Herrenhof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Herrenhof (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Herrenhof
Herrenhof
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Herrenhof hervorgehoben
50.84305555555610.686944444444363Koordinaten: 50° 51′ N, 10° 41′ O
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Gotha
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Apfelstädtaue
Höhe: 363 m ü. NHN
Fläche: 4,4 km²
Einwohner: 802 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 182 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99887
Vorwahl: 036253
Kfz-Kennzeichen: GTH
Gemeindeschlüssel: 16 0 67 036
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Tambacher Str. 2
99887 Georgenthal
Bürgermeister: Axel Nagel (CDU)
Lage der Gemeinde Herrenhof im Landkreis Gotha
Ballstädt Bienstädt Brüheim Bufleben Crawinkel Dachwig Döllstädt Drei Gleichen Emleben Waltershausen Eschenbergen Friedrichroda Friedrichswerth Friemar Georgenthal Gierstädt Goldbach Gotha Gräfenhain Großfahner Günthersleben-Wechmar Haina Herrenhof Hochheim Hohenkirchen Hörsel (Gemeinde) Leinatal Luisenthal Molschleben Nesse-Apfelstädt Nottleben Ohrdruf Petriroda Pferdingsleben Remstädt Schwabhausen Sonneborn Tabarz Tambach-Dietharz Tonna Tröchtelborn Tüttleben Waltershausen Wangenheim Warza Westhausen Wölfis Zimmernsupra Thüringen Erfurt Ilm-Kreis Landkreis Schmalkalden-Meiningen Wartburgkreis Eisenach Unstrut-Hainich-Kreis Landkreis SömmerdaKarte
Über dieses Bild
Dorfkirche St. Petri in Herrenhof
Im Altarraum der Kirche während eines Singspiels von Jugendlichen

Herrenhof ist eine Gemeinde im thüringischen Landkreis Gotha. Sie ist Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Apfelstädtaue mit Sitz in Georgenthal.

Geografie[Bearbeiten]

Herrenhof ist eine Gemeinde mit einer Flächenausdehnung von ca. 440 ha. Der Ort hat ca. 850 Einwohner. Der Ort liegt am Nordhang des Thüringer Waldes an der Verbindungsstraße von Georgenthal nach Hohenkirchen. Im Südosten des Ortes liegt das Gewerbegebiet Ohrdruf-Hohenkirchen-Herrenhof.

Geschichte[Bearbeiten]

Herrenhof wurde erstmals urkundlich im Jahr 1126 genannt.[2] Um die Gemarkung Herrenhof stritten sich damals die Klöster Reinhardsbrunn und Georgenthal. Der Streit endete 1186 zugunsten von Georgenthal. Nach dessen Auflösung gehörte der Ort ab 1531 zum Amt Georgenthal, welches wiederum seit 1640 zum Herzogtum Sachsen-Gotha gehörte.

Herrenhof war 1674 von Hexenverfolgung betroffen. Marthe Landzin, 60 Jahre alt, Frau des ehemaligen Schultheißen Hans Landz, geriet unter dem Vorwurf des Besitzes eines Drachens in einen Hexenprozess und wurde verbrannt.[3]

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 5. September 2014 durch das Thüringer Landesverwaltungsamt Weimar genehmigt.

Blasonierung: „In Silber über gewelltem blauen Schildfuß eine rote, schwarzgefugte zweibogige Brücke, darauf an den Seiten je ein angeschnittenes rotes, schwarzbedachtes Fachwerkhaus mit goldenem Fenster und schwarzem angeschnittenen Torbogen, dazwischen aus der Brücke wachsend drei (2:1) wachsende blaue Leinblüten mit goldenen Butzen und grünen Stängeln und Blättern.“[4]

Die Wappensymbole erklären sich wie folgt: Geografisch gliedert sich Herrenhof in das Ober- und Unterdorf (repräsentiert durch die Fachwerkhäuser), die durch eine zweibogige Brücke über den Fluss Apfelstädt verbunden sind. Die Leinpflanzen beziehen sich auf den bis in Gegenwart betriebenen Flachsanbau.[5]

Gestaltet wurde das Wappen vom Kommunalheraldiker Jörg Mantzsch.

Die Farben der Gemeinde sind Rot-Weiß.

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Gemeinde Herrenhof ist rot-weiß gespalten und trägt das Gemeindewappen.[6]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Herrenhof ist Handwerk und Gewerbe angesiedelt, und die Zugehörigkeit zum gemeinsamen Gewerbegebiet Ohrdruf, Hohenkirchen und Herrenhof mit freien Kapazitäten lässt auf weitere Gewerbeansiedlungen hoffen.

Die Kirche[Bearbeiten]

Schon von 12. bis 17. Jahrhundert gab es in Herrenhof eine Kapelle. Erstmals erwähnt wurde sie 1143 in einer Urkunde des Klosters Reinhardsbrunn. Um die Gemarkung Herrenhof stritten sich damals die Klöster Reinhardsbrunn und Georgenthal. Der Streit endete 1186 zugunsten von Georgenthal. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die baufällig gewordene Kapelle durch einen Neubau von 1692 ersetzt. Vier Jahre später wurde die Kirche als Filial von Hohenkirchen eingeweiht. Der für Kirchgänger und Schulkinder aus dem Unterdorf (heutiger Bereich Georgenthaler Straße, Alte Straße, Schönauer Straße) beschwerliche Weg über (durch) die Apfelstädt unterhalb der Kirche wurde erst 1778 durch den Bau der befahrbaren Brücke erleichtert. Im Oberdorf von Herrenhof (Nauendorfer Straße) vernichtete ein Großfeuer in der Nacht vom 26. auf 27. Februar 1882 innerhalb kurzer Zeit fünf Wohnhäuser und neun Scheunen, auch die Vorgängerkapelle aus dem 17. Jahrhundert. Lediglich der massive Kirchturm, erst um 1839 nach einer testamentarischen 4000-Taler-Spende des Bürgers Johann Christian Beck fertiggestellt, entging der völligen Vernichtung. Der Neubau wurde auch aus Spendenmitteln wohlhabender Einwohner finanziert. Der Einwohner Johann Balthasar Cramer stiftete 1800 Mark für die Neuanschaffung einer Orgel, für den Fußboden, eine Glocke und einen Kronleuchter. Die Glocke überstand jedoch nicht den Zweiten Weltkrieg. In den 1970er Jahren offenbarten sich schwere Bauwerksschäden (Schwammbefall). 1975 wurde eine neue Orgel aus der Werkstatt von Rudolf Böhm aus Gotha eingebaut. Die Kirchgemeinde leistete 35.000 Arbeitsstunden, um ihr Gotteshaus zu sichern und in ein Gemeindezentrum umzubauen. Hierdurch bedingt, ist der Altarraum der Kirche im ersten Stockwerk, während im Erdgeschoss Gemeinderäume (Mehrzweckräume für Versammlungen, Jugendtreffs usw. sowie eine Küche) untergebracht sind. Sehenswert im Altarraum ist der vom Gräfenhainer Künstler Gert Weber geschaffene Wandschmuck, der den Fischzug des Petrus (Lk. 5,1 ff.) darstellt.[7] Mit den Gemeinden Hohenkirchen und Petriroda bildet Herrenhof ein gemeinsames Kirchspiel.

Partnerschaft[Bearbeiten]

Der Ort unterhält seit 1990 enge partnerschaftliche Beziehungen zu der Gemeinde Knüllwald in Hessen.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Entwicklung der Einwohnerzahl (31. Dezember):

  • 1994 – 853
  • 1995 – 884
  • 1996 – 877
  • 1997 – 853
  • 1998 – 844
  • 1999 – 848
  • 2000 – 863
  • 2001 – 852
  • 2002 – 838
  • 2003 – 823
  • 2004 – 819
  • 2005 – 821
  • 2006 – 819
  • 2007 − 837
  • 2008 – 807
  • 2009 – 793
  • 2010 – 784
  • 2011 – 795
  • 2012 – 796
  • 2013 – 802
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung der Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften nach Geschlecht in Thüringen (Hilfe dazu)
  2. Wolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza, 2010, ISBN 978-3-86777-202-0, S. 120
  3. Ronald Füssel: Die Hexenverfolgungen im Thüringer Raum, Veröffentlichungen des Arbeitskreises für historische Hexen- und Kriminalitätsforschung in Norddeutschland, Band 2, Hamburg 2003, S. 236f.
  4. Genehmigungsurkunde vom 5. September 2014, ausgestellt vom Thüringer Landesverwaltungsamt
  5. Jörg Mantzsch: Das Wappen der Gemeinde Herrenhof, Dokumentation zum Genehmigungsverfahren, Hinterlegt beim Landkreis Gotha 2014 (Gutachten: Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar)
  6. Genehmigungsurkunde vom 5. September 2014, ausgestellt vom Thüringer Landesverwaltungsamt
  7. Ellrich/Heinke/Hoerenz: Zwischen Hörsel und Wilder Gera, Weimar 2005, ISBN 3-86160-167-2

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herrenhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Gemeindeseite der VG Apfelstädtaue