Heuchelheim (Reichelsheim)

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50.3677777777788.8669444444444Koordinaten: 50° 22′ 4″ N, 8° 52′ 1″ O

Heuchelheim
Höhe: 125–130 m ü. NN
Fläche: 1,47 km²
Einwohner: 423
Postleitzahl: 61203
Vorwahl: 06035
Evangelische Kirche in Heuchelheim

Heuchelheim ist der kleinste Stadtteil von Reichelsheim (Wetterau) im Wetteraukreis in Hessen.

Geografische Lage[Bearbeiten]

Heuchelheim liegt 128 m über NN, etwa 8 km nordöstlich von Friedberg und einen Kilometer nordwestlich von Reichelsheim in der Wetterau.

Geschichte[Bearbeiten]

Mittelalter[Bearbeiten]

Die älteste erhaltene Erwähnung des Ortes als „Hucheneleheim“ stammt aus der Zeit um 1090-1150. Es handelt sich um die Abschrift einer Urkunde im Codex Eberhardi[1], einem Kopiar. Diese Urkunde bezeugt zugleich Besitz des Klosters Petersberg bei Fulda.

Heuchelheim gehörte 1255 als Allod zur Münzenberger Erbschaft, dem Nachlass Ulrichs II. von Münzenberg. Die Münzenberger Erbschaft wurde zwischen sechs seiner Schwestern geteilt, aber als Kondominat gemeinsam weiter verwaltet. So erhielten zunächst je einen Anteil:

Die Rechte an den Anteilen – und damit die Herrschaftsrechte über Heuchelheim – wurden weiter vererbt und zum Teil auch verkauft, so dass sich immer wieder unterschiedliche Eigentümergemeinschaften bildeten. Die einzelnen Eigentümer integrierten ihren jeweiligen Anteil in eigenen Verwaltungsstrukturen, in der Herrschaft und späteren Grafschaft Hanau war der Anteil z.B. dem dortigen Amt Münzenberg zugeordnet, in der Grafschaft Stolberg-Roßla dem dortigen Amt Ortenberg. Die Zuordnung der Anteile zu einzelnen Eigentümern entwickelte sich folgendermaßen:

Zeitraum Herren Bemerkungen
1255–1256 Adelheid 1/6
∞ Reinhard I. von Hanau
Isengard 1/6
∞ Philipp I. von Falkenstein
Mechthild 1/6
∞ Engelhard von Weinsberg
Irmengard 1/6
∞ Konrad von Weinsberg
Agnes 1/6
∞ Konrad von Schöneberg
Hedwig 1/6
∞ Heinrich von Pappenheim
Aufteilung des Erbes auf sechs verheiratete Töchter
1256–1272 Herrschaft Hanau 1/6 Falkenstein 3/6 Schöneberg 1/6 Pappenheim 1/6 Falkenstein erwarb 1256 die beiden Weinsberger Anteile.
1272–1286 Hanau 1/6 Falkenstein 4/6 Pappenheim 1/6 Falkenstein erwarb 1272 den Schöneberger Anteil.
1286–1418 Hanau 1/6 Falkenstein 5/6 Falkenstein erwarb 1286 den Pappenheimer Anteil.
1418–1507 Grafschaft Hanau 8/48 Eppstein 20/48 Solms-Greiffenstein 15/48 Solms-Laubach 5/48 1418 erloschen die Falkensteiner. Ihr Anteil fiel zu gleichen Teilen an Solms und Eppstein. Der Solmser Anteil wurde im Verhältnis 3:1 zwischen den Linien Greiffenstein und Laubach geteilt.
1507–1581 Grafschaft Hanau 8/48 Königstein 20/48 Solms-Greiffenstein 15/48 Solms-Laubach 5/48 1507 trat der letzte männliche Vertreter der Familie von Eppstein seine Rechte gegen eine Pension an die Herren von Königstein ab.
1581–1684 Grafschaft Hanau-Münzenberg8/48 Mainz 10/48 Stolberg-Gedern 10/48 Solms-Greiffenstein 15/48 Solms-Laubach 5/48 1581 Vom Eppsteiner Anteil kam die eine Hälfte an Stolberg-Gedern, die andere an Kurmainz.
1684-1736 Hanau 18/48 Stolberg-Gedern 10/48 Solms-Greiffenstein 15/48
ab 1693 Solms-Braunfels
Solms-Laubach 5/48 1684 trat Mainz seinen Anteil im Rahmen eines Gebietstausches an Hanau ab.
ab 1736 Landgrafschaft Hessen-Kassel 18/48 Stolberg-Gedern 10/48 Solms-Braunfels 15/48 Solms-Laubach 5/48 1736 erbte die Landgrafschaft Hessen-Kassel die Grafschaft Hanau-Münzenberg, siehe hier.

Die Kirchengemeinde von Heuchelheim gehörte ursprünglich zu der von Echzell. 1420 wurde sie selbständige Pfarrei. Die Familie der Wais von Fauerbach, bei der daraufhin auch das Patronat lag, errichtete eine Kirche, die unter dem Patrozinium von Maria und den Heiligen Georg Valentin stand.

Neuzeit[Bearbeiten]

Die Anteilseigener an dem Kondominat, zu dem auch Heuchelheim gehörte, waren überwiegend Mitglieder des Wetterauer Grafenvereins oder standen ihm nahe. Deshalb setzte sich hier auch in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts die Reformation durch, letztendlich in ihrer reformierten Ausprägung.

Mit der Auflösung der alten Territorialstrukturen in napoleonischer Zeit wurde Heuchelheim dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Allerdings handelte es sich bis zur Verwaltungsreform von 1821 weiter um teilweise standesherrliches Gebiet, das zu 7/12 dem großherzoglichen Amt Bingenheim, zu 5/12 dem standesherrlichen Amt Ortenberg zugeordnet war. 1821 wurde dann der Landratsbezirk Nidda gebildet, zu dem auch Heuchelheim gehörte, ab 1832 war es dem Kreis Nidda zugeordnet, kurzzeitig während der Revolution von 1848 bis 1852 dem Regierungsbezirk Nidda, ab 1874 dem Landkreis Büdingen.

Für die örtliche Wirtschaft war lange ein Braunkohletagebau der PREAG bedeutend. Davon sind östlich des Dorfes zwei ehemalige Klärteiche, der Pfaffensee und der Teufelsee, erhalten, die zu den Tagebauen II und III gehörten.

Am 1. Februar 1972 wurde Heuchelheim zur Stadt Reichelsheim (damals: Landkreis Friedberg, später Wetteraukreis) eingemeindet.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr 1939 1961 1970
Einwohner 184 300 345

Sehenswert[Bearbeiten]

In Heuchelheim gibt es folgende Baudenkmäler:

Infrastruktur[Bearbeiten]

Der öffentliche Personennahverkehr besteht aus der Buslinie FB03.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum = Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16 (1937). ND 1984, S. 20.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 115.
  • Heinz Wionski: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Kulturdenkmäler in Hessen. Wetteraukreis II. Stuttgart 1999, S. 932-933.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinrich Meyer zu Ermgassen (Hrsg.): Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 58.1. Marburg 1995. ISBN 3-7708-1044-9, S. 332.