Herzogtum Limburg (1839–1866)

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Dieser Artikel behandelt das Herzogtum Limburg (1839–1866), nicht zu verwechseln mit dem Herzogtum Limburg (11. Jh. bis 1793). Für andere Bedeutungen des Begriffs Limburg siehe die Begriffsklärungsseite Limburg.
Herzogtum Limburg
Bundesstaat des
Deutschen Bundes
Wappen Flagge
Wappen von Limburg Inoffizielle Flagge des Herzogtums Limburg
 
Landeshauptstadt Maastricht
Regierungsform Monarchie
Staatsoberhaupt 1839–1840 Wilhelm I.
1840–1849 Wilhelm II.
1849–1866 Wilhelm III.
Dynastie Haus Oranien-Nassau
Bestehen 18391866
Fläche 2.132 km²
Einwohner 147.527 (1839)
Bevölkerungsdichte 69 Ew./km² (1839)
Engerer Rat Virilstimme, zusammen mit Luxemburg
Entstanden aus Königreich der Vereinigten Niederlande
Aufgegangen in Königreich der Niederlande
Karte
Das Herzogtum Limburg nach der Teilung Limburgs 1839

Das Herzogtum Limburg (niederländisch Hertogdom Limburg) wurde 1839 neu als Teil des Deutschen Bundes errichtet und bestand bis zu dessen Auflösung im Jahr 1866. Es entstand in der Tradition des alten Herzogtums Limburg, das seit dem frühen 11. Jahrhundert im Heiligen Römischen Reich bis ins Jahr 1793 existierte und dann von Frankreich in den Revolutionskriegen annektiert wurde.

Teilung der Provinz Limburg[Bearbeiten]

Die Provinz Limburg 1815–1830 vor der Teilung

Nach der Belgischen Revolution 1830/31 war es zur Teilung des Königreichs der Vereinigten Niederlande in einen südlichen neugegründeten Staat Belgien und die nördlichen Niederlande gekommen. Die Provinz Limburg hatte sich während der belgischen Revolution ganz überwiegend Belgien angeschlossen, allerdings war die wichtige Festungsstadt Maastricht und das benachbarte Sint Pieter (heute ein Stadtteil von Maastricht) in niederländischer Hand verblieben.[1] Das Großherzogtum Luxemburg, das Teil des Deutschen Bundes war und ebenfalls vom niederländischen König Wilhelm I. regiert wurde, schloss sich ebenfalls ganz überwiegend der belgischen Revolution an, allerdings verblieb die Haupt- und Festungsstadt Luxemburg unter Kontrolle der Niederländer.

Das Herzogtum Limburg zwischen den Niederlanden und dem übrigen Deutschen Bund 1839–1866

Im Jahr 1839 kam es dann im Vertrag von London zur Einigung zwischen den Niederlanden und Belgien. Die Niederlande erkannten die belgische Unabhängigkeit an. Außerdem kam es zu territorialen Ausgleichen: Der größte Teil des Großherzogtums Luxemburg (der französischsprachige Teil zusammen mit dem deutschsprachigen Ort Arel) kam zu Belgien, schied aus dem Deutschen Bund aus und wurde zur belgischen Provinz Luxemburg. Das verkleinerte Großherzogtum Luxemburg, das damit zwei Drittel seiner Staatsfläche und die Hälfte (etwa 175.000 Einwohner) seiner Bevölkerung verloren hatte, verblieb weiter im Deutschen Bund und auch in Personalunion mit den Niederlanden. Die Provinz Limburg wurde zwischen den Niederlanden und Belgien geteilt. Der nordöstliche Teil mit Maastricht und Venlo kam wieder unter die Herrschaft des niederländischen Königs, der südwestliche Teil bildete die belgische Provinz Limburg mit Hauptort Hasselt. Als Ausgleich für den Gebiets- und Bevölkerungsverlust des Deutschen Bundes in Luxemburg wurde der niederländische Teil Limburgs, der eine ähnliche Bevölkerungszahl wie die abgetretenen Gebiete Luxemburgs hatte, als Herzogtum Limburg, allerdings ohne die Festungen Maastricht und Venlo, Teil des Deutschen Bundes.[1][2] Das Herzogtum Limburg wurde somit am 19. April 1839[2] neu gegründet und wie das Großherzogtum Luxemburg in Personalunion vom niederländischen König regiert. Die Aufnahme mit den Grenzveränderungen wurde in der Tagung des Bundestages in Frankfurt am 5. September 1839[3] vollzogen.

Das Herzogtum Limburg im Deutschen Bund[Bearbeiten]

Die Mitgliedschaft im Deutschen Bund führte auch zur Verpflichtung des Herzogtums, sich an militärischen Auseinandersetzungen des Deutschen Bundes angemessen zu beteiligen. Da das Herzogtum Limburg in Personalunion mit Luxemburg verbunden war, hatten beide im Plenum des Deutschen Bundes nur eine gemeinsame Stimme[4], somit veränderte sich die Zahl der Mitglieder im Bund nicht. Während der Deutschen Revolution 1848/1849 wählte die Bevölkerung des Herzogtums 2 Abgeordnete in das Paulskirchenparlament Die Bindung an den Deutschen Bund endete 1866, als dieser nach dem Deutschen Krieg zwischen Preußen und Österreich aufgelöst wurde. Limburg und Luxemburg verließen danach den Verbund der deutschen Staatengemeinschaft. Die Aufforderung Bismarcks, sich dem neu gegründeten Norddeutschen Bund anzuschließen, wurde von den limburgischen Repräsentanten einhellig zurückgewiesen.[5] Im Zuge der Luxemburgkrise 1867 wurde auf der Londoner Konferenz geregelt, dass sowohl Luxemburg als auch das Herzogtum Limburg außerhalb des Norddeutschen Bundes bleiben sollten. Der Titel Herzogtum verlor nach dem Austritt an Bedeutung, da Limburg nun eine Provinz der Niederlande war, blieb aber bis 1906 bestehen.

Änderungen nach dem Vertrag von London 1839

Von 1831 bis 1839 entsandte Limburg offizielle Vertreter nach Brüssel. Nach 1839 entsandte man Vertreter nach Den Haag und nach Frankfurt am Main zum Deutschen Bund. In der Bevölkerung bestand noch lange Zeit belgische und deutsche Tradition als Ausdruck der Verbundenheit mit der Zugehörigkeit zum einen oder anderen Teil der Herrschaft. Auch heute noch unterscheidet sich Limburg deutlich von anderen Teilen der „Kern-Niederlande“, etwa Holland, Zeeland und Utrecht.

Die Einwohnerzahl des Herzogtums Limburg lag 1839 bei 147.527.[2] Seit 1843 durchzieht die Aachen-Maastrichter Eisenbahn den südlichen Teil des Herzogtums, erst im Jahre 1865 wurde die Bahnverbindung Maastricht-Roermond-Venlo fertiggestellt.[2]

Mit der Auflösung des deutschen Bundes 1866 wurde das Herzogtum als Provinz Limburg vollumfänglicher Bestandteil des Königreichs der Niederlande.

In Erinnerung an die komplizierten Verhältnisse und wechselnde Zugehörigkeiten als Herzogtum und Generalitätsland wurde in der Bevölkerung der Beauftragte der niederländischen Königin für Limburg inoffiziell immer noch als Verwalter (Gouverneur) bezeichnet.

Herzoge[Bearbeiten]

Nach 1866 blieb der Titel Hertog van Limburg als ein persönlicher Adelstitel für Willem III. bestehen. Aufgrund des Gesetzes über den Adel konnten Adelstitel aber nicht an die weibliche Linie der Nachkommen übergehen, so dass Wilhelm III. der letzte Träger des Adelstitel „Herzog von Limburg“ war.

Flagge[Bearbeiten]

Eine offiziell bestätigte Flagge gab es nicht, jedoch wurde ab 1841 von verschiedenen Seiten eine rot-weiß längsgestreifte Flagge propagiert (s. Abb.; Proportionen und Farbtöne unverbindlich). Die Farben leiteten sich aus dem offiziell genehmigten Wappen ab.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJ. W. Swaen: Een geschiedenis van Nederland: Deel 11: Staatkundige verhoudingen Limburg en de Duits Bond. Abgerufen am 13. Dezember 2012 (niederländisch).
  2. a b c d Artikel des "Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz (IEG)" über Geschichte, Geographie, Wirtschaft, Verkehr und Bildung des hist. Gebietes (PDF; 25 kB)
  3. www.hgisg-ekompendium.ieg-mainz.de/ Grenzänderungen des Deutschen Bundes 1839
  4. Artikel des "Leibniz-Instituts für Europäische Geschichte Mainz (IEG)" über den Deutschen Bund (PDF; 38 kB)
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAndré Beening: D-NL: Politische Beziehungen im 18./19. Jahrhundert: V. 1862-1890: Der Bauer auf dem Schachbrett von Bismarck. Westfälische Wilhelms-Universität Münster, Januar 2007, abgerufen am 13. Dezember 2012.
  6. Jos Poels, Guus Urlings: Hoog in top. 60 jaar Limburgse vlag 1953-2013; Mooi Limburgs Boekenfonds, Provincie Limburg 2013, ISBN 978-90-8596-092-8, S. 18 ff.