Herznach

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Herznach
Wappen von Herznach
Staat: Schweiz
Kanton: Aargau (AG)
Bezirk: Laufenburgw
BFS-Nr.: 4166i1f3f4
Postleitzahl: 5027
Koordinaten: 646192 / 25842847.4749998.051397413Koordinaten: 47° 28′ 30″ N, 8° 3′ 5″ O; CH1903: 646192 / 258428
Höhe: 413 m ü. M.
Fläche: 6.26 km²
Einwohner: 1400 (31. Dezember 2013)[1]
Einwohnerdichte: 224 Einw. pro km²
Ausländeranteil: 12,1 % (31. Dezember 2013)[2]
Website: www.herznach.ch
Herznach

Herznach

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Herznach (schweizerdeutsch: ˈhɛrtsnɑχ)[3] ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Laufenburg des Schweizer Kantons Aargau. Sie liegt im Südosten der Region Fricktal.

Geographie[Bearbeiten]

Das Dorf liegt im Staffeleggtal, einem Seitental der Sissle. Das Gemeindegebiet befindet sich in der Übergangszone zwischen dem Tafeljura im Norden und dem Faltenjura im Süden. Herznach besteht aus zwei Dorfteilen, dem Unterdorf rund um den Kirchenbezirk und dem Oberdorf rund um die ehemalige Mühle. Beide Dorfteile sind in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zusammengewachsen. Das enge Tal wird begrenzt durch den Halbegschneid (531 m ü. M.) im Westen, der Egg (604 m ü. M.) im Südwesten, dem Sarbe (540 m ü. M) im Südosten und dem Dürreich (509 m ü. M.) im Nordosten. Vom Haupttal zweigen zwei Täler ab: In Richtung Osten erstreckt sich das Startlebachtal bis auf die Hochebene zwischen Dürreich und Sarbe. Das Haugertal führt zwischen Halbegschneid und Egg hindurch auf die ausgedehnte Kornbergebene im Westen.[4]

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 626 Hektaren, davon sind 154 Hektaren bewaldet und 72 Hektaren überbaut. Der höchste Punkt liegt auf dem Gipfel der Egg auf 604 Metern, der tiefste auf 405 Metern am Staffeleggbach.

Nachbargemeinden sind Ueken im Norden, Zeihen im Osten, Densbüren im Süden, Wölflinswil im Westen und Gipf-Oberfrick im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten]

Die röm.-kath. Kirche von Herznach

Einzelne Funde weisen auf eine Besiedlung während der Jungsteinzeit und der Zeit des Römischen Reiches hin. Die erste urkundliche Erwähnung von Hercenahc erfolgte im Jahr 1097. Der Ortsname stammt vom spätlateinischen (praedium) Artinacum und bedeutet «dem Artinius gehörendes Landgut».[3] Die Landesherrschaft lag ursprünglich bei den Grafen von Homberg, spätestens ab 1306 bei den Habsburgern. Nach Herznach nannte sich im 12. und 13. Jahrhundert ein Ministerialengeschlecht. Ihre Burg, die auf den Fundamenten eines Herrenhofes aus dem 7. bis 10. Jahrhundert errichtet worden war, fiel 1356 beim Basler Erdbeben in sich zusammen; der Standort wird auf dem Kirchhügel vermutet.

Die Habsburger verpfändeten nach dem Waldshuterkrieg von 1468 das gesamte Fricktal an Burgund. Als die Burgunder von den Eidgenossen während der Burgunderkriege vernichtend geschlagen worden waren, kam Herznach 1477 wieder unter österreichische Herrschaft. Nach der Reichsreform des Kaisers Maximilian I. im Jahr 1491 gehörte Herznach zu Vorderösterreich und lag in der Landschaft Fricktal, einer untergeordneten Verwaltungseinheit der Kameralherrschaft Rheinfelden im Oberamt Breisgau.

Während des Schwabenkriegs von 1499 zogen Berner und Freiburger Truppen plündernd durch die Dörfer nördlich der Staffelegg bis hinunter nach Frick. Ab 1502 lag Herznach an der Grenze zum Berner Aargau, nachdem Bern das südlich gelegene Nachbardorf Densbüren in Besitz genommen hatte. Im 17. Jahrhundert gab es kaum längere Friedenszeiten. Der Rappenkrieg, ein Bauernaufstand, dauerte von 1612 bis 1614. Der Dreissigjährige Krieg, der zwischen 1633 und 1638 auch das Fricktal erfasste, warf das Dorf in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Auch während des Pfälzischen Erbfolgekriegs (1688–1697) zogen fremde Truppen durch die Region. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde in Herznach Eisenerz abgebaut.

1797 wurde das Fricktal nach dem Frieden von Campo Formio ein französisches Protektorat. Während des Zweiten Koalitionskrieges verlief hier die Frontlinie zwischen den Armeen Frankreichs und Österreichs. Am 20. Februar 1802 wurde Herznach eine Gemeinde im Distrikt Frick des Kantons Fricktal, der sich im August der Helvetischen Republik anschloss. Seit dem 19. März 1803 gehört die Gemeinde zum Kanton Aargau. 1853 trennte sich der Weiler Oberzeihen von Herznach und vereinigte sich mit Zeihen.

Nach einem über 150-jährigen Unterbruch wurde 1937 der Abbau von Doggererz wieder aufgenommen. Wegen der drohenden Kriegsgefahr galt das Erzvorkommen wieder als abbauwürdig. Die jährliche Fördermenge erreichte 1941 einen Höchstwert von 210'000 Tonnen. Danach sank sie auf jährlich 50'000 Tonnen, bis das Bergwerk schliesslich 1967 stillgelegt wurde. Heute zeugt ein Siloturm von der Bergbauvergangenheit.[5] Nachdem die Bevölkerungszahl während Jahrzehnten stagnierte, steigt sie seit Ende der 1970er Jahre kontinuierlich an.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Wahrzeichen Herznachs ist die katholische Pfarrkirche St. Niklaus, die in Form einer Kirchenburg erbaut ist. Das von einer Mauer umgebene Baudenkmal von nationaler Bedeutung besteht mindestens seit dem Jahr 1180. Das Patronatsrecht ging 1407 von Habsburg an das Stift Rheinfelden über. Das Langhaus und der Kirchturm wurden 1651 neu erstellt, der Chor 1718 bis 1719 (mit Fresken von Francesco Antonio Giorgioli). In den Jahren 1732 bzw. 1776/78 erfolgte ein kostspieliger Innenausbau im Barockstil, wobei Johann Isaak Freitag die Hochaltar- und Kanzelfiguren schuf (darunter die Heiligen St. Nikolaus und St. Martin).[6] Im Beinhaus wird ein Josephinischer Sparsarg aufbewahrt.[7]

Die der Heiligen Verena geweihte Kapelle gilt als ältestes Gotteshaus im gesamten Fricktal. Sie wurde 1516 über den aus dem 10. Jahrhundert stammenden Fundamenten errichtet.

Galerie[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot grünes Verenakrüglein mit gelbem Henkel.» Von den Herren von Herznach ist kein Wappen überliefert. Deshalb wählte die Gemeinde 1953 den Krug, eines der Symbole der Heiligen Verena, der Schutzpatronin der Herznacher Kirche. Das alte, zur rechten Seite weisende, Wappen wurde per Gemeindebeschluss geändert. Heute richtet sich der Ausguss des Verenakruges nach links. [8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung:[9]

Jahr 1768 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000 2010
Einwohner 478 898 639 654 665 654 697 761 992 1059 1328

Am 31. Dezember 2013 lebten 1400 Menschen in Herznach, der Ausländeranteil betrug 12,1 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 58,5 % römisch-katholisch, 30,1 % reformiert und 1,8 % muslimisch; 1,4 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an.[10] 96,5 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,7 % Albanisch.[11]

Politik und Recht[Bearbeiten]

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der fünfköpfige Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden.

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Laufenburg zuständig. Herznach gehört zum Friedensrichterkreis Wölflinswil.

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Herznach gibt es gemäss Betriebszählung 2008 rund 340 Arbeitsplätze, davon 21 % in der Landwirtschaft, 39 % in der Industrie und 40 % im Dienstleistungssektor.[12] Die wichtigsten Unternehmen sind eine Textilbandfabrik und eine Firma für Werbeballone. An einzelnen exponierten Südhängen wird Weinbau betrieben. Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten in den grösseren Gemeinden des Fricktals sowie in der Region Aarau.

Verkehr[Bearbeiten]

Herznach liegt an der nördlichen Zufahrt der Staffelegg-Passstrasse, der wichtigsten Verbindung zwischen Aarau und dem Fricktal (Hauptstrasse 24). Eine Nebenstrasse führt über Zeihen nach Effingen an der Bözbergstrasse. Vier Kilometer nördlich von Herznach befindet sich bei Frick ein Autobahnanschluss der A3. Die Anbindung an das Netz des öffentlichen Verkehrs erfolgt durch zwei Postautolinien: Die Hauptlinie führt von Aarau nach Frick und Laufenburg, eine weitere Linie verbindet Herznach mit Effingen. Durch Herznach führt der Oberfricktaler Eisenweg.

Bildung[Bearbeiten]

Die Gemeinde verfügt über einen Kindergarten und ein Schulhaus, in dem die Primarschule unterrichtet wird. Die Oberstufe (Bezirksschule, Sekundarschule und Realschule) kann in Frick besucht werden. Die nächstgelegene Kantonsschule (Gymnasium) befindet sich in Aarau.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Herznach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Bevölkerungsbestand per Ende Dezember 2013, Statistisches Amt des Kantons Aargau
  3. a b  Beat Zehnder: Die Gemeindenamen des Kantons Aargau. In: Historische Gesellschaft des Kantons Aargau (Hrsg.): Argovia. Band 100, Verlag Sauerländer, Aarau 1991, ISBN 3-7941-3122-3, S. 194–196.
  4. Landeskarte der Schweiz, Blatt 1069, Swisstopo
  5. Erzbergbau im Fricktal. fricktal.ch, abgerufen am 26. Januar 2010.
  6. St.-Nikolaus-Kirche Herznach
  7. Linus Hüsser: Der Herznacher „Pestsarg“. Ein Zeuge der josephinischen Reformpolitik, in: Vom Jura zum Schwarzwald 72 (1998), S. 59–62.
  8.  Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004, ISBN 3-906738-07-8, S. 175.
  9. Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden des Kantons Aargau seit 1850. In: Eidg. Volkszählung 2000. Statistisches Amt des Kantons Aargau, 2001, abgerufen am 3. April 2012.
  10. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Religionszugehörigkeit sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  11. Eidg. Volkszählung 2000: Wirtschaftliche Wohnbevölkerung nach Hauptsprache sowie nach Bezirken und Gemeinden. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.
  12. Betriebszählung 2008. Statistisches Amt des Kantons Aargau, abgerufen am 24. August 2012.