Heterophobie

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Dieser Artikel behandelt die Abneigung gegenüber Menschen, die als anders erlebt werden. Für die Abneigung gegenüber Heterosexuellen siehe Heterophobie (Aversion gegen Heterosexuelle).

Heterophobie (von altgriech. ἕτερος, héteros, „der andere“ und φόβος, phóbos, „Angst“ / Phobie) bezeichnet die Abneigung gegenüber Menschen, die anders sind oder als anders wahrgenommen werden.

Begriffsbestimmungen[Bearbeiten]

Heterophobe Einstellungen äußern sich in einer feindlichen Haltung gegenüber Menschen mit Verhaltensweisen oder Lebensstilen, die von den jeweiligen Normen einer Gruppe abweichen. Im Unterschied zur Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit) kann sich die abwertende Haltung auch auf Menschen richten, die nicht generell als fremd, sondern nur in einigen Merkmalen als abweichend, belastend oder störend wahrgenommen werden, beispielsweise Menschen mit Behinderung, Obdachlose oder Homosexuelle.

In Deutschland wurde der Begriff in dieser Definition durch den Soziologen Wilhelm Heitmeyer popularisiert. Das von ihm geleitete Bielefelder Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung veröffentlichte zuletzt im Jahr 2006 die jährlichen Ergebnisse einer Langzeitstudie des Projekts „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“. Angelehnt an die Methoden von Horkheimer/Adorno und Pierre Bourdieu wurden und werden im Rahmen der Studie mehrere zehntausend Bundesbürger zu politischen Themen und Haltungen befragt. Der Begriff Heterophobie wird hierbei auch angewendet zur Erklärung des Phänomens, dass sich nur ein geringer Teil der Befragten in solchen Studien zustimmend zu als sozial unerwünscht empfundenen Aussagen (xenophoben, antisemitischen oder homophoben) äußert, während sich bei verklausulierter Fragestellung deutlich höhere Zustimmungswerte zeigen.

Der Soziologe Albert Memmi schlug 1982 vor, den Begriff «Heterophobie» anstelle von «Rassismus» zu benutzen, wenn nicht Rassismus im engeren Sinne, also biologisch argumentierender Rassismus gemeint ist. Mit «Rassismus» soll ausschließlich die Ablehnung des anderen unter Berufung auf rein biologische Unterschiede, mit «Heterophobie» soll die Ablehnung des anderen unter Berufung auf Unterschiede jedweder Art gemeint sein. Damit wird der Rassismus zu einem Sonderfall der Heterophobie. [1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

W. Heitmeyer (Hrsg.):

  • Deutsche Zustände. Folge 1, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2002, ISBN 3518122908
  • Deutsche Zustände. Folge 2, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2004, ISBN 3518123327
  • Deutsche Zustände. Folge 3, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2005, ISBN 3518123882
  • Deutsche Zustände. Folge 4, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2006, ISBN 3518124544
  • Deutsche Zustände. Folge 5, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2007, ISBN 3518124846
  • Deutsche Zustände. Folge 6, Suhrkamp, Frankfurt a. M. 2007, ISBN 3518125257

Albert Memmi:

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Albert Memmi: Rassismus. Europäische Verlagsanstalt. Hamburg. 1992. ISBN 3434460969. Seite 124.