Heu
Als Heu bezeichnet man die getrocknete oberirdische Biomasse von Grünlandpflanzen (Gräser, Kräuter, Leguminosen). Es dient in der Regel als Futter für Nutz- und Haustiere. Abzugrenzen ist das Heu vom Stroh, einem ebenfalls halmgutartigen Koppelprodukt der Nutzung von Druschfrüchten (zum Beispiel Getreide oder Ölsaaten) nach Entnahme der Samen.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Gewinnung
[Bearbeiten] Geschichte
Bevor von Traktoren gezogene Ladewagen verbreitet waren, wurde das Heu meistens auf Wagen, die von Pferden und anderen Zugtieren gezogen wurden, zum Bauern transportiert. In unwegsameren Gelände (z.B. beim Wildheuen) musste das Heu oft auf dem Rücken in die Scheune getragen werden. Auch Holzschlitten fanden Verwendung.
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Heuernte im Saarland nach 1920 |
[Bearbeiten] Ernte
Um eine Konservierung des auf Wiesen aufgewachsenen Mähguts zu gewährleisten, wird der Aufwuchs (meistens von hochwüchsigem Extensivgrünland) nach dem Mähen mehrere Tage auf dem Feld zur Lufttrocknung liegen gelassen. Während dieser Zeit wird es heute zumeist mit Kreiselwendern mehrmals gewendet, um dann mit Kreiselschwadern zu Schwaden gerecht zu werden. In der modernen Landwirtschaft wird das Heu heute meistens mit Ballenpressen gepresst. Üblich sind kleine Eckballen (etwa 35×25×100 cm) oder große, bis zu mehrere hundert Kilogramm schwere Rund- oder Quaderballen. Bei einer angemessenen Lagerung kann das Heu auf diese Weise über ein Jahre lang als Futtermittel für Nutztiere verwendet werden.
Um qualitativ hochwertiges Heu zu erhalten, wird das Mähgut schnell und gründlich getrocknet und möglichst staubarm gepresst bzw. eingefahren. Der Anteil an Trockensubstanz in hochwertigem Heu liegt bei etwa 86 %. Heu muss vor der Fütterung rund zwei Monate lagern, da es sonst zu Verdauungsstörungen kommen kann.
[Bearbeiten] Ernte und Konservierung
Die einzelnen Schnitte zeigen deutliche Qualitätsunterschiede: Das Heu umfasst die faser- und kohlehydratreichen Gräser bis zur ersten Blüte, und die typischen Frühlings-Wiesenblumen (Hahnefuße, Schafgarben, uä.). Grummet ist kürzer und enthält mehr Kräuter. Es ist aufgrund eines relativ zum 1. Schnitt früheren Schnittzeitpunkts nährstoffreicher bzw. hat einen niedrigeren Anteil an Strukturkohlenhydraten als Heu. Grummet ist wegen seines hohen Eiweißgehalts besonders für Milchvieh als Futter geeignet. Aufgrund der Kolikgefahr kann es für Pferde dagegen sogar gefährlich sein. Die weiteren Schnitte sind minderwertig, und weitverbreitet ist stattdessen das Nachgrasen.
Der erste Schnitt wird in heutigen Produktionsverfahren nicht als Heu, sondern weit überwiegend zu Silage konserviert, um den Gesamtertrag des Grünlandes zu erhöhen sowie um Verdaulichkeit und Nährstoffgehalt des Futtermittels zu erhöhen. Zudem wird so der Blattanteil (Kräuter, Blumen) minimiert. Dieser neigt in der Silage zum Schimmeln und führt bei der Ernte zu erhöhten Verlusten. Aufwüchse für Silage werden meistens kurz vor dem Schossen gemäht, Aufwüchse für Heu zwei bis vier Wochen später. Durch den späteren Schnittzeitpunkt erhöht sich der Anteil der Strukturkohlenhydrate (siehe auch Rohfaser) in der Pflanze, was einerseits die Trocknung verkürzt und andererseits zu weniger Verlusten auf dem Feld führt (weniger Bergeverluste durch höheren Stängelanteil). Die Anzahl möglicher Nutzungen der Aufwüchse richtet sich sehr nach der Intensität der Bewirtschaftung. Bei extensiver Flächennutzung werden die Flächen zum Teil nur ein bis zweimal pro Jahr gemäht (plus Nachweide), bei intensiver Landbewirtschaftung drei bis fünf mal pro Jahr (eventuell anschließend Nachweide oder Mulch-/Pflegeschnitt). Die Stärke der Bewirtschaftung ist auch vom Standort (Klima, Boden, etc.) abhängig.
Bei Heu als Konservierungsform ist das Witterungsrisiko deutlich höher als bei Silage: Während Silage optimalerweise bei einem Wassergehalt von 65 % eingefahren wird, sollte Heu nicht mehr als 15 % Wasser enthalten. Daher muss es zur Trocknung wesentlich länger auf dem Feld verbleiben (bis zu mehrere Tage, Silage zum Teil nur einen Tag). Um ein Verderben des Heus bei ungünstiger Witterung zu vermeiden, wurde es früher (per Hand) auf Heureiter gehängt. Wird das Heu zu feucht gepresst, führt dieses vor allem durch Pilze (Hefen) zu einer Nacherwärmung des Materials. Damit verbunden sind Nährstoffverluste und eine Verunreinigung mit Gärschädlingen. Zu feuchtes Heu erzeugt aufgrund des schnell ablaufenden Gärvorgangs so hohe Temperaturen, dass sich Heuballen oder das gesamte Heulager selbst entzünden können (Heuselbstentzündung).
Wegen des sommerfeuchteren Klimas in Norddeutschland ist Heu als Konservierungsform dort deutlich weniger verbreitet als in Süddeutschland. Daneben haben aber auch die niedrigeren Verluste und die einfachere Handhabung weitgehend dafür gesorgt, dass die Silierung heute die überwiegende Konservierungsform in der Landwirtschaft ist.
[Bearbeiten] Nutzung
Aufgrund seiner für Pferde günstigen Zusammensetzung hat Heu eine sehr hohe Bedeutung in der Pferdefütterung, der Einsatz in der Rinderfütterung nimmt durch die Vorzüglichkeit der Silagefütterung ab. Heu mit erhöhter Restfeuchte, das unter Luftabschluss konserviert wird, gilt als Heulage und kommt als staubfreies Futtermittel in der Pferdehaltung zur Verwendung. Trotz der teils vielfältigen Zusammensetzung aus mehreren Pflanzenarten gilt Heu rechtlich als Einzelfuttermittel.
Bedeutung hat die Heufütterung in der Milchviehhaltung für die Rohmilchkäseerzeugung (Emmentaler, Gruyere, Sbrinz etc.). Da Silagefütterung in der Milchviehhaltung zu Problemen bei der Herstellung von Rohmilchkäse führen kann, ist für die Lieferanten von Rohmilchkäsereien Silagefütterung z.T. untersagt und wird durch Heu- und Grünmehl-Fütterung ersetzt. Regional wird Milch aus silagefreier Fütterung in Österreich unter dem Markennamen Heumilch vertrieben.
Zur energetischen Nutzung ist Heu bedingt geeignet. Seine Verwendung als halmgutartiger Brennstoff ist in dafür geeigneten Heizungsanlagen zulässig. Aufgrund der Brennstoffeigenschaften von Heu ist die Anlagentechnik anspruchsvoller als beispielsweise bei Verbrennung von Holz, zudem ist auch bei Kleinanlagen eine nachgeschaltete Abgasreiningung nötig, um geltende Emissionsgrenzwerte einzuhalten.[1]
Das bei der Heulagerung verblieben Feinmaterial, hauptsächlich Blattbruch, Spelzen und Samen und sonste Kleinteile, wird Heublumen (Graminis flos) genannt und ist ein traditionelles Heilmittel.
[Bearbeiten] Differenzierung und Benennung nach Erntezeitpunkt
Je nach Region, aber auch regionaler Höhenlage (klimatische Umstände), werden Wiesen in Mitteleuropa bis zu sechs mal im Jahr geschnitten (Schnitte oder Mahden).
[Bearbeiten] Erster Schnitt: Heumahd
Dabei heißt der erste Schnitt, der im Frühsommer stattfindet, speziell Heumahd (die f., regional auch das n.)[2], sodass man in Fachkreisen mit ‚Heu‘ nur das Futter der Frühsommerernte meint. Diese Spezialisierung ist im Süden ausgeprägter als im Norden.
[Bearbeiten] Zweiter Schnitt: Grummet, Emde, Ettgrön, Nachmahd
Der zweite Schnitt, der meist im Hochsommer erfolgt, und auch dessen Ernte, heißt allgemeindeutsch Grummet (n.).[3][4]
Das Grummet zeichnet sich durch einen höheren Eiweißgehalt aus, weshalb es intensivere Trocknung erfahren muss, als der erste Schnitt. In der Landwirtschaft werden Heuwender zur Unterstützung der Mähguttrocknung eingesetzt. Bei nicht ausreichender Trocknung besteht die Gefahr der Selbstentzündung bei der anschließenden Lagerung auf dem Heuboden.
Das Wort entstammt mittelhochdeutsch gruonmât und ist seit dem 13. Jh. nachzuweisen, nach Grimm „offenbar wesentlich älter“[3], nach modernerer Ansicht aber tatsächlich Kompositumbildung als Ersatz zu Heu, dass sich auf den ersten Schnitt einengt.[4] Etymologisch wurde es auf grün bezogen[3], vielleicht weil zeitgenössisch zunehmend auch anderes Grünfutter wie Nachsaaten gemäht wurden, geht aber direkt auf einen gemeingermanschen Stamm *grō- ‚wachsen‘ zurück[4], der sowohl grün und gras zugrundeliegt, wie auch engl. grain ‚Getreide‘, ein Wort, das als bair. Grõā für das jeweilige Hauptgetreide dialektal auch im Deutschen erhalten ist. Es fand sich in der heute hochdeutschen Form nur in den Vogesen (Grummat) und den Sudeten (Grummet) erhalten, verbreiteter heute oberbayer.-österr. Groamat/d, tir. Gruamat, niederbayer. Gram(m)at, Groamet, im Taunus-Rhön-Raum Grommet, im Schiefergeb. Graumet, mittelrhein. Gro(o)m, Grommet, Gromisch (mit Lautung bis J-), im ndsächs. Gramme(t), Grammer, ostmitteldt. Grum(m)t, Gru(h)nd, ostpreuß. Gromme(l)t.[4]
Als zweite Form steht alemann. Emde (n.),[5] aus mittelhochdeutsch âmât ‚Abmahd‘ (ā- ‚fort, weg‘) in derselben Bildung wie Grummet. Heute am verbreitetsten ist allgemeinschwyzerdütsch und schwäb. Ö(h)md, E(h)mt, am Rhein auch Amat, nördlich O(h)m(e)t, vorarlbg. O(h)mad, zwischen Donau und Lech Aumat. Daneben findet es sich in einer Insel im Harz auf Ommeten.[4]
Dritte Hauptform ist Ettgrön, ett- zu althochdeutsch ita- ‚wieder‘ (wie in itaruchen ‚wiederkäuen‘, itakummen ‚wiederkehren‘). Dieses Wort hat sich nur in Schleswigischen und Ostfriesischen erhalten, Ettgroahr fand sich an der Ems, Ettgrau im Weserbergland. Das Wort dürfte aber früher verbreiteter gewesen sein.[4] Eine verwandte Form, Ettwort (zu asächs. wurt ‚Wurzel‘) ist oldenburgisch.
Eine weitere, wohl jüngere[4] Form ist Nachmahd (f.), sie findet sich nur im niederdt. Sprachraum, allgemein Na(h)mad/t, holst. Na/ohmeid, niederfränk./westfäl. N(a)ohmatt. Sie bildet Nebenformen, Nohheu ‚Nachheu‘ im Limburgischen, und ostpomm. No(h)schnitt, Nachgras fand sich nur kleinräumig bei Lüneburg und im Oldenburgischen (Nohgrus).[4]
[Bearbeiten] Weitere Schnitte
Das Fehlen eines eigenen Wortes für den zweiten Schnitt ist für des frühe 20. Jh. nur für zwei größere Inseln, im Südmärkischen bei Berlin (Zweiter Schnitt), und Erzgebirgischen (Zweite Schur) belegt.[4] Der dritte Schnitt hat nur regional ein eigenes Wort, etwa tir. Pofel, ahrntal. Böüfel, dessen Wortherkunft unbekannt ist, sonst werden die weiteren Schnitte nur durchgezählt. Vor der Heumahd ausgeführten Schnitte im Frühjahr heißen regional Vor- oder Frühschnitt.
[Bearbeiten] Literatur
zu Grünlandwirtschaft i.a.:
- Gottfried Briemle u.a.: Nachhaltige Grünlandbewirtschaftung in Baden-Württemberg. In: Günther Linckh u.a.: Nachhaltige Land- und Forstwirtschaft. Voraussetzungen, Möglichkeiten, Maßnahmen. Springer Verlag, Berlin 1996 ISBN 3-540-61090-1, S. 125-256
- Ernst L. Klapp: Grünlandvegetation und Standort. Nach Beispielen aus West-, Mittel- und Süddeutschland. Parey Verlag, Berlin 1965
- Ernst L. Klapp: Wiesen und Weiden. Eine Grünlandlehre. Parey Verlag, Berlin 1971, ISBN 3-489-72510-7
- Gerhard Voigtländer (Hrsg.): Gründlandwirtschaft und Futterbau. Ulmer, Stuttgart 1987, ISBN 3-8001-3071-8
zu Heu und seinen Qualitäten:
- K. Buchgraber, L. Gruber, A. Pöllinger, E.M. Pötsch, R. Resch, W. Starz, A. Steinwidder: Futterqualität aus dem Grünland ist wieder mehr wert. In: Der fortschrittliche Landwirt 86, (6), 2008, S. 16-19.
- W.L. Greenhill, J.F. Couchman, J. De Freitas: Storage of hay. In: Journal of the Science of Food and Agriculture 12, 1961, S. 293-297.
- R. Resch, , T. Guggenberger, G. Wiedner, A. Kasal, K. Wurm, L. Gruber, F. Ring-Dorfer und K. Buchgraber: Futterwerttabellen für das Grundfutter im Alpenraum. In: Der fortschrittliche Landwirt (24), 2006, Sonderbeilage
[Bearbeiten] Weblinks
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Dr. Hans Oechsner: Besichtigung der Pilotanlage zur Heuverbrennung. In: ALB-Fachgespräch Holz, Getreide & Co., abgerufen am 10. März 2010 (pdf)
- ↑ MAHD, n. und fem. mähen und gemähtes. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854ff (germazope.uni-trier.de)
- ↑ a b c GRUMMET, n., foenum secundum. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch.
- ↑ a b c d e f g h i Werner König: dtv-Atlas Deutsche Sprache. 1 Auflage. dtv-Band 3025, dtv, München 1978, ISBN 3-423-03025-9, Grummet, S. 215 Sp. 1 (Karte S. 214).
- ↑ EMDE, n. chordum, grummet. In: Grimm: Deutsches Wörterbuch.