Hildesheim Hauptbahnhof

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Hildesheim Hauptbahnhof
Bahnhofsvorplatz, Dezember 2007
Bahnhofsvorplatz, Dezember 2007
Daten
Kategorie 2
Betriebsart Trennungsbahnhof
Bahnsteiggleise 9
Reisende/Tag 20.000 (inkl. Besucher)[1]
Abkürzung HHI
IBNR 8000169
Eröffnung 6. Mai 1884
Webadresse www.bahnhof.de
Lage
Stadt Hildesheim
Land Niedersachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 52° 9′ 38″ N, 9° 57′ 14″ O52.1605555555569.9538888888889Koordinaten: 52° 9′ 38″ N, 9° 57′ 14″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe in Niedersachsen
i7i12i13i15i16i16i18i20

Hildesheim Hauptbahnhof ist der wichtigste Bahnhof der Stadt Hildesheim. Er wird von Zügen der Deutschen Bahn AG und der NordWestBahn angefahren. Neben Regionalzügen halten in Hildesheim auch stündlich Intercity-Express-Züge zwischen Frankfurt am Main und Berlin (Linien 11 und 12).

Geschichte[Bearbeiten]

Der erste Hildesheimer Bahnhof wurde von den Königlich Hannöverschen Staatseisenbahnen als Kopfbahnhof der südlichen Kreuzbahn am 12. Juli 1846 nördlich der heutigen Kaiserstraße, etwa an der heutigen Bahnhofsallee eröffnet.[2][3] Für den Bau der Bahn wurde auch das Gelände des erst 1832 eröffneten Marienfriedhofs angeschnitten. Nach dem Bau der Hannöverschen Südbahn wurde die Kreuzbahn am 15. September 1853 bis zum Bahnhof Nordstemmen an der Südbahn verlängert.[2] Das Empfangsgebäude des ersten Hildesheimer Hauptbahnhofs war ein Fachwerkbau mit Schieferdach.

Die Hannover-Altenbekener Eisenbahn-Gesellschaft (HAE) plante den Bau einer Bahnstrecke von Löhne nach Vienenburg, die auch über Hildesheim führen sollte. Da sie noch vor Fertigstellung dieser Strecke insolvent wurde, übernahm die Magdeburg-Halberstädter Eisenbahngesellschaft (MHE) den Weiterbau sowie die Betriebsführung der HAE und eröffnete am 19. Mai 1875 die Strecke, die am 1. Mai 1883 von der Braunschweigischen Eisenbahn nach Goslar weitergebaut wurde.

Für den zusätzlichen Verkehr verlegte die HAE ein zusätzliches Gleis von Nordstemmen nach Hildesheim, sie musste aber zunächst einen provisorischen Bahnhof, den späteren Bahnhof Hildesheim Ost bauen, da sie den Staatsbahnhof nicht benutzen durfte. Erst nach der Verstaatlichung der HAE und deren Muttergesellschaft MHE hielten die Züge ab 20. Mai 1880 im Staatsbahnhof.

Der Bahnhof war auch ohne den zusätzlichen Verkehr schon zu klein gewesen, und so wurde nach langen Verhandlungen – die Bahn wollte den alten Standort beibehalten, die Stadt wollte weiter nördlich neu bauen[4] – und nach langer Planung der neue Hauptbahnhof unter Bürgermeister Gustav Struckmann an den heutigen Standort verlegt und dort am 6. Mai 1884 eröffnet.[5] Dazu war die Bahnstrecke nach Norden verlegt worden. Das Empfangsgebäude war von Hubert Stier im Stil der Neorenaissance entworfen.[6] Durch einen Tunnel war es mit einem breiten Inselbahnsteig verbunden, auf dem ein Wartesaal und eine Gaststätte errichtet wurden. Das alte Bahnhofsgebäude wurde abgetragen und in Dissen-Bad Rothenfelde wieder aufgebaut, wo es heute noch steht.

1888 wurde dann die eingleisige Bahnstrecke nach Braunschweig in Betrieb genommen, über die Fernzüge Richtung Osten nach Magdeburg und Berlin fahren. Der Regionalverkehr dieser Strecke und der 1901 eröffneten Strecke nach Bad Salzdetfurth endete am Ostkopf des Inselbahnsteiges, auf den heutigen Gleisen 14 und 15. 1909 kam ein weiterer Durchgangsbahnsteig für die Gleise 6 und 7 hinzu.

Auch die Personenzüge der 1896 eröffneten Hildesheim-Peiner Kreis-Eisenbahn-Gesellschaft endeten bis zur Einstellung 1964 im Hildesheimer Hauptbahnhof.

Obwohl das Empfangsgebäude beim Bombenangriff auf Hildesheim am 22. März 1945 nur leicht beschädigt worden war, wurde es 1959 abgerissen und dabei auch die Bauten auf dem Inselbahnsteig beseitigt. Im sachlichen Stil der damaligen Zeit wurde das heutige Empfangsgebäude errichtet und 1961 eröffnet.

Auf der Strecke Nordstemmen–Lehrte wurde am 29. Mai 1965 der elektrische Zugbetrieb aufgenommen; die Stecke Richtung Braunschweig ist seit dem 30. Mai 1976 elektrifiziert.

Über die Hildesheimer Schleife ist die Stadt an die 1991 eröffnete Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg des ICE-Netzes angeschlossen.

Am 26. März 2006 ging ein neues Elektronisches Stellwerk zur Steuerung des Bahnknotens Hildesheim in Betrieb. Es steuert neben dem Hauptbahnhof rund 12 km angrenzender Streckenabschnitte. Mit Investitionen von 52 Millionen Euro wurden sieben rund 60 Jahre alte Stellwerke ersetzt. Mit in diesem Rahmen eingebauten neuen Weichen wurde die Ein- und Ausfahrgeschwindigkeit auf den Ferngleisen des Hauptbahnhofs von 40 km/h auf 80 km/h erhöht.[7]

Im Jahr 2009 wurde mit dem seit langer Zeit geplanten zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke in Richtung Braunschweig begonnen, womit der eingleisige Engpass im deutschen ICE-Netz geschlossen werden sollte. Seit dem 9. Dezember 2012 wird die Strecke zweigleisig befahren.

Verkehr[Bearbeiten]

Fernverkehr

Linie Linienverlauf Taktfrequenz
ICE 11 Berlin Ostbahnhof – Hildesheim – Göttingen – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (Main) – Mannheim – Stuttgart – Augsburg – München Zweistundentakt
ICE 12 Berlin Ostbahnhof – Hildesheim – Göttingen – Kassel-Wilhelmshöhe – Frankfurt (Main) – Mannheim – Freiburg – Basel (– Interlaken Ost) Zweistundentakt
IC 56 Hannover – Hildesheim – Braunschweig – Magdeburg – Halle (Saale) – Flughafen Leipzig/Halle – Leipzig Ein Zug
CNL Berlin-Lichtenberg − Berlin-Wannsee – Potsdam – Brandenburg – Magdeburg – Braunschweig − Hildesheim − Augsburg − München – München Ost Ein Zugpaar täglich

Regionalverkehr

Zugart Strecke Taktfrequenz
RE Hannover – Hildesheim – Salzgitter-Ringelheim – Goslar – Bad Harzburg – Wernigerode – Halberstadt – Halle (Saale) Stundentakt Hannover–Bad Harzburg
Zweistundentakt Bad Harzburg–Halle
RB Hildesheim – Braunschweig Stundentakt mit einzelnen Lücken
NWB Hildesheim – Hameln – Löhne – Bünde Stundentakt
NWB Hildesheim – Bodenburg Stundentakt

S-Bahn

Seit Dezember 2008 liegt der Hildesheimer Hauptbahnhof am Netz der S-Bahn Hannover. Sowohl über Barnten und Sarstedt (S4) als auch über Lehrte (S3) fahren stündlich S-Bahnen nach Hannover Hauptbahnhof. Dafür wurden im Jahr 2008 die Bahnsteige der Gleise 4/5 und 6/7 vollständig erneuert.

Linie Linienverlauf Taktfrequenz
S 3 Hildesheim – Sehnde – Lehrte – Hannover Stundentakt
S 4 Hildesheim – Sarstedt – Hannover Messe/Laatzen – Hannover – Langenhagen – Bennemühlen Stundentakt

Autoreisezug:

Der Bahnhof verfügt über ein Terminal zur Verladung von Fahrzeugen auf Autoreisezüge[8]. 2010 ist es das einzige in Niedersachsen. Verbindungen bestehen 2010 mit Lörrach, München, Innsbruck (Österreich), Alessandria (Italien), Bozen (Italien) und Narbonne (Frankreich).

Planung[Bearbeiten]

Für den Hildesheimer Hauptbahnhof ist ein kompletter Umbau zu Bahnhofs-Arkaden geplant. Der Umbau hat bereits mit den Bahnsteigerneuerungen im Jahr 2006 begonnen. Trotz mehrerer Entwürfe verzögerte sich der Baubeginn des Empfangsgebäudes über Jahre. Infolge der Finanzkrise zog sich der Investor schließlich zurück, womit das von seiner Gestaltung her kontrovers diskutierte neue Bahnhofsgebäude zunächst nicht realisiert wurde. Dem Entwurf wurde unter anderem vorgehalten, den Bahnhofsplatz wie einen Riegel abzuschnüren und durch seine eckige, langgezogene Fassade monoton und architektonisch austauschbar zu erscheinen. Zudem befürchteten die Hildesheimer Einzelhändler von der geplanten zusätzlichen Ladenfläche Konkurrenz und entsprechend Leerstand von Ladenflächen im Bahnhof als auch in der nördlichen City.

In das Projekt werden Hoffnungen gesetzt, dem vernachlässigten nördlichen Bereich der Fußgängerzone, die am Hauptbahnhof endet, einen gestalterisch gelungenen Abschluss zu geben und den sozialen sowie gestalterischen Problembereich Hauptbahnhof allgemein aufzuwerten.

Im Mai 2013 stellten Deutsche Bahn und Stadt die Pläne für die Modernisierung des Bahnhofs vor. Der Pavillon im Empfangsgebäude wird zurückgebaut und vorhandene Treppen reaktiviert. Das Gebäude wird umfassend modernisiert. Für den barrierefreien Zugang erhält der Bahnsteig zum Gleis 1 einen Aufzug. Die Bauarbeiten sollen 2013 beginnen und voraussichtlich im Herbst 2015 beendet sein. Rund 9,5 Millionen Euro sollen investiert werden.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Bahls: Die Hannover-Altenbekener Eisenbahn. Kenning, Nordhorn 2006, ISBN 3-927587-77-X, S. 207–218.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hildesheim Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatVorstellung der Pläne zur Modernisierung des Bahnhofes Hildesheim. DB Mobility Logistics AG, 30. Mai 2013, abgerufen am 3. Juni 2013.
  2. a b http://www.larsbrueggemann.de/pages4/hildesheim-hauptbahnhof.html – abgerufen am 8. August 2008 um 18:25 Uhr
  3. http://www.eichfelder.de/hildesheim/06_neuzeit/neuzeit.html – abgerufen am 8. August 2008 um 18:07 Uhr
  4. Johannes Heinrich Gebauer: Geschichte der Stadt Hildesheim. Band 2. Hildesheim 1924
  5. Eröffnung des Hauptgebäudes am 6. Mai 1884 (PDF; 1,0 MB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 40, 4. Oktober 1884, S. 407 und 408, abgerufen am 1. Januar 2013
  6. Baubeschreibung (PDF; 1,7 MB), Im Centralblatt der Bauverwaltung, Nr. 41, 11. Oktober 1884, S. 419 und 420, abgerufen am 1. Januar 2013
  7. Meldung Neue ESTW in Betrieb. In: Eisenbahn-Revue International. Heft 5/2006, ISSN 1421-2811, S. 212.
  8. Terminalbeschreibung Autozug-Terminal Hildesheim