Heveller

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Die Heveller ( Eigenbezeichnung: Stodorjane) waren ein elbslawischer Stamm, der ab dem 9. Jahrhundert an der mittleren Havel siedelte. Der neuhochdeutsche Name „Heveller“ geht auf die Namensform Hehfeldi zurück. Bis in das 12. Jahrhundert ist der Name des Stammes häufig in Varianten belegt.

Siedlungsgebiet[Bearbeiten]

Slawische Gebiete um 1150

Das Siedlungsgebiet der Heveller erstreckte sich an den Fluss- und Seeufern des Havelbogens von Spandau bis hinter Rathenow. Hauptburg und Sitz des Herrschers war seit dem 10. Jahrhundert die Brandenburg. Diese ist dendrochronologisch für die Zeit ab 900 nachgewiesen.[1] Die übrigen Burgen der Heveller - der Bayerische Geograph berichtet von insgesamt 8 Burgen („civitates“) - entstanden bereits ab 870.[2]

Erstmals werden die Heveller in der Völkerliste des Bayerischen Geographen erwähnt. Dessen nähere Datierung ist umstritten. Einigkeit besteht lediglich insoweit, als der Text aus dem 9. Jahrhundert stammt. Ansonsten sind die Heveller keiner einzigen fränkischen Quelle des 9. Jhs. bekannt. Als Hæfeldan finden sie sich allerdings in der geographischen Ergänzung zur angelsächsischen Übersetzung des Orosius aus den 890er Jahren.[3]

Aufgrund ihrer relativ späten Erwähnung in den fränkischen und sächsischen Quellen sowie dem archäologischen Befund geht die Forschung heute davon aus, dass der Stamm der Heveller sich erst in der 2.Hälfte des 9. Jahrhunderts bildete.

Geschichte[Bearbeiten]

Bei den Hevellern regierte offensichtlich eine Dynastie: eine Fürstin Drahomíra heiratete um 906/07 den Böhmen-Fürsten Vratislav I. und war die Mutter des heiligen Wenzel; ein christlicher Fürst Tugumir paktierte um 940 mit den Sachsen und verschaffte ihnen die Herrschaft über die Brandenburg. Der ostfränkische König Heinrich I. hatte die Burg 928/29 schon einmal erobert, wobei sich alle Stämme bis zur Oder unterwarfen, ein Gebiet, das offensichtlich mit dem 948 gegründeten Bistum Brandenburg identisch war. Diese Ausdehnung und die dynastische Verbindung der Drahomíra lassen auf eine stärkere politische Einheit der Heveller schließen. Es ist möglich, dass die Dynastie von den Ottonen in ihrer Würde belassen wurde.

Die Wirtschaft mit schwachem Getreidebau und ausgeprägter Jagd war weniger entwickelt als in den anderen Gebieten der Elb- und Ostseeslawen („Wenden“), doch fällt im 11. Jahrhundert eine große Menge kleiner Silberschätze auf, deren Besitzer mit einer berittenen Oberschicht in Verbindung gebracht werden, die vielleicht frei war, Boden besaß und offenbar am Fernhandel teilnahm, in unbefestigten Siedlungen und in Burgen lebte und als Kastellane über die Burgen der westlichen und östlichen Havelgrenze gebot (Rathenow, Potsdam, Spandau).

Das mittlere Havelgebiet um Brandenburg kannte in spätslawischer Zeit nur die Burg Brandenburg; vermutlich unterstand das Land dem Fürsten selbst, was dadurch bestätigt wird, dass der letzte Herrscher, Pribislaw-Heinrich, die Zauche, das unmittelbar südlich der Havel gelegene Land, dem Sohn Albrecht des Bären zum Patengeschenk machte. Er war wie sein offenbar von heidnischen Untertanen ermordeter Vorgänger, der comes Meinfried, Christ. Ihm war er Kraft des Erbrechts nachgefolgt, führte vorübergehend den Königstitel und prägte Münzen. Seine rechtliche Stellung zum Reich ist unklar; jedenfalls konnte er den Markgrafen der Nordmark, Albrecht, zum Erben einsetzen: der Staat der Heveller, der um 1150 sein Ende fand, ist die slawische Wurzel der nun entstehenden Mark Brandenburg.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • H.-D. Kahl: Slawen und Deutsche in der Brandenburg. Geschichte des 12. Jahrhunderts, 1964
  • H. Ludat: An Elbe und Oder um das Jahr 1000, 1971
  • K. Grebe: Zur frühslawischen Besiedlung des Havelgebietes, Veröffentlichungen des Museums für Ur- und Frühgeschichte Potsdam 10, 1976, 7-54
  • L. Dralle: Slaven an Havel und Spree, 1981
  • B. Sasse: Die spätslawische und frühdeutsche Zeit, Das Havelland, hg. W. Ribbe, 1987
  • L. Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Mit einem lateinisch-deutschen Quellenanhang. Köln/Weimar/Wien 2007
  • Sebastian BratherHeveller. In: Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 2. Auflage. Band 14, Walter de Gruyter, Berlin/New York 1999, ISBN 3-11-016423-X, S. 543–545. (online)

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Heveller – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Felix Biermann, Katrin Frey: Ringwall und Macht. Über die Burgen des 9./10. Jh. am Teltow und im Berliner Raum. In: Przeglad archeologiczny, 49. Jahrgang (2001) S. 59-83, hier S. 66 f.
  2. Fred Ruchhöft: Vom slawischen Stammesgebiet zur deutschen Vogtei. Die Entwicklung der Territorien in Ostholstein, Lauenburg, Mecklenburg und Vorpommern im Mittelalter. (= Archäologie und Geschichte im Ostseeraum. Bd. 4). Leidorf, Rahden (Westfalen) 2008, ISBN 978-3-89646-464-4, S. 97.
  3. Sébastien Rossignol: Überlegungen zur Datierung des Traktates des sog. Bayerischen Geographen. in: Felix Biermann, Thomas Kersting und Anne Klammt (Hrsg.): Der Wandel um 1000. Beier & Beran, Langenweissbach 2011, ISBN 978-3-941171-45-9, S. 305-316, hier S. 309 f.