Hieronymus Roth (Königsberg)

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Hieronymus Roth (* 1606; † 1678 in der Festung Peitz, Lausitz) war Schöffenmeister (Richter) des Ortsteils Kneiphof in Königsberg, Politiker und eine der eigenwilligsten und stärksten Persönlichkeiten der Stadtgeschichte.

Leben[Bearbeiten]

Über das Leben des Hieronymus Roth ist nur wenig bekannt, sicher ist aber, dass er Kaufmann und Bürgerschaftsvertreter in Königsberg, der Hauptstadt Ostpreußens, war. Er war Führer der Opposition gegen Kurfürst Friedrich Wilhelm, der die Steuerlast der Königsberger immer untragbarer machte und gleichzeitig die Privilegien der Stände abbaute.

Durch Verträge erreichte der Kurfürst die Aufhebung der polnischen Lehnshoheit in Preußen, was dem ostpreußischen Bürgertum nicht gefiel, denn durch die Eingliederung Preußens in Brandenburg, befürchteten Hieronymus Roth und andere eine Beschneidung ihrer relativen Unabhängigkeit. Der Widerstand Roths begann im Landtag, dem er als Vertreter seiner Heimatstadt angehörte. Roth wurde der Regierung lästig und die übte Druck auf die Königsberger Verwaltung aus, diese sollte einen Prozess wegen Hochverrats im Namen der kurfürstlich-herzoglichen Obrigkeit führen, doch dies wurde verweigert. Man drosselte Roth lediglich in seinem Enthusiasmus indem man ihn am 4. November 1661 aus dem Landtag abberief. Er blieb aber unbehelligt. Roth ging im Jahre 1662 an den polnischen Hof, um den König um Hilfe zu bitten, dieser versprach die Befreiung der preußischen Bewohner von Brandenburg, löste sein Versprechen aber aus chronischem Geld- und Soldatenmangel nie ein. Als die Königsberger die Akzise, die Steuern an den Kurfürsten verweigerten, dieser Akt ging als Königsberger Aufstand in die Geschichte ein, griff dieser mit Waffengewalt durch.

Der Kurfürst versprach dem Adel mehrere Privilegien und beruhigte ihn, aber nur, um sich ausschließlich um Hieronymus Roth kümmern zu können: Dieser stellte das Rückgrat der städtischen Opposition dar. Friedrich Wilhelm marschierte Ende Oktober 1661 mit Truppen in Königsberg ein, ließ Hieronymus Roth festnehmen und wegen Hochverrats zu einer langen Haft verurteilen. Er wurde in der Festung Peitz in der Lausitz inhaftiert, wo er zunächst bis 1668 sehr lockere Haftbedingungen hatte, die nach 1668 verschärft wurden, als heraus kam, dass Roth heimliche Korrespondenz mit Königsberg pflegte. Im Jahre 1676 bat Roth in einem Brief an den Kurfürsten um seine Freilassung, die aber nicht gewährt wurde, so dass er 1678 in der Haft verstarb. Nach der Ausschaltung Roths musste die Stadt Königsberg dem brandenburg-preußischen Kurfürsten am 17./18. Oktober 1663 feierlich im Königsberger Schloss huldigen.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang („Iron Kingdom“). Pantheon-Verlag, München 2006, ISBN 978-3-570-55060-1, Seite 85f

Literatur[Bearbeiten]