Herzog Anton Ulrich-Museum

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Das Herzog Anton Ulrich-Museum
Logo mit Dachmarke.
Herzog Anton Ulrich-Museum mit neuem Anbau davor von Nordwesten

Das Herzog Anton Ulrich-Museum, wie es seit 1927 heißt (kurz HAUM), wurde 1754 in Braunschweig eröffnet. Mit seinen über 250 Jahren ist es eines der größten und bedeutendsten Kunstmuseen Deutschlands und eines der wichtigsten Museen alter Kunst der Bundesrepublik Deutschland. Benannt ist es nach seinem Gründer, Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel (1633–1714).

Seit 2009 ist das Museum aufgrund von Umbauarbeiten geschlossen.[1] Die Wiedereröffnung findet frühestens 2015 statt.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung [Bearbeiten]

Das Herzog Anton Ulrich-Museum hat seine Ursprünge im Kunst- und Naturalienkabinett des Braunschweigischen Herzogs Karl I., das dieser auf Anregung von Daniel de Superville 1754 eröffnete. Es befand sich zunächst im Kleinen Mosthof und wurde später in den Großen Mosthof verlegt. Es war eines der ersten Museen in Deutschland, die für die Öffentlichkeit zugänglich waren, und wurde nur ein Jahr nach dem Britischen Museum in London eröffnet. Dieses „Kabinett“ umfasste eine Sammlung aus Kunsthandwerk und Skulpturen des Barock und der Renaissance aber auch antike Kunstwerke, die nicht aus Europa stammten.[2] Die Naturialiensammlung wurde später zum Grundstock des Naturhistorischen Museums.

Sammlungen [Bearbeiten]

Braunschweig 1899: Herzog Anton Ulrich-Museum (rechts, Nr. 28) und Burg Dankwarderode (links, Nr. 4)
Das Herzog Anton Ulrich-Museum von Westen
Abends

Vom Großen Mosthaus zog die Kunstsammlung 1765 in das 1902 abgerissene Paulinerkloster am Bohlweg in Braunschweigs Innenstadt, wo sie weiter anwuchs, so zum Beispiel durch Auffüllung mit Stücken aus dem (heute ebenfalls nicht mehr existenten) „Grauen Hof“, der Kunstkammer Bevern und dem Schloss Salzdahlum. Die Ausstellungsstücke, damals in allererster Linie reine Repräsentationsstücke, umfassten hauptsächlich Bronzestatuen, Kunstkammerobjekte, Möbel, Elfenbeinschnitzereien, Majoliken (größte Sammlung italienischer Majoliken nördlich der Alpen), Emaillearbeiten (über 200 Objekte) und Ostasiatica.

Gemäldesammlung [Bearbeiten]

Vermeer: Das Mädchen mit dem Weinglas

Die Sammlung wurde über die Jahre vor allem durch Zukauf niederländischer Landschaftsgemälde und Stillleben erweitert.

Die Gemäldesammlung umfasst unter anderem wichtige Werke von:

Skulpturen und Kunsthandwerk [Bearbeiten]

Diese Sammlung besteht fast ausschließlich aus den Beständen, die durch die Braunschweiger Herzöge, insbesondere Herzog Anton Ulrichs und seines Sohnes August Wilhelm, angesammelt wurden.[3]

Dort befinden sich beispielsweise:

  • Die Herzog-Julius-Büchse, eine teilweise vergoldete Prunkbüchse (1580 bis 1585)
  • Ein Schreibtisch von Hendrik van Soest (Antwerpen um 1700)
  • Die Spiegeluhr von Caspar Langenbucher (Augsburg 1649)
  • Die Kugellaufuhr von Christoph Rohr (Leipzig/Braunschweig um 1600)

Graphische Sammlung [Bearbeiten]

In diesem „Kupferstichkabinett“ wurden mehreren Einzelsammlungen des Hauses Braunschweig-Lüneburg zusammengefügt und durch eine Schenkung des Sammlers August Vasel bereichert. Sie umfasst illustrierte Prachtwerke, Einblattdrucke, Stadtansichten und Kartenwerke, Flugblätter, die Braunschweig-Sammlung Brunsviviensien, Kupferstiche und Lithographien. Darunter befinden sich Werke von Rembrandt und Paul Klee.[4]

Das Museum im 19. Jahrhundert [Bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert sah sich das Museum zahlreichen, zum Teil dramatischen Veränderungen unterworfen. So hatte sich bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts die schlechte Bausubstanz des Salzdahlumer Schlosses bemerkbar gemacht. Schnelle Abhilfe war vonnöten. Verschlimmert wurde die Lage schon bald dadurch, dass das Land Braunschweig 1806 von napoleonischen Truppen besetzt wurde, die große Teile der kostbarsten Kunstgegenstände in den Pariser Louvre entführten. Infolge der Besetzung durch Napoleons Truppen war Braunschweig bis auf weiteres Bestandteil des Königreiches Westphalen. Im Jahre 1811 ließ der König von Westfalen und Bruder Napoleons Jérôme das Schloss Salzdahlum abreißen.

Im Zuge der Befreiungskriege (1813–1815) erlangte Braunschweig jedoch seine alte Eigenständigkeit und die geraubten Kunstschätze wieder zurück. Allerdings war das Land inzwischen verarmt und es gab nicht mehr genügend Platz, um die Kunstschätze unterzubringen. Folglich musste eine Möglichkeit gefunden werden, die Kunstgüter zum einen sicher aufzubewahren und zum anderen für diese wichtige Kunstsammlung ein angemessenes und repräsentatives Gebäude zu bekommen.

Es dauerte noch bis zum Jahr 1887, bis der von Architekt Oskar Sommer in Zusammenarbeit mit dem damaligen Museumsdirektor Herman Riegel entworfene Neubau eröffnet werden konnte. Seither ist das – ähnlich wie das benachbarte Staatstheater Braunschweig im italienischen Renaissancestil gehaltene – Gebäude im äußeren Erscheinungsbild unverändert geblieben. Maßgeblich bei den neuen Plänen Sommers war das Grundrissschema von Leo von Klenzes Münchner Pinakothek. An das Gebäude grenzt im Norden bis heute der Museumpark.

Die Bestände wuchsen verglichen mit den vorangegangenen Jahrzehnten nur noch gering, nicht zuletzt wegen Geldmangels. So konnten 1868 die Sammlung Reinike, 1910 die Sammlung Vasel und schließlich 1944 die Vieweg-Tepelmann-Sammlung hinzugefügt werden.

Das Museum nach 1918 [Bearbeiten]

Nach der Auflösung des Herzogtums Braunschweig im November 1918 ging die Trägerschaft für das Museum zunächst an eine Stiftung über. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Verantwortung vollständig dem Land Niedersachsen übertragen.

Im Zweiten Weltkrieg gab es am Museum nur geringe Gebäudeschäden. Nach dem Krieg wurden die Seitenflügel des Gebäudes von der britischen Militärregierung besetzt. Weitgreifende Eingriffe in die Bausubstanz erfolgten mit der Umnutzung als Verwaltungsbau.

Die Burg Dankwarderode beherbergt seit einiger Zeit wieder Kunstschätze aus dem umfangreichen Museumsfundus, vor allem zur Burg passende Kunstwerke des Mittelalters.

Anfang des neuen Jahrtausends wurde deutlich, dass eine umfassende Sanierung des Museumsbaus unumgänglich ist. Die Veränderungen des 19. Jahrhunderts werden teilweise wieder rückgebaut. Außerdem sollen zukünftig mehr Kunstwerke als bisher ausgestellt werden, da die Museumsräume besser strukturiert und erweitert werden. Deshalb wurde seit Frühjahr 2008 hinter dem jetzigen Gebäude im Museumpark ein Erweiterungsbau errichtet, der 2010 fertiggestellt wurde. Zusätzlich wird das Haupthaus grundsaniert und soll zukünftig als ausschließliches Ausstellungsgebäude genutzt werden, da sowohl die Verwaltung, die Bibliothek, das Archiv, die Werkstätten als auch ein Café im Neubau untergebracht werden. Während der bis zur voraussichtlichen Wiedereröffnung 2015 dauernden Renovierungszeit werden die wichtigsten Schätze des Museums in der Ausstellung „Epochal“ in der Burg Dankwarderode gezeigt.

Gemäldegalerie [Bearbeiten]

Eine kleine Auswahl über alle Epochen:

Literatur [Bearbeiten]

  • Jochen Luckhardt: Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig: Die Sammlung. Deutscher Kunstverlag, München 1995, ISBN 3-422-06122-3.
  • Jochen Luckhardt (Hrsg.): Das Herzog Anton Ulrich-Museum und seine Sammlungen. Hirmer Verlag, München 2004, ISBN 3-7774-2295-9.
  • Rüdiger Klessmann: Herzog Anton Ulrich-Museum. Bruckmann, München 1978, ISBN 3-7654-1738-6.
  • Alfred Walz: 250 Jahre Museum Von den fürstlichen Sammlungen zum Museum der Aufklärung. Hirmer Verlag, München 2004, ISBN 3-7774-2155-3.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Herzog-Anton-Ulrich-Museum Braunschweig – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. Website des HAUM, abgerufen am 1. August 2012.
  2. Jochen Luckhardt: Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig: Die Sammlung. Deutscher Kunstverlag, München 1995, ISBN 3-422-06122-3.
  3. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig: Die Sammlung. S. 53–79.
  4. Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig: Die Sammlung. S. 80–87.

52.26333333333310.533055555556Koordinaten: 52° 15′ 48″ N, 10° 31′ 59″ O