Stuttgart-Süd

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Stuttgart-Süd
Stadtbezirk der Landeshauptstadt Stuttgart
Stadtwappen Stadtkarte
Wappen von Stuttgart
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Über dieses Bild
Liste der Stadtteile Stuttgarts
Eingemeindung: Kaltental 1922
Höhe: 220–400 m ü. NHN
Bevölkerungsdichte 4.431 Einw./km²
Postleitzahl: 70178, 70180, 70184,
70199, 70569
Vorwahl: 0711
Adresse des
Bürgerbüros Süd:
Jella-Lepman-Straße 3
70178 Stuttgart
Website: www.stuttgart.de
Bezirksvorsteher: Rupert Kellermann (Grüne)
Stadtbezirk Einwohner
(Stand 2011)
Fläche
Nr. Stadtteil
Stuttgart-Süd 42.477 958,6 ha
161 Bopser 2.947 205,5 ha
162 Lehen 10.881 51,4 ha
163 Weinsteige 2.028 61,5 ha
164 Karlshöhe 5.099 51,9 ha
165 Heslach 10.692 106 ha
166 Südheim 5.103 294,9 ha
171 Kaltental 5.727 187,3 ha
Quelle: Datenkompass Stuttgart

48.763889.16809Koordinaten: 48° 46′ N, 9° 10′ O

Stuttgart-Süd ist ein innerer Stadtbezirk Stuttgarts südlich des Innenstadtkerns zwischen Stuttgart-Mitte und Degerloch.

Stadtteile[Bearbeiten]

Der Stadtbezirk entstand 1956 in seiner heutigen Ausdehnung aus dem gleichnamigen Stadtteil Stuttgart-Süd einschließlich des seinerzeit nicht mehr abgegrenzten Wohnbezirks Heslach und dem Stadtteil Kaltental.

Bei der Neugliederung der Stadtteile im Jahre 2001 wurde der Stadtbezirk Stuttgart-Süd in die sechs Stadtteile Bopser, Lehen, Weinsteige, Karlshöhe, Heslach und Südheim aufgeteilt, so dass der Stadtbezirk seither einschließlich des Stadtteils Kaltental aus sieben Stadtteilen besteht.

Geschichte[Bearbeiten]

1350 erstmals erwähnt wurde die Alte Weinsteige, ein extrem steiler Karrenweg, den der gesamte Frachtfuhrwerksverkehr von Stuttgart nach Süden in Richtung Tübingen nehmen musste. Bis zu 16 Pferde waren als Vorspann nötig, um die Steigung zu bewältigen.

Um den stark angewachsenen Verkehr zu bewältigen, wurde zwischen 1826 und 1831 die Neue Weinsteige, eine breite Panoramastraße, durch Oberbaurat Gottlieb Christian Eberhard von Etzel erbaut. Seit 1884 fährt die Zahnradbahn entlang der Alten Weinsteige.

Heslach[Bearbeiten]

Das Symbol der „Blaustrümpfler“, den Einwohnern von Stuttgart-Heslach

Einer Sage nach wurde der württembergische Herzog Ulrich von Württemberg auf der Flucht aus Stuttgart anno 1518 von den Heslachern verraten. Als er zurückkehrte, mussten die Heslacher zur Strafe sonntags zum Kirchgang blaue Strümpfe tragen – daher ihr Ortsneckname Blaustrümpfler. Der Name „Heslach“ entwickelte sich, über „Haselach“, aus dem Namen des heute verdolten Haselbachs.

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts lebten die Heslacher überwiegend vom Weinbau (→ Weinbau in Stuttgart). Noch zur Jahrhundertwende bestand der Südhang des Hasenberges aus drei großen Weinbergslagen, die heute nur noch in Straßennamen fortleben: Afternhalde, Wanne und Gebelsberg. Seit der Gründerzeit füllte sich der Talkessel schnell mit Mietshäusern. Aus Anlass des 25-jährigen Kronjubiläums von König Karl I. von Württemberg trug Heslach ab 1889 vorübergehend den Namen Karlsvorstadt.

Blick über Stuttgart-Süd beim ehem. Haltepunkt Heslach der Gäubahn

Seit 1879 war Heslach auch bahntechnisch durch den Haltepunkt Stuttgart-Heslach an die Gäubahn bei Streckenkilometer 9,4 angeschlossen. Der kleine Haltepunkt lag am Rande des Stuttgarter Stadtteils Heslach, weit oberhalb der eigentlichen Siedlung. Der Haltepunkt ging mit der Eröffnung der Gäubahn am 1. September 1879 in Betrieb und wurde am 29. Mai 1960 wieder aufgelassen; eine kurze Blüte erlebte er in den Jahrzehnten vor und nach dem Krieg, durch die aus Böblingen und der Umgebung nach Heslach pendelnden Arbeiter, die bei dem namhaften Zeiss-Ikon Contessa-Werk in der Dornhalde Arbeit gefunden hatten; damals gab es von dem Unternehmen Zeiss-Ikon zu diesen Zwecke eine Pferde-Kutschen-Verbindung für die Arbeiter und Angestellten des Contessa-Werkes in der Dornhaldenstrasse, hinauf zum Haltepunkt Heslach. Zeiss-Ikon hatte das Contessa-Werk in der Dornhaldenstraße nach dem Krieg nochmals deutlich erweitert, und zudem mit einer kleinen Arbeiter-Sozial-Siedlung Eiernest[1] in der unmittelbaren Nähe ergänzt, um an dem einzigen, nach dem Krieg unzerstörten Kamera-Produktionsstandort von Zeiss-Ikon in Heslach die brachliegende Kamera-Produktion ab 1948 wieder aufzunehmen.

Schwabtunnel von 1907

Ein weiteres bemerkenswertes Bauwerk ist der Heslacher Schwabtunnel. Der 125 Meter lange Tunnel wurde in den Jahren 1894 bis 1896 unter dem Stadtbaurat Carl Kölle erbaut und verbindet die Stuttgarter Stadtbezirke Süd und West. Der 10,50 Meter breite und 8,50 Meter hohe Straßentunnel unterquert hierbei die Hasenbergsteige (seinerzeit die Hauptverkehrsachse in Richtung Birkenkopf), an dessen höchster Stelle bis zu seiner Sprengung im Kriegsjahr 1943 der Hasenbergturm als höchste Erhebung im Stuttgarter Süden stand, und stellt die Verbindung zwischen der Schwabstraße im Stuttgarter Westen mit der Schickhardtstraße im Süden her.

SSB-Linie 8 am Schwabtunnel 1972

Bemerkenswert ist der Schwabtunnel vor allem deswegen, da er zum Zeitpunkt seiner Eröffnung am 29. Juni 1896 nicht nur der breiteste, sondern auch der erste innerstädtische Tunnel Europas überhaupt war. Zudem ist er der erste Tunnel der Welt, der von Automobilen befahren wurde und gleichzeitig der erste Straßenbahntunnel. Durch den Tunnel führen zwei Fahrspuren (eine je Richtung) sowie rechts und links der beiden Fahrbahnen jeweils ein abgesetzter und mit einer Barriere aus Betonfertigteilen von der Fahrbahn abgetrennter Fußgängerweg. Beiderseits der in barockem Sandstein verzierten Tunnel-Portale befinden sich Treppenaufgänge zu den weiter oben gelegenen Teilen Heslachs, wie der Karlshöhe sowie der Hasenbergsteige, die als Zugang/Zufahrt zum hochgelegenen Birkenkopf dient, der nach der Sprengung des Hasenbergturmes und der Aufschüttung des Birkenkopfes aus Kriegs-Bauschutt („Scherbelino“) nunmehr der höchste Punkt des südlich gelegenen Hasenberges oberhalb der Gäubahn bei Heslach darstellt.

Photo Flug Heslach Hasenberg.JPG

Südheim[Bearbeiten]

Der Südheimer Platz entstand mit der Siedlung Südheim (1901–1903) nördlich des Alten Schützenhauses (1895), beide erbaut vom Stuttgarter Architekten Karl Hengerer. Vom Südheimer Platz aus verbindet bereits seit 1929 die Standseilbahn Stuttgart Heslach mit dem höher gelegenen Waldfriedhof. Die östliche Randbebauung entstand gegen 1928. Heute stehen die Südheim-Siedlung als städtebauliche Gesamtanlage und Sachgesamtheit wie auch das Alte Schützenhaus unter Denkmalschutz. Bis in die Siebziger Jahre befand sich am Südheimer Platz auch ein kleines Straßenbahn-Depot der SSB, der "Betriebshof Südheim", welcher heute verlegt worden ist zur anschließenden SSB-Haltestelle Vogelrain und an dessen Stelle sich heute die Senioren-Residenz Hohentwiel am unteren Ende der Hohentwielstraße befindet. Erwähnt werden sollte ebenfalls, dass das neben der SSB-Haltestelle Vogelrain - an der B 14 liegende - markante Bauknecht-Hochhaus, Stuttgarts erstes Hochhaus ist, und in der "Frischluftschneise nach Kaltental" auch das Letzte geblieben ist.

Kaltental[Bearbeiten]

Wappen von Kaltental bis 1922 Burg Kaltental, nach der der Stadtteil Kaltental benannt wurde, wurde 1125 erstmals urkundlich erwähnt. Nach der Zerstörung der Burg zogen die Herren von Kaltental nach Aldingen am Neckar. Die Burg wurde danach abgetragen. 1809 wurde die Kaltental durchschneidene Verbindungsstraße von Stuttgart nach Vaihingen entlang des Nesenbachs gebaut. 1922 wurde Kaltental eingemeindet.

Die Aktennotiz von Graf Eberhard im Bart „Der von Kaltental glaubt das nicht“ wurde zum Markenzeichen der Kaltentaler. Überregional bekannt wurde Kaltental durch das vom Humoristen Werner Veidt geschriebene Lied Anna Scheufele aus Kaltental.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
 %
30
20
10
0
22,8
29,6
13,6
3,9
5,7
6,5
3,6
5,6
8,9
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2009
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
+2,3
-3,9
-1,8
-2,5
-5,3
+0,9
+3,6
-0,1
+7,0

Die Ergebnisse der Gemeinderatswahlen in den Stadtbezirken sind maßgebend für die Anzahl der Sitze der Parteien in den Bezirksbeiräten. Die letzte Kommunalwahl vom 7. Juni 2009 ergab die in der nebenstehenden Grafik abgebildeten Stimmenanteile und die folgende Verteilung der 16 Sitze des Bezirksbeirats:

Städtische Einrichtungen[Bearbeiten]

Schickhardtschule

Schulen[Bearbeiten]

In Stuttgart-Süd gibt es fünf Grundschulen, die Lerchenrainschule, die Heusteigschule, die Römerschule, die Wilhelm-Hauff-Schule und die Grundschule Kaltental. Weiterführende Schulen sind das Schickhardt-Gymnasium und die Schickhardt-Realschule, das Evangelische Mörike-Gymnasium, das Karls-Gymnasium und die Kaufmännische Schule Süd. Daneben existieren zwei Sonderschulen, die Immenhoferschule für Schwerhörige und die Lehenschule (Förderschule). Zudem gibt es eine private Schule für geistig Behinderte und teilweise für Körperbehinderte, die Torwiesenschule.

Bürgerbüro[Bearbeiten]

Bürgerbüro 4 Süd (Bürgerservicezentrum Süd, Jella-Lepman-Straße 3, 70178 Stuttgart)

Krankenhäuser und soziale Einrichtungen[Bearbeiten]

Blick auf die Matthäuskirche und das Marienhospital
  • Marienhospital Stuttgart: Krankenhaus mit internationalem Ruf
  • Rudolf-Sophien-Stift: Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Werkstätten für Behinderte
  • Mehrgenerationenhaus Heslach: Pflege- und Altenheim, Kulturzentrum
  • Gradmann-Haus: Zentrum für Demenzkranke

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Parkanlagen[Bearbeiten]

  • Silberburganlage (im Bereich Silberburgstraße und Mörikestraße) mit Mörike-Denkmal von 1880
  • Der Aussichtspunkt Karlshöhe wurde 1889 bis 1896 vom Verschönerungsverein als öffentlichen Park gestaltet.
  • Der Weißenburgpark, früher Privatpark des Geheimrats Ernst von Sieglin, wurde 1956 von der Stadt Stuttgart erworben.
Teehaus im Weißenburgpark
Zahnradbahn am Marienplatz
Standseilbahn auf Bergfahrt

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Städtisches Lapidarium
  • Teehaus und Marmorsaal im Weißenburgpark
  • Marienplatz mit Zahnradbahn
  • Altes Feuerwehrhaus Heslach, erbaut 1887/88 als ehemalige Feuerwache mit Turnhalle und Steigerturm von Architekt Stadtbaurat Emil Mayer. Das Gebäude wurde bis 1920 als Feuerwehrhaus genutzt, danach waren ein Knabenhort, ein Waisenhaus und eine Suppenküche untergebracht. Der Bau dient heute als Veranstaltungssaal und Gemeinwesenzentrum.
  • Standseilbahn vom Südheimer Platz zum Waldfriedhof
  • Heslacher Tunnel von 1991, ein 2300 Meter langer Straßentunnel für die Bundesstraße 14
  • Das Hallenbad Heslach, ein denkmalgeschütztes Hallenbad aus dem Jahr 1929.

Kirchen und Friedhöfe[Bearbeiten]

  • Fangelsbachfriedhof, 1823 in der Nähe der einstigen mittelalterlichen Siedlung Immenhofen auf freiem Feld angelegt; wichtige Gräber: Immanuel Hermann Fichte, Gustav Siegle und Nikolaus Friedrich von Thouret
  • Heslacher Friedhof im Zentrum von Heslach mit sehenswerter Benckendorff-Grabkapelle von 1823 in Form eines griechischen Rundtempelchens mit Kuppel und zwei ionischen Säulen von Giovanni Salucci. Auf diesem Friedhof befinden sich auch die Gräber prominenter politischer Hitler-Gegner und Widerstandskämpfer: Anton Hummler, Fritz Rau und Jakob Weimer.[2]
  • Kaltentaler Friedhof in der Feldbergstraße mit Gedenkstein zu Ehren der Verstorbenen des Wichernhauses
  • Evangelische Markuskirche
  • Evangelische Matthäuskirche (im Verlauf der Möhringer Straße in Heslach)
  • Evangelische Kreuzkirche in Heslach
  • Evangelische Thomaskirche in Kaltental
  • Katholische Kirche St. Maria
  • Katholische Kirche St. Josef in Heslach
  • Katholische Kirche St. Antonius in Kaltental
  • Serbisch-Orthodoxe Kirche
  • Neuapostolische Kirche Heslach
  • Neuapostolische Kirche Stuttgart-Süd

Die Matthäuskirche ist die baulich dominierende Kirche in Heslach. Ihr großer Vorplatz wurde Erwin-Schoettle-Platz genannt, was dann auch zur Umbenennung der Stadtbahnhaltestelle Schreiberstraße führte.

Feste und Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Internationalistisches Straßenfest beim Linken Zentrum Lilo Herrmann am 1. Mai
  • Anna-Scheufele-Fest Kaltental im letzten Juli-Wochenende
  • Heslacher Hocketse am Bihlplatz im Juli
  • Afrika Festival am Erwin-Schöttle-Platz im Juli

Sportvereine[Bearbeiten]

  • SV Heslach
  • VfL Kaltental 1886 e. V.

Weitere Bilder[Bearbeiten]

Literatur/Heimatbücher[Bearbeiten]

  • Heimatbuch Heslach, Siegfried Bassler. Unter Mitarb. von Stefan Hammer. – 3. Aufl. – Stuttgart: Adolphi, 1987. – 208 S.: Ill. und Kt. – Behandelt die Geschichte des Ortes ab der Vor- und Frühgeschichte mit einem Schwerpunkt auf der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Claudia Frank-Sohnrey, Roland Schreglmann: Siedlung „Eiernest“ in Stuttgart-Heslach. Zurück zum einheitlichen Erscheinungsbild. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 42. Jg. 2013, Heft 3, S. 175–178 (PDF)
  2. Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 90.