Hesel

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hesel (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hesel
Hesel
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hesel hervorgehoben
53.3052777777787.59361111111119Koordinaten: 53° 18′ N, 7° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Leer
Samtgemeinde: Hesel
Höhe: 9 m ü. NHN
Fläche: 44,02 km²
Einwohner: 4520 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 103 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26835
Vorwahl: 04950
Kfz-Kennzeichen: LER
Gemeindeschlüssel: 03 4 57 010
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Rathausstraße 14
26835 Hesel
Webpräsenz: www.hesel.de
Bürgermeister: Gerd Dählmann (CDU)
Lage der Gemeinde Hesel im Landkreis Leer
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Hesel ist eine Gemeinde im Landkreis Leer in Niedersachsen und gehört zur Samtgemeinde Hesel, deren Verwaltungssitz sie ist.

Geografie[Bearbeiten]

Hesel liegt zentral in Ostfriesland auf der Kreuzung des ostfriesisch-oldenburgischen Geestrückens mit einem Ausläufer der Geest in Richtung Leer. Die Heseler Umgegend ist eine der höchstgelegenen Regionen Ostfriesland. Die höchste Erhebung des Gemeindegebiets im Heseler Wald liegt 17 Meter über NN. Die Böden sind eher sandig, um die Geest herum gab es viele Moorgebiete, die heute alle abgetorft sind und deutlich niedriger liegen als die Geest. Entwässert wird Hesel nach Norden in den Fluss Bagbander Ehe und nach Süden in die Holtlander Ehe.

Gemeindegliederung[Bearbeiten]

Die Gemeinde nimmt einen Großteil der Fläche der Samtgemeinde Hesel ein, nicht zuletzt, da mehrere kleine Orte nach Hesel eingemeindet wurden. Folgende Dörfer gehören zur Gemeinde Hesel:

Geschichte[Bearbeiten]

Hesel ist eine sehr alte Ortschaft. Das älteste Zeugnis menschlicher Kultur, das je in Ostfriesland gefunden wurde, stammt aus Hesel. Es ist eine prähistorische Feuerstätte, die etwa 10.000 Jahre alt ist. Auch viele weitere Spuren vorgeschichtlicher Zeit finden sich in Hesel. Zuletzt wurden beim Bau eines Marktes Spuren einer Kultstätte im Alter von etwa 3.000 Jahren entdeckt. Der älteste gefundene Hausgrundriss stammt aus der Zeit um 2000 vor Christi Geburt. Zudem fanden und finden sich zahlreiche prähistorische Grabhügel in Hesel. Die Vorgeschichte Hesels gehört zu den am besten erforschten in Ostfriesland.

Bis zum 5. Jahrhundert vor Christus war das Heseler Gebiet kontinuierlich besiedelt, danach folgt eine Siedlungslücke bis ins frühe Mittelalter. Etwa für die Zeit um 800 herum können wieder menschliche Siedlungen nachgewiesen werden. Um das Jahr 900 wird Hesel das erste Mal in den Registern des Klosters Werden erwähnt. Zwischen 1170 und 1184 wurde das Prämonstratenserinnenkloster Barthe gegründet, um 1300 die Kommende Hasselt. Beide hatten mehrere Vorwerke im heutigen Gemeindegebiet.

Im Mittelalter gehörte Hesel zur friesischen Landesgemeinde Moormerland. Nach der Zeit der friesischen Freiheit konnte sich keine lokale Häuptlingsherrschaft etablieren, da die Böden Hesels zu sandig waren und keinen Reichtum hervorbrachten. Die Bedeutung Hesels ist daher in den ansässigen Klosteranlagen zu suchen. Im Konflikt zwischen dem Häuptling Focko Ukena und dem Freiheitsbund der Sieben Ostfrieslande war Hesel wahrscheinlich Ort mindestens einer Auseinandersetzung. Hesel gehörte zu den "Hooge Loogen" Ostfrieslands.[2]

Nach der Errichtung der Grafschaft Ostfriesland gehörte Hesel zum Amt Stickhausen. Militärisch war Hesel nur schlecht geschützt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Hesel von den Mansfeldern heimgesucht. Dabei wurden unter anderem die Gutshöfe Barthe, Hasselt und Stikelkamp geplündert oder zerstört. Eine Siedlungsflecken Hesels wurden nach diesen Einfällen aufgegeben.

Im Appell-Krieg wurde Hesel durch Leeraner Aufständische geplündert, und zu preußischer Zeit war der Ort im Siebenjährigen Krieg im Jahr 1761 Angriffsziel der Truppen des Conflans. Die Bewohner leisteten aber den Besatzern Widerstand und konnten sie so vertreiben. Ab 1764 wurden die Randgebiete und das Moor um Hesel kolonisiert.

Unter französischer Verwaltung in den Jahren 1810 bis 1813 war Hesel Sitz einer Mairie, im Königreich Hannover einer Vogtei. Im Jahr 1885 wurde Hesel Teil des Landkreises Leer.

Im 19. Jahrhundert waren etliche Heseler Familien in die USA ausgewandert. Einige von ihnen ließen sich in South Dakota nieder und gründeten dort im Hamlin County den gleichnamigen Ort Hazel.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Hesel in den letzten Kriegstagen noch Schauplatz einiger Gefechte. Kanadische und polnische Truppen rücken vom Süden her vor und zogen am 1. Mai 1945 in Hesel ein. Nach dem Krieg hatte Hesel einen Flüchtlingsanteil von etwa einem Viertel der Bevölkerung.

Am 17. Januar 1972 wurde die Gemeinde Hesel im Rahmen der Gemeindereform in Niedersachsen Mitglied und Verwaltungssitz der Samtgemeinde Hesel.

Religionen[Bearbeiten]

Hesel liegt im traditionell lutherischen Gebiet des protestantisch geprägten Ostfriesland. Neben der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Ludgerikirche, die zur Landeskirche Hannover gehört, gibt es seit 1937 auch eine Selbstständige Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde (SELK), die Kreuzgemeinde Hesel-Bagband. Im Jahr 2007 erfolgte die Gründung einer Freien evangelischen Gemeinde, die ein ehemaliges Geschäftshaus zum Gemeindezentrum umbaute. Auch evangelisch-freikirchliche Christen (Baptisten) besitzen in Hesel ein Zentrum, das so genannte Backstage. Organisatorisch ist diese Einrichtung an die Muttergemeinde in Firrel angebunden.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1973 wurden die Gemeinde Neuemoor und ein Gebiet der Gemeinde Großefehn (Landkreis Aurich (Ostfriesland)) mit damals etwa 200 Einwohnern eingegliedert.[3]

Politik[Bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Rat der Gemeinde Hesel besteht aus 15 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für die Mitgliedsgemeinde einer Samtgemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 3.001 und 5.000 Einwohnern.[4] Die 15 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011.

Die letzte Kommunalwahl vom 11. September 2011 ergab das folgende Ergebnis:[5]

Partei Anteilige Stimmen Anzahl Sitze Veränderung Stimmen Veränderung Sitze
SPD 45,6 % 7 -1,0 % 0
CDU 43,9 % 7 -5,9 % -1
Allgemeine Wählergemeinschaft (AWG) 5,7 % 1 +5,7 % +1
Die Friesen 3,7 % 0 +3,7 % 0
FDP 2,2 % 0 -1,1 % 0

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2011 lag mit 51,2 %[5] etwas unter dem niedersächsischen Durchschnitt von 52,5 %.[6] Zum Vergleich – bei der vorherigen Kommunalwahl vom 10. September 2006 lag die Wahlbeteiligung bei 54,4 %.[7]

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der kommunale Bürgermeister ist Gerd Dählmann (CDU).

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Silber über grünem mit einem goldenen Posthorn belegten Schildfuß drei grüne Tannenbäume.“[8]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bildung[Bearbeiten]

In Hesel gibt es eine Grundschule sowie eine Haupt- und Realschule. Daneben gibt es eine Schule für Lernhilfe. Weiterhin besteht in Hesel eine Außenstelle der Volkshochschule in Leer.

Sport[Bearbeiten]

In Hesel ist die Kreissportschule Ostfriesland angesiedelt. Außerdem gibt es Sport- und Schwimmvereine, sowie einen Schützenverein.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die Discounter-Firma Aldi-Nord ist mit einer ihrer Regionalniederlassungen ansässig, zuzüglich eines großflächigen Zentrallagers.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Dettmar Coldewey: Frisia Orientalis - Daten zur Geschichte des Landes zwischen Ems und Jade
  3.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 261 und 263.
  4. Niedersächsisches Kommunalverfassungsgesetz (NKomVG) in der Fassung vom 17. Dezember 2010; § 46 – Zahl der Abgeordneten, abgerufen am 19. November 2011
  5. a b Gemeinde Hesel – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2011 (PDF; 15 kB), abgerufen am 25. November 2011
  6. Abwärtstrend bei Wahlbeteiligung gestoppt. In: ndr.de. 12. September 2011, archiviert vom Original am 25. August 2013, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  7. Gemeinde Hesel – Gesamtergebnis Gemeinderatswahl 2006, abgerufen am 25. November 2011
  8. Wappen der Gemeinde Hesel, Samtgemeinde Hesel

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hesel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien