mein Freud möcht sich wohl mehren) aus dem 15. Jahrhundert zurück, ist jedoch – wegen der siebenzeiligen Strophenform bei Elisabeth Cruciger – umgearbeitet worden. Das Lied stand zum ersten Male 1524 (also im Jahr seiner Entstehung!) im Ein Enchiridion oder Handbüchlein mit 25 Liedern und 15 Melodien, dem zweitältesten evangelischen Gesangbuch, das in Erfurt erschien und auch viele Lieder von Martin Luther (dem Trauungspastor von Elisabeth und Caspar Cruciger) enthielt.

Zusammenfassung[Bearbeiten]

Das Lied lehrt in Textaussage und angepasster Melodie zu verstehen, dass christlicher Glaube nicht nur ein Akt des Verstehens, sondern immer auch eine Bewegung des Herzens ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hahn, Gerhard/Henkys, Jürgen (Hg.), Liederkunde zum Evangelischen Gesangbuch (= Handbuch zum Evangelischen Gesangbuch, Bd. 3), Heft 2, Göttingen 2001, ISBN 3-525-50321-0
  • Thost, Karl Christian, Bibliographie über die Lieder des Evangelischen Gesangbuchs, Göttingen 2006, ISBN 3-525-50336-9
  • Möller, Christian (Hg.), Ich singe dir mit Herz und Mund. Liedauslegungen – Liedmeditationen – Liedpredigten. Ein Arbeitsbuch zum Evangelischen Gesangbuch, Stuttgart 1997, ISBN 3-7668-3525-4

Weblinks[Bearbeiten]