Hillebille

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Hillebille

Eine Hillebille ist ein Schlagbrett aus Hartholz, welches als primitives Signalgerät diente, wahrscheinlich aber auch als Rhythmusinstrument verwendet wurde.

Signalgerät[Bearbeiten]

Sie wurde zwischen zwei in den Boden aufgestellten Ästen an einem Querbalken freischwebend mit einem Lederriemen aufgehängt. Die Hillebille selbst war etwa 75cm × 20cm groß. Man brachte sie durch Schlagen mit einem Klöppel zum Tönen[1]. Auf diese Weise konnten Nachrichten von Ort zu Ort übertragen werden.

Gebräuchlich war die Hillebille schon im frühen Mittelalter. Auch im Orient wurden vor der Einführung von Glocken Holz- oder Tonscheiben ähnlich den Hillebillen benutzt, um Versammlungen einzuberufen, Andachten anzukündigen oder Tageszeiten mitzuteilen. In Griechenland sind noch heute mancherorts Kirchen und Kapellen mit hölzernen oder metallenen Schlagbrettern, dem sogenannten „Simandros“ (Zeichengeber), ausgestattet.

Noch bis ins 20. Jahrhundert wurden Hillebillen bei den Holzfällern und Köhlern in abgelegenen Gegenden des Harz[2] und des Thüringer Waldes[1] als Alarm- und Informationsinstrument verwendet. Der helle Ton der Hillebillen reichte dabei etwa zwei Kilometer weit. Es gab vereinbarte Töne, um die Köhlergehilfen zum Essen zu rufen. Im Notfall wurde mit der Hillebille Alarm geschlagen, z.B. wenn ein Kohlenmeiler in Brand geriet, sodass die Gehilfen herbeieilen konnten[1]. An jene Zeiten erinnert noch heute der Name eines Bergrückens im Harz. Auch im oberen Odertal in Brandenburg kann man einen „Hillebille-Felsen“ finden.

Handwerksbrauch[Bearbeiten]

In manchen Gegenden gab es bei den Zimmerleuten einen Brauch, den sie „Hillebille“, „Hillebillekloppen“ oder „den Stockfisch weichkloppen“ nannten. Hierbei wurde am Vorabend des Richtfests mit Beilen und Äxten auf ein dickes Brett aus trockenem Buchenholz, dem „Stockfisch“, geschlagen, so dass ein weithin vernehmbarer, rhythmischer Lärm entstand. Die „bösen Geister“ sollten so aus dem Haus vertrieben werden.

Musikinstrument[Bearbeiten]

Musikalisch sind die Hillebillen den Stabspielen, also den xylophonartigen Instrumenten zuzuordnen. Als solche gehören sie zur Gattung der Idiophone (Selbstklinger), das heißt zu den selbst klingenden Schlaginstrumenten. Die Hillebillen sind der baskischen Txalaparta ähnlich.

Etymologie[Bearbeiten]

Die Herkunft des Worts ist ungeklärt. Eine Herleitung bezieht sich vor allem auf die Tonerzeugung: Demnach sei Hillebille eine Zusammensetzung aus hille (Hexe) und bille (Gesäßbacke), also "Hexengesäß"[3]. Eine andere Herleitung leitet sich vom Ton selbst her: Hillebille sei demnach eine Zusammensetzung aus dem Adjektiv hille (hell, weit schallend) und dem Verbalsubstantiv bille (billen - schlagen). Im Erzgebirge des 15. Jahrhunderts tauche der Begriff Hellebille auf[1]. Es besteht keine etymologische Verwandtschaft zu dem späteren amerikanischen Slangwort Hillbilly für (ungebildeter, einfacher) „Mann aus den Bergen“, „Hinterwäldler“, „Landei“ bzw. zu dessen ländlicher Hillbilly-Musik[4].

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hillebille – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d  A. Kirchhoff: Die Hillebille. In: Wartburg-Herold. Halbmonatsschrift für Thüringer Volkstum. Weimar / Eisenach 1896, S. 30 (Digitalisat).
  2. Anton Lübke: Uhren, Glocken, Glockenspiele. Müller Villingen, 1980, ISBN 3-920662-03-2.
  3. Duden Online: Wörterbuch, s.v. Hillebille, letzter Abruf: 16. Januar 2015
  4. Archie GreenHillbilly Music: Source and Symbol. In: Journal of American Folklore. 78, Nr. 309, 1965, S. 204–228. doi:10.2307/538356. Abgerufen am 1. August 2014.