Hilfswilliger

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Antisowjetische russische Partisanenjäger, Oblast Nowgorod (UdSSR) 1942
Zwei Hiwis der Wehrmacht ausgezeichnet mit dem Sturmabzeichen, Januar 1942

Als Hilfswilliger, kurz HIWI (auch HiWi oder Hiwi), wurden während des Zweiten Weltkrieges Hilfskräfte innerhalb der deutschen Wehrmacht und der SS bezeichnet, die aus den Reihen der Bevölkerung in besetzten Ländern rekrutiert wurden. Heute wird mit Hiwi umgangssprachlich eine Person bezeichnet, die für vergleichsweise niedrig qualifizierte Tätigkeiten als Hilfskraft eingeteilt ist. Auch an Universitäten und Fachhochschulen ist das Kürzel HiWi heutzutage umgangssprachlich in Gebrauch. Sie bezeichnet eine wissenschaftliche Hilfskraft, meist einen Studenten eines höheren Semesters.

Historische Verwendung der Bezeichnung[Bearbeiten]

Die sogenannten Hilfswilligen bestanden nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 aus ehemaligen Rotarmisten, die anfangs innerhalb deutscher Formationen der Wehrmacht zu Schanz- und anderen Arbeiten eingesetzt wurden. Für sie bot sich damit eine Möglichkeit, den katastrophalen Bedingungen in den Gefangenenlagern zu entkommen und zu überleben. Als die deutschen Verbände an der sowjetischen Front zunehmend schwächer wurden, wurden sie vor allem im Bereich der Heeresgruppe Mitte auch in bewaffneten Einheiten eingesetzt, allerdings vorwiegend mit Besatzungsaufgaben.

Etwa 800.000 bis 1 Million Bewohner der Sowjetunion, auch aus der Zivilbevölkerung, dienten in Verbänden der Wehrmacht, ca. 200.000 waren innerhalb des Polizeidienstes tätig. Weitere Hunderttausende sowjetische Bürger arbeiteten für die Besatzungsmacht, in deutschen Verwaltungsstellen, Wirtschaftsbetrieben, als LKW-Fahrer und Transportarbeiter in der Legion Speer oder innerhalb der Reichsbahn. Unter den Bedingungen eines „Vernichtungskrieges“ ist es dabei schwierig, zwischen tatsächlich vorhandener, rein freiwilliger, Kollaborationsbereitschaft und einer quasi Zwangsarbeit zu differenzieren. In der Praxis dürften unterschiedlichste Beweggründe eine Rolle gespielt haben, vor allem der Wunsch nach besseren Überlebenschancen und Lebensbedingungen.

Während sowjetische Bürger zunächst nur unbewaffnete Hilfsdienste für die deutsche Besatzungsmacht leisteten, führte der aus Sicht der Wehrmachtführung ungünstige Kriegsverlauf dazu, diese auch immer mehr in die Besatzungseinheiten der Wehrmacht einzugliedern, bis hin zur aktiven Teilnahme an der Vernichtung der Juden und der Bekämpfung von Partisanen beziehungsweise dessen, was die deutsche Heeresleitung darunter verstand. 1943 wurden aus „Freiwilligen“ die Ostlegionen gebildet. Doch erst 1944 war die Verzweiflung auf deutscher Seite so groß, dass man den vereinzelt tatsächlich vorhandenen Widerstandswillen gegen die stalinistisch-kommunistische Regierung in Moskau in einer Russischen Befreiungsarmee (ROA, Wlassow-Armee) bündelte.

Trawniki 1943 als Hilfstruppen bei der Vernichtung des Warschauer Ghettos, Abbildung im „Stroop-Bericht“

Seit 1941 bildete die SS im Zwangsarbeitslager Trawniki Hilfswillige aus („Trawniki-Männer“, „Trawniki“, „Askaris“), die bei der Durchführung des Völkermords an den Juden eingesetzt wurden. Die Ausgebildeten, deren Zahl auf 4000 bis 5000 geschätzt wird, kamen vor allem aus der Ukraine und aus dem Baltikum.

Gegenwärtige Verwendung der Bezeichnung[Bearbeiten]

Das Ende der Zeit des Nationalsozialismus und die Niederlage der Wehrmacht beendeten alle Arbeitsverhältnisse, die Bezeichnung „Hilfswilliger“ blieb jedoch auch nach 1945 der deutschen Sprache erhalten, allerdings ohne militärischen Hintergrund und überwiegend in der abgekürzten Form.

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Röhr (Hrsg.): Okkupation und Kollaboration. (1938 – 1945). Beiträge zu Konzepten und Praxis der Kollaboration in der deutschen Okkupationspolitik (= Europa unterm Hakenkreuz. Erg.-Bd. 1). Herausgegeben vom Bundesarchiv. Hüthig, Berlin u. a. 1994, ISBN 3-8226-2492-6.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hilfswilliger – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen