Herrnhut
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Sachsen | |
| Landkreis: | Görlitz | |
| Höhe: | 344 m ü. NN | |
| Fläche: | 73,94 km² | |
| Einwohner: |
4768 (31. Dez. 2012)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 64 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 02747 | |
| Vorwahl: | 035873 | |
| Kfz-Kennzeichen: | GR, LÖB, NOL, NY, WSW, ZI | |
| Gemeindeschlüssel: | 14 6 26 180 | |
| Stadtgliederung: | Kernstadt, 12 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Löbauer Straße 18 02747 Herrnhut |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Willem Riecke (HL) | |
| Lage der Stadt Herrnhut im Landkreis Görlitz | ||
Herrnhut (tschechisch Ochranov) ist eine Landstadt im sächsischen Landkreis Görlitz in der Oberlausitz. Zentral zwischen den Städten Löbau und Zittau gelegen, ist sie als Gründungsort der Herrnhuter Brüdergemeine, die Produktion der Herrnhuter Sterne und die Aussendung von über 2.000 Missionaren bekannt.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte[Bearbeiten]
Ortsgeschichte[Bearbeiten]
Die Gründung von Herrnhut verdankt sich der Großzügigkeit und des persönlichen Engagements von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf. Er hatte 1722 Böhmischen Brüdern, Glaubensflüchtlingen aus Mähren, Aufnahme auf seinem Gut Berthelsdorf gewährt.
Doch die Geschichte Herrnhuts beginnt viel früher. 1457 entstand eine der ersten evangelischen Kirchen in Böhmen, die Unitas Fratrum oder Brüder-Unität. Die „Böhmischen Brüder“ beriefen sich auf den Reformator Jan Hus, der 1415 in Konstanz als Ketzer verbrannt wurde. Für ihre Gemeinschaft sollten einzig und allein die Aussagen der Bibel gelten. Infolge der Gegenreformation kamen sie Anfang des 18. Jahrhunderts als Glaubensflüchtlinge auf das Gut von Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf in der Oberlausitz. Er gewährte ihnen Asyl. Ihrer ausgeprägten Religiosität entsprechend stellten sie ihre Gemeinschaft unter die „Obhut des Herrn Jesus“ und nannten ihre Kolonie Herrnhut, wie es in der ersten urkundlichen Erwähnung, einem Schreiben des Gutsverwalter Heitz und auch im Gebet des Christian David zum Anbau des Ortes heißt (Psalm 84,4).
Die Ausstrahlung dieser neuen Arbeits- und Lebensgemeinschaft erreichte in kürzester Zeit Menschen aus anderen Kirchen. Dies beruht nicht zuletzt auf den besonderen Gaben des Grafen Zinzendorf, der seine vom Pietismus geprägte Theologie weiterentwickelte. Nach seinem Tod 1760 vererbte er den Brüdern das Schloss und das Gut.
Wegen Zuzugs wurde Herrnhut noch im 18. Jahrhundert eine administrative Gemeinde. Sie erlangte 1895 Selbständigkeit und erhielt 1929 das Stadtrecht.
1994 wurde die Nachbargemeinde Ruppersdorf/O.L. mit ihren Ortsteilen Schwan und Ninive eingemeindet. Am 1. Januar 2010 folgte die überschuldete Gemeinde Strahwalde mit ihrem Ortsteil Friedensthal[2], am 1. Januar 2011 die benachbarte Gemeinde Großhennersdorf mit ihren Ortsteilen Euldorf, Heuscheune, Neundorf auf dem Eigen und Schönbrunn. Zum 1. Januar 2013 folgte die Gemeinde Berthelsdorf mit dem Ortsteil Rennersdorf/O.L.
Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]
| Jahr | 1834 | 1871 | 1890 | 1910 | 1925 | 1939 | 1946 | 1950 | 1964 | 1990 | 2000 | 2010 |
| Einwohner | 899 | 1092 | 1139 | 1364 | 1664 | 1627 | 2024 | 2025 | 1808 | 1754 | 2842 | 4963 |
Nach dem sächsischen Landesrezess 1777 hatte Herrnhut 76 Häuser.[3]
Die Einwohnerzahl stieg Mitte des 19. Jahrhunderts über 1000 an und erreichte in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg die Marke von 2000. Seit den fünfziger Jahren gab es einen Bevölkerungsrückgang, der erst durch die Eingemeindungen kompensiert werden konnte.[3]
Religion[Bearbeiten]
Größte Religionsgemeinschaft ist die evangelische Kirchgemeinde Ruppersdorf. Herrnhut ist der Hauptsitz der Herrnhuter Brüdergemeine (Evangelische Brüder-Unität), die als Kirche unter dem Namen Moravian Church in 30 Ländern vertreten ist und auch heute noch tätige Missionsarbeit betreibt. Seit einigen Jahren gibt es auch Jugend mit einer Mission in Ruppersdorf (Ortsteil von Herrnhut). Darüber hinaus ist auch die katholische Kirche in Herrnhut vertreten.
Politik[Bearbeiten]
Stadtrat[Bearbeiten]
Die Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 führte bei einer Wahlbeteiligung von 53,6 % (+ 0,6) zu folgendem Ergebnis:[4]
| Partei / Liste | Stimmenanteil | +/− | Sitze | +/− |
| Herrnhuter Liste | 44,0 % | + 2,2 | 7 | + 1 |
| Bürgergemeinschaft Ruppersdorf | 36,4 % | + 5,9 | 5 | ± 0 |
| CDU | 9,8 % | − 7,9 | 1 | − 1 |
| Die Linke | 7,3 % | − 1,2 | 1 | ± 0 |
| Grüne | 2,4 % | – | – | – |
Wappen[Bearbeiten]
Blasonierung: „In Silber ein blauer Einberg, darauf innerhalb einer mittig offenen Umfassungsmauer ein dreibogiger blauer Rundturm mit umlaufender Dachbalustrade und zentralem flachkegelbedachtem Aufsatz mit pfeilförmiger silber-schwarzer Windfahne.“
Das Herrnhuter Wappen in dieser Form existiert seit 1980. Im Jahre 1929 erhielt der Ort ein neues Wappen mit dem altanartigen Aussichtsturm auf dem Hutberg als markantem Wahrzeichen der Stadt.[5] Das ältere Wappen: „In Silber auf grünem Einberg ein blauer Rundturm mit mittigem Eingang, dreibogiger Außenmauer, Dachbalustrade und zentralem flachkegelbedachtem Aufsatz mit goldener Turmkugel und Kreuz“. Hinter den Bogenöffnungen war der Turmkern zusehen, während das modernere Wappen den silbernen Schildhintergrund in den Bögen zeigt.
Im 19. Jahrhundert gab es ein völlig anderes Wappen: „In Silber ein Amboss auf wachsendem Holzstumpf in natürlichen Farben und perspektivischer Darstellung, waagerecht aufgesetzt ein schwarzer Fäustel und ein schwarzer Hammer mit auwärtsgekehrten Stielen in natürlichen Farben.“ Das Wappen stand mit der Waldenserbewegung in Verbindung.
Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]
Es bestehen Partnerschaften zwischen Herrnhut und den Gemeinden Bad Boll in Baden-Württemberg, Suchdol nad Odrou in Tschechien und Karlstetten in Niederösterreich.
Geographie[Bearbeiten]
Stadtgliederung[Bearbeiten]
Durch die Eingliederung der Gemeinden Ruppersdorf, Strahwalde, Großhennersdorf und Berthelsdorf hat die Stadt Herrnhut neben dem Kernort inzwischen zwölf Ortsteile:
- Herrnhut (ursprüngliche Stadt)
- Ninive
- Ruppersdorf
- Schwan
- Friedensthal
- Strahwalde
- Euldorf
- Großhennersdorf
- Heuscheune
- Neundorf auf dem Eigen
- Schönbrunn
- Berthelsdorf
- Rennersdorf
Wirtschaft[Bearbeiten]
- Abraham-Dürninger-Stiftung als bedeutendstes Wirtschaftsunternehmen
- Manufaktur zur Herstellung der weltweit bekannten Herrnhuter Sterne
Verkehr[Bearbeiten]
Die Bundesstraße 178 führt unmittelbar durch die Stadt. Aufgrund der hohen Verkehrsbelastung, auch durch den Beitritt der Tschechischen Republik zur Europäischen Union, befindet sich ein Straßenbauprojekt für eine neue B 178 in Planung, Teile davon sind bereits fertiggestellt.
Der Abschnitt Löbau-Oberoderwitz der früheren Bahnstrecke Zittau–Löbau wird seit 1998 nicht mehr bedient.
Bis 1945 war Herrnhut Ausgangspunkt einer Schmalspurbahn nach Bernstadt, welche als Reparationsleistung für die Sowjetunion abgebaut wurde.
Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]
- Kirchensaal (Großer Saal) der Brüdergemeine von 1756, Barock (1945 zerstört, 1951–53 wieder aufgebaut)
- Vogtshof von 1730, 1746 schlossartig erweitert, Sitz der Evangelischen Brüder-Unität, Europäisch-Festländische Provinz, mit dem Sitzungssaal im 1.OG, in dem jährlich die Losungen der Herrnhuter Brüdergemeine gezogen werden
- Unitätsarchiv mit Bibliothek und Lesesaal, darin zeitweise Vorträge und Symposien
- Gildenhaus mit Verkaufsausstellungen der Herrnhuter Künstlergilde
- Gottesacker der Brüdergemeine am Hutberg mit den Gräbern der Familie Zinzendorf
- Skulpturenpfad zwischen Herrnhut und Großhennersdorf
Museen[Bearbeiten]
- Völkerkundemuseum Herrnhut
- Herrnhuter Heimatmuseum
Bauwerke[Bearbeiten]
- der Vogtshof (abgebildet)
- das Witwenhaus
- barocke Bürgerhäuser
- der Zinzendorfplatz mit Kirchenensemble
- das Unitätsarchiv
- Wasserschloss im Ortsteil Ruppersdorf
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
- Christian David (1690–1751)
- Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (1700–1760)
- Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf (1700–1756)
- August Gottlieb Spangenberg (1704–1792)
- Abraham Dürninger (1706–1773)
- Otto Uttendörfer (1870–1954), Theologe und Ornithologe, erlangte Verdienste durch die systematischen Untersuchungen der Ernährung europäischer Greifvögel und Eulen
Söhne und Töchter des Ortes[Bearbeiten]
- Renatus von Zinzendorf (1727–1752), Kirchenliederdichter
- Christian Friedrich Quandt (1766–1806), deutscher Arzt und Schriftsteller
- Adolf Heinrich Lier (1826–1882), Landschaftsmaler
- Hugo Theodor Christoph (1831-1894), Entomologe
- Herbert Fischer (1914–2006), Botschafter der DDR in Indien
- Martin Clemens (*1939), sächsischer Politiker (CDU) und ehemaliger Abgeordneter des Sächsischen Landtags
- David Gill (* 1966), Chef des Bundespräsidialamtes unter Joachim Gauck
Sonstiges[Bearbeiten]
Herrnhut ist auch wegen der Herrnhuter Sterne bekannt, die seit 150 Jahren hergestellt werden und mittlerweile eine beliebte Weihnachtsdekoration darstellen.
Weite Verbreitung erlangte das Herrnhuter Kleisterpapier, ein Buntpapier, das in der Brüdergemeine hergestellt wurde. Es handelte sich anfangs um ein Nebenprodukt bei der Textilherstellung, wobei die für die Tuche verwendeten Farben (vor allem blau – Indigo wurde in der Lausitz angebaut –, rot und oliv) für einfarbige Kleisterpapiere Verwendung fanden. Das Papier war unverwechselbar durch die Einfarbigkeit mit geometrischen Mustern, die mit unterschiedlichen Gerätschaften (Kämmen, Stäben) erzeugt wurden.
Aus Herrnhut stammt eine heute in Deutschland weit verbreitete Apfelsorte, der Schöne von Herrnhut.
Quellen und weiterführende Literatur[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Cornelius Gurlitt: Herrnhut. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 34. Heft: Amtshauptmannschaft Löbau. C. C. Meinhold, Dresden 1910, S. 176.
- Kurt Hager: Herrnhut. in: Mitteilungen des Landesverein Sächsischer Heimatschutz Band XXV, Heft 1–4/1936, Dresden 1936, S. 61–81
- Enno Kayser: Gartenhäuser in Herrnhut - Kleinode im Grünen, Hasenverlag, Halle 2010 ISBN 978-3-939468-12-7
- G. Korschelt: Nachtrag zur Geschichte von Herrnhut. Zittau 1859 (Digitalisat)
- Falk Lorenz: Felder der Besinnung. Gottesacker Herrnhut und Eine Achse in der Landschaft. Herrschaftsgarten Herrnhut. In: Ernst Panse (Hrsg.): Parkführer durch die Oberlausitz. Lusatia Verlag, Bautzen 1999; S. 203–210; ISBN 3-929091-56-9.
- Dietrich Meyer: Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine 1700–2000. Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2000 ISBN 978-3-525-34019-6
- Frank Seeliger: „Einer prügelt uns und der andere bringt uns Religion …“: eine ethnohistorische Studie über Fremdheitserfahrungen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts im tibetisch-buddhistischen West-Himalaya-Gebiet Lahoul aus Sicht Herrnhuter Missionare. Herrnhuter Verlag, 2003, ISBN 3-931956-17-2
- Herrnhut. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 4. Band, Zwickau 1817, S. 24–38.
Fußnoten[Bearbeiten]
- ↑ Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2012 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010
- ↑ a b Herrnhut im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
- ↑ Stadt Herrnhut
- ↑ Heraldry of the World - Deutsche Gemeindewappen
Weblinks[Bearbeiten]
- Website der Stadt Herrnhut
- Alte Ansichten von Herrnhuter Sehenswürdigkeiten
- MDR-Sendereihe "Geschichte Mitteldeutschlands" Steckbrief Evangelische Brüder-Unität
- Homepage des Völkerkundemuseums
- [1]
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