Burgundische Geschichte

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Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Frühgeschichte

Die heutige Region Burgund war schon im Palaeolithikum von Menschen besiedelt. Funde am Felsen von Solutré weisen schon für die Zeit um 15.000 v. Chr. eine dichte Besiedelung nach.

Vom 6. Jahrhundert v. Chr. bis zur Ankunft der Römer ist die keltische Kultur der Gallier vorherrschend, vor allen Dingen vertreten durch die Haeduer und die Mandubier, die auch in Caesars De bello gallico Erwähnung finden. Bedeutende Ansiedlungen der Stämme waren Bibracte in der Nähe des heutigen Autun und Alesia nahe Dijon.

[Bearbeiten] Römische Zeit und Spätantike

Um 59 v. Chr. besiegten die Römer unter Julius Caesar die Helvetier und andere gallische Stämme bei Bibracte (heute Saint-Léger-sous-Beuvray), auf dem Mont Beuvray, zwischen Autun und Le Creusot. Im Jahr 52 v. Chr. schlugen die Römer, wiederum unter Caesar, bei Alesia, dem heutigen Alise-Sainte-Reine, den gallischen Aufstand unter Vercingetorix nieder. Es folgte die Eingliederung Galliens in das Römische Reich und die langsame sprachliche und kulturelle Romanisierung seiner Einwohner.

Um 43 v. Chr. wurde Augustodunum (Autun) gegründet. Um 280 begann der Weinbau der Region.

Das Volk oder der Stamm der Burgunden (auch Burgunder) wird den Ostgermanen zugerechnet. In der Spätantike begründeten es an der Rhône ein eigenständiges Reich. Obwohl dieses historisch kaum faßbare Reich bereits 436 einem hunnischen Angriff zu Opfer fiel, geriet es nicht ganz in Vergessenheit. Heldenlieder und dann vor allem das Nibelungenlied in Verlaufe des 12. Jahrhunderts zu Pergament gebracht, besang seinen Untergang. Politisch blieb dieses erste Burgunderreich indes bedeutungslos.[1]

[Bearbeiten] Die Königreiche des frühen Mittelalters

[Bearbeiten] Das erste Reich der Burgunder 443–532

Hauptartikel: Burgunden

Das Königreich der Burgunder bis 534

Der im Zuge der Völkerwanderung an den Oberrhein gelangte germanische Stamm der Burgunden, der zwischenzeitlich den Status eines römischen Foederaten erlangt hatte, wurde nach erneuten Konflikten und Niederlage gegen die Römer 443 von diesen im Bereich des Genfersees in der heutigen Westschweiz und in Savoyen angesiedelt. Da die Burgunder jedoch der ansässigen keltoromanischen Bevölkerung zahlenmäßig stark unterlegen waren, konnten sie zwar eine um ihren König vereinte Herrenschicht bilden, wurden jedoch bald romanisiert.

Im Laufe des 5. Jahrhunderts gingen die noch bestehenden Reste der römischen Verwaltung in der des Königreichs der Burgunder auf, und um 507 ist erstmals der Name Burgundia als Bezeichnung des neuen Reiches belegt. Die Burgunder eroberten nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches weitere Gebiete um ihr Kernland, nördlich bis in die Gegend von Troyes, westlich bis an die Loire, südlich bis Orange und im Osten bis an den Alpenkamm bzw. an den Rhein und die Aare. Obwohl dieses Reich keine 100 Jahre existierte, hinterließ es eindeutige Spuren im kollektivem Gedächtnis seiner Bewohner[1].

[Bearbeiten] Das fränkische Teilreich Burgund

Hauptartikel: Burgund (Frankenreich), Königreich Burgund

Das fränkische Teilreich Burgundia
Die Königreiche Hoch- und Niederburgund sowie das Herzogtum von Richard dem Gerichtsherrn
Das Herrschaftsgebiet Karls des Kühnen. Im Spätmittelalter erreichte das Reich des Hauses Valois-Burgund de facto den Status einer unabhängigen Mittelmacht in Europa

Um das Jahr 506 nahm der Burgunderkönig Sigismund den römisch-katholischen Glauben an. Sigismund ließ seinen Sohn Sigerich wegen vermeintlichem Verrat hinrichten, was dessen Großvater und Gotenkönig Theoderich als Kriegserklärung ansah. Damit aber verlor Sigismund einen wichtigen Bündnispartner gegen die benachbarten, ebenfalls germanischen Franken. Im Jahr 534 unterwarfen die Franken, geführt von den Söhnen des Merowingerkönigs Chlodwig, die Burgunder und das Gebiet wurde Frankreich zugeschlagen. Dennoch begann die dort lebende Bevölkerung die Gegend als Burgund zu bezeichnen, um so ihren besonderen Charakter gegenüber den Franken zu betonen. Und so verknüpfte sich der Namen Burgund fest mit der Landschaft zwischen Jura und Morvan, dem Plateau von Langres und den Seealpen. Im 6. und 7. Jahrhundert entstand bei Erbteilungen zweimal ein fränkisches Teilreich Burgund, das aber beide Male wieder mit dem Gesamtreich vereint wurde. Innerhalb des Frankenreiches blieb Burgund weiterhin als Reichsteil bestehen. Mit den Karolingern verschwand das Teilreich Burgund wieder von der politischen Landkarte, doch der Landschaftsname blieb erhalten.[1] Als 843 das Fränkische Reich im Vertrag von Verdun erneut geteilt wurde, fand die territoriale Einheit der alten Burgundia ein Ende: Die östlich der Saône liegenden Gebiete fielen dem Reich Lothars zu, die westlich liegenden, die etwa der heutigen Region entsprechen, kamen zum westfränkischen Reich. Diese Grenze blieb langfristig bestehen.

Nach weiteren Teilungen und Grenzverschiebungen (Teilung von Prüm, Vertrag von Meersen, Vertrag von Ribemont, Erwerbung Italiens durch Karl den Kahlen von Westfranken nach dem Tod Ludwigs II.) löste sich nach dem Tod Kaisers Karl des Kahlen 877 zunächst Niederburgund unter dem Buviniden Boso von Vienne, der 879 König wurde, vom Frankenreich. Nach der Absetzung 887 des ostfränkischen Königs und Kaisers Karl des Dicken ließ sich 888 der Welfe Rudolf zum König von Hochburgund wählen. Diese beiden von den Karolingern unabhängigen Herrschaften wurden 930/951 unter Rudolf II. und Konrad III. von Hochburgund im Königreich Arelat vereint. Arelat ging 1033 durch Erbfall an das Heilige Römische Reich, wo es trotz formell zunächst einheitlicher Verwaltung durch das Rektorat von Burgund zunehmend in selbstständige Grafschaften zerfiel, unter ihnen die Grafschaft Burgund, die später zur Pfalz-, dann zur Freigrafschaft wurde.

Der Teil Burgunds, der unter der Herrschaft des Westfränkischen Reiches verblieben war, wurde zuerst noch als Regnum Burgundiae bezeichnet. In Vertretung des karolingischen Königtums begründete Richard der Gerichtsherr 918 ein zuerst persönliches Herzogtum in seiner Familie. Erst seit 1075 ist ein gebietsbezogenes Herzogtum Burgund nachweisbar.[2]

[Bearbeiten] Hoch- und Spätmittelalter: Herzogtum und Freigrafschaft Burgund

910 wurde das Benediktinerkloster Cluny gegründet. Die Benediktiner machten Burgund im Mittelalter zum geistigen Mittelpunkt Europas.

1016 besiegte der französische König Robert II. die Erben des Herzogs Heinrich des Großen. 1031 wurde das Herzogtum Burgund Robert, dem zweiten Sohn des französischen Königs Robert II. aus dem Haus der Kapetinger, als Apanage zugewiesen. 1031 bis 1361 regierten die Kapetinger-Herzöge im Herzogtum Burgund. Am 2. Februar 1033 ließ sich der Römisch-deutscher Kaiser Konrad der Ältere in Peterlingen (Payerne) von seinen Anhängern zum König von Burgund wählen und krönen.

Der Pestepidemie von 1348 fiel etwa die Hälfte der Bewohner Burgunds zum Opfer.[3]

[Bearbeiten] Das Reich des Hauses Valois-Burgund im Spätmittelalter

Hauptartikel: Haus Burgund

Nachdem die Dynastie der Kapetinger-Herzöge mit Philipp I. 1361 erloschen war, verlieh König Johann der Gute das Herzogtum 1363 seinem jüngsten Sohn Philipp dem Kühnen. Dieser verheiratete sich mit der Witwe seines Vorgängers, der Erbtochter des Grafen von Flandern, und brachte damit neben Flandern auch die zum Heiligen Römischen Reich gehörende Freigrafschaft Burgund in seinen Besitz. Er wurde so der Begründer des Hauses Burgund, einer Seitenlinie des französischen Königshauses der Valois und einer der mächtigsten Dynastien des Spätmittelalters, die im französisch-deutschen Grenzraum einen großen Länderkomplex aufbaute, aus dessen nördlichem Teil, den Burgundischen Niederlanden, später die heutigen Benelux-Länder hervorgingen. Im Hundertjährigen Krieg zwischen den Herrscherhäusern Englands und Frankreichs trieben Philipp († 1404) und seine drei Nachfolger eine eigenständige Politik, indem sie sich zu ihrem Vorteil mal mit der einen, mal mit der anderen Seite, meist aber mit den Engländern verbündeten.

1404–1419 regierte Herzog Johann Ohnefurcht, 1419–1467 Herzog Philipp der Gute, 1467–1477 Herzog Karl der Kühne. Unter den Herzögen von Burgund erreichte das Land seine Höchstblüte. Residenzstadt war Dijon, die flämischen Städte wie Gent, Brügge oder Löwen waren jededoch wirtschaftlich bedeutender.

Die Herzöge Philipp der Kühne und Johann Ohnefurcht verstanden sich selbst vor allem als mächtige französische Fürsten und Mitglieder des französischen Königshauses, als welche sie sich zur Regierungszeit des geistesgestörten Königs Karls VI. wie selbstverständlich in innerfranzösische Angelegenheiten einmischten. Dies änderte sich unter den beiden nächsten und letzten Burgunderherzögen, die sich als faktisch souveräne Herrscher betrachteten und verhielten.

Während Philipp der Gute sein Territorium, vor allem im Bereich der jetzigen Niederlande, mit viel politischem Geschick zu arrondieren und zu konsolidieren verstanden hatte und zuletzt über einen reichen und mächtigen Staat regierte, in dem Brüssel in die Rolle der Hauptstadt hineinwuchs, versuchte sein Nachfolger Karl, die Expansion mit militärischer Gewalt fortzusetzen. 1474–1477 führte er Kriege gegen die Schweizer Eidgenossenschaft. 1475 ließ er seine Truppen das Herzogtum Lothringen besetzen, das seine nördlichen und die südlichen Gebiete voneinander trennte. 1477 wurde er in der Schlacht bei Nancy von den verbündeten Eidgenossen und Lothringern geschlagen, er selber fiel in der Schlacht.

1477 heiratete Karls Tochter und Alleinerbin, Maria von Burgund, den späteren römisch-deutschen Kaiser Maximilian von Habsburg. Der französische König Ludwig XI. erklärte daraufhin das Herzogtum Burgund, das Mâconnais, das Auxerrois und das Charolais zu heimgefallenen Lehen und besetzte die Gebiete. Maximilians Versuche, die Gebiete militärisch zurückzugewinnen (1513 z.B. wurde Dijon durch kaiserliche Truppen belagert), blieben letztlich erfolglos.

[Bearbeiten] Neuzeit

Nach der Französischen Revolution wurde Frankreich 1790 in Départements aufgeteilt. Damit wurden sowohl das Herzogtum als auch die Freigrafschaft Burgund als politische Einheit aufgelöst und durch die heutigen Départements ersetzt.

1794 wurde der Canal du Centre zwischen der Saône und der Loire eröffnet.

Bei der Einteilung Frankreichs in Programmregionen im Jahre 1956 wurde die Regionen Burgund (Bourgogne) und Franche Comté in ihren heutigen Grenzen gebildet, die die jeweils vier Départements umfassen. 1972 erhielten die Regionen den Status eines Établissements public unter Leitung eines Regionalpräfekten. Durch die Dezentralisierungsgesetze von 1982 erhielten sie den Status einer Collectivité territoriale (Gebietskörperschaft), wie ihn bis dahin nur die Gemeinden und die Départements besessen hatten. Seitdem wurden die Befugnisse der Regionen gegenüber der Zentralregierung in Paris schrittweise erweitert.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b c Hermann Kamp: Burgund. In: Die Welt des Mittelalters, S.26. C.H. Beck, München, 2011.
  2. Lexikon des Mittelalters, Bd. 2, Spalte 1066.
  3. Zivilstandesregister von Givry (Saône-et-Loire) 1334-1357

[Bearbeiten] Weblinks

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