Hieronymus von Prag

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hieronymus von Prag
Kupferstich von Johann Balzer (1772)

Hieronymus von Prag (* um 1379 in Prag; † 30. Mai 1416 in Konstanz, tschechisch: Jeroným Pražský) war ein böhmischer Gelehrter und Mitbegründer der hussitischen Bewegung.

Leben[Bearbeiten]

Hieronimus von Prag wird zum Scheiterhaufen geführt (Konstanzer Richental Chronik)

In einigen Ansichten war Hieronymus von Prag sogar radikaler als Jan Hus selbst; es war ihm dabei ein wesentliches Anliegen, eine mögliche Kirchenreform auf Grundlage der ursprünglichen Überlieferung durchzuführen.

Außerdem war er ein Anhänger von John Wyclif und involviert ins Kuttenberger Dekret von 1409. Um die Grundgedanken der Reform zu verbreiten, unternahm Hieronymus zahlreiche Reisen – so auch in das Königreich Polen-Litauen –, wo er wahrscheinlich im Jahre 1413 mit Vertretern der Orthodoxen Kirche in Kontakt kam.

Als Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil verhaftet wurde, eilte Hieronymus nach Konstanz, um ihm zu helfen. Als er erfuhr, dass er auch verhaftet werden sollte, machte er aber kehrt, wurde aber dennoch in Hirschau kurz darauf verhaftet. Vor der sicheren Gewissheit des Scheiterhaufens widerrief er seine Aussagen, weshalb er zunächst nur zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Über Jahrhunderte wurde Hieronymus von Prag mit dem Beinahmen "Faulfisch" in der Literatur geführt. Jüngeren Forschungen zufolge ist der Grund dafür die Verwechslung seiner Person mit Nicolaus Faulfisch.[1]

Kurz darauf distanzierte er sich wiederum von seinem Widerruf und wurde schließlich 1416 in Konstanz verbrannt.

Gedenken[Bearbeiten]

An der Oberen Laube im linksrheinischen Teil von Konstanz erinnert seit 1867 eine Gedenkplakette an Hieronymus von Prag.[2] Eine Gedenkplakette am Haus Zum Delphin in der Hussenstraße in der Altstadt von Konstanz erinnert daran, dass Hieronymus von Prag 1415 hier wohnte, bevor er floh.[3]

Gedenktag[Bearbeiten]

29. Mai im Evangelischen Namenkalender.[4]

Literatur[Bearbeiten]

  • František Šmahel: Jeroným Pražský. Prag 1966.
  • František Šmahel: Univerzitní kvestie a polemiky Mistra Jeronýma Pražského. Acta Universitatis Carolinae Pragensis – Historia Universitatis Carolinae Pragensis 22, 1982.
  • Richard Friedenthal: Jan Hus. Der Ketzer und das Jahrhundert der Revolutionskriege. München 1984, ISBN 3-492-00631-1 (formal falsche ISBN), S. 299–312.
  • Andreas Nohl: Hieronymus. Chronik eines Verrats. Ebenhausen 1993, 2. Aufl. 1994.
  • Daniel S. Larangé: La Parole de Dieu en Bohême et Moravie. La tradition de la prédication dans l’Unité des Frères de Jan Hus à Jan Amos Comenius. L’Harmattan, Paris 2008 (Spiritualité & Religions), ISBN 978-2-296-06552-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Büttner, Egon Schwär: Der Faulfisch - Wie Hieronymus von Prag zu einem falschen Namen kam. In: Ulrich Büttner und Egon Schwär: Konstanzer Konzilgeschichte(N). Verlag Stadler. Konstanz 2014. ISBN 978-3-7977-0580-8. S. 208–210.
  2. Ein Streifzug durch das Gedächtnis einer Stadt. In: Konzil im Blick, 30 Januar 2013, S. 2.
  3. Infotafel des Fremdenverkehrsvereins Konstanz am Haus Hussenstraße 14
  4. Hieronymus von Prag im Ökumenischen Heiligenlexikon

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hieronymus von Prag – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien