Hetzjagd

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hetzjagd (Begriffsklärung) aufgeführt.

Als Hetzjagd wird eine Jagdtechnik von Beutegreifern und Menschen bezeichnet. Die potenzielle Beute wird so lange verfolgt (gehetzt), bis diese nicht mehr entweichen kann, so dass sie eingeholt und erlegt werden kann. Eine gegensätzliche Jagdtechnik ist die Lauerjagd.

Hetzjagd wird oft von und in Gruppen bzw. Rudeln betrieben. Dabei kann es vorkommen, dass einzelne Individuen zeitweise bestimmte Strecken besonders rasch bewältigen und einander gewissermaßen während der Hetzjagd ablösen. Dies wird von Verhaltensforschern so gedeutet, dass damit die Jagd unter dem geringstmöglichen Energieverbrauch durchgehalten werden kann.

Im übertragenen Sinne wird auch von einer Hetzjagd gesprochen, wenn Privatpersonen zum Beispiel durch Presseorgane oder auch im Internet (Cyber Mobbing) wiederholt diffamiert und mit vollem Namen, Foto und womöglich Adresse genannt werden.

Tier[Bearbeiten]

Die Hetzjagd kommt meist vor bei rudeljagenden Hundeartigen und bei der nicht zu den hundeartigen Raubtieren gehörenden Tüpfelhyäne. Hetzjagd betreiben beispielsweise

Der Gepard ist ein einzeljagender Hetzjäger.

Zum Jagdverhalten von Barrakudas und einigen anderen Raubfischen, sowie Zahnwalen wird diskutiert, ob deren Jagdverhalten nicht auch als Hetzjagd zu gelten hat.

Mensch[Bearbeiten]

Die Hetzjagd (auch Ausdauerjagd) des Menschen zu Fuß auf Tiere ist bereits sehr alt. Noch heute wird diese urtümliche Form der Hetzjagd von verschiedenen urtümlich lebenden Völkern betrieben. So hetzen zum Beispiel die Jäger der San im südlichen Afrika auch heute noch ihre Beute zu Tode. Dabei wählen die Jäger ein bestimmtes Tier zu Sonnenaufgang aus und beobachten es aus der Entfernung über mehrere Stunden. Bewegt es sich in der Hitze des Vormittags auf ein Wasserloch zu, beginnt die Jagd. Die Wildtiere sind sehr viel schneller als die Jäger, ihre ausgewählte Beute entkommt ihnen daher mit Leichtigkeit. Doch die Jäger folgen der Spur und nähern sich nach kurzer Zeit wieder, noch bevor das Tier trinken kann. Diese Jagd dauert mehrere Stunden, in denen die Jäger in ständiger Bewegung bleiben, sich in die Beute hineinversetzen und versuchen, seine Fluchtroute zu erahnen, um dem Tier den Weg abzuschneiden. Die Beute kann durch ihre Schnelligkeit den Abstand zum Jäger immer wieder vergrößern, kann ihren Verfolger jedoch nicht abschütteln – und nicht trinken. Die Menschen tragen einen Wasservorrat mit sich und trinken unterwegs. Durch die Haut schwitzen sie und kühlen ihren Körper, während ihre Beute durch die ständige Bewegung in der Hitze des Tages sich nicht abkühlen kann. Oft bleibt das Tier vollkommen entkräftet am Nachmittag einfach stehen, ist nicht mehr in der Lage zu einer weiteren Flucht und wird dann von den Jägern getötet. Hält die Beute die Hetzjagd bis zum Sonnenuntergang durch, kann sie entkommen. Deshalb versuchen die Jäger alles, um sie vorher zu Tode zu hetzen.[1]

Kombinierte Hetzjagd durch Menschen und Caniden[Bearbeiten]

Etwas späteren Datums ist die gemeinsame Hetzjagd von Menschen mit Hunden. Ab etwa 32.000 Jahren vor heute (unkallibriert)[2] wird von Pat Shipman und anderen Forschern eine Kollaboration des Menschen mit halbdomestizierten »Wolf-Hunden« (»Wolf-Dogs«) angenommen. Bei diesen Wolf-Hunden muss es sich aber nicht um die direkten Vorfahren des heutigen Haushundes gehandelt haben, so Shipman. Die Haplogruppen der mitochondrialen DNA vergleichbarer Caniden-Funde wiesen jedenfalls keine Übereinstimmung mit denen moderner Hunde oder Wölfe auf.[3] Diese Annahme stützt sich auf Fundstätten in Mittel- und Osteuropa sowie in Asien mit vielen Mammut-Relikten (Mammoth Megasites), an denen sich auch häufig Relikte großer Caniden fanden. Statistische Auswertungen scheinen zu ergeben, dass die Anzahl der durch den Archaischen Homo sapiens erlegten Mammuts in jüngerer Zeit stark anstieg.

Auf diese Auswertungen wird gar die These gestützt, dass die Partnerschaft von Mensch und Wolf-Hund zum Aussterben der Mammuts durch Hetzjagden auf dieselben geführt haben könne. Darüber hinaus könne der Wolf-Hund als Jagdgefährte – neben der besseren Projektiltechnik seiner Jagdwaffen – zudem ein entscheidender „Wettbewerbsvorteil“ des anatomisch modernen Menschen gegenüber dem Neandertaler gewesen sein.[2] Letzterem wird zugeschrieben, dass er mit einer Art Stoßlanze (Spieß) aus dem Hinterhalt Jagd auf seine Beute gemacht hätte; während der Archaische Homo sapiens Fernwaffen nach Art eines Speers entwickelt und eingesetzt habe.

Historische Formen der Hetzjagd[Bearbeiten]

Unvollständiger Überblick:

Im Mittelalter wurden Hatzen als Formen der Hetzjagd vor allem vom Adel betrieben. Die Legende vom Heiligen Hubertus berichtet, wie er während einer Jagd zu Pferd mit Hunden von einem Hirsch mit einem Kreuz zwischen dem Geweih bekehrt wurde.

Im 17. und 18. Jahrhundert wurde die von den herkömmlichen Hatzen zu unterscheidende, in England und Frankreich ausgeformte, Parforcejagd auch an deutschen Fürstenhöfen populär.

Eine Variante der Hatz ist die mit Windhunden betriebene Hasenhetze. Neben der Hasenhetze wurde Hetzjagden auf Sicht mit Windhunden historisch auch als Methode zur Jagd auf größere Tiere durchgeführt – so beispielsweise auf Hirsche (Deerhound, Staghound) und Wölfe (Barsoi, Irischer Wolfshund).

Hetzjagd heute[Bearbeiten]

Windhunde werden heute im amerikanischen Westen noch zur Jagd auf Kojoten eingesetzt. [8]

Die Hetzjagd ist in Deutschland nach § 19Vorlage:§/Wartung/buzer Abs. 1 Nr. 13 BJagdG verboten. Hackbarth/Lückert bieten als (rechtliche) Definition für Hetzjagd im Sinne des BJagdG an: eine Jagdausübung in der Form, dass das gejagte Tier von dem hetzenden Tier festgehalten wird, bevor es durch den Jäger getötet wird.[9] Das Wildbret von stark gehetztem Wild ist genussuntauglich.[10]

Gemäß § 3Vorlage:§/Wartung/buzer S. 1 Nr. 8 Tierschutzgesetz ist es verboten, ein Tier auf ein anderes Tier zu hetzen, soweit dies nicht die Grundsätze weidgerechter Jagdausübung erfordern. Die Nachsuche nach angefahrenem oder angeschossenem Wild mit dem Schweißhund ist im Prinzip eine besondere Form der Hetze bzw. kann in eine solche übergehen. Sie dient dazu, dem Wild unnötiges Leiden zu ersparen, unterfällt gemäß dem § 1 Abs 4 BJagdG den Grundsätzen weidgerechter Jagdausübung und stellt damit de jure kein Hetzen iSd § 3 S. 1 Nr. 8 TierSchGesetzes dar. Die Brackierjagd, die im weitesten Sinne als eine Art Hetzen angesehen werden kann, ist gemäß § 19 Abs. 1 Nr. 16 BJagdG auf einer Fläche von weniger als 1000 Hektar verboten aber darüber hinaus grundsätzlich weidgerecht.

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilse Haseder, Gerhard Stinglwagner: "Knaurs Großes Jagdlexikon", Augsburg 2000, S.332 ISBN 3-8289-1579-5

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Das Wissen der San (Version vom 21. Juni 2010 im Internet Archive)
  2. a b Pat Shipman: How do you kill 86 mammoths? Taphonomic investigations of mammoth megasites. In: Quaternary International. Online-Vorabveröffentlichung vom 19. Mai 2014, doi:10.1016/j.quaint.2014.04.048
  3. dazu: Olaf Thalmann et al.: Complete mitochondrial genomes of ancient canids suggest a European origin of domestic dogs. In: Science. Band 342, Nr. 6160, 2013, S. 871–874, doi:10.1126/science.1243650
    Der Hund ist ein Europäer. idw-online.de vom 14. November 2013
  4. „Hatz ist eine Jagd, wobei das Wild durch Hunde eingeholt und gepackt wird.“ Stephan Behlen in: Real- und Verbal-Lexicon der Forst- und Jagdkunde mit ihren Hülfswissenschaften: T - Z, Band 6, Sauerländer, 1843, S. 208 (Digitalisat bei Google Books)
  5. „Hasenhetze, das Fangen der Hasen durch große Windhunde, wobei einige Jäger den Hunden zu Pferde folgen.“ J. O. H. Günther in: Vollständiges Taschen-Wörterbuch der Jägersprache für Jäger und Jagdfreunde. F. Mauke, 1840, S. 99 (Digitalisat bei Google Books)
  6. „Parforcejagd, oder französische Jagd, ist die grausame Jagdart, wo Thiere aufgejagt und durch reitende Jäger und Hunde so lange verfolgt werden, bis sie aus Ermattung unterliegen.“ Stephan Behlen in: Real- und Verbal-Lexicon der Forst- und Jagdkunde mit ihren Hülfswissenschaften: T - Z, Band 6, Sauerländer, 1843, S. 208 (Digitalisat bei Google Books)
  7. „Brackieren, auch Brackierjagd,[..] genannt, [ist] die ursprüngliche laute Jagd der Bracken auf Hase und Fuchs. Die Bracke arbeitet die Spur des Hasens oder des Fuchses und treibt ihn dabei wieder zurück in seinen eigentlichen Einstand wo der Jäger auf ihn abpaßt.“ deutsches-jagd-lexikon.de, Eintrag: Brackieren -abgerufen am 6. Juni 2014
  8. Eric Eliason: Great Plains Coyote Coursing: Biofacts and a new Folkloristic Understanding of Animals. In: Wild games: hunting and fishing traditions in North America, University of Tennessee Press, 2009, ISBN 1-57233-670-6, S. 25-45
  9.  Hansjoachim Hackbarth, Annekatrin Lückert: Tierschutzrecht: praxisorientierter Leitfaden. Hüthig Jehle Rehm, München 2002, ISBN 3-7825-0436-4, S. 62 (online).
  10. Haseder S.333