Hildesheimer Dom

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dom St. Mariae und Michaeliskirche Hildesheim*
UNESCO-Welterbe
UNESCO-Welterbe-Emblem

HildesheimDom.jpg
Der Mariendom, Nordansicht
Staatsgebiet: DeutschlandDeutschland Deutschland
Typ: Kultur
Kriterien: (i)(ii)(iii)
Referenz-Nr.: 187
Region: ª Europa
Geschichte der Einschreibung
Einschreibung: 1985  (Sitzung 9)

* Der Name ist auf der Welterbe-Liste aufgeführt.
ª Die Region ist von der UNESCO klassifiziert.

Blick vom Turm der Andreaskirche
Grundriss
Vierungsturm, Nordparadies und nördliche Seitenkapellen
Westwerk vor 1840
Neuromanisches Westwerk bis 1945
Innenansicht vor der Sanierung (bis 2010)

Der Hildesheimer Dom St. Mariä Himmelfahrt ist die Kathedrale des römisch-katholischen Bistums Hildesheim in Hildesheim. Der erste Dombau an dieser Stelle entstand 872. Die Gebäude und Kunstschätze gehören seit 1985 gemeinsam mit der Michaeliskirche zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Bau[Bearbeiten]

Nach Gründung der Diözese Hildesheim 815 entstand zunächst eine Marienkapelle im Bereich der heutigen Apsis. Südlich benachbart ließ Bischof Gunthar eine der hl. Cäcilia geweihte Basilika von bescheidenen Maßen mit zwei hohen Rundtürmen errichten, die als erste Dom- und Stiftskirche diente und die Gräber der ersten vier Bischöfe aufnahm. Von beiden Bauten sind nur Fundamentreste erhalten. Eine ältere Hildesheimer Pfarrkirche bestand möglicherweise schon zuvor in der Kapelle des Hl. Stephanus neben dem Torbau am östlichen Zugang des Hellwegs, deren Patrozinium auf Hildegrim von Chalons und dessen Missionswirken in Ostsachsen zurückgehen könnte.[1]

Der Hildesheimer Mariendom wurde 872 unter Bischof Altfrid als dreischiffige Basilika auf Kreuzgrundriss mit einem zweistufigen Westwerk erbaut. Das Innere gibt ein frühes Beispiel des Niedersächsischen Stützenwechsels. 1046 erlitt er schwere Brandschäden. Bischof Azelin beabsichtigte, weiter westlich einen größeren Neubau zu errichten und ließ das Langhaus abtragen. Sein Nachfolger Hezilo gab den Neubauplan auf und baute wieder auf den alten Fundamenten unter Einbeziehung der noch vorhandenen Mauern. Bis zum 14. Jahrhundert erfolgten weitere tiefgreifende Bauveränderungen, ohne dass jedoch vom Grundriss der Basilika von Bischof Altfrid abgewichen wurde. Aus gotischer Zeit stammen die Seitenkapellen der Nord- und Südseite. Aus der Barockzeit entstammen der Vierungsturm sowie die 1945 verloren gegangene, reich dekorierte Innenausstattung. 1840 bis 1850 ersetzte man das baufällig gewordene, originale Westwerk durch eine neuromanische Doppelturmfront, die bis 1945 bestand.

Der den Dom umgebende Domhof lässt noch heute klar die Struktur der bernwardinischen Domburg erkennen.

Schule und Bildung[Bearbeiten]

Die Hildesheimer Domschule, die ihre Räume im Kreuzgang hatte, war eine der bedeutendsten Bildungsanstalten des ottonischen und salischen Reiches. Die an ihr entstandene Dombibliothek besteht noch.

Zerstörung im Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Bei den Luftangriffen auf Hildesheim im Zweiten Weltkrieg wurde der Dom bis auf das Westwerk, die südlichen Langhausarkaden und die Außenmauern völlig zerstört und musste nach dem Wiederaufbau als einziger Dom in Deutschland neu geweiht werden. Erhalten blieben die Krypta und die Laurentiuskapelle aus dem 11. Jahrhundert.

Das Sakralgebäude wurde zwischen 1950 und 1960 in vereinfachter Form wieder aufgebaut. Dabei wurde aufgrund des Zerstörungsgrades die barocke Innenraumkonzeption aufgegeben und eine Gestaltung angestrebt, die auf angenommene frühromanische Formen Bezug nimmt. Die von außen am ehesten sichtbare Maßnahme war, dass die von 1840 stammenden oberen Geschosse und Flankentürme des Westwerks abgetragen wurden und, unter Anlehnung an das Westwerk des Doms von Minden, für das der Hildesheimer Dom dereinst Modell stand, der alte Zustand rekonstruiert wurde. Auch das Portalhaus vor dem Westwerk wurde um etwa die Hälfte abgetragen. Ansonsten blieb die äußere Erscheinung wie vor der Zerstörung, insbesondere wurde der barocke Vierungsturm rekonstruiert.

Der Wiederaufbau fand unter Verwendung einfachster Mittel statt. Weil Sandstein nach dem Krieg Mangelware war, wurde der Fußboden mit Marmor ausgelegt. Die Decken des Langhauses sowie der Seiten- und Kreuzschiffe wurden in Beton gegossen und von innen verbrettert, um den Eindruck von flachen Balkendecken zu erwecken. Die Innenmauern sowie die Mauern des Langhauses wurden mit Hohlziegeln bzw. Kalksandstein aufgemauert, von außen mit Naturstein­mauerwerk, welches man aus den Trümmern gewann, verblendet, und von innen glatt verputzt. Das Bodenniveau wurde um 60 cm erhöht, was besonders in den Seitenschiffen einen gedrungenen Raumeindruck zur Folge hatte. Die Säulen der nördlichen Langhausarkaden wurden aus Beton gegossen und die Pfeiler mit Sandstein verblendet.

Verzögernd wirkte insbesondere der „Hildesheimer Dombaustreit“, sodass die Fertigstellung und Neuweihe erst im Jahr 1960 stattfinden konnten. Dabei stritten sich das Bistum Hildesheim und das Land Niedersachsen um die Kosten des Wiederaufbaus, genauer um die Frage, ob Niedersachsen ein Rechtsnachfolger des Freistaates Preußen sei, der seinerzeit 1803 als Königreich Preußen im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses die Dombaulast übernommen hatte. Der Streit wurde 1957 durch einen Vergleich beigelegt.

Domsanierung 2010–2014[Bearbeiten]

Nach jahrelangen Vorplanungen begann, erstmals seit 1960, im Januar 2010 eine aufwendige Sanierung des Doms. Neben technischen und konservatorischen Maßnahmen wurden dabei auch gestalterische Änderungen durchgeführt. So wurde der Fußboden auf das ursprüngliche Niveau abgesenkt, der Hezilo- und der Thietmarleuchter erhielten ihre Plätze im Langhaus und im Hochchor zurück, und die Bernwardstür wurde bestimmungsgemäß mit der Bildseite nach außen hinter einem Vorraum eingehängt. Außerdem wurde eine Bischofsgruft geschaffen. In der ehemaligen St.-Antonius-Kirche wird ein Dommuseum geschaffen, das im April 2015 eröffnet werden soll.[2]

Am 10. Januar 2010 wurde der Dom geschlossen. Während der Umbaumaßnahmen diente, wie schon in den Nachkriegsjahren, die Basilika St. Godehard als Bischofskirche. Die feierliche Wiedereröffnung des Doms fand am 15. August 2014 statt, zugleich als Eröffnung des 1200-jährigen Bistumsjubiläums 2015. Der Dom war bis dahin die größte Kirchenbaustelle in Deutschland.

Der Tausendjährige Rosenstock[Bearbeiten]

Weithin bekannt ist das Kirchengebäude für den „Tausendjährigen Rosenstock“, der außerhalb des Dombaus, an der Außenwand der Apsis, im Innenhof des Kreuzgangs wächst. Das exakte Alter der Rose lässt sich nicht mehr genau bestimmen. Die Rosenstock-Legende nennt das Datum 815.

Damals, so wird erzählt, habe Kaiser Ludwig der Fromme auf der Jagd mitten im Wald eine Messe lesen lassen, wobei das mitgeführte Marien-Reliquiar am Zweig einer Wildrose aufgehängt wurde. Nach der Messe sei es von dem Zweig nicht mehr zu lösen gewesen. Darin habe der Kaiser das Zeichen gesehen, hier – und nicht, wie geplant, in Elze – das neue Bistum zu gründen und es der Gottesmutter Maria zu weihen, deren Symbol die Rose ist.

Kontinuierlich bezeugt ist der heutige Rosenstock seit mindestens vierhundert Jahren.

Während des Zweiten Weltkrieges beschädigten Spreng- und Brandbomben den Dom und die Apsis mit dem Rosenstock am 22. März 1945. Von der Rose blieb unter den Trümmern nur ein verkohlter Stumpf stehen, und man dachte, nun sei das Ende der berühmten Rose gekommen. Doch die Wurzeln der Rose waren weitestgehend unbeschädigt. Schon im Frühjahr 1945 entwickelten sich 20 neue Triebe. Die ersten Blüten zeigten sich 1947, wenn auch erst in geringer Zahl. 1948 belief sich die Anzahl der Blüten schon auf 122.

Seither werden die sich neu zweigenden Äste der „Tausendjährigen Rose“ – wie bereits vor der Zerstörung – mit kleinen Blechschildern mit dem Jahr gekennzeichnet, in dem sie neu gewachsen sind. Als die Hildesheimer Bevölkerung sah, dass der Rosenstrauch neue Triebe entwickelte, nahm sie das als Zeichen des guten Neuanfangs, und die Bedeutung der Rose als ein Wahrzeichen der Stadt verstärkte sich. Die Hildesheimer Rose gilt als die älteste lebende Rose weltweit.

Archäologische Funde[Bearbeiten]

Bei Ausgrabungen während der Domsanierung wurden Fundamente der Marienkapelle aus dem frühen 9. Jahrhundert sowie westlich und südlich davon ein ebenso alter Friedhof gefunden. 20 Gräber und Überreste von Bestatteten wurden freigelegt, darunter im August 2012 das Skelett einer um 800 gestorbenen jungen Frau mit Glasperlen – den Resten eines Halsschmucks – und einem kleinen Messer als Grabbeigaben. Es handelt sich um die älteste so vollständig vorgefundene Bestattung im Hildesheimer Dom.[3]

Innenausstattung, Kunst und Schätze[Bearbeiten]

Der romanische Heziloleuchter im Langhaus (Aufnahme 2014)
Detail am Taufbecken: Taufe Christi im Jordan
St. Antonius mit Thietmarleuchter und Lettner (vor 2010)

Weltberühmt sind die Bronzegüsse aus der Zeit Bischof Bernwards (993–1022):

  • die Bernwardstür aus dem Jahre 1015 (mit Darstellungen aus der Heilsgeschichte)
  • die Christussäule aus dem Jahre 1020 (mit Darstellungen der Taten Christi)

Weitere Schätze sind:

  • Von der Nachkriegsausstattung im Rahmen der Sanierung 2010-2014 nicht übernommen wurden das Marienfenster im Scheitel des Hauptchors (Maria mit Mond und Sternen nach Offb 12) sowie das Apsismosaik, das zugleich an die Kriegszerstörung Hildesheims und den apokalyptischen Weltbrand erinnerte. Darüber stand das Psalmwort (Ps 104,30) Et renovabis faciem terrae, alleluiaUnd du erneuerst das Antlitz der Erde, Halleluja.

Orgel[Bearbeiten]

Die Geschichte der Orgeln im Hildesheimer Dom lässt sich bis in das 14. Jahrhundert zurückverfolgen. Bereits um das Jahr 1378 gab es im Nordschiff, oberhalb der Kapelle der Heiligen Drei Könige, eine Orgel. Dieses Instrument wurde im 15. Jahrhundert auf den Godehardichor über dem Nordparadies versetzt, und im Jahre 1713 veräußert.

Die erste große Domorgel wurde durch den Orgelbaumeister Conrad Abtt (Minden) vermutlich in den Jahren 1616/1617 erbaut. Das Instrument hatte 31 Register auf zwei Manualen und Pedal. Im Laufe der Zeit, insbesondere Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, wurde das Instrument mehrfach umgebaut, ergänzt, erweitert; nennenswert ist auch der völlige Neubau durch die Orgelbauer Furtwängler & Hammer (Hannover) im Jahre 1909, durch den die Orgel 54 Register auf drei Manualen und Pedal umfasste. Der historische Prospekt blieb hingegen im Laufe der Zeit weitgehend unangetastet. Am. 22. März 1945 ging die Orgel bei einem Bombenangriff auf Hildesheim unter.

Domorgel (bis 2010)

Domorgel von 1960/1989 (bis 2010)[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg erbaute der Orgelbauer Franz Breil (Dorsten) im Zuge des Wiederaufbaus des Domes eine neue Orgel mit 52 Registern auf vier Manualen und Pedal. Das Instrument wurde 1960 fertiggestellt. Neben den klassischen Werken (Hauptwerk, Rückpositiv, Brustwerk und Pedal) verfügte diese Orgel als Besonderheit über eine spanische Zungen-Batterie mit drei Registern, die vom 4. Manual aus angespielt werden konnte.

Die Breil-Orgel erwies sich als nicht ausreichend grundtönig. Im Jahre 1989 wurde das Instrument daher durch die Orgelbaufirma Klais (Bonn) unter Wiederverwendung von Gehäuse, Prospekt und Pfeifenmaterial der Breil-Orgel technisch neu gebaut und dabei auf 66 Register erweitert. Auf Anordnung des Denkmalamtes blieb die Prospektgestaltung, die dem Stilempfinden der 1950er und 1960er Jahre entsprach, erhalten.[4]

Neue Domorgel (ab 2014)[Bearbeiten]

Im Zuge der Renovierung des Domes erbaute die Orgelbaufirma Seifert (Kevelaer) unter Wiederverwendung der bisherigen Domorgel eine neue Domorgelanlage, bestehend aus Haupt- und Chororgel. Die Anlage wurde zur Eröffnung des Domes nach seiner Sanierung im August 2014 fertiggestellt. Zu diesem Zweck war die Hauptorgel im Februar 2010 abgebaut worden.[5]

Die neue Hauptorgel hat 77 Register auf fünf Manualwerken (spielbar von einem viermanualigen Spieltisch) und Pedal. In ihr wurden 56 Register und die Technik (Windladen) der alten Orgel wiederverwendet. Da im Zuge der Domsanierung die Chor- und Orgelempore abgerissen wurden, musste die neue Hauptorgel sowohl optisch (Prospekt) als auch klanglich auf die geänderten akustischen Verhältnisse angepasst werden.

I Rückpositiv C–g3
1. Quintade 16′
2. Prinzipal (P) 8′ S
3. Rohrflöte 8′ K
4. Octave 4′ K
5. Koppelflöte 4′
6. Octave 2′ K
7. Nasard 11/3
8. Octave 1′
9. Sesquialtera II 22/3
10. Scharff III-IV 11/3
11. Dulcian 16′
12. Cromorne 8′ S
Tremulant
II Hauptwerk C–g3
13. Principal (P) 16′ S
14. Gambe 8′ S
15. Octave 8′
16. Gemshorn 8′
17. Flûte harmonique 8′ K
18. Bordun 8′ S
19. Octave 4′
20. Flöte 4′ S
21. Quinte 22/3 S
22. Octave 2′ S
23. Cornett V 8′ K
24. Mixtur IV-V 2′ S
25. Trompete 16′
26. Trompete 8′
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
27. Gedackt 16′ K
28. Geigenprincipal 8′ K
29. Gedackt 8′
30. Viola di Gamba 8′ K
31. Vox coelestis 8′ K
32. Flöte 8′ S
33. Prinzipal 4′ K
34. Querflöte 4′ K
35. Fugara 4′ S
36. Nasard 22/3 K
37. Octavin 2′ K
38. Terz 13/5 K
39. Sept 11/7 K
40. Mixtur IV 2′ K
41. Basson 16′ K
42. Trompette harmonique 8′ K
43. Hautbois 8′ K
44. Clarinette 8′ S
45. Clairon harmonique 4′ K
Tremulant
Glockenspiel
IV Schwell-Brustwerk C–g3
46. Holzgedackt 8′
47. Salicional 8′ S
48. Quintade 8′ K
49. Principal 4′
50. Blockflöte 4′
51. Spitzquinte 22/3
52. Waldflöte 2′
53. Terz 13/5
54. Quinte 11/3
55. Schalmey 8′
56. Vox Humana 8′ K
Trompeteria C–g3
57. Spanische Trompete 16′
58. Spanische Trompete 8′
59. Spanische Trompete 4′


Solowerk C–g3
60. Seraphonflöte 8′ S
61. Seraphongambe 8′ S
62. Tuba 8′ S
Pedal C–f1
63. Untersatz 32′ S
64. Praestant 16′ S
65. Prinzipal 16′
66. Violon 16′
67. Subbass * 16′
68. Octave * 8′
69. Gedeckt * 8′
70. Octave * 4′
71. Nachthorn * 2′
72. Mixtur VI * 4′
73. Bombarde 32′
74. Posaune 16′ S
75. Fagott 16′ K
76. Trompete * 8′
77. Trompete * 4′
Tremulant (*)
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: III/I, IV/I, I/II, III/II, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P
    • Suboktavkoppeln: III/I, IV/I, III/II, IV/II, III/III, IV/III
    • Superoktavkoppeln: III/I, IV/I, II/II, IV/II, III/III, IV/III, III/P
  • Anmerkung
S = neues Register von Seifert (2015)
K = Pfeifenwerk von Klais (1989/2006)
(P) = im Prospekt sichtbar
(*) = Register des Kleinpedals mit Tremulant

Zur Begleitung des Chores, der nun im vorderen Bereich des Domes, nahe an der Gemeinde an der Gottesdienstgestaltung mitwirkt, wurde im Kirchenschiff eine Chororgel neu erbaut. Das Schleifladen-Instrument verfügt über 20 Register (darunter ein Vorabzug-Register im Hauptwerk, sowie zwei Transmissionen und ein Quintabgriff im Pedal) auf zwei Manualen und Pedal. Die Chororgel ist mit der Hauptorgel gemeinsam spielbar.[6][7]

I Hauptwerk C–g3
1. Principal (P) 8′
2. Flöte 8′
3. Octav 4′
4. Gemshorn 4′
5. Octave (vorab Nr. 6) 2′
6. Mixtur II 11/3
Tremulant
II Schwellwerk C–g3
7. Bourdon 8′
8. Salicional 8′
9. Vox Coelestis 8′
10. Viola 4′
11. Traversflöte 4′
12. Flageolett 2′
13. Harmonia aetheria III 2′
14. Horn 8′
15. Oboe 8′
Tremulant
Pedal C–f1
16. Subbass 16′
17. Quintbass (aus Nr. 16) 102/3
18. Principal (= Nr. 1) 8′
19. Octav (= Nr. 3) 4′
20. Fagott 16′
  • Koppeln:
    • Normalkoppeln: II/I, I/P, II/P
    • Suboktavkoppeln: II/I, I/I, II/II
    • Superoktavkoppeln: II/I, I/I, II/II, I/P, II/P
  • Anmerkung
(P) = im Prospekt sichtbar

Glocken[Bearbeiten]

Nikolausglocke im Nordparadies

Bis zum Zweiten Weltkrieg verfügte der Dom über 16 Läute- und Uhrschlagglocken. Die Basis des Vorkriegsgeläuts bildeten fünf große Glocken mit den Schlagtönen fis0, a0, cis1, fis1, gis1.

Von dem Vorkriegsgeläut haben zwar neun Klangkörper den Krieg überstanden; die große Godehardsglocke im Westturm wurde bei einem Luftangriff so stark beschädigt, dass sie nicht mehr läutbar war. Die Bernwardsglocke befand sich auf dem Glockenfriedhof in Hamburg, war allerdings beim Transport dorthin irreparabel beschädigt worden.

Für eine Wiederverwendung standen insgesamt zwei Klangkörper zur Verfügung: Zum einen die historische Apostolica-Glocke aus dem Jahre 1765 von dem Gießer Johann Martin Roth (Mainz), die in das neu zu schaffende Domgeläut integriert werden sollte, sowie eine weitere historische Glocke, die Nikolaus-Glocke aus dem Jahre 1766, von dem Glockengießer Johann Martin Roth (Mainz), die zunächst in den Vierungsturm gehängt wurde, und zuletzt bis 2010 im Nordparadies ausgestellt war.[8]

Neuformung 1960[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg war geplant, ein 12-stimmiges Domgeläut zu schaffen, mit sechs großen Glocken im Westturm, und sechs kleine(re)n Glocken im Vierungsturm (geplante Schlagtöne: g1, b1, c2, es2, f2 und g2). Realisiert wurde jedoch zunächst nur ein sechsstimmiges Geläut. Im Jahre 1960 goss der Glockengießer Friedrich Wilhelm Schilling (Heidelberg) fünf neue Glocken, die – zusammen mit der historischen Apostolica-Glocke aus dem Jahre 1765 als zweittiefster Glocke – im Westturm untergebracht wurden. Auf der unteren Glockenstube des Turms hingen die drei tontiefsten (Glocken 1–3), in der darüber liegenden Glockenstube die kleineren drei (Glocken 4–6). Das neue Geläut wurde – in Abstimmung mit den Glocken der umgebenen Kirchen – einen Halbton tiefer angelegt als das ursprüngliche Geläut. Daher musste die Apostolica-Glocke in Anpassung an die neuen Glocken einen Halbton tiefer gestimmt werden.

Da im Zweiten Weltkrieg sämtliche Uhrschlagglocken zerstört worden waren, wurden nun die Viertelstundenschläge von Glocke Nr. 5 geschlagen, der Stundenschlag von Glocke Nr. 4, und der Angelusschlag von Glocke Nr. 1. Glocke Nr. 6 diente als Angelusglocke.

Erweiterung 2013/2014[Bearbeiten]

Weihe der neuen Domglocken durch Bischof Trelle am 14. Mai 2014

Im Zuge der Restaurierung des Doms in den Jahren 2010–2014 wurde das Geläut um sechs Glocken auf ein 12-stimmiges Geläut erweitert, wie es zu Beginn der 1960er Jahre geplant war. Allerdings wurde von der damals geplanten Tonfolge geringfügig abgewichen.[9] Die neuen Domglocken sind nach Glaubenszeugen benannt, die im Bistum Hildesheim besondere Verehrung genießen. So erinnert die Glocke 8 an Bischof Altfrid, einen der bedeutendsten Bischöfe des Bistums Hildesheim, der den Dom auf dem heute noch bestehenden Grundriss erbaute. Mit Glocke 9 wird an Hedwig von Schlesien erinnert, Patronin der Heimatvertriebenen, von denen viele nach dem Zweiten Weltkrieg ins Bistum Hildesheim kamen und es entscheidend prägten. Martin von Tours (Glocke 7) repräsentiert das Eichsfeld. Niels Stensen als Weihbischof in Hannover und Edith Stein als Studentin in Göttingen (Glocken 11 und 12) haben im heutigen Bistumsgebiet gelebt und gewirkt. Der irische Märtyrerbischof Oliver Plunkett (Glocke 10) wird besonders in Lamspringe verehrt, wo seine Gebeine ruhen.

Im Jahr 2013 wurde der alte Glockenstuhl in der oberen Glockenstube abgebaut und durch einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz ersetzt. Er nimmt die sechs neuen Glocken auf und beherbergt zudem einen Teil des vorhandenen Geläuts. In der unteren Glockenstube wurden die tontiefsten Glocken aufgehängt.[10]

Am 16. November 2013 wurden die neuen Glocken von der Glockengießerei Bachert (Karlsruhe) gegossen.[11] Die feierliche Glockenweihe vollzog Bischof Norbert Trelle vor dem Dom am 14. Mai 2014. Erstmals erklang das volle Geläut bei der Wiedereröffnung des Doms am 15. August 2014.[12]

Weltkulturerbe[Bearbeiten]

1985 wurde der Hildesheimer Dom durch die UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Michael Brandt: Bernwards Säule – Schätze aus dem Dom zu Hildesheim, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2046-8.
  • Michael Brandt: Bernwards Tür – Schätze aus dem Dom zu Hildesheim, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7954-2045-1.
  • Domkapitel Hildesheim (Hrsg.): Der Hildesheimer Mariendom - Kathedrale und Welterbe, Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7954-2917-1.
  • Bernhard Gallistl: Der Dom zu Hildesheim und sein Weltkulturerbe, Bernwardstür und Christussäule, Bernward Mediengesellschaft mbH, Hildesheim (2000), ISBN 3-89366-500-5.
  • Bernhard Gallistl: Bedeutung und Gebrauch der großen Lichterkrone im Hildesheimer Dom. In: Concilium medii aevi 12 (2009), S. 43–88 (Inhaltsverzeichnis).
  • Karin Heise: Der Lettner des Hildesheimer Doms – Die Bildhauerkunst der Münsterschen Werkstätten 1535–1560, 2 Bände, Hildesheim 1998 (= Der Hildesheimer Dom – Studien und Quellen, Bd. 2,1 + 2,2).
  • Claudia Höhl: Das Taufbecken des Wilbernus – Schätze aus dem Dom zu Hildesheim", Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2047-5.
  • Ulrich Knapp (Hrsg.), Der Hildesheimer Dom – Zerstörung und Wiederaufbau, (Kataloge des Dom-Museums Hildesheim; Bd. 2), Michael Imhof Verlag, Petersberg (1999), ISBN 3-932526-48-1.
  • Ulrich Knapp (Hrsg.), EGO SUM HILDENSEMENSIS – Bischof, Domkapitel und Dom in Hildesheim 815 bis 1810, (Kataloge des Dom-Museums Hildesheim; Bd. 3), Michael Imhof Verlag, Petersberg (2000), ISBN 3-932526-74-0.
  • Karl Bernhard Kruse (Hrsg.), Der Hildesheimer Dom – Von der Kaiserkapelle und den Karolingischen Kathedralkirchen bis zur Zerstörung 1945 (Grabungen und Bauuntersuchungen auf dem Domhügel 1988 bis 1999), Verlag Hahnsche Buchhandlung, Hannover (2000), ISBN 3-7752-5644-X.
  • Annett Laube-Rosenpflanzer; Lutz Rosenpflanzer: Kirchen, Klöster, Königshöfe. Vorromanische Architektur zwischen Weser und Elbe, Halle 2007, ISBN 3-89812-499-1.
  • Bernhard Gallistl: In Faciem Angelici Templi. Kultgeschichtliche Bemerkungen zu Inschrift und ursprünglicher Platzierung der Bernwardstür. In: Jahrbuch für Geschichte und Kunst im Bistum Hildesheim 75./76. Jahrgang 2007/2008. S. 59–92. ISSN 0341-9975.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernhard Gallistl, Epiphanius von Pavia, Schutzheiliger des Bistums Hildesheim, Hildesheim und Bielefeld (2000), S. 68.
  2. Website des Bistumsjubiläums zu den Aktionstagen anlässlich der Wiedereröffnung des Dommuseums, abgerufen am 12. August 2014
  3. Information des Bistums, abgerufen am 21. August 2012.
  4. Informationen zur Domorgel von 1960.
  5. Informationen zu den Dispositionen der Haupt- und Chororgel
  6. Informationen zur neuen Orgelanlage.
  7. Zu den Dispositionen (PDF; 35 kB) der neuen Orgelanlage.
  8. Informationen zu den Glocken des Hildesheimer Doms.
  9. Informationen zu den neuen Glocken.
  10. Informationen (PDF; 2,6 MB) des Bistums über die Domsanierung.
  11. Zum Guss der neuen Glocken für den Hildesheimer Dom.
  12. bistum-hildesheim.de

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hildesheimer Dom – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

52.1488888888899.9472222222222Koordinaten: 52° 8′ 56″ N, 9° 56′ 50″ O