Hindenburg-Gedächtniskirche Stetten

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Blaue Kirche

Die Hindenburg-Gedächtniskirche ist eine evangelische Kirche in Stetten am kalten Markt im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen.

Geschichte[Bearbeiten]

Hindenburgplastik
Seitenansicht
Altaransicht

Ursprünglich war Stetten fast ganz katholisch, auch die Reformation ging fast spurlos an dem Ort vorbei. Der Bahnbau im Donautal brachte vereinzelten Zuzug von evangelischen Christen. Durch den Bau des Truppenübungsplatzes Heuberg wuchs 1913 durch die neuen Einwohner die Gemeinde auf rund 150 Personen an. Vorerst wurden die Gottesdienste im Grundbuchamt von Stetten abgehalten; nachdem der Raum zu klein geworden war, wurde der Gemeinde ein Schulzimmer zugewiesen. Die Gemeinde in Kadelburg schenkte derjenigen in Stetten einen Holzaltar, die Großherzogin Luise stiftete eine Altardecke. Die Gemeinde wurde von einem in Meßkirch wohnenden Pfarrer betreut. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges verödete der Truppenübungsplatz, die Gemeinde zerfiel bis auf einen kleinen Rest. Gottesdienst wurde 1918 alle 14 Tage gehalten. Von 1924 bis 1930 war Stetten Diasporapfarramt, für die Gottesdienste stand ein schmuckloser Kirchensaal zur Verfügung. 1933 wurde eine Standortverwaltung eingerichtet und der Truppenübungsplatz wieder in Betrieb genommen. Die Bevölkerung nahm stetig zu, auch neue evangelische Christen zogen in den Ort.

Erste Planungen und Verhandlungen um den Bauplatz erfolgten 1933. Der Bauplatz wurde 1935 von der Stadt Stetten an die Kirchengemeinde geschenkt. Die Diasporagemeinde Stetten wurde 1934 zur vollberechtigten Kirchengemeinde erhoben, womit die Voraussetzungen für eine Finanzierung der Kirche gegeben waren; die Gemeinde durfte Ortskirchensteuer erheben. Gleichzeitig wurde das Diasporapfarramt in ein reguläres Pfarramt umgewandelt. Die Grundsteinlegung erfolgte 1937. In der Urkundenkassette befanden sich: die Urkunde, der Stiftungsaufruf von 1934, die gedruckte Predigt des Feldbischofs Dorhmann anlässlich der Einweihung der Hindenburggruft im Tannenberg-Denkmal, verschieden Ausgaben des Evangelischen Gemeindeboten, ein Block Briefmarken, sämtliche zu der Zeit im Gebrauch befindliche Münzen des Deutschen Reiches, ein Schaubild der zu bauenden Kirche, die Bodenseerundschau vom 10. Juli 1937, ein Bildblatt über die Zustände in Sowjet-Russland und das gedruckte Programm der Grundsteinlegung. Architekt war Otto Bartning aus Berlin. Richtfest wurde am 11. September 1937 gefeiert, eingeweiht wurde die Kirche Mitte 1938. Das französische Militärgouvernement in Stockach ordnete 1948 die Verdeckung der Hindenburg-Plastik an. Zwei neue Glocken, die Christus-Glocke und die Gustaf-Adolf-Glocke, wurden 1953 geweiht. Die General-Ziethen-Glocke hatte den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden.

Eine gründliche Renovierung des Gebäudes erfolgte 1980, wobei die Hindenburg-Plastik wieder freigelegt wurde. Der Sockel wurde grau angestrichen, die Kirche blau. In der Bevölkerung wird sie seitdem „die blaue Kirche von Stetten“ genannt.[1]

Ausstattung[Bearbeiten]

Empore mit Orgel
  • Emporenbrüstung mit holzgeschnitzten Füllungen von Karl Josef Fortwängler
  • Eine Orgel mit elektrischer Traktur und freistehendem Spieltisch wurde von der Orgelbaufirma des Orgelbaumeisters Michael Welte aus Freiburg im Breisgau eingebaut.
  • Der Altar und der Taufstein wurden von Friedrich Wetterer aus Stetten angefertigt
  • Handgeschmiedeter Messingengel als Liedertafel von Werner Kump aus Chemnitz
  • Kirchengestühl, Fenster und großes Altarkreuz von Schreinerei Gebrüder Sieber in Stetten[2]

Geläut[Bearbeiten]

Die Glocken wurden 1938 von der Glockengießerei Rincker in Sinn gegossen, sie trugen die Namen Gustaf Adolf Glocke, Bismarck Glocke und General Ziehten Glocke. Die Hindenburg-Glocke und die Gustaf-Adolf-Glocke wurden 1942 für Kriegszwecke eingezogen. 1953 wurde das Geläut durch eine G'-Glocke und eine B'-Glocke, gegossen ebenfalls von Rincken, ergänzt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Karl Scherrer: Die evangelische Kirchengemeinde Stetten am kalten Markt (Heuberg) mit ihrer Hindenburg-Gedächtniskirche, 1973, HrsG Evangelischer Kirchengemeinderat Stetten.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Beschreibung und Foto
  2. Hans Karl Scherrer, Die evangelische Kirchengemeinde Stetten am kalten Markt (Heuberg) mit ihrer Hindenburg-Gedächtniskirche, 1973, HrsG Evangelischer Kirchengemeinderat Stetten

48.1243333333339.0784444444444Koordinaten: 48° 7′ 27,6″ N, 9° 4′ 42,4″ O