Hester Thrale

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hester Thrale mit Tochter (Gemälde von Joshua Reynolds, etwa 1777)

Hester Lynch Thrale, geborene Salusbury, später verheiratete Piozzi, (* 27. Januar 1741 in Bodvel Hall, Caernarvonshire, Wales; † 2. Mai 1821 in Clifton) war eine englische Autorin, Salonière und Kunstmäzenin. Sie war mit Samuel Johnson befreundet, für den ihre Tagebücher eine wichtige Quelle sind.

Thrale wurde als Hester Lynch Salusbury geboren und gehörte zu einer der reichsten Landbesitzerfamilien in Wales. Außerdem war sie eine direkte Nachfahrin von König Heinrich VII. Nachdem ihr Vater, Gouverneur von Nova Scotia, aufgrund eines fehlgeschlagenen Investments im kanadischen Halifax bankrott wurde, heiratete sie am 11. Oktober 1763 den reichen Brauer Henry Thrale, mit dem sie zwölf Kinder hatte und in Streatham Park wohnte. In London fand sie Zugang zu literarischen Kreisen um Samuel Johnson und Oliver Goldsmith und patronierte die junge Schriftstellerin Frances Burney, mit der sie nach Bath reiste. Samuel Johnson wurde bei ihr im Januar 1765 eingeführt. Er wurde die zentrale Figur des Intellektuellen-Kreises, der sich bei Mrs.Thrale traf. Er hatte dort ein ständiges Gästezimmer und arbeitete oft in der Bibliothek in Thrales Haus in Streatham Park, die auf seine Empfehlungen hin ergänzt wurde. Johnson, der ihr auch einige Verse widmete, lobte an ihr, dass „der Witz ihrer Rede eine ständig sprudelnde Quelle war“ (Her colloquial wit was a fountain of perpetual flow). 1774 reiste er mit den Thrales nach Wales und 1775 nach Paris. Berühmte Gäste ihres Salons wurden von Joshua Reynolds porträtiert (z.B. Goldsmith und Charles Burney und auch mehrfach Hester Thrale und ihre Familie). Nach dem Tod ihres Mannes 1781 heiratete sie 1784 den italienischen Musiklehrer (Lehrer ihrer Kinder) Gabriel Mario Piozzi (1740-1809), was zum Bruch mit Johnson führte (der kurze Zeit später starb), aber auch viele Bekannte und Verwandte wandten sich von ihr ab. Mit ihrem Mann bereiste sie bis 1787 Italien und zog aufs Land (Landhaus „Brynbella“) in Nordwales im Tal des Clwyd bei Tremeirchion, wo sie auch in der Corpus Christi Church begraben ist. Auf einer Plakette in der Kirche steht: „Dr. Johnson's Mrs. Thrale. Witty, Vivacious and Charming, in an age of Genius She held ever a foremost Place”.

Sie ist eine wichtige Quelle für das Leben Samuel Johnsons (abseits von James Boswells „Life of Johnson“). Nach Johnsons Tod veröffentlichte sie 1786 „Anecdotes of the late Samuel Johnson“ (1785 in Florenz geschrieben) und 1788 zwei Bände „Letters to and from the late Samuel Johnson“. Auch ihre Tagebücher sind eine wichtige Quelle für Johnson und das Gesellschaftsleben im England des 18. Jahrhunderts. Sie veröffentlichte auch 1789 Reisebeschreibungen („Observations and reflections made in the course of a Journey through France, Italy and Germany“, deutsch 1790), 1785 „The British Synonymy, or an Attempt to Regulate the Choice of words in Familiar Conversation“ und 1801 „Retrospection or a Review of the Most Striking and Important Events, Characters, Situations and their Consequences which the last Eighteen Hundred Years have presented to the view of mankind“.

Ihre älteste Tochter war Hester Maria Elphinstone, Viscountess Keith (genannt Queeney, ein Spitzname den ihr Dr. Johnson gab), (1764-1857). Sie war ebenfalls eine literarische Mäzenin und Ehefrau des Admirals Lord Keith (George Elphinstone). Briefe an sie von ihrer Mutter und Dr. Johnson wurden als „The Queeney Letters“ 1934 veröffentlicht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Marianna D'Ezio, Hester Lynch Piozzi: A Taste for Eccentricity, Newcastle upon Tyne: Cambridge Scholars Publishing, 2010
  • Ian McIntyre Hester. The Remarkable Life of Dr Johnson’s „Dear Mistress“, London: Constable and Robinson, 2008, ISBN 978-1-84529-449-6
  • Katharine Balderston (Herausgeber) Thraliana – the diary of Mrs. Hester Lynch Thrale, Clarendon Press 1951

Weblinks[Bearbeiten]