Hetzendorf (Wien)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hetzendorf
Wappen Karte
Wappen von Hetzendorf
Map at Meidling.png

Hetzendorf ist ein Bezirksteil des 12. Wiener Gemeindebezirks Meidling und hat eine Fläche von rund 2 bis 3 km². Der bis heute eher locker verbaute Stadtteil war eine der ältesten Ortschaften am Südrand von Wien und ist heute eine der 89 Wiener Katastralgemeinden.

Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1114, 1190 erhielt Henricus von Hetzendorf das Gebiet als landesfürstliches Lehen. Später war es bis 1890 (Beschluss) bzw. 1. Jänner 1892 (Inkrafttreten) eine eigenständige Gemeinde und wurde dann als Teil des 12. Wiener Gemeindebezirks Meidling eingemeindet. Da der Ort vom Bezirkszentrum beträchtlich entfernt liegt und auch nicht im Häusermeer Wiens verschwunden ist, hat sich Hetzendorf seine lokale Identität als zumeist locker bebautes Wohnviertel im Grünen bis heute bewahrt.

Schloss Hetzendorf[Bearbeiten]

In Hetzendorf befindet sich das Schloss Hetzendorf, das 1694 als „Thunhof“ erbaut und später erweitert wurde. Der Wiener Hof-Steinmetzmeister Johann Carl Trumler verarbeitete vor allem für die Prunktreppe den harten, weißen Kaiserstein aus Kaisersteinbruch und erhielt 1717 für diesen Auftrag 3.548 Gulden ausbezahlt. Die Stuckaturen einer Decke im Erdgeschoß werden dem Barock-Künstler Alberto Camesina zugeschrieben. Der Architekt Nikolaus Pacassi baute das Schloss 1743 zum Witwensitz für Kaiserin Elisabeth Christine um. Als es die Habsburger benützten, wurde die schnurgerade Schönbrunner Allee errichtet – als Fortsetzung der Hauptachse von Schloss Hetzendorf bis zum Seitentor des Schönbrunner Schlossparks bei der Kleinen Gloriette. 1780 erwarb Christian August von Seilern von Maria Theresia die Herrschaft. 1801 starb Maximilian Franz von Österreich und 1814 Maria Karolina von Österreich im Schloss. Anfangs des 20. Jahrhunderts wohnte der spätere Kaiser Karl I., Österreichs letzter Monarch, im Schloss Hetzendorf. Es beherbergt heute die Modeschule Wien im Schloss Hetzendorf und die Schlosskirche Hetzendorf.

Die Schlosskirche, die sich im linken Teil des Schlosses befindet, beherbergt eine Reliquie des seliggesprochenen Kaisers Karl I. von Österreich. Die ehemalige Pfarrkirche ist der Heiligsten Dreifaltigkeit geweiht und trägt seit Mai 2008 den Beinamen Seliger Kaiser Karl Gedächtniskirche. In diesem Teil des Schlosses sind Werke von Daniel Gran zu sehen. Die Dekorationsmalerei an den Wänden und Gewölben stammt von Franz Joseph Wiedon und datiert mit 1744. Weitere Werke stammen von Johann Schindler, spätere (nach 1945) von Anselm Grand.

Seit 2005 öffnen das Festival du Jardin und die Gartentage den Schlosspark Hetzendorf einmal im Jahr den sonst nicht öffentlich zugänglichen Park allen Gartenliebhabern.

Weitere bemerkenswerte Bauten[Bearbeiten]

Hetzendorfer Pfarrkirche – „zur Königin des hochheiligen Rosenkranzes“

Neben dem niedrigen, aber wohlproportionierten Schloss hat Hetzendorf eine Reihe anderer bemerkenswerter Bauten, darunter

  • die neuromanische Rosenkranzkirche (Hetzendorfer Pfarrkirche) auf dem Marschallplatz; ihre aus heutiger Sicht überladene Innenarchitektur wurde später radikal verändert; bekannt sind die Altarbilder von Ernst Fuchs; die in früheren Versionen dieses Artikels benutzte Bezeichnung „Hetzendorfer Kirche“ ist irreführend, da neben der Rosenkranzkirche das „Marianneum“ und die vorgenannte Schlosskirche Hetzendorf bestehen;
  • die in den 1920er-Jahren entstandene Siedlung Rosenhügel, eine benützerfreundliche Reihenhaus-Anlage am Rosenhügel zwischen der heutigen Rosenhügelstraße und der Atzgersdorfer Straße. Sie wurde von der Siedlungsgenossenschaft Altmannsdorf-Hetzendorf auf einer etwa 35 ha großen, dreieckigen Flur unter Mithilfe der späteren Bewohner errichtet;
  • historische Villen in der Kaulbachstraße neben dem Hetzendorfer Schlosspark (früher Erzherzogin-Marie-Valerie-Cottage genannt, nach der Lieblingstochter von Kaiser Franz Joseph I., Marie Valerie);
  • der Hetzendorfer Friedhof – eine schmale, aber historisch bedeutende Gräberstätte an der Edelsinnstraße bzw. der Verbindungsbahn im Norden des Ortes; Hauptfriedhof des Bezirks ist allerdings der im 20. Jahrhundert angelegte, zweiteilige Südwestfriedhof an Hervicusgasse und Wundtgasse im Süden Hetzendorfs.
  • das in Fertigstellung begriffene östliche Tunnelportal des Lainzer Tunnels, der den nördlichen Wienerwald in Richtung Westbahn durchörtert.

Die Südbahn, in diesem Abschnitt besonders stark befahren, quert die Peripherie Hetzendorfs. Wien Hetzendorf ist Schnellbahnstation. Der Ort wird von der Straßenbahnlinie 62 (Kärntner Ring, Oper–Lainz, Wolkersbergenstraße) und von der Autobuslinie 63A (Gesundheitszentrum Süd–Meidling Hauptstraße U–Am Rosenhügel) erschlossen, weiters durch die Linien 56B, 58B und 156B sowie durch die Linie 16A in der Früh und zu Mittag.

Hetzendorf und seine Umgebung 1872 (Aufnahmeblatt der Landesaufnahme)

Literatur[Bearbeiten]

  • Julius Brunner: Hetzendorf und sein Schloß. Jugend und Volk, Wien 1972, ISBN 3-7141-6205-4.
  • Magdalena Hawlik-van de Water: Das kaiserliche Lustschloß Hetzendorf: die Modeschule der Stadt Wien. Böhlau, Wien 1996, ISBN 3-205-98601-6.
  • Franz Weller: Die kaiserlichen Burgen und Schlösser in Wort und Bild. Hof-Buchdruckerei, Wien 1880. (Online)
  • Johann Strizsik: Zeittafel Hetzendorf. In: Blätter des Meidlinger Bezirksmuseums. Heft 1. Wien 1968.
  • Hans Werner Bousska: Zeittafel Hetzendorf. In: Blätter des Meidlinger Bezirksmuseums. Heft 33. Wien 1993.
  • Trude Mair: Gasthäuser in Hetzendorf. In: Blätter des Meidlinger Bezirksmuseums. Heft 28. Wien 1991.
  • Füreder, Hrsg. A. Kolaska: Schloßkirche Hetzendorf. Online-Version, abgerufen am 25. Dezember 2008

Weblinks[Bearbeiten]

48.16527777777816.304166666667Koordinaten: 48° 9′ 55″ N, 16° 18′ 15″ O