Herzogtum Lothringen

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Territorium im Heiligen Römischen Reich

Herzogtum Lothringen 925 - 1766
Wappen
Urwappen Lothringens Lorraine Arms 1430.svg COA polish king Stanislas Leszczynski.svg
Karte
Heiliges Römisches Reich deutscher Nation um 1000
Lage im Reichskreis
Alternativnamen Duché de Lorraine et de Bar ; Herzogtum Bar-Lothringen
Entstanden aus Lotharii Regnum
Herrschaftsform Herzogtum
Herrscher/Regierung Herzog
Heutige Region/en FR-54 FR-57 FR-55 FR-88 FR-67 FR-68 DE-RP DE-SL
Reichstag Bank der weltlichen Fürsten mit Virilstimme
Reichsmatrikel 60 zu Ross und 277 zu Fuß ; 600 Gulden (1521)
Reichskreis Oberrheinischer Kreis
Kreistag Worms ; Frankfurt am Main
Hauptstädte/Residenzen Nancy ; Schloss Lunéville
Dynastien Haus Elsass ; Haus Lothringen ; Haus Anjou; Haus Lothringen-Vaudémont ; Haus Habsburg-Lothringen ; Haus Leszczyński
Konfession/Religionen römisch-katholisch; jüdische, kalvinistische und amische Minderheiten
Sprache/n Französisch Deutsch Fränkische Sprachen Lothringisch
Aufgegangen in 1766 : Französisches Königreich


Das Herzogtum Lothringen entstand aus dem 843 gebildeten Lotharii Regnum (lateinisch für Reich des Lothar, auch Lotharingien) und war bis 1766 Teil des Heiligen Römischen Reiches. Das Gebiet im Nordosten des heutigen Frankreich entspricht teilweise der Region Lothringen.

Geschichte[Bearbeiten]

Keltische, römische und merowingische Epoche[Bearbeiten]

Die älteste bekannte Karte Lothringens (1508)

Schon in der Steinzeit sind erste Besiedlungsspuren nachweisbar. In keltischer Zeit wurde das Gebiet von den Stämmen der Treverer und Mediomatriker besiedelt, die nach der römischen Eroberung durch Caesar wie im übrigen Gallien in einer gallo-römischen Mischkultur aufgingen. In römischer Zeit gehörte Lothringen zur Provinz Gallia Belgica. In der fränkischen Landnahme unter den Merowingern gehörte Lothringen zum rheinfränkischen und alemannischen Einflussbereich. Die Grenze zum ursprünglichen Machtbereich Chlodwigs verlief relativ genau in Nord-Süd-Richtung entlang der Maas. Durch die Einigung der Franken unter Chlodwig und die nach seinem Tode einsetzenden Reichsteilungen wurde Metz die Hauptstadt des merowingischen Teilreiches Austrasien („Ostreich“). Erst mit dem Reich Karls des Großen entstand wieder eine Einheit der ost- und der westfränkischen Gebiete und Völker, so dass Lothringen plötzlich in die Mitte des Reiches rückte.

Entstehung Lotharingiens[Bearbeiten]

Nach dem Tode Kaiser Ludwigs des Frommen im Jahre 840 wurde das Fränkische Reich 843 im Vertrag von Verdun unter seinen Söhnen aufgeteilt. Das „Mittelreich“ fiel als Lotharii Regnum („Reich des Lothar“) – zusammen mit der Kaiserwürde – an Lothar I.; es erstreckte sich von den „niederen Landen“ (heute Niederlande und Belgien) über Burgund bis zur Kaiserstadt Rom in Italien. 855 wurde dieses Reich in der Prümer Teilung erneut aufgeteilt. Lothar II. erhielt den Teil zwischen Maas und Rhein, der Nordseeküste und Besançon, und nach diesem erhielt es seinen Namen Lotharingien.

Lothringen nach dem Vertrag von Verdun

Dieses karolingische Lotharingien umfasste außer dem heutigen Lothringen noch das Saarland, Luxemburg, Trier und die (deutsche) Mosel, Wallonien, den Niederrhein mit Aachen, Köln und Duisburg und den Süden der Niederlande im Bereich Maastricht, Eindhoven, Breda. Nach dem Tod Lothars II. wurde Lotharingien 870 im Vertrag von Mersen zunächst zwischen dem Ostfrankenreich und dem Westfrankenreich aufgeteilt. Dabei fiel der reichere Osten mit Utrecht, Köln und Straßburg, vor allem aber mit der Kaiserstadt Aachen, an das Ostfrankenreich. 876, nach dem Tode des ostfränkischen Königs Ludwig des Deutschen, versuchte der westfränkische König Karl der Kahle auch die Osthälfte Lotharingiens zu erobern. In der Schlacht bei Andernach wurde er aber von Ludwig III., einem Sohn Ludwigs des Deutschen, geschlagen.

877 starb Karl der Kahle, 2 Jahre danach auch sein Sohn Ludwig der Stammler, so dass es Ludwig III. gelingen konnte, im Vertrag von Ribemont 880 auch den Westteil Lotharingiens zu gewinnen. Fortan gehörte ganz Lotharingien zum Ostfrankenreich. Zwischen 900 und 911 zerfiel im Ostfrankenreich unter Ludwig dem Kind die Zentralgewalt, und es bildeten sich Stammesherzogtümer. Auch Lotharingien wurde Herzogtum. Nach dem Aussterben der Karolinger im Ostfrankenreich (911) schloss sich das Herzogtum Lothringen wieder dem Westfrankenreich an. Nachdem König Heinrich I. die Zentralgewalt im Ostfrankenreich wiederhergestellt hatte, unterwarf sich ihm 925 auch der lothringische Herzog Giselbert. Heinrich gliederte das Herzogtum Lothringen als fünftes Stammesherzogtum in das Ostfrankenreich ein und stellte damit die territorialen Verhältnisse des Jahres 880 wieder her. Die Karolinger aus dem Westfrankreich versuchten mehrfach, Lothringen zurückzugewinnen. 942 musste Ludwig IV. nach dem Krieg von 940 endgültig auf Lothringen verzichten.

Herzogtum Lothringen um 1000 mit Ober- und Niederlothringen
Herzogtum Lothringen um 1400
Herzogtum Lothringen (1756)

Aufteilung in Ober- und Niederlothringen[Bearbeiten]

959 wurde das Herzogtum in zwei Herzogtümer aufgeteilt: Oberlothringen (umfasst das heutige Lothringen, die Saar, Luxemburg, Trier, Prüm und Koblenz) und Niederlothringen (im Norden). 978 versuchte König Lothar von Frankreich abermals Lothringen zu vereinnahmen, nachdem Otto der Große gestorben war (Überfall auf Otto II. in Aachen). 980, Vergeltungszug Otto II. bis kurz vor Paris. Frankreich stellte (vorläufig) seine Eroberungsversuche ein. (Wohl) im 12. Jahrhundert wurde der Grenzverlauf zwischen Ober- und Niederlothringen geändert: Luxemburg, Trier, Prüm und Koblenz fielen an Niederlothringen. Im Zuge der Entwicklung von Territorien innerhalb des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ca. 1210–1360 zerfiel Niederlothringen in die Herzogtümer Luxemburg, Limburg, Jülich und Brabant sowie zahllose weitere Herrschaften. In Oberlothringen spaltete sich mit dem Herzogtum Bar ebenfalls ein Herzogtum ab, ein großer Teil des Landes blieb aber unter dem Namen „Herzogtum Lothringen“ eine politische Einheit mit der Hauptstadt Nancy. Metz, Toul und Verden (Verdun) wurden freie Reichsstädte; die Bischöfe von Metz, Toul und Verdun erwarben ebenfalls kleinere reichsunmittelbare Territorien.

Wappen des Herzogtums (1697)

1380 kam es zur Wiedervereinigung der Hälfte des Herzogtums Bar mit dem Herzogtum Lothringen. 1430–1473 erwarben die Herzöge von Burgund den größten Teil Niederlothringens, nämlich den Hennegau, Brabant, Limburg, Luxemburg, Holland, Zeeland und Geldern. Diese Teile Niederlothringens fielen später (1477) in das burgundische Erbe und damit an das deutsche Fürstenhaus Habsburg, später an Spanien bzw. die Niederlande und entfremdeten sich dem Römisch-Deutschen Reich. Der Rest Niederlothringens (Niederrhein, Aachen, Trier) blieb beim Reich, der Name Niederlothringen ist aber nicht mehr gebräuchlich. Der Name „Lothringen“ beschränkte sich nunmehr auf Oberlothringen bzw. auf das dortige Herzogtum Lothringen. 1475 eroberte Herzog Karl der Kühne von Burgund auch das Herzogtum Lothringen, woraufhin Bern ihm den Krieg erklärte, ihn 1477 in der Schlacht bei Nancy besiegte und die Unabhängigkeit Lothringens innerhalb des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation wiederherstellte. 1542 wurde im Vertrag von Nürnberg die Bindung Lothringens zum Reich durch Herzog Anton den Guten gelockert, der in den Jahren zuvor schon ein Übergreifen der Reformation auf Lothringen verhindern konnte.

Wachsender Einfluss Frankreichs[Bearbeiten]

1552 verkaufte Moritz von Sachsen in einem Komplott gegen den Kaiser Karl V. das Reichsvikariat über die drei Reichsstädte Metz, Toul und Verdun mit einer mehrheitlich französischsprachigen Bevölkerung für 70.000 Goldkronen monatliche Unterstützung an Frankreich: Es wird auch für gut erachtet, daß die Königl. Majestät zu Frankreich sofort die Städte, so zum Reich von alters her gehört haben und nicht deutscher Sprache sind, als nämlich Cambrai, Toul, Metz und Verdun, ohne Verzug einnehme und die als Vikar des Reiches innehabe und behalte (Vertrag von Chambord). Der französische König Heinrich II. ließ Lothringen besetzen und Christina von Dänemark, eine Nichte Karls V., die für ihren minderjährigen Sohn Karl III. im Sinne der Habsburger regierte, vertreiben. Der Krieg zwischen dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und Frankreich um diese drei Städte dauerte bis 1556, als der römisch-deutsche König und spätere Kaiser Ferdinand I. den Krieg einstellte. Die Städte blieben bei Frankreich. Auch die bischöflichen Territorien fielen an Frankreich. Karl III. wurde 1559 mit Claudia von Valois, der Tochter Heinrichs II. verheiratet.

Im Zuge der Fronde wurde Lothringen im September 1633 auf Geheiß Richelieus besetzt. Im Westfälischen Frieden von 1648 blieb es unberücksichtigt und erst im Frieden von Vincennes 1661 wurde der Abzug der Franzosen festgelegt. Dabei verblieben strategisch wichtige Orte bei Frankreich, das eine Landverbindung von Verdun und eine von Toul bis ins Elsass erhielt, wodurch Lothringen in drei unverbundene Territorien aufgespalten wurde.

Als Herzog Franz Stephan von Lothringen beabsichtigte, Maria Theresia zu heiraten, die nach dem Willen ihres Vaters Thronerbin von Österreich werden sollte (Pragmatische Sanktion), protestierte Frankreich, das ein Wiedererstarken der österreichischen Macht am Rhein befürchtete. Daraufhin tauschte Franz Stephan sein Land im Vertrag von Wien 1735, der den Polnischen Thronfolgekrieg beendete, gegen das Großherzogtum Toskana. Er heiratete 1737 Maria Theresia und wurde 1745 als Franz I. römisch-deutscher Kaiser. Der polnische König Stanislaus I. Leszczyński erhielt Lothringen auf Lebenszeit zugesprochen, nach seinem Tod am 23. Februar 1766 fiel es vereinbarungsgemäß an Frankreich.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Walther Kienast: Der Herzogstitel in Frankreich und Deutschland (9. bis 12. Jahrhundert). München 1968.
  • Rüdiger E. Barth: Der Herzog in Lothringen im 10. Jahrhundert. Thorbecke, Sigmaringen 1990, ISBN 3-7995-4128-4.
  • Matthias Werner: Der Herzog von Lothringen in salischer Zeit. In: Stefan Weinfurter (Hg.): Die Salier und das Reich. Bd. 1: Salier, Adel und Reichsverfassung. Thorbecke, Sigmaringen 1991, S. 367–473.

Weblinks[Bearbeiten]