Burgundische Geschichte

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Die Burgundische Geschichte befasst sich mit der Entwicklung der verschiedenen Gebiete und Gemeinwesen zwischen Mittelmeer und Nordsee, die von der Spätantike bis in die Frühe Neuzeit den Namen Burgund trugen, und zwar ausgehend von der Besiedlung der heutigen Westschweiz und Südostfrankreichs durch den germanischen Stamm der Burgunden (auch Burgunder) in der Zeit der Völkerwanderung. Zwischen den verschiedenen Gebilden, die in den folgenden Jahrhunderten deren Namen weitertrugen, bestanden zahlreiche kulturelle, wirtschaftliche und dynastische Verbindungen, wegen „fehlende[r] Kontinuität“ eines einheitlichen politischen Raums entwickelte sich aus Burgund aber „kein kollektives Subjekt“.[1] Heute bezieht sich mit der französischen Region Burgund nur noch eine geographische Großeinheit namentlich auf diese Tradition.

Frühgeschichte[Bearbeiten]

Die heutige Region Burgund war schon im Palaeolithikum von Menschen besiedelt. Funde am Felsen von Solutré weisen schon für die Zeit um 15.000 v. Chr. eine dichte Besiedelung nach.

Vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zur Ankunft der Römer ist die keltische Kultur der Gallier vorherrschend, vor allen Dingen vertreten durch die Haeduer und die Mandubier, die in Caesars De bello gallico Erwähnung finden. Bedeutende Ansiedlungen der Stämme waren Bibracte in der Nähe des heutigen Autun und Alesia nahe Dijon.

Römische Zeit und Spätantike[Bearbeiten]

Um 59 v. Chr. besiegten die Römer unter Julius Caesar die Helvetier und andere gallische Stämme bei Bibracte (heute Saint-Léger-sous-Beuvray), auf dem Mont Beuvray, zwischen Autun und Le Creusot. Im Jahr 52 v. Chr. schlugen die Römer, wiederum unter Caesar, bei Alesia, dem heutigen Alise-Sainte-Reine, den gallischen Aufstand unter Vercingetorix nieder. Es folgte die Eingliederung Galliens in das Römische Reich und die langsame sprachliche und kulturelle Romanisierung seiner Einwohner.

Um 43 v. Chr. wurde Augustodunum (Autun) gegründet. Um 280 begann der Weinbau in der Region.

Das Volk oder der Stamm der Burgunden wird den Ostgermanen zugerechnet. In der Spätantike begründete es am Rhein ein eigenständiges Reich. Obwohl dieses historisch kaum faßbare Reich bereits 436 einem hunnischen Angriff zum Opfer fiel, geriet es nicht ganz in Vergessenheit. Heldenlieder und vor allem das Nibelungenlied, im Verlaufe des 12. Jahrhunderts zu Pergament gebracht, besangen seinen Untergang. Politisch blieb dieses erste Burgundenreich indessen bedeutungslos.[2]

Die Königreiche des frühen Mittelalters[Bearbeiten]

Das erste Reich der Burgunden 443–532[Bearbeiten]

Hauptartikel: Burgunden
Das Königreich der Burgunden bis 534

Der im Zuge der Völkerwanderung an den Oberrhein gelangte germanische Stamm der Burgunden, der zwischenzeitlich den Status eines römischen Foederaten erlangt hatte, wurde nach erneuten Konflikten und Niederlagen gegen die Römer 443 von diesen im Bereich des Genfersees in der heutigen Westschweiz und in Savoyen angesiedelt. Da die Burgunden jedoch der ansässigen keltoromanischen Bevölkerung zahlenmäßig stark unterlegen waren, konnten sie zwar eine um ihren König vereinte Herrenschicht bilden, wurden jedoch bald romanisiert.

Im Laufe des 5. Jahrhunderts gingen die noch bestehenden Reste der römischen Verwaltung in der des Königreichs der Burgunden auf, und um 507 ist erstmals der Name Burgundia als Bezeichnung des neuen Reiches belegt. Die Burgunden eroberten nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches weitere Gebiete um ihr Kernland, nördlich bis in die Gegend von Troyes, westlich bis an die Loire, südlich bis Orange und im Osten bis zum Alpenkamm, Rhein und Aare. Obwohl dieses Reich keine 100 Jahre existierte, hinterließ es eindeutige Spuren im kollektiven Gedächtnis seiner Bewohner.[2]

Das fränkische Teilreich Burgund[Bearbeiten]

Das fränkische Teilreich Burgundia
Die Königreiche Hoch- und Niederburgund sowie das Herzogtum von Richard dem Gerichtsherrn
Das Herrschaftsgebiet Karls des Kühnen. Im Spätmittelalter erreichte das Reich des Hauses Valois-Burgund de facto den Status einer unabhängigen Mittelmacht in Europa

Um das Jahr 506 nahm der Burgundenkönig Sigismund den römisch-katholischen Glauben an. Sigismund ließ seinen Sohn Sigerich wegen vermeintlichem Verrat hinrichten, was dessen Großvater, der Gotenkönig Theoderich, als Kriegserklärung ansah. Damit verlor Sigismund einen wichtigen Bündnispartner gegen die benachbarten, ebenfalls germanischen Franken. Im Jahr 534 unterwarfen die Franken, geführt von den Söhnen des Merowingerkönigs Chlodwig, die Burgunden, und das Gebiet wurde dem Frankenreich zugeschlagen. Dennoch begann die dort lebende Bevölkerung die Gegend als Burgund zu bezeichnen, um so ihren besonderen Charakter gegenüber den Franken zu betonen. Und so verknüpfte sich der Namen Burgund fest mit der Landschaft zwischen Jura und Morvan, dem Plateau von Langres und den Seealpen. Im 6. und 7. Jahrhundert entstand bei Erbteilungen zweimal ein fränkisches Teilreich Burgund, das jedoch beide Male wieder mit dem Gesamtreich vereint wurde. Innerhalb des Frankenreiches blieb Burgund weiterhin als Reichsteil bestehen. Mit den Karolingern verschwand das Teilreich Burgund wieder von der politischen Landkarte, der Landschaftsname blieb jedoch erhalten.[2] Als 843 das Fränkische Reich im Vertrag von Verdun erneut geteilt wurde, fand die territoriale Einheit der alten Burgundia ein Ende: Die östlich der Saône liegenden Gebiete fielen dem Reich Lothars zu, die westlich liegenden, die etwa der heutigen Region entsprechen, kamen zum westfränkischen Reich. Diese Grenze blieb langfristig bestehen.

Nach weiteren Teilungen und Grenzverschiebungen (Teilung von Prüm, Vertrag von Meersen, Vertrag von Ribemont, Erwerbung Italiens durch Karl den Kahlen von Westfranken nach dem Tod Ludwigs II.) löste sich nach dem Tod Kaisers Karl des Kahlen 877 zunächst Niederburgund unter dem Buviniden Boso von Vienne, der 879 König wurde, vom Frankenreich. Nach der Absetzung 887 des ostfränkischen Königs und Kaisers Karl des Dicken ließ sich 888 der Welfe Rudolf zum König von Hochburgund wählen. Diese beiden von den Karolingern unabhängigen Herrschaften wurden 930/951 unter Rudolf II. und Konrad III. von Hochburgund im Königreich Arelat vereint. Arelat ging 1033 durch Erbfall an das Heilige Römische Reich, wo es trotz formell zunächst einheitlicher Verwaltung durch das Rektorat von Burgund zunehmend in selbstständige Grafschaften zerfiel, unter ihnen die Grafschaft Burgund, die später zur Pfalz- und zur Freigrafschaft wurde.

Der Teil Burgunds, der unter der Herrschaft des Westfränkischen Reiches verblieben war, wurde zuerst noch als Regnum Burgundiae bezeichnet. In Vertretung des karolingischen Königtums begründete Richard der Gerichtsherr 918 ein zuerst persönliches Herzogtum in seiner Familie. Erst seit 1075 ist ein gebietsbezogenes Herzogtum Burgund nachweisbar.[3]

Vom Hochmittelalter bis in die Frühe Neuzeit: Herzogtum und Freigrafschaft Burgund [Bearbeiten]

910 wurde das Benediktinerkloster Cluny gegründet. Die Benediktiner machten Burgund im Mittelalter zum geistigen Mittelpunkt Europas.

1016 besiegte der französische König Robert II. die Erben des Herzogs Heinrich des Großen. 1031 wurde das Herzogtum Burgund Robert, dem zweiten Sohn des französischen Königs Robert II. aus dem Haus der Kapetinger, als Apanage zugewiesen. 1031 bis 1361 regierten die Kapetinger-Herzöge im Herzogtum Burgund. Am 2. Februar 1033 ließ sich der Römisch-Deutsche Kaiser Konrad der Ältere in Peterlingen (Payerne) von seinen Anhängern zum König von Burgund wählen und krönen.

Der Pestepidemie von 1348 fiel etwa die Hälfte der Bewohner Burgunds zum Opfer.[4]

Das Reich der Valois-Burgund im Spätmittelalter: Ausdehnung in die Niederlande[Bearbeiten]

Hauptartikel: Haus Burgund

Nachdem die Dynastie der Kapetinger-Herzöge mit Philipp I. 1361 erloschen war, verlieh König Johann der Gute das Herzogtum 1363 seinem jüngsten Sohn Philipp dem Kühnen. Dieser heiratete die Witwe seines Vorgängers, die Erbtochter des Grafen von Flandern, und brachte damit neben Flandern ebenfalls die zum Heiligen Römischen Reich gehörende Freigrafschaft Burgund in seinen Besitz. Er wurde so der Begründer des Hauses Burgund, einer Seitenlinie des französischen Königshauses der Valois und einer der mächtigsten Dynastien des Spätmittelalters, die im französisch-deutschen Grenzraum einen großen Länderkomplex aufbaute, aus dessen nördlichem Teil, den Burgundischen Niederlanden, später die heutigen Benelux-Länder hervorgingen. Im Hundertjährigen Krieg zwischen den Herrscherhäusern Englands und Frankreichs trieben Philipp († 1404) und seine drei Nachfolger eine eigenständige Politik, indem sie sich zu ihrem Vorteil mal mit der einen, mal mit der anderen Seite, meist jedoch mit den Engländern verbündeten.

1404–1419 regierte Herzog Johann Ohnefurcht, 1419–1467 Herzog Philipp der Gute, 1467–1477 Herzog Karl der Kühne. Unter den Herzögen von Burgund erreichte der Herrschaftsverbund seine Höchstblüte. Zentrum der symbolischen Repräsentation war als Residenzstadt und Grablege Dijon, die flämischen Städte wie Gent, Brügge oder Löwen waren jedoch wirtschaftlich bedeutender.

Die Herzöge Philipp der Kühne und Johann Ohnefurcht verstanden sich selbst vor allem als mächtige französische Fürsten und Mitglieder des französischen Königshauses, als welche sie sich zur Regierungszeit des geistesgestörten Königs Karls VI. wie selbstverständlich in innerfranzösische Angelegenheiten einmischten. Dies änderte sich unter den beiden nächsten und letzten Burgunderherzögen, die sich als faktisch souveräne Herrscher betrachteten und verhielten, was sich etwa in der Stiftung des Ritterordens vom Goldenen Vlies als zentralem Bezugspunkt einer eigenständigen höfischen Kultur[5] äußerte. Die daran gekoppelte burgundische Ritterkultur des Spätmittelalters, der Johan Huizinga in seinem Hauptwerk Herbst des Mittelalters ein historiographisches Denkmal gesetzt hat, gilt als europaweites Vorbild mit glanzvoller Ausstrahlung.[6]

Während Philipp der Gute sein Territorium, vor allem im Bereich der jetzigen Niederlande, mit viel politischem Geschick zu arrondieren und zu konsolidieren verstanden hatte und zuletzt über einen reichen und mächtigen Staat regierte, in dem Brüssel in die Rolle der Hauptstadt hineinwuchs, versuchte sein Nachfolger Karl, die Expansion mit militärischer Gewalt fortzusetzen. 1474–1477 führte er Kriege gegen die Schweizer Eidgenossenschaft. 1475 ließ er seine Truppen das Herzogtum Lothringen besetzen, das seine nördlichen und die südlichen Gebiete voneinander trennte. 1477 wurde er in der Schlacht bei Nancy von den verbündeten Eidgenossen und Lothringern geschlagen, er selber fiel in der Schlacht.

Maria von Burgund und Maximilian I.[Bearbeiten]

Maria von Burgund war Erbin des Herzogtums Burgund und verheiratet mit Maximilian I.
Bernhard Strigels Familienbild der habsburgisch-burgundischen Verbindung (um 1500): Maximilian I. und seine Frau Maria von Burgund an den Bildrändern; dazwischen der Sohn Philipp der Schöne und unten seine Kinder Karl V. und Ferdinand I.

Nach der Niederlage Karls machten die Stände ihre Anerkennung seiner Tochter Maria von Burgund von politischen Zugeständnissen abhängig. Maria sah sich gezwungen am 11. Februar 1477 das Große Privileg anzuerkennen. Sie musste zusagen, dass sich die Stände des gesamten Herzogtums (Generalstände) und die Stände der einzelnen Territorien ohne Berufung durch den Landesherren versammeln durften. Außerdem sollten sie Mitspracherecht über die Erklärung von Krieg und Frieden erhalten. Das Obergericht, der Große Rat von Mecheln und der Allgemeine Rechnungshof als Institutionen der herzoglichen Herrschaftskonzentration mussten aufgelöst werden.

1477 heiratete Maria von Burgund den späteren römisch-deutschen Kaiser Maximilian von Habsburg. Der französische König Ludwig XI. erklärte daraufhin das Herzogtum Burgund, das Mâconnais, das Auxerrois und das Charolais zu heimgefallenen Lehen und besetzte die Gebiete.

Maximilian versuchte die Gebiete militärisch zurückzugewinnen. In der Schlacht bei Guinegate errang er 1479 einen großen Sieg. Für die weitere Kriegsfinanzierung benötigte Maximilian die Zustimmung der Stände. Diese verweigerten sich und betrieben eine eigenständige Politik, in dem sie mit Frankreich über einen Frieden verhandelten. Maximilian wollte dies nicht anerkennen. Die Stände unter der Führung Flanderns stellten sich gegen den Herzog und führten mit französischer Unterstützung Krieg gegen ihn.

Als Maria 1482 starb, erklärten sie den erst vierjährigen Philipp den Schönen zum Herzog. Dieser stand unter Kontrolle der Stände. Im Vertrag von Arras vom 23. Dezember 1482 wurde auf Betreiben der Stände die zweijährige Tochter Marias und Maximilians Margarete von Österreich mit dem französischen Dauphin Karl (dem späteren Karl VIII.) verheiratet. Als Mitgift fielen das Herzogtum Burgund und weitere Gebiete an Frankreich.

Maximilian widersetzte sich dem und stand daher gleichzeitig im Konflikt mit Frankreich und den Ständen. Im Jahr 1488 gelang es den Bürgern von Brügge ihn gefangen zu nehmen und mehrere Monate gefangen zu halten. Kaiser Friedrich III. kam ihm mit einem Reichsaufgebot zur Hilfe. In der Folge setzte sich Maximilian immer mehr durch. Der Krieg mit Frankreich wurde in dem Vertrag von Senlis von 1493 beendet. Darin musste er auf die Herzogtümer Burgund, die Grafschaft Rethel und die Picardie verzichten. Es gelang ihm die Stände zu unterwerfen; das Große Privileg wurde annulliert.[7]

Burgund im Habsburgerreich[Bearbeiten]

Der junge Karl V. mit der Kette des burgundischen Vliesordens

Philipp der Schöne wurde 1494 für mündig erklärt. Er starb aber bereits 1506. Erbe wurde in Kindesalter der spätere Karl V. Die Herrschaft wurde von einem Regentschaftsrat ausgeübt. Dieser erklärte 1515 den Herzog vorzeitig für mündig. Karl kam bald in Konflikt mit dem französischen König Franz I. auch weil er das Herzogtum Burgund zurückgewinnen wollte. Im Damenfriede von Cambrai von 1529 musste Karl auf den Besitz des Herzogtums Burgund verzichten. Er konnte aber die reichen burgundischen Niederlande behaupten. Auch verzichtete Franz I. auf die Lehnshoheit über die das burgundische Flandern und Artois. Damit waren einige Streitpunkte ausgeräumt. In den 1530er Jahren blieb Burgund weitgehend von den militärischen Auseinandersetzungen zwischen Karl und Franz I. verschont, die sich vorwiegend in Italien abspielten. Um den Besitz des Herzogtums Geldern kam es 1542 wieder zum Krieg. Im Frieden von Crépy schlossen die beiden Herrscher 1544 erneut Frieden.

Die militärischen Auseinandersetzungen haben die Absichten Karls behindert, die herzogliche Macht weiter auszubauen. Aber schon 1521 behandelte er Burgund in den Teilungsverträgen mit seinem Bruder Ferdinand I. so, als sei es ein einheitliches Staatsgebiet, und beanspruchte es für sich und seine Nachkommen als zweite, „niedere“ Erblande neben der Eigenherrschaft in Österreich.[8] Nach dem Frieden von Crepy löste Karl im Augsburger Vertrag von 1548 Burgund stärker als bisher vom Heiligen Römischen Reich, um sich selbst in eine Stellung als souveräner Landesherr zu bringen. Das Gebiet gehörte als Burgundischer Reichskreis zwar rechtlich und in Fragen von Sicherheit und Verteidigung nach außen weiter zum Reichsverband, aber es unterstand diesem etwa in Gesetzgebung und Rechtsprechung nicht.[9]

Im Inneren betrieb Karl die Politik der Herrschaftsverdichtung seiner Vorgänger weiter. Im Jahr 1531 fand eine Neuorganisation der Regierung statt. Es wurde ein Rat für Finanzen, einer für die Außenpolitik und einer für das Rechtswesen gebildet. Damit wurde eine Kontinuität des Regierungshandelns auch bei Abwesenheit des Herrschers oder seiner Statthalter gewährleistet. Karl setzte im Übrigen mit Margarethe von Österreich und Maria von Ungarn auf Frauen aus seinem Haus als Regentinnen.

Die Generalstände betrieben zu Karls Zeiten keine eigenständige Politik mehr. Allerdings suchten sie ihre Rechte etwa in der Bewilligung von Steuern zu bewahren. Eine Ausnahme in Hinblick auf aktiven Widerstand gegen herzogliche Steuerforderungen war 1536 die Stadt Gent. Diese weigerte sich einer Steuerforderung nachzukommen. Maria von Ungarn als Statthalterin reagierte 1539 mit der Absetzung des Magistrats. Die von ihr eingesetzte Stadtregierung wurde durch einen Zunftaufstand gestürzt. Karl V. ging gegen die Stadt militärisch vor, ließ eine Zitadelle bauen und beseitigte die Privilegien der Stadt.

Burgund war eine der wichtigsten Besitzungen innerhalb des Machtbereichs von Karl V. Der Reichtum des Landes trug maßgeblich zur Finanzierung seiner Machtpolitik bei. Im Jahr 1549 sprach Karl Burgund seinem Sohn Philipp II. zu, der als Nachfolger auf dem spanischen Thron vorgesehen wurde. Dieser residierte einige Jahre in Brüssel. Nachdem Philipp II. seinen Herrschaftsmittelpunkt nach Spanien verlegte, gerieten die burgundischen Niederlande an die Peripherie seines Machtbereichs, zumal nach der Trennung vom Herzogtum Burgund „das burgundische Element in den nördlichen Provinzen bald zurücktreten“ sollte, sodass die entstehenden Niederlande „nur bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts zur Geschichte Burgunds“ gehörten.[10]

Die Randlage der Niederlande im spanischen Reich ab Mitte des 16. Jahrhunderts war ein Grund dafür, dass die Stände dem Herrscher aus Madrid ihre Gefolgschaft aufkündigten. Im achtzigjährigen Krieg erkämpften die nördlichen Vereinigten Provinzen ihre Unabhängigkeit von der spanischen Linie der Habsburger. Ihr verblieben die Spanischen Niederlande, die 1714 österreichisch wurden.[11] Das burgundische Erbe der Habsburger in dessen territorialem Ausgangsgebiet endete mit der Abtretung der Freigrafschaft Burgund an Frankreich im Holländischen Krieg 1678; jedoch setzten die Habsburger Traditionen des burgundischen Hofes fort – etwa, indem sie den Orden vom Goldenen Vlies zum habsburgischen Hausorden machten.

Moderne[Bearbeiten]

Nach der Französischen Revolution wurde Frankreich 1790 in Départements aufgeteilt. Damit wurden sowohl das Herzogtum als auch die Freigrafschaft Burgund als politische Einheit aufgelöst und durch die heutigen Départements ersetzt.

Bei der Einteilung Frankreichs in Programmregionen im Jahre 1956 wurde die Regionen Burgund (Bourgogne) und Franche Comté in ihren heutigen Grenzen gebildet, die die jeweils vier Départements umfassen. 1972 erhielten die Regionen den Status eines Établissements public unter Leitung eines Regionalpräfekten. Durch die Dezentralisierungsgesetze von 1982 erhielten sie den Status einer Collectivité territoriale (Gebietskörperschaft), wie ihn bis dahin nur die Gemeinden und die Départements besessen hatten. Seitdem wurden die Befugnisse der Regionen gegenüber der Zentralregierung in Paris schrittweise erweitert.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ulrich Erdmann: Die Kelten in Burgund. Historischer und archäologischer Überblick... Reichert, Wiesbaden 2012, ISBN 978-3-89500-928-0.
  • Ulrich Erdmann: Römische Spuren in Burgund. Ein archäologischer Reiseführer. Reichert, Wiesbaden 2004, ISBN 3-89500-352-2
  • Hermann Kamp: Burgund. Geschichte und Kultur. Beck, München 2007, ISBN 3-406-53614-X.
  • Holger Kruse: Hof, Amt und Gagen. Die täglichen Gagenlisten des burgundischen Hofes (1430–1467) und der erste Hofstaat Karls des Kühnen (1456). (Pariser Historische Studien; 44). Bouvier, Bonn 1996, ISBN 3-416-02623-3 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hermann Kamp: Burgund. Geschichte und Kultur. Beck, München 2007, S. 8.
  2. a b c Hermann Kamp: Burgund. In: Johannes Fried (Hrsg.): Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends. C. H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62214-4, S. 26.
  3. Lexikon des Mittelalters. Band 2: Bettlerwesen bis Codex von Valencia. Lizenzausgabe, Unveränderter Nachdruck der Studienausgabe 1999. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2009, ISBN 978-3-534-22804-1, Sp. 1066.
  4. Zivilstandesregister von Givry (Saône-et-Loire) 1334–1357.
  5. Martin Wrede: Ohne Furcht und Tadel – Für König und Vaterland. Frühneuzeitlicher Hochadel zwischen Familienehre, Ritterideal und Fürstendienst. Thorbecke, Ostfildern 2012, Kapitel VI.3.2: Das Ideal: Le noble ordre de la Toison d’or – Überfluss, schöner Schein und konkreter Nutzen des glänzendsten Ordens der Christenheit, S. 248–278.
  6. Werner Paravicini: The Court of the Dukes of Burgundy. A Model for Europe? In: Ronald G. Asch, Adolf Birke (Hrsg.): Princes, Patronage and the Nobility. The Court at the Beginning of the Modern Age, c. 1450–1650. Oxford University Press, Oxford 1991, S. 69–102. Siehe auch ders. (Hrsg.): La cour de Bourgogne et L’Europe. Le rayonnement et les limites d’un modèle culturel. Thorbecke, Ostfildern 2012, ISBN 978-3-7995-7464-8.
  7. Esther-Beate Körber: Habsburgs europäische Herrschaft. Von Karl V. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Darmstadt 2002, S. 16–18.
  8. Volker Press: Die Niederlande und das Reich in der Frühen Neuzeit. In: Wim P. Blockmans, Herman van Nüffel (Hrsg.): État et Religion aux XVe et XVIe siècles. Actes du colloque à Bruxelles du 9 au 12 octobre 1984. Archives Générales du Royaume de Belgique, Brüssel 1986, S. 321–338.
  9. Ausführlich zu dieser Frage Felix Rachfahl: Die Trennung der Niederlande vom Deutschen Reiche. In: Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst 19 (1900), S. 79–119, und Nicolette Mout: Die Niederlande und das Reich im 16. Jahrhundert (1512–1609). In: Volker Press (Hrsg.): Alternativen zur Reichsverfassung in der Frühen Neuzeit? Oldenbourg, München 1995, ISBN 3-486-56035-2, S. 143–168.
  10. Hermann Kamp: Burgund. Geschichte und Kultur. Beck, München 2007, S. 95.
  11. Esther-Beate Körber: Habsburgs europäische Herrschaft. Von Karl V. bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Darmstadt 2002, S. 19–22.