Anhalt

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Herzogtum Anhalt)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt den früheren Gliedstaat des Deutschen Reiches, weitere Bedeutungen siehe unter Anhalt (Begriffsklärung).
Anhalt
Wappen Flagge
Wappen von Anhalt Flagge von Anhalt
Lage im Deutschen Reich
Lage des Herzogtums Anhalt im Deutschen Kaiserreich
 
Landeshauptstadt Dessau
Regierungsform Monarchie, Republik
Staatsoberhaupt Herzog (bis 1918)
Dynastie Askanier
Bestehen 1212/1863-1945
Fläche 2299 km² (1925)
Einwohner 351.045 (1925)
Bevölkerungsdichte 153 Einwohner pro km²
Entstanden aus Anhalt-Dessau, Anhalt-Zerbst, Anhalt-Köthen, Anhalt-Bernburg
Aufgegangen in Sachsen-Anhalt
Hymne Anhalt-Lied
Stimmen im Bundesrat 1 Stimme
Kfz-Kennzeichen A
Karte
Anhalt 1863–1942

Anhalt ist eine Region Mitteldeutschlands, die ein Gliedstaat des Deutschen Reiches war und heute zum Land Sachsen-Anhalt gehört.

Geschichte[Bearbeiten]

Fürstentum Anhalt[Bearbeiten]

Anhaltinus Ducatus im Jahr 1645
Das Fürstentum Anhalt, Karte von Peter Schenk (1710)
Die anhaltinischen Fürstentümer 1747 bis 1793

Das Fürstentum Anhalt entwickelte sich 1212 durch Erbteilungen der Askanier. Fürst Heinrich I. von Anhalt hatte diese Bezeichnung für seine Linie zur Unterscheidung von anderen askanischen Linien gewählt. Der Name Anhalt geht auf die askanische Stammburg, Burg Anhalt bei Harzgerode, zurück; der Name Askanier bezieht sich auf ihre Residenz in Aschersleben (lateinisch: Ascaria). Das Fürstentum entwickelte sich somit aus dem Schwabengau und dem Gau Serimunt als Besitz des Geschlechts der Askanier und war Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Das Land wurde im Laufe der Zeit mehrfach durch Erbteilung zersplittert, unter anderem in Anhalt-Aschersleben, Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen, Anhalt-Zerbst und weitere.

Das wieder vereinigte Fürstentum Anhalt entstand 1570. Bereits 1603 wurde es aber wieder in die Kleinstaaten Anhalt-Bernburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen, Anhalt-Zerbst (und 1611 Anhalt-Plötzkau durch Teilung des Fürstentums Anhalt-Bernburg) aufgeteilt. 1665 übernahm die Anhalt-Plötzkauer Fürstenlinie nach Aussterben der Anhalt-Köthener deren Fürstentum. Das Anhalt-Plötzkauer Teilfürstentum fiel gleichzeitig an Anhalt-Bernburg zurück.

1797 wurde Anhalt-Zerbst nach Aussterben der Zerbster Fürstenlinie auf die anderen anhaltischen Fürstentümer aufgeteilt. 1806 erhielt der Fürst von Anhalt-Bernburg vom letzten Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, Franz II., das Recht, sich „Herzog“ zu nennen, 1807 wurden die beiden verbleibenden Staaten Anhalt-Dessau und Anhalt-Köthen von Napoleon I. zu Herzogtümern erhoben und traten am 18. April 1807 dem Rheinbund bei. Nach dem Ende der Befreiungskriege wurden sie Mitglieder des Deutschen Bundes.

Herzogtum Anhalt 1863–1918[Bearbeiten]

Der Freistaat Anhalt

Nach dem Erlöschen der Linien in Köthen (1847) und Bernburg (1863) kam es zum Zusammenschluss der drei Herzogtümer zu einem vereinigten Herzogtum Anhalt mit Dessau als Hauptstadt. Kurz nach dem Deutschen Krieg 1866 trat Anhalt dem unter preußischer Führung entstandenen Norddeutschen Bund und 1871 dem Deutschen Reich bei. Im Bundesrat in Berlin hatte es eine Stimme, wie auch vorher schon im Bundestag in Frankfurt am Main.

Freistaat Anhalt 1918–1934, seit 1934 Land Anhalt[Bearbeiten]

Hauptartikel: Freistaat Anhalt

Im Zuge der Novemberrevolution 1918 wurden auch in Anhalt Arbeiter- und Soldatenräte gebildet. Diese arbeiteten eher pragmatisch und stellten keine radikalen Forderungen. Am 12. November verkündete Prinzregent Aribert stellvertretend für den minderjährigen Herzog Joachim Ernst die Abdankung und den Thronverzicht für die regierende Familie der Askanier. Anhalt wurde zu einem Freistaat in der Weimarer Republik.[1] Bei den Landtagswahlen im April 1932 wurde die NSDAP mit 15 Mandaten (6 Mandatsträger waren aus Dessau) stärkste Fraktion.

Anhalt nach 1945[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg kam es zum kurzzeitigen Zusammenschluss mit der ehemaligen preußischen Provinz Sachsen zum Land Sachsen-Anhalt in der Sowjetischen Besatzungszone. Dieses Land hatte aber nur kurz Bestand: Nach der Verwaltungsreform von 1952 wurde das Land Sachsen-Anhalt aufgeteilt und der ehemals anhaltische Teil gehörte danach zu den Bezirken Halle und Magdeburg in der DDR.

Mit der Wiedervereinigung 1990 wurde das Land Sachsen-Anhalt in leicht veränderten Grenzen wieder errichtet. Im Zeitraum zwischen den Kreisreformen von 1994 und 2007 gab es innerhalb des Landes Sachsen-Anhalt auch einen Landkreis Anhalt-Zerbst, so dass der historische Name „Anhalt“ nicht nur im Landesnamen, sondern auch in einem Kreisnamen fortlebte. Seit 1. Juli 2007 ist der Name Anhalt im neugebildeten Landkreis Anhalt-Bitterfeld enthalten. Das Gebiet der Evangelischen Landeskirche Anhalts entspricht noch heute dem ehemaligen Herzogtum bzw. Freistaat.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen ist dreimal geteilt und zweimal gespalten mit Mittelschild im fünften Feld. In den Feldern:

  • Herzschild (Feld 5): Gespalten, rechts in Silber ein am Spalt hervorbrechender roter Adler, links neunmal von Schwarz und Gold geteilt, belegt mit einem schrägrechten grünen Rautenkranz. (Stammwappen der Askanier und Kleines Staatswappen des Herzogtums Anhalt mit dem brandenburgischen Adler und dem sächsischen Rautenwappen)
  • Feld 1: Neunmal von Schwarz und Gold geteilt. (Herzogtum Sachsen, Anspruchswappen)
  • Feld 2: In Blau ein rechtsgewendeter goldgekrönter goldener Adler. (Pfalzgrafschaft zu Sachsen, Anspruchswappen)
  • Feld 3: In Silber drei rote Seeblätter (2:1). (Herzogtum Engern, Anspruchswappen)
  • Feld 4: In Silber eine schräglinke rote Zinnenmauer mit geschlossenem goldenen Tor, darauf linksgewendet ein schwarzer Bär mit goldener Krone und silbernem Halsband schreitend. (Geschlecht der Beringer und Herzogtum Bernburg)
  • Feld 6: Neunmal von Schwarz und Gold geteilt. (Herrschaft Ballenstedt im gleichnamigen Kreis)
  • Feld 7: Zweimal gespalten und dreimal geteilt von Schwarz und Silber (Grafschaft Aschersleben bzw. Askanien)
  • Feld 8: Geteilt und gespalten von Gold und Rot. (Waldersee (Adelsgeschlecht)) umgedeutet zur Grafschaft Waldersee)
  • Feld 9: In Blau zwei goldene Schräglinksbalken. (angebliche Grafschaft Warmsdorf im Kreis Bernburg, die "Goschaft" (Untergericht) Warmsdorf.
  • Feld 10: In Blau ein linksgewendeter silberner Adler. (Grafschaft Mühlingen)
  • Feld 11 Rot. Regalienfeld
  • Feld 12: In Silber eine schrägrechte rote Zinnenmauer mit offenem Tor, darauf ein schwarzer Bär mit silbernem Halsband schreitend. (Herrschaft Bernburg)

Normative Festlegung des Wappens in der Herzoglichen Wappenrolle von 1887.

Die Landesfarben waren Rot-Grün-Weiß, manchmal nur Grün-Weiß.

Politik[Bearbeiten]

Staatsoberhäupter[Bearbeiten]

Die Staatsoberhäupter waren bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918 die Herzöge von Anhalt (siehe auch: Askanier):

  • 1863 bis 1871: Leopold IV. (* 1794, † 1871)
  • 1871 bis 1904: Friedrich I. (* 1831, † 1904)
  • 1904 bis 21. April 1918: Friedrich II. (* 1856, † 1918)
  • 22. April bis 13. September 1918: Eduard (* 1861, † 1918)
  • 14. September bis 12. November 1918: Joachim Ernst (* 1901, † 1947) unter Vormundschaft des Regenten Aribert

Staatsminister[Bearbeiten]

Vorsitzende des Herzoglich-Anhaltischen Staatsministeriums beziehungsweise Staatsminister waren:

Verwaltungsgliederung Anhalts bis 1932[Bearbeiten]

Karte von Anhalt (1897) aus Meyers. Alle zu Anhalt gehörigen Gebiete sind schwarz umrandet.
  1. Landkreis Ballenstedt
  2. Landkreis Bernburg
  3. Landkreis Dessau
  4. Landkreis Köthen
  5. Landkreis Zerbst

Daten[Bearbeiten]

1942 wurden die preußischen Gemeinden Löbnitz a. d. Linde, Repau, Pösigk, Schierau, Priorau, Möst und Goltewitz in das Land Anhalt eingegliedert sowie die Gemeinden Tilkerode, Unterwiederstedt und Wadendorf in die Provinz Sachsen des Landes Preußen ausgegliedert.

Bevölkerung und Fläche[Bearbeiten]

75.523 Einwohner; 2299 km² (1871)
100.702 Einwohner; 2299 km² (1910)
351.045 Einwohner; 2299 km² (1925)
436.213 Einwohner; 2314 km² (Mai 1939)

Größte Städte 1939[Bearbeiten]

  1. Dessau (mit Roßlau): 117.110 Einwohner
  2. Bernburg: 40.732 Einwohner
  3. Köthen: 32.037 Einwohner
  4. Zerbst: 22.149 Einwohner
  5. Coswig: 12.645 Einwohner
  6. Jeßnitz: 11.817 Einwohner
  7. Leopoldshall: 7.485 Einwohner
  8. Ballenstedt: 6.729 Einwohner
  9. Raguhn: 6.038 Einwohner
  10. Güsten: 5.997 Einwohner
  11. Nienburg: 5.961 Einwohner
  12. Hecklingen: 5.183 Einwohner
  13. Kochstedt: 5.173 Einwohner

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Christoph Beckmann: Historie des Fürstenthums Anhalt. 2 Bde. Zimmermann, Zerbst 1710; Erg.-Bd. Accessiones. Zerbst 1716 (Neudruck: Dessau 1995, DNB 947263349)
  • Walther Eggert: Anhaltisches Mosaik: Landschafts- und Kulturbilder aus dem ehemaligen Land Anhalt. Weidlich, Frankfurt am Main 1971, ISBN 3-8035-0555-0.
  • Bernd Feicke (Hrsg.): 800 Jahre Anhalt 1212-2012 (= Harz-Zs. 64, Berlin u. Wernigerode 2012), ISBN 978-3-86732-137-2.
  • Werner Freitag, Michael Hecht (Hrsg.): Die Fürsten von Anhalt. Herrschaftssymbolik, dynastische Vernunft und politische Konzepte in Spätmittelalter und Früher Neuzeit. Halle (Saale) 2009, ISBN 978-3-89812-199-6.
  • Otto von Heinemann: Codex diplomaticus Anhaltinus 6 Tle. 1867–1883.
  • Johannes Jansson: Das Fürstentum Anhalt und das Erzbistum Magdeburg - 1647. (Historische Karte: Principatus Anhaldinus et Magdeburgensis Archiepiscopatu). (Neudruck: Rockstuhl, Bad Langensalza 2003, ISBN 3-932554-92-2)
  • Wilhelm van Kempen: Schlösser und Herrensitze in Provinz Sachsen und in Anhalt. Weidlich, Frankfurt am Main 1961.
  • Gottlieb Krause (Hrsg.): Urkunden, Aktenstücke und Briefe zur Geschichte der anhaltischen Lande. 7 Teile in 5 Bänden, Leipzig 1861–1866.
  • Heinrich Lindner: Geschichte und Beschreibung des Landes Anhalt. Dessau 1833.
  • Hermann Lorenz: Die Geschichte Anhalts in Wort und Bild. Verlag von Otto Schulze, Cöthen 1900.
  • Norbert Michels (Hrsg.): Anhalt in alten Ansichten: Landschaft, Baukunst, Lebenswelten. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2006, ISBN 3-89812-350-2.
  • Ralf Regener: Der Sturz der Askanier 1918 in Anhalt. Bedingungen, Verlauf und Nachwirkungen des Untergangs einer kleinstaatlichen deutschen Monarchie. Dessau-Roßlau 2013.
  • Reinhold Specht: Bibliographie zur Geschichte Anhalts. 1930/1935
  • Studium Hallense e.V. (Hrsg.): Geschichte Anhalts in Daten. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2014, ISBN 978-3-95462-229-0.
  • Justus H. Ulbricht (Hrsg.): Anhalts Weg ins "Zeitalter der Extreme" 1871-1945. Mitteldeutscher Verlag, Halle (Saale) 2013, ISBN 978-3-95462-111-8
  • Hermann Wäschke: Anhaltische Geschichte. 3 Bände, Cöthen 1912/1913
  • Manfred Wilde: Hexenprozesse in den anhaltischen Fürstentümern. In: Auf dem Weg zu einer Geschichte Anhalts. Mitteilungen des Vereins für Anhaltische Landeskunde. 21. Jahrgang 2012, Sonderband (Tagungsband). Köthen 2012, S. 133–157.
  • J. Wütschke: Territorialentwicklung Anhalts. (Atlas des Saale- und mittleren Elbegebiets) 1958.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Anhalt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ralf Regener: Der Sturz der Askanier 1918 in Anhalt, in: Anhalts Weg ins „Zeitalter der Extreme“ 1871-1945, hg. v. Justus H. Ulbricht, Halle (Saale) 2014, S. 29-49.