Herwig Wolfram

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Herwig Wolfram (* 14. Februar 1934 in Wien) ist ein österreichischer Mediävist.

Herwig Wolfram studierte von 1952 bis 1957 an der Universität Wien die Fächer Geschichte und Latein und wurde 1957 promoviert. 1959 bis 1961 war Wolfram Universitätsassistent am Historischen Institut der Universität Wien und 1962 bis 1969 am Institut für Österreichische Geschichtsforschung. 1966 erfolgte seine Habilitation an der Philosophischen Fakultät der Universität Wien. Er war im Studienjahr 1968/69 Gastprofessor in University of California, Los Angeles und kehrte danach viele Male als solcher in die USA zurück. Wolfram lehrte vom Wintersemester 1969/70 bis zu seiner Emeritierung zum 1. Oktober 2002 als ordentlicher Professor Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Wien. Von 1983 bis 2002 war er Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung.

Forschungsschwerpunkte Wolframs sind:

  • (Früh- und Hoch-)Mittelalter und Historische Hilfswissenschaften
  • Ethnogenesen; sein Werk über die Goten, das in gewisser Hinsicht den Anregungen von Reinhard Wenskus folgt, ist zu einem Standardwerk geworden, das von 1979 bis 2009 fünf Auflagen und Übersetzungen ins Amerikanische, Italienische, Französische, Polnische und Russische erlebte[1].
  • Diplomatik
  • Frühgeschichte der germanischen Völker, die Umgestaltung der römischen Welt und die Entstehung der europäischen Völker
  • Frühmittelalterliche Geschichte des Ostalpen- und Donauraums
  • Fragen der antiken Kontinuität

Wolfram gab zwischen 1994 und 2006/13 eine 15-bändige Österreichische Geschichte heraus und ist Herausgeber der Buchreihe Frühe Völker im Verlag C. H. Beck.

Herwig Wolfram ist Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, korrespondierendes Mitglied (k. M.) der Monumenta Germaniae Historica und war langjährig von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften delegiertes Mitglied ihrer Zentraldirektion, k. M. der Medieval Academy of America, der British Academy und der Royal Historical Society sowie Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst (2000). 2011 wurde Wolfram mit dem Kardinal-Innitzer-Preis ausgezeichnet.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Splendor Imperii. Die Epiphanie von Tugend und Heil in Herrschaft und Reich Böhlau, Wien 1963.
  • Intitulatio I. (Wien 1967) und II (Wien 1972).
  • mit Christiane Thomas (Hrsg.): Die Korrespondenz Ferdinands I. mit seinen Geschwistern Karl V. und Maria von Ungarn in den Jahren 1531/32, Wien 1973, 1977, 1984 (Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 3, 1-3).
  • Geschichte der Goten. Entwurf einer historischen Ethnographie, C. H. Beck, München 1979, 2. Aufl. 1980, unter dem Titel: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. 3. und 4. und 5. Aufl. (1990/2001/2009), Italienische, amerikanische, französische und russische Übersetzungen. Überarbeitet und gekürzt als Beck'sche Sonderausgabe (München 1983).
  • Das Reich und die Germanen. Zwischen Antike und Mittelalter, Siedler, Berlin 1990, 2. Aufl. 1992 Siedler Deutsche Geschichte. Englische Übersetzung 1997.
  • Österreichische Geschichte 378–907: Grenzen und Räume. Geschichte Österreichs vor seiner Entstehung, Ueberreuter, Wien 1995.
  • Salzburg, Bayern, Österreich. Die Conversio Bagoariorum et Carantanorum und die Quellen ihrer Zeit. Wien 1995.
  • Die Germanen, C. H. Beck, München 1995 (Beck'sche Reihe Wissen) 9. überarbeitete Aufl. 2009, ISBN 978-3-406-59004-7. Polnische (2009) und italienische Übersetzung (2005).
  • Konrad II. Kaiser dreier Reiche, C. H. Beck, München 2000. Englische Übersetzung, Penn State Press 2006.
  • Die Goten und ihre Geschichte, C. H. Beck, München 2001 (Beck'sche Reihe Wissen) 3. Aufl. 2010. Spanische und bulgarische Übersetzungen.
  • Gotische Studien. Volk und Herrschaft im Frühen Mittelalter. C. H. Beck, München 2005
  • Die 101 wichtigsten Fragen. Germanen, C. H. Beck, München 2008.
  • Origo. Ricerca dell`origine e dell`identità nell`Alto Medioevo. übersetzt von Giuseppe Albertoni, Trento 2008 (Labirinti 112).
  • mit Georg Kugler: 99 Fragen an die Geschichte Österreichs, Ueberreuter, Wien 2009.
  • Conversio Bagoariorum et Carantanorum. Das Weißbuch der Salzburger Kirche über die erfolgreiche Mission in Karantanien und Pannonien. Herausgegeben, übersetzt, kommentiert und um die Epistola Theotmari wie um Gesammelte Schriften zum Thema ergänzt. 3. Aufl. Ljubljana/Laibach 2013, ISBN 978-3-7086-0793-1.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Fellner, Doris A. Corradini (Hrsg.): Österreichische Geschichtswissenschaft im 20. Jahrhundert. Ein biographisch-bibliographisches Lexikon. (= Veröffentlichungen der Kommission für Neuere Geschichte Österreichs 99). Böhlau, Wien u. a. 2006, ISBN 978-3-205-77476-1, S. 462.

Weblinks[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Teilweise andere Positionen vertrat etwa Peter J. Heather (Goths and Romans, Oxford 1991), bezog sich aber dabei auf die englische Übersetzung, die auf den beiden ersten Auflagen von 1979/80 beruhte, und nicht auf die ab 1990 folgenden, um rund 100 Seiten erweiterten Auflagen.