Herrenhausen-Stöcken

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Herrenhausen)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Karte
Hannover, Stadtbezirk Herrenhausen-Stöcken hervorgehoben
Basisdaten
Stadtbezirk Herrenhausen-Stöcken (12)
Fläche 21,13 km²
Einwohner 34.664 (2011)
Bevölkerungsdichte 1.641 Einwohner/km²
Postleitzahl 30419
Stadtteile
  • Burg
  • Herrenhausen
  • Ledeburg
  • Leinhausen
  • Marienwerder
  • Nordhafen
  • Stöcken
Webpräsenz hannover.de
herrenhausen-online.de
Politik
Bezirksbürgermeisterin Marion Diener (SPD)
Stadtbezirksrat
(19 Sitze)
SPD: 9, CDU:  5, Die Grünen: 3, Linke: 1, ASH: 1

Herrenhausen-Stöcken ist der 12. Stadtbezirk in Hannover. Er hat 34.664 Einwohner und besteht aus den Stadtteilen Burg (3.725 Einwohner), Herrenhausen (7.660 Einwohner), Ledeburg (5.797 Einwohner), Leinhausen (2.918 Einwohner), Marienwerder (2.461 Einwohner), Nordhafen (128 Einwohner) und Stöcken (11.975 Einwohner) (Stand 2011).

Burg[Bearbeiten]

Schulbiologiezentrum in Burg

Der tropfenförmige Stadtteil Burg wird im Westen umschlossen von der Bahnstrecke Hannover–Hamburg und im Osten vom Burgweg.

Eine erste urkundliche Erwähnung fand die Burg (Gernandesburg) im Jahre 1274 in einer Schenkungsurkunde, mit der Herzog Johann von Braunschweig-Lüneburg den Hof bei der Gernandesburg dem Hospital Sankt Spiritus in Hannover übertrug. Vermutlich handelte es sich um eine frühmittelalterliche Fluchtburg für die umliegenden Höfe. Später war hier ein Meierhof und ab 1864 ein Rittergut der Calenberg-Grubenhagenschen Ritterschaft. Die Stadt Hannover kaufte das Gut 1914 und führte die Landwirtschaft zum Teil weiter.

Die zentrale Nord-Süd-Achse Vinnhorster Weg teilt den Stadtteil in zwei etwa gleich große Hälften. Der westliche Teil ist ein Wohngebiet bebaut überwiegend mit Ein- und Zweifamilienhäusern. Die Straßen sind nach Städten im Harz benannt, weshalb man auch vom Harzer Viertel spricht. Am Harzburger Platz steht die evangelisch-lutherische Zachäuskirche.

Der östliche Teil besteht hauptsächlich aus Kleingärten. Außerdem befinden sich hier das Schulbiologiezentrum, die Freiluftschule Burg sowie die Förderschule Paul-Dohrmann-Schule. Verkehrsmäßig wird der Stadtteil durch die S-Bahn-Station Ledeburg (S-Bahn-Linien S4 und S5) und die Üstra-Buslinien 135 und 136 erschlossen.

Herrenhausen[Bearbeiten]

Herrenhausen liegt zwischen der Bahnstrecke Hannover–Minden im Norden und der Leine im Südwesten, die östliche Grenze bilden die Straßen An der Graft und Franziusweg.

Die Siedlung Hagerinhusen, auf Sanddünen am Maschrand der Leine gelegen, wurde 1216 erstmals urkundlich erwähnt. Zwar nannte die 1943 verbrannte Stiftungsurkunde des Hildesheimer Michaelisklosters das Jahr 1022, sie war jedoch eine Abschrift oder Fälschung aus dem 12. Jahrhundert. Herrenhausens heutiger Name setzte sich ab 1666 durch, er wurde gebildet in Anlehnung an die Sommerresidenz der Welfen, das Schloss Herrenhausen. 1725 wurde der Vertrag von Herrenhausen geschlossen, der die Hohenzollern und die Welfen aneinanderbinden sollte. 1891 wurde die Gemeinde Herrenhausen nach Hannover eingemeindet.

Von den Herrenhäuser Gärten liegen der Große Garten und der Berggarten im Stadtteil, der Georgengarten und der Welfengarten gehören zur Nordstadt. Der Große Garten zählt zu den bedeutendsten Barockgärten in Europa. Im Berggarten befinden sich das tropische Sea-Life-Aquarium im ehemaligen Regenwaldhaus sowie das Welfenmausoleum als Begräbnisstätte der hannoverschen Linie der Welfen.

Im Stadtteil sind Institute der Universität Hannover (Fakultät Architektur und Landschaft sowie Naturwissenschaften) angesiedelt. Des Weiteren befinden sich hier das Gymnasium Goetheschule und die Grundschule Wendlandstraße. Seit 1868 wird in der Herrenhäuser Brauerei Bier gebraut, deren bekannteste Sorte das Herrenhäuser Pilsener ist. Das alte Gebäude des Leinhäuser Bahnhofs steht an der Grenze zu Leinhausen und ist heute ein Veranstaltungszentrum. An der Herrenhäuser Straße befindet sich das Kirchenamt der EKD, im Stadtteil ferner die 1904-06 erbaute evangelisch-lutherische Herrenhäuser Kirche sowie das Gemeindezentrum einer evangelisch-reformierten Kirchengemeinde. Das Klärwerk Herrenhausen im Nordwesten des Stadtteils ist für die gesamten Abwässer der Stadt Hannover zuständig.

Ledeburg[Bearbeiten]

Restaurant Entenfang

Ledeburg ist begrenzt durch die Schulenburger Landstraße und Mecklenheidestraße im Norden, Hogrefestraße, Gemeindeholzstraße und Eichsfelder Straße im Westen und Süden sowie die Bahnstrecke Hannover–Hamburg im Südosten. Der Stadtteil ist in den 1920er Jahren entstanden und durch Ein- und Mehrfamilienhäuser, Kleingärten und Sportanlagen geprägt.

Im Stadtteil gibt es ein Jugendzentrum. An der S-Bahn-Station Ledeburg halten die S-Bahn-Linien 4 und 5 und schaffen eine Verbindung in das Stadtzentrum sowie nach Langenhagen und zum Flughafen. Zwei Buslinien ergänzen das Nahverkehrsangebot. Am Entenfangweg befand sich das Stahlbauunternehmen Louis Eilers Stahlbau, deren unter Denkmalschutz stehender Wasserturm ein Wahrzeichen des Stadtteils ist. Nördlich des ehemaligen Ausbesserungswerks Leinhausen befindet sich seit 1878 das traditionsreiche Waldgasthaus Entenfang.[1]

Leinhausen[Bearbeiten]

Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde

Leinhausen liegt zwischen der Bahnstrecke Hannover–Minden im Süden, der Bahnstrecke Hannover–Hamburg im Osten, der Eichsfelder Straße im Norden und der Fuhsestraße im Westen. Einer der kleinsten Stadtteile Hannovers entstand um die 1878 gegründete Königlich Preußische Hauptwerkstätte Leinhausen herum für die dortigen Beschäftigten als "Wohncolonie". Hier wohnten damals nur Eisenbahner. Auf dem Gelände des früheren Ausbesserungswerkes werden seit dem Jahr 2000 die Triebzüge der S-Bahn Hannover gewartet und repariert. Außerdem befindet sich dort der Betriebshof Fuhsestraße der Stadtbahn Hannover.

Nordöstlich des Bahnhofs Leinhausen befindet sich das früher mit Kohle betriebene Kraftwerk Herrenhausen, das 1975 von den Stadtwerken Hannover zu einem mit Gas betriebenen Heizkraftwerk umgebaut wurde. Von den sechs Schornsteinen des ehemaligen Kohlekraftwerks sind nur noch die Sockel vorhanden. Das heutige Gaskraftwerk ist der benachbarte Block B, der durch seine zylindrische Bauweise auffällt. Es beherbergte eine Zeit lang eine Brennstoffzelle mit einigen Kilowatt Leistung, das Forschungsvorhaben wurde mittlerweile beendet. Von der Leitwarte des Kraftwerks Herrenhausen aus werden auch die regenerativen Erzeugungsanlagen im Stadtwerke-Netzgebiet gesteuert: Leine-Wasserkraftwerk Herrenhausen, Wasserkraftwerk Schneller Graben, Biogasaufbereitungsanlage Ronnenberg, Deponiegasnutzungsanlage Hannover-Lahe, Windkraftanlage Kronsberg sowie mehrere Photovoltaik-Anlagen.

Im Stadtteil befindet sich die 1958 errichtete katholische Kirche St. Adalbert. Seit 2009 befindet sich die Synagoge der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Leinhausen, die im Gebäude einer ehemaligen evangelische Kirche eingerichtet wurde. An der Elbestraße befindet sich das Leinhäuser Freibad.

Marienwerder[Bearbeiten]

Hinüberscher Garten

→ Hauptartikel: Marienwerder (Hannover)

Im Nordwesten des Stadtbezirks befindet sich der Stadtteil Marienwerder. Sehenswürdigkeiten sind der Hinübersche Garten und das 1196 gegründete Kloster Marienwerder.

Im Zweiten Weltkrieg bestand in Marienwerder das Konzentrationslager beim Akkumulatorenwerk, ein Außenlager des KZ Neuengamme. Darin waren von 1943 bis 1945 circa 1.800 ausländische Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und Häftlinge aus Konzentrationslagern untergebracht. Sie wurden in Werken der AFA (später VARTA, heute Johnson Controls) unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen (Bleivergiftungen) zur Kriegsproduktion gezwungen. Zur Erinnerung wurde 1989 nahe dem ehemaligen Lager ein Mahnmal mit Skulptur und Gedenktafeln aufgestellt.

In den 1990er Jahren wurden im „Wissenschaftspark Marienwerder“ einige Institute angesiedelt, die eng mit der Universität Hannover zusammenarbeiten, wie das Laser Zentrum Hannover. Durch die Stadtbahnlinie 4 ist der Stadtteil mit dem Zentrum sowie mit Garbsen verbunden.

Nordhafen[Bearbeiten]

Der Nordhafen am Mittellandkanal

Der Stadtteil ist benannt nach dem am Mittellandkanal liegenden Nordhafen. Er ist begrenzt durch die Stelinger Straße im Westen, die A 2 im Norden und die Schulenburger Landstraße im Osten. Die südliche Grenze verläuft nördlich des VW-Werks ungefähr entlang der Gleise der Hafenbahn.

Im Stadtteil wohnen nur etwa 100 Menschen, der Bereich südlich des Kanals ist geprägt durch Industrie- und Gewerbegebiete. Der 63 ha große Nordhafen ist ein wichtiger Umschlagplatz für den Seehafen-Hinterlandverkehr. Am Endpunkt der Stadtbahnlinie 6 befindet sich eine Park-and-ride-Station.

Nördlich des Mittellandkanals befindet sich das Waldgebiet Mecklenheide, welches flächenmäßig den größten Anteil am Stadtteil hat. Zwischen dem Mecklenheider Forst und der Stelinger Straße entstand auf einer sieben Hektar großen ehemaligen Brachfläche das Projekt Kinderwald. Seit dem Frühjahr 2000 wurden von Kindern und Jugendlichen, unterstützt von Eltern und städtischen Mitarbeitern, 1.500 Bäume und Sträucher gepflanzt. Das Gelände dient als Spiel-, Entspannungs- und Naturraum.[2]

Stöcken[Bearbeiten]

Ein großer Teil Stöckens besteht aus drei- bis viergeschossiger Wohnbebauung mit großen Grünflächen, welche in der Nachkriegszeit entstanden sind. Die größten Unternehmen sind das Volkswagenwerk Hannover und die Continental AG. Einer der größten Friedhöfe Hannovers ist der Stadtfriedhof Stöcken. Im Stadtteil befindet sich die Feuer- und Rettungswache 2 der hannoverschen Berufsfeuerwehr. Die katholische St.-Christophorus-Kirche befindet sich ebenfalls in Stöcken, die evangelisch-lutherische Corvinuskirche wurde 2012 entwidmet.

Zum Stadtteil Stöcken gehört das Siedlungsgebiet Schwarze Heide, das als einziges Wohngebiet des Stadtbezirks nördlich der A 2 liegt.

Der berühmteste Einwohner Stöckens war Cord Broyhan. Er erfand 1526 ein helles Bier. Das nach ihm benannte obergärige Broyhan-Bier verschaffte der Stadt Hannover einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung und eine bedeutende Stellung auf dem Gebiet der damaligen Braukunst. Aus der Sitte, das Broyhan-Bier zusammen mit Branntwein zu trinken, entstand die Lüttje Lage. Im Siebenjährigen Krieg wurde Stöcken 1757 von französischen Truppen besetzt.

Von September bis November 1944 bestand in Stöcken ein Außenlager des KZ Neuengamme, das Konzentrationslager beim Continental-Werk mit rund 1.000 Gefangenen.

Bezirksrat[Bearbeiten]

Bei der Kommunalwahl vom 11. September 2011 wurde die SPD mit 46,5 % der Stimmen wieder die stärkste Partei im Stadtbezirk und stellt mit Marion Diener die Bezirksbürgermeisterin sowie mit Karlheinz Mönkeberg den stellvertretenden Bezirksbürgermeister. Da die SPD keine absolute Mehrheit im Bezirksrat mehr hat und sich mit den Grünen nicht auf eine Zusammenarbeit verständigen konnte, traf sie mit dem Einzelvertreter der Wählergemeinschaft Aktive für ein soziales Hannover (ASH) eine entsprechende Übereinkunft.[3] Der Bezirksrat Herrenhausen-Stöcken tagt etwa achtmal im Jahr öffentlich im Freizeitheim Stöcken.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Helmut Zimmermann: Vom Steintor bis nach Herrenhausen. Streifzüge durch Hannovers Geschichte, Harenberg-Labs, 1986
  • Robert Rasch (Pastor): Von Hageringehusen nach Herrenhausen. Ein kleines Stück Heimatgeschichte. Im Selbstverlag des Kirchenvorstandes 1931
  • Hans Blaume (Hrsg.): Von Hageringehusen nach Herrenhausen. 75 Jahre Kirchengemeinde Herrenhausen. Auf Anregung des Kirchenvorstandes, unter weitgehender Übernahme der Schrift von Robert Rasch 1931, überarbeitet 1967 von Walter Heinecke, fortgeführt u. hrsg. von H. Blaume. Hannover-Herrenhausen, Selbstverlag der Kirchengemeinde, 1981
  • Eva-Marie Möller und Martin Stöber: Das Alte Herrenhausen Hrsg.: Arbeitskreis Alt-Herrenhausen Hannover (Ellen Harenberg-Labs) 1986
  • Martin Stöber (Bearbeiter): Herrenhausen Ein Lesebuch. ecrivir, Hannover 2007, ISBN 3938769068
  • 100 Jahre Bundesbahn-Ausbesserungswerk Hannover-Leinhausen. 31.3.1978. Bundesbahn-Ausbesserungswerk, Hannover 1978
  • Otto Lauckert: Marienwerder. Hannover-Stöcken 1927
  • Verschiedene Autoren: Hannover-Burg Geschichte, Bilder und Geschichten um einen Stadtteil., zusammengestellt und herausgegeben von Heinz Watermann im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Stadtteilgeschichte Burg, Hannover-Burg 1989 ISBN 3980220117

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herrenhausen-Stöcken – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Geschichte Waldgasthaus Entenfang
  2. Website Kinderwald
  3. HAZ Stadt-Anzeiger Nord vom 24. November 2011

52.4094444444449.6677777777778Koordinaten: 52° 25′ N, 9° 40′ O