Herrlingen

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48.42119.8967518Koordinaten: 48° 25′ 16″ N, 9° 53′ 48″ O

Herrlingen
Gemeinde Blaustein
Ehemaliges Gemeindewappen von Herrlingen
Höhe: 500–620 m
Fläche: 4,86 km²
Einwohner: 3222 (31. Dez. 2006)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 89134
Vorwahl: 07304

Herrlingen ist ein Teilort der Gemeinde Blaustein in Baden-Württemberg nahe Ulm.

Geographie[Bearbeiten]

Herrlingen liegt an der Mündung der Lauter in die Blau, rund acht Kilometer westlich von Ulm.

Geschichte[Bearbeiten]

Schloss Oberherrlingen (2007)

Das heutige Herrlingen geht auf den Bau der Burg Horningen (später: Schloss Oberherrlingen) im 11. oder 12. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1588 wurde durch die Herren von Bernhausen, die im Blautal mehrere Besitztümer hatten, die Burg Oberherrlingen zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Es wurde daraufhin zu deren ständigen Residenz. Das Schloss befindet sich heute in Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden.
siehe auch Burg Hohlenstein

Im Zuge der Gemeindereform wurde Herrlingen (mit Weidach) 1975 nach erbittertem Widerstand und verlorener Normenkontrollklage in die erst 1968 gegründete Gemeinde Blaustein eingemeindet.

Wappen[Bearbeiten]

Allgemein[Bearbeiten]

Das Herrlinger Wappen verlor durch die Bildung der Gemeinde Blaustein (im Zuge der Gemeindereform) seine rechtliche Bedeutung. Eines der beiden Hifthörner wurden jedoch für das 1978 neu geschaffene Blausteiner Wappen verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Das Herrlinger Wappen ist ein lediger schwarzer Schild. Vorne ist ein linksgewendetes mit der Schallöffnung nach oben weisendes goldenes Hifthorn mit goldener Fessel abgebildet, hinten ein rechtsgewendetes mit der Schallöffnung nach oben weisendes goldenes Hifthorn mit goldener Fessel. Begeben wurde das Wappen von den Herren von Herrlingen-Hörningen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Mit der Theaterei unter der Leitung von Wolfgang Schukraft besitzt Herrlingen eine erfolgreiche und bekannte Schauspielbühne mit 120 Plätzen. Seit 2010 gibt es in Ehrenstein während der Sommermonate die"Zelt-Theaterei" zwischen "Bad Blau" und dem Lixstadion.

Villa Lindenhof (erbaut 1905)

Der Lindenhof wurde als Landsitz für die Ulmer Industriellenfamilie Wieland 1905 vom Münchner Architekten Richard Riemerschmid im Jugendstil erbaut. Das Herzstück bildet die Villa Lindenhof. Inzwischen stehen im Lindenhof zusätzlich die Herrlinger Grund- und Hauptschule (Lindenhofschule) und die Sporthalle. Heute werden die Villa und das Sommerhaus von mehreren Vereinen als Vereinsheim genutzt. In der Villa ist zusätzlich das Rommel-Archiv, eine Ausstellung über das Leben von Erwin Rommel, untergebracht.

Landschulheim Herrlingen (Bild: um 1930)
Landschulheim Herrlingen (Bild: 2007)
Seit 1. Mai 1926 bestand das von Anna Essinger gegründete Landschulheim. Nach seiner Schließung 1933 war in den Gebäuden ein jüdisches Landerziehungsheim unter Leitung von Hugo Rosenthal untergebracht. Es war in diesen Jahren ein Zentrum jüdischen Lebens in Süddeutschland, zeitweise von über 100 Schülern besucht. Eine Lehrerin dort war Jennie Heymann[1].

Von Mai 1939 bis Juni 1942 dienten die Gebäude Wippinger Steige 13 und 28 als (Zwangs-)Altersheim, in das insgesamt 151 jüdische Bewohner verschiedener württembergischer Orte eingewiesen wurden. Über weitere Zwischenstationen wurden sie von der Gestapo - Stapoleitstelle Stuttgart - nach Theresienstadt deportiert.[2]


Turm der Katholischen Andreaskirche in Herrlingen
Der König von Württemberg finanzierte den Kirchenneubau

Die dem Apostel Andreas gewidmete Kirche in Herrlingen wurde erstmals 1275 genannt. Wegen Einsturzgefahr wurde sie jedoch in den Jahren 1813/14 abgetragen. Von dieser ehemaligen Kirche gibt es lediglich noch eine vage Zeichnung. Die heutige St. Andreaskirche wurde 1815 geplant und ist wesentlich größer als ihre Vorgängerin und steht etwas weiter von der Lauter entfernt als diese. Am 14. Oktober 1818 wurde die neue Kirche von Bischof Johann Baptist von Keller geweiht.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Steinbruch und B28 am Ortsrand von Herrlingen

Herrlingen ist geprägt durch den Abbau von Kalkstein. Ein großer Steinbruch (Betrieb der Märker-Gruppe) nebst den erforderlichen Hochöfen zum Brennen von Baukalk befindet sich am östlichen Ortsrand.

Hermann Holbein baute in Herrlingen von 1946 bis 1950 unter der Marke HH Rennfahrzeuge der Formel 2 mit BMW-Motoren und nahm an verschiedenen Rennen teil. Es wurden auch fast 300 Kleinwagen Champion gebaut [3].

Verkehr[Bearbeiten]

Herrlingen liegt direkt an der Bundesstraße 28 zwischen Ulm und Blaubeuren sowie an der Donautalbahn (Ulm–Donaueschingen). Mehrere Buslinien der DING (Donau-Iller-Nahverkehrsverbund) verbinden Herrlingen mit weiteren Teilorten der Gemeinde Blaustein sowie Ulm, Laichingen und weiteren Orten in der Umgebung.

Bildung[Bearbeiten]

In Herrlingen gibt es eine Grund- und Hauptschule (Lindenhofschule), die neuerdings Ganztagsschule ist, und einen Kindergarten. Weiterführende Schulen gibt es in Blaustein (Realschule) und Ulm bzw. Blaubeuren (Gymnasien).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Grabplatte des Marquard Anton von Bernhausen im Mortuarium des Eichstätter Domes
  • Marquard Anton von Bernhausen, Herr in Eppishausen, Klingenstein und Herrlingen, Kanoniker in den Fürstbistümern Eichstätt und Augsburg, † 1699 in Eichstätt
  • Anna Essinger leitete in Herrlingen ihr Landschulheim bis Herbst 1933. Die von Hugo Rosenthal bis Frühjahr 1939 als jüdisches Landschulheim fortgeführte reformpädagogische Einrichtung wurde von einem Zeitzeugen als Paradies in der Hölle beschrieben. Das Haupthaus des Landschulheims steht in der Erwin-Rommel-Steige 1.
  • Erwin Rommel, im Zweiten Weltkrieg unter anderem Oberbefehlshaber des deutschen Afrikakorps sowie der für die Verteidigung des „Westwalls“ zuständigen Heeresgruppe B, wohnte von Ende Oktober 1943 an mit seiner Familie in der Wippinger Steige 13 (heute: Erwin-Rommel-Steige). Das Haus gehörte ursprünglich zum Komplex des jüdischen Landschulheims bzw. Zwangs-Altersheims. Nach einer schweren Verwundung wurde er am 14. Oktober 1944 während eines Genesungsurlaubs von Generalleutnant Ernst Maisel und Wilhelm Burgdorf, dem Chefadjutanten Hitlers, zu Hause abgeholt und auf der Fahrt im Auto zwischen Herrlingen und Wippingen zum Selbstmord durch Einnahme von Zyankali gezwungen. Der vormalige „Lieblingsgeneral des Führers“ war bei Hitler in Ungnade gefallen, weil er kritische Lagevorträge zur Situation an der Westfront gehalten hatte. Er wurde zudem verdächtigt, am Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 beteiligt gewesen zu sein. An der Stelle, an der Rommel starb, befindet sich heute ein Gedenkstein. Rommel ist auf dem Herrlinger Friedhof begraben. In der Herrlinger Lindenhofvilla wurde 1989 ein Rommel-Museum eingerichtet, womit eine eher vorläufige Gedenkstätte in zwei Räumen des Herrlinger Rathauses abgelöst wurde.
  • Manfred Rommel, Sohn von Erwin Rommel, später Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart von 1974 bis 1996, lebte als Jugendlicher in seinem Elternhaus.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Joseph Walk (Hrsg.), Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. München : Saur, 1988 ISBN 3-598-10477-4, S. 151 und S. 316 (Hugo Rosenthal)
  2. Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier (Hrsg.): Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern. Stuttgart Schmetterling-Verlag 2013, ISBN 3-89657-145-1, S. 289ff.
  3. ZF auf der Messe „Klassikwelt“ in Friedrichshafen Pressemitteilung der Firma ZF

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herrlingen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien