Hilgenroth

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hilgenroth (Begriffsklärung) aufgeführt.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Hilgenroth
Hilgenroth
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Hilgenroth hervorgehoben
50.736157.6504194444444285Koordinaten: 50° 44′ N, 7° 39′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Altenkirchen (Westerwald)
Verbandsgemeinde: Altenkirchen (Westerwald)
Höhe: 285 m ü. NHN
Fläche: 2,96 km²
Einwohner: 298 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 101 Einwohner je km²
Postleitzahl: 57612
Vorwahl: 02682
Kfz-Kennzeichen: AK
Gemeindeschlüssel: 07 1 32 052
Adresse der Verbandsverwaltung: Rathausstraße 13
57610 Altenkirchen (Westerwald)
Webpräsenz: www.vg-altenkirchen.de
Ortsbürgermeisterin: Monika Otterbach
Lage der Ortsgemeinde Hilgenroth im Landkreis Altenkirchen (Westerwald)
Friesenhagen Harbach (Landkreis Altenkirchen) Niederfischbach Mudersbach Brachbach Kirchen (Sieg) Herdorf Daaden Emmerzhausen Mauden Derschen Nisterberg Friedewald (Westerwald) Weitefeld Niederdreisbach Schutzbach Grünebach Alsdorf (Westerwald) Betzdorf Scheuerfeld Wallmenroth Willroth Krunkel Horhausen (Westerwald) Pleckhausen Güllesheim Obersteinebach Niedersteinebach Bürdenbach Eulenberg (Westerwald) Peterslahr Rott (Westerwald) Burglahr Oberlahr Eichen (Westerwald) Seifen (Westerwald) Seelbach (Westerwald) Flammersfeld Kescheid Reiferscheid Berzhausen Obernau (Westerwald) Walterschen Schürdt Orfgen Ziegenhain (Westerwald) Giershausen Katzwinkel (Sieg) Birken-Honigsessen Wissen (Stadt) Hövels Mittelhof Nauroth Elkenroth Rosenheim (Landkreis Altenkirchen) Kausen Dickendorf Malberg (Westerwald) Steinebach/Sieg Fensdorf Gebhardshain Elben (Westerwald) Steineroth Molzhain Selbach (Sieg) Forst (bei Wissen, Sieg) Bitzen Etzbach Roth (Landkreis Altenkirchen) Bruchertseifen Fürthen Hamm (Sieg) Seelbach bei Hamm (Sieg) Breitscheidt Pracht Birkenbeul Niederirsen Kircheib Hirz-Maulsbach Fiersbach Mehren (Westerwald) Rettersen Ersfeld Hasselbach (Westerwald) Forstmehren Kraam Werkhausen Oberirsen Weyerbusch Hemmelzen Neitersen Birnbach Ölsen Schöneberg (Westerwald) Stürzelbach Fluterschen Oberwambach Berod bei Hachenburg Gieleroth Almersbach Altenkirchen (Westerwald) Michelbach (Westerwald) Ingelbach Sörth Mammelzen Eichelhardt Idelberg Isert Helmeroth Racksen Volkerzen Hilgenroth Obererbach (Westerwald) Bachenberg Busenhausen Heupelzen Wölmersen Kettenhausen Helmenzen Nordrhein-Westfalen Landkreis Neuwied Westerwaldkreis Landkreis NeuwiedKarte
Über dieses Bild
Hilgenroth
Kirche Hilgenroth

Hilgenroth ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Altenkirchen an.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Hilgenroth liegt im Westerwald zwischen Altenkirchen und Hamm. Nachbargemeinden sind Breitscheidt im Norden, Seelbach und Volkerzen im Osten, Obererbach und Bachenberg im Süden sowie Busenhausen und Birkenbeul im Westen. Östlich angrenzend liegt das Kloster Marienthal (Ortsteil von Seelbach) im Staatsforst Altenkirchen.

Klima[Bearbeiten]

Der Jahresniederschlag beträgt 996 mm. Die Niederschläge sind hoch. Sie liegen im oberen Viertel der in Deutschland erfassten Werte. An 85 % der Messstationen des Deutschen Wetterdienstes werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monate ist der April, die meisten Niederschläge fallen im Dezember. Im Dezember fallen 1,5 mal mehr Niederschläge als im April. Die Niederschläge variieren mäßig. An 43 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: Das Wappen der Ortsgemeinde Hilgenroth zeigt unter rotem, von fünffachem Zinnenschnitt geteilten, Schildhaupt, darin ein blaubewehrter und gezungter goldener leopardierter Löwe, gespalten von Blau und Silber, vorn ein betagleuchteter Kirchturm, hinten ein rotes Lilienkreuz.[2]

Bedeutung: Der goldene Leopard auf rotem Grund greift das Wappen der Grafen von Sayn auf und stellt einen territorialen Bezug zur Grafschaft Sayn her, zu der Hilgenroth seit dem Mittelalter gehörte. Die Zinnen unter dem Löwen sind ein Symbol für die frühere Dorfmauer um Hilgenroth, die als Befestigung eine Besonderheit der Umgebung darstellte. Der Kirchturm steht symbolisch für die Kirche in Hilgenroth, die aufgrund ihrer Bauweise eine regionale Besonderheit darstellt und der Kirchturm selbst darüber hinaus das älteste Gebäude in Hilgenroth ist. Das Lilienkreuz versinnbildlicht die Vergangenheit der Ortsgemeinde Hilgenroth als früher bedeutende Pilgerstätte und stellt eine Verbindung zu den Wallfahrten nach Hilgenroth her. Die blau-weiße Farbgebung im unteren Teil des Wappens deutet durch die blau-weißen Farben des Männergesangvereins Hilgenroth, der seit 1866 besteht, auf das Vereinsleben in Hilgenroth hin.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Der Ort Hilgenroth wurde erstmals 1428 urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung der damaligen Siedlung lautete Heiligenrode oder Hilgerode. Diese Namen lassen hinsichtlich der Entstehung der Gemeinde auf mittelalterliche Rodungen schließen.

Hilgenroth war im 15. Jahrhundert ein bedeutender Wallfahrtsort, zu dem zahlreiche Menschen aus weitentlegenen Teilen des Westerwaldes ebenso wie aus Westfalen, der Eifel, dem Rheinland oder dem Sauerland pilgerten. Mittelpunkt der Gemeinde ist bis heute noch die Hilgenrother Kirche. Aus dem 15. Jahrhundert ist eine Aufzählung von Wunderberichten in der Kirche von Hilgenroth überliefert (Hilgenrother Mirakelbuch).[4] Nach der Einführung der Reformation in der Grafschaft Sayn, zu der Hilgenroth gehörte, endeten die Wallfahrten nach Hilgenroth. Nach der im 17. Jahrhundert erfolgten Landesteilung der Grafschaft Sayn gehörte Hilgenroth zur Grafschaft Sayn-Altenkirchen. Auf Betreiben der saynischen Landstände wurde die Lateinschule in Altenkirchen Anfang des 18. Jahrhunderts wieder eröffnet und dem Pfarrer von Hilgenroth als Rektor übertragen.[5] Während des ersten Koalitionskriegs (1792-1797) zogen französische Truppe der Sambre-Maas-Armee bei ihrem Vormarsch durch den Westerwald durch die Ortsgemeinde Hilgenroth und hinterließen erhebliche Zerstörungen.[6]

Durch den Reichsdeputationshauptschluss kam Hilgenroth 1803 an das Fürstentum Nassau-Usingen, das 1806 im Herzogtum Nassau aufging. Nach dem Wiener Kongress gehörte Hilgenroth zum Königreich Preußen. In der preußischen Zeit zählte Hilgenroth zur Bürgermeisterei Altenkirchen im Kreis Altenkirchen und zählte zum Regierungsbezirk Koblenz in der preußischen Rheinprovinz.

Im Zweiten Weltkrieg war Hilgenroth bereits 1940 Etappenort für die Wehrmacht und wurde 1944 und 1945 erneut zur Einquartierung von Panzerverbänden herangezogen. Anfang 1945 stürzte ein amerikanischer Bomber (B 17) bei Hilgenroth ab. Nach dem Durchzug deutscher Verbände marschierten die Amerikaner am 27. März 1945 in Hilgenroth ein und richteten schwere Artilleriestellungen im Ort ein. Von Kampfhandlungen blieb Hilgenroth allerdings verschont.[7]

Bevölkerungsentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Hilgenroth, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:[8][1]

Jahr Einwohner
1815 107
1835 146
1871 163
1905 200
1939 220
1950 249
Jahr Einwohner
1961 260
1970 286
1987 260
1997 273
2005 315
2012 298

Gemeinderat[Bearbeiten]

Der Gemeinderat in Hilgenroth besteht aus acht Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzende.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Die evangelische Pfarrkirche Hilgenroth weist mit ihrer ältesten Bausubstanz, dem Turm, auf romanische Ursprünge zurück. Bemerkenswert ist die Übereckstellung des Turmes zum Kirchenschiff. Sie ist auf die komplizierte Baugeschichte zurückzuführen und weist darauf hin, dass im ursprünglichen Zustand in Hilgenroth eine weitläufigere mehrschiffige Anlage bestand. Das spätgotische Seitenschiff der Kirche, die Kapelle Unserer lieben Frau, auf 1433 datiert, diente ursprünglich als Gnadenkapelle für ein Muttergottesbild.[10] Nachdem Hilgenroth als Folge der Reformation seine Bedeutung als Wallfahrtsort verloren hatte, konnte die Kirche im Laufe der Zeit nicht mehr unterhalten werden und wurde baufällig. Im Zeitalter des Barock wurde daher das romanische Hauptschiff hinter dem Turm niedergelegt und das gotische Seitenschiff als danach einzig verbliebenes Kirchenschiff weiter genutzt. Auf diese Weise entstand die Übereckstellung des Kirchenturmes zum Kirchenschiff. Die evangelische Kirche in Hilgenroth zeigt heute eine Abfolge unterschiedlicher Baustile seit dem Mittelalter. Mit dem Kirchenturm ist ein Bezug zur Romanik vorhanden, das heutige Hauptschiff entstand während der Gotik und im Barock erfolgten abschließende Umbauten.[11] Erwähnenswert sind die farbenreichen Kirchenfenster des gotischen Chores, die in den 1960er Jahren entstanden und durch ihre Farbigkeit den Kirchenbau in warmes Licht tauchen.

Links des Marienthaler Baches liegt auf einer Anhöhe auf der Gemarkung Hilgenroth der Marienthaler Kreuzweg. Er wurde in den Jahren von 1853 bis 1869 errichtet. In unmittelbarer Nähe befand sich das Kloster Marienthal bei Seelbach.

Siehe auch:

Verkehr[Bearbeiten]

Verkehrsmäßig wird der Ort durch die Kreisstraßen 37, 51 und 52 erschlossen.

Hilgenroth ist ein verkehrsgünstig gelegenes Naherholungsgebiet mit weitläufigen Wanderwegen rund um den malerisch gelegenen Ort. In der Nähe der Ortsgemeinde verläuft der Fernwanderweg Westerwald-Steig.

Unweit vom Ort entfernt zwischen Hilgenroth und Marienthal liegt der Bahnhaltepunkt „Kloster Marienthal“ der Oberwesterwaldbahn von Au (Sieg) über Altenkirchen (Westerwald) und Westerburg nach Limburg an der Lahn, welcher von den Regionalbahnen der Verkehrsgesellschaft vectus in der Regel stündlich in beide Richtungen angefahren wird, auch am Wochenende und an Feiertagen, von Montag bis Freitag besteht auf dem Abschnitt von Au (Sieg) nach Altenkirchen teilweise auch ein 30 Minuten Takt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Die landwirtschaftlichen Flächen in Hilgenroth werden inzwischen nur noch im Nebenerwerb oder von auswärtigen Landwirten bewirtschaftet. Eine Reihe von Handwerksbetrieben bieten Arbeitsplätze im Ort.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriel Busch (Hrsg.): Hilgenroth/Marienthal – zwei Wallfahrtsorte, Siegburg, 1982.
  • Daniel Schneider: Das Wappen der Ortsgemeinde Hilgenroth, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen, 2003, S. 43-45.
  • Daniel Schneider: Die Landstände in der Grafschaft Sayn sowie Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 33. Jahrgang, 2007, S. 213-229.
  • Daniel Schneider: Die letzten Kriegstage in Hilgenroth und Umgebung, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen, 2000, S. 109-116 (Teil I) und 2001, S. 124-130 (Teil II).
  • Daniel Schneider: Die Geschichte der Ortsgemeinde Obererbach (Westerwald). Die Ortschaften Hacksen, Niedererbach, Obererbach und Koberstein vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 2 Bände, Obererbach 2009, ISBN 978-3-00-027494-7 (mit zahlreichen Bezügen zu Hilgenroth).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hilgenroth – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Statistisches Bundesamt – Gemeinden in Deutschland mit Bevölkerung am 31.12.2012 (XLS-Datei; 4,0 MB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Daniel Schneider: Das Wappen der Ortsgemeinde Hilgenroth, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 2003, S. 44.
  3. Daniel Schneider: Das Wappen der Ortsgemeinde Hilgenroth, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen 2003, S. 45.
  4. Salome Solf-Maennersdoerfer: Das Hilgenrother Mirakelbuch, in: Gabriel Busch (Hrsg.): Hilgenroth/Marienthal. Zwei Wallfahrtsorte, Siegburg 1982, S. 193-240.
  5. Daniel Schneider: Die Landstände in der Grafschaft Sayn sowie Sayn-Altenkirchen und Sayn-Hachenburg, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, 33. Jahrgang, 2007, S. 227.
  6. Daniel Schneider: Die Geschichte der Ortsgemeinde Obererbach (Westerwald). Die Ortschaften Hacksen, Niedererbach, Obererbach und Koberstein vom Mittelalter bis zur Gegenwart, Obererbach 2009, Bd. 1, Seite 228-234.
  7. Daniel Schneider: Die letzten Kriegstage in Hilgenroth und Umgebung, in: Heimat-Jahrbuch des Kreises Altenkirchen, 2001, S. 124-127.
  8. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  10. Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Rheinland-Pfalz/Saarland. 2. bearbeitete und erweiterte Auflage, Berlin 1984, S. 371.
  11. Margot Bitterauf-Remy (Bearb.): Die Kunstdenkmäler des Kreises Altenkirchen, Düsseldorf 1935, S. 115-117.