Herscheid

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Herscheid
Herscheid
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Herscheid hervorgehoben
51.1772222222227.7458333333333430Koordinaten: 51° 11′ N, 7° 45′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Märkischer Kreis
Höhe: 430 m ü. NHN
Fläche: 59,39 km²
Einwohner: 7228 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 122 Einwohner je km²
Postleitzahl: 58849
Vorwahl: 02357
Kfz-Kennzeichen: MK
Gemeindeschlüssel: 05 9 62 020
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Plettenberger Straße 27
58849 Herscheid
Webpräsenz: www.herscheid.de
Bürgermeister: Uwe Schmalenbach (parteilos)
Lage der Gemeinde Herscheid im Märkischen Kreis
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Über dieses Bild
Rathaus Herscheid

Herscheid (westfälisch: Hiärschge) ist eine Gemeinde in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Märkischen Kreis.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Herscheid liegt in der bergigen Landschaft des Sauerlandes am Rande des Rheinischen Schiefergebirges. Die Gemeinde gehört zum Märkischen Kreis. Südlich der Gemeinde erhebt sich die Nordhelle, mit 663 m der höchste Berg im Naturpark Ebbegebirge. Dort entspring der Oesterbach der an der östlichen Ortsgrenze zur Oestertalsperre aufgestaut wird. Die Verse- und Fürwiggetalsperre liegen westlich von Herscheid. Auf der Gasmert (534 m ü. NN), teilweise auf Herscheider Gemeindegebiet liegend, begrenzt dieses westlich. Im Nordwesten fließt die Schwarze Ahe, die in Werdohl-Altenmühle in die Verse mündet. Leicht außerhalb des Herscheider Zentrums fließt der Bruchbach, der im Naturschutzgebiet „Auf dem Roten Schlote“ entspringt, östlich vom Zentrum in die Weisse Ahe mündet und in Hüinghausen in die Else fließt. Nördlich reicht das Gemeindegebiet bis zum Sirriner Berg (460 m. ü. NN) und zur Osthelle (418 m. ü. NN).

Nachbarstädte[Bearbeiten]

Nachbarstädte von Herscheid sind Werdohl (im Norden), Plettenberg (im Osten), Attendorn (im Südosten), Meinerzhagen-Valbert (im Süden) und Lüdenscheid (im Westen). Mit Ausnahme der Stadt Attendorn, die bereits im Kreis Olple liegt, gehören die übrigen Nachbarstädte zum Märkischen Kreis.

Geschichte[Bearbeiten]

1072 übereignete der Kölner Erzbischof Kirche und Ort dem neu gegründeten Kloster Grafschaft. In der Folge verbündete sich Herscheid gegen den Erzbischof mit den Grafen von der Mark und erhielt dafür Privilegien wie ein eigenes Richteramt, Holz-, Jagd- und Fischereirechte. Der Ort wurde Sitz eines Freigerichtes, welches bisweilen auch mit weit überregional bedeutsamen Verfahren befasst war. Im Dreißigjährigen Krieg und zwei großen Dorfbränden, 1686 und 1862, wurde die ältere Bausubstanz weitgehend vernichtet. Teilweise verschont blieb lediglich die massive heutige Apostelkirche. Folglich wurde auch der Wiederaufbau nach 1862 überwiegend in Massivbauweise vorgenommen. Neben der Landwirtschaft in den zahlreichen Weilern besaß im Gemeindegebiet seit jeher die Erzgewinnung und Metallverarbeitung Bedeutung. Davon zeugen etwa am Silberg alte Bergbaustollen und im Ahe- und Elsetal die traditionellen Gewerbestandorte in der Nachfolge vor- und frühindustrieller Produktionsstätten wie des Schwarze-Ahe-Hammers.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen vor allem die Siedlungsschwerpunkte Herscheid-Dorf und Hüinghausen stark. Größere Einfamilienhausgebiete entstanden, und durch einen verbesserten Straßenausbau wurde Herscheid auch für in Lüdenscheid oder Plettenberg tätige Berufspendler als Wohnort interessant.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1969 wurden Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Lüdenscheid-Land eingegliedert.[2]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Wahl vom 30. August 2009 (Wahlbeteiligung: 55,4 %):

  • CDU 36,7 % – 8 Sitze
  • SPD 32,7 % – 7 Sitze
  • UWG 15,5 % – 4 Sitze
  • FDP 10,1 % – 2 Sitze
  • Grüne 5,0 % – 1 Sitz

Wahl vom 26. September 2004 (Wahlbeteiligung: 58,8 %):

  • CDU 40,4 % – 9 Sitze
  • SPD 31,0 % – 7 Sitze
  • Grüne 4,9 % – 1 Sitz
  • FDP 8,0 % – 2 Sitze
  • UWG 15,6 % – 3 Sitze

Wappen[Bearbeiten]

Wappen der Gemeinde Herscheid

Blasonierung
Das Wappen zeigt in Gold den von Rot und Silber in drei Zeilen geschachten Balken des Grafen von der Mark, aus dem ein wachsender roter Hirsch aufsteigt.[3]

Beschreibung
Das Wappen der Gemeinde Herscheid zeigt das Schachbrettmuster der Grafschaft Mark. Darüber ist ein Hirsch abgebildet, welcher ebenso wie der Jäger im Wappen der ehemaligen Gemeinde Valbert die Jagdprivilegien symbolisiert, die den Gemeinden von Herzog Johann III. von Kleve verliehen wurden. Daneben verweist er auch auf eine Interpretation des Ortsnamens, welcher auf „Hirsch“ zurückgehen soll. Das Wappen wurde der Gemeinde 1935 verliehen und geht auf einen seinerzeitigen Entwurf von Professor O. Schupp zurück.[4]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten]

Evangelische Apostelkirche
Spieker
  • Apostelkirche: Die Anfänge des heutigen Kirchenbaues fallen in die Zeit des 11. Jahrhunderts. Die Kirche wurde erstmals 1072 erwähnt, als Erzbischof Anno II. von Köln sie dem neu gegründeten Kloster Grafschaft schenkte. Die romanische Kirche stellt eine dreischiffige Hallenkirche mit einem angedeuteten Querschiff, einem spätgotischen Chor und einem Westturm dar. Der ehemalige spätgotische Altar vom Ende des 15. bzw. Beginn des 16. Jahrhunderts befindet sich seit 1881 nicht mehr in der Kirche und steht jetzt im Burgmuseum Altena. Seit 1971 trägt die Kirche den Namen „Apostelkirche“. Anlass für diese Benennung waren die das innere der Kirche schmückenden Kunstwerke: Zum einen das die Apostel der Kirche darstellende Fresko an der nördlichen Chorraumwand; zum anderen die Figuren in den Nischen rechts und links des Chorraumes sowie an der Turmwand; zum dritten die heute die Wände der Kirche schmückenden Apostelbilder aus der Barockzeit.Ohne Zweifel das wertvollste Stück dürfte das Chorgestühl aus dem Jahre 1548 sein.
  • Spieker: Ein Wahrzeichen für die Ebbegemeinde ist der 300 Jahre alte Spieker. Das Fachwerkgebäude diente dazu, die Naturalien aufzunehmen, die an die Kirche abgeführt werden mussten. Der bauliche Ursprung datiert wahrscheinlich in das 17. Jahrhundert. Das eigentliche Hauptgebäude ist um 1800 in seiner jetzigen Form entstanden.
  • Ahe-Hammer: Der Ahe-Hammer zählt zu den schönsten technischen Kulturdenkmalen der Bundesrepublik. Der Hammer wurde bereits 1562 erstgenannt. Bis zum Jahr 1942 wurde er von der Familie Brünninghaus betrieben. Hier wurde das Osemundeisen hergestellt, aus dem anschließend der Draht gezogen wurde. Die beiden Hämmer werden direkt über ein eigenes Wasserrad angetrieben, ein zweites Wasserrad dient für die Winderzeugung an den beiden Schmiedefeuern. Die gesamte Anlage kann heute noch betrieben werden. 1950 ist sie bereits als museales Schaustück eingerichtet worden.
  • Robert-Kolb-Turm

Museen[Bearbeiten]

Vom Ortsteil Hüinghausen aus verkehrt die Märkische Museums-Eisenbahn nach Plettenberg-Köbbinghauser Hammer. Der Spieker ist im Jahre 2009 in den Besitz der Gemeinde übergegangen. Er wird liebevoll betreut vom Geschichts- und Heimatverein und ist in regelmäßigen Abständen an den Wochenenden oder auf Anfrage zu besichtigen.

Natur[Bearbeiten]

Der Waldlernpfad auf der Nordhelle (Ebbegebirge) und der Grubenlehrpfad am Silberg ermöglichen geführte Erkundungen. Am Schellhorn gibt es eine Schiefergrube und im Ortsteil Schönebecke eine Kalksteinhöhle (Mittelhöhle - 118 m), die aber als Fledermausreservat für den Publikumsverkehr mit einem Gitter verschlossen wurde.

Sport[Bearbeiten]

Durch die bergige Landschaftsform ist an der Nordhelle, an der bei entsprechender Schneelage ein Lift betrieben wird, auch alpiner Wintersport möglich. Hier befindet sich auch die 12 km lange Ebbekammloipe. Im Sommer laden die nahe gelegenen Talsperren zum Inline-Skaten, Radfahren und Spazieren gehen ein. Im Warmwasserfreibad kann Schwimmsport betrieben werden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Unternehmen[Bearbeiten]

Die Herscheider Industrie ist vornehmlich durch Zulieferbetriebe für die Automobilbranche geprägt. Mit der Gustav Alberts GmbH (GAH) ist ferner ein führender Hersteller für Haus- und Gartenprodukte in der Gemeinde ansässig.[5]

Verkehr[Bearbeiten]

Herscheid liegt seit jeher abseits großer Verkehrswege. 1832 wurde eine regelmäßige Postkutschenverbindung mit Lüdenscheid und Plettenberg hergestellt. 1846/1847 wurde eine Straße zwischen beiden Nachbarstädten über Herscheid als Chaussee ausgebaut.[6]

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Bahnhof Hüinghausen

Seit der Stilllegung des Personenverkehrs auf der Bahnstrecke Plettenberg–Herscheid im Jahr 1965 (für den Güterverkehr 1969) ist Herscheid im öffentlichen Nahverkehr nur noch per Bus erreichbar. Die Anbindung erfolgt heute überwiegend durch die Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) und durch den Bürgerbus Herscheid. Mit den Buslinien 54 (Regionalbuslinie), 254 (Schulbuslinie) und N7 (Nachtbuslinie) sind die Nachbarstädte Plettenberg und Lüdenscheid sowie der Bahnhof Plettenberg und Bahnhof Lüdenscheid in jeweils zirka 20 - 30 Minuten erreichbar.

Am Anfang des 20. Jahrhunderts bestanden Planungen, die Volmetalbahn (Bahnstrecke Hagen–Dieringhausen) über eine Strecke im Stadtgebiet von Lüdenscheid und Herscheid mit der Bahnstrecke Plettenberg–Herscheid zu verbinden und so eine Verbindung zwischen Volme- und Lennetal zu schaffen. Diese scheiterten jedoch an den hohen Baukosten. Die Erdarbeiten seien damals bereits über Herscheid hinaus erfolgt. Im Zuge des Ersten Weltkriegs seien die Planungen allerdings nicht weiter verfolgt worden, da die notwendigen Finanzmittel fehlten. In den 1920er Jahren habe die die Gemeinde Herscheid versucht, den Bau der Bahn wieder zu beleben. Aber spätestens mit Einsetzen der rapiden Inflation im Zuge der Weltwirtschaftskrise habe sich das Thema Eisenbahnbau damals erledigt. Die Frequentierung des fertiggestellten Teilstückes bieb bis zur Stilllegung 1965 für den Personenverkehr gering.

Der Streckenabschnitt hätte rund 33,9 Kilometer umfasst. Aufgrund der gebirgigen Topographie im Sauerland sah die Planung mächtige Tunnelbauten, Brückenbauwerke oder Unterführungen vor, wie etwa auf dem Höhenrücken zwischen dem Verse- und dem Ahetal, wo ein Tunnel von 650 Metern Länge vorgesehen war. Ein weiterer Tunnel wäre in Herscheid von der Helle bis unterhalb der Schützenhalle verlaufen, mit einer Länge von ca. 300 Metern. Insgesamt waren vier Tunnel mit einer Gesamtlänge von 2175 Metern geplant. Die veranschlagten Kosten für die Tunnel beliefen sich in Höhe von 1,84 Millionen Mark. Die Gesamtkosten für die Bahnstrecke bezifferte die Königliche Eisenbahndirektion auf insgesamt 9,8 Millionen Mark, pro Eisenbahnkilometer wären das 289.100 Mark gewesen.[7]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Die B 229 verläuft im Versetal in unmittelbarer Nähe des Gemeindegebietes.

Nächstgelegene Autobahnabfahrt mit einer Ausschilderung Herscheids ist Lüdenscheid Süd an der A 45.

Flugverkehr[Bearbeiten]

Im Ortsteil Hüinghausen befindet sich der Flugplatz Plettenberg-Hüinghausen.

Bildung[Bearbeiten]

Die Hauptschule Herscheid ist die einzige Schule am Ort, an der sämtliche Abschlüsse vom Hauptschulabschluss bis zur Fachoberschulreife mit Qualifikation für die gymnasiale Oberstufe möglich sind. Ferner gibt es in Herscheid zwei Grundschulen. Die Volkshochschule Volmetal bietet in Herscheid eine große Anzahl Kurse in den Räumen der Hauptschule an.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Kriegerdenkmal

Söhne und Töchter der Gemeinde[Bearbeiten]

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben[Bearbeiten]

  • Paul Gerhard Prolingheuer, Rektor von 1959 bis 1988, Begründer der VHS Herscheid (Altenkreis, Wein und Kultur)

Literatur[Bearbeiten]

  • Heimatbund Märkischer Kreis: Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis. Bearbeitet von Ulrich Barth, Ehnar Hartmann, August Kracht. 1. Auflage, Balve 1983, S. 206 ff (Geschichte) ISBN 3-89053-000-1
  • Sauerland-Verlag Iserlohn (Hrsg.): Naturpark Ebbegebirge – Das Ausflugs- und Naherholungsziel vor der Haustür (mit 52 Fotos, 11 Zeichnungen und 6 Karten), herausgegeben zu zehnjährigen Bestehen des Naturparks Ebbegebirge, Iserlohn 1974, ISBN 3-87695-109-7

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungszahlen auf Basis des Zensus vom 9. Mai 2011. Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT.NRW), abgerufen am 31. Juli 2013. (Hilfe dazu)
  2.  Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 76.
  3. § 2 Abs. 1 der Hauptsatzung der Gemeinde Herscheid (PDF; 94 kB)
  4. vgl. Heimatbund Märkischer Kreis: Kunst- und Geschichtsdenkmäler im Märkischen Kreis. Bearbeitet von Ulrich Barth, Ehnar Hartmann, August Kracht. 1. Auflage, Balve 1983, ISBN 3-89053-000-1, Seite 208.
  5. Gemeinde Herscheid: Informationen zum Wirtschaftsstandort Herscheid, abgerufen am 24. Juni 2014
  6. vgl. Kulturamt Lüdenscheid/Hrsg. (1951): „Buch der Bergstadt Lüdenscheid“, S. 86, 88
  7. Artikel aus der Westfälischen Rundschau vom 29. Januar 2013: "Eisenbahn - Züge sollten bis Lüdenscheid fahren"

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herscheid – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien