Hinrich Nitsche

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Hinrich Nitsche.png

Hinrich Nitsche (* 14. Februar 1845 in Breslau; † 8. November 1902 in Tharandt) war ein deutscher Professor der Zoologie, Sachbuchautor und Geheimer Hofrat.

Biografie[Bearbeiten]

Hinrich Nitsche kam als einziger Sohn des königlichen Justizkommissars Joseph Nitsche in Breslau zur Welt. Die Mutter Meta Beatrix starb kurz nach der Geburt und 1848 auch der Vater[1]. So wuchs er bei seinem Großvater, Oberkonsistorialrat Hinrich Middeldorpf (1788–1861), Professor an der Universität Breslau, auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums begann er Ostern 1863 ein Jurastudium an der Universität Breslau, wechselte jedoch im folgenden Semester zu den Naturwissenschaften. Das Ziel, Förster zu werden, musste er mangels Militärtauglichkeit aufgeben, was Mitte des 19. Jahrhunderts eine Voraussetzung für diese Laufbahn war. Im Jahre 1864 studierte er an der Universität Heidelberg und 1865 an der Universität Berlin.

Während des Deutschen Krieges von 1866 erwarb Nitsche sich durch aufopfernde Tätigkeit im Lazarett große Verdienste, nach Endes des Krieges wandte er sich wieder der Wissenschaft zu und promovierte 1868 in Berlin zum Doktor der Philosophie, ging dann an die Universität Leipzig als Wissenschaftlicher Assistent von Rudolf Leuckart (1822–1898) und blieb in dieser Stellung bis 1876.

Auch im Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871 war er als freiwilliger Krankenpfleger überwiegend in Lazarettzügen tätig. Er habilitierte trotz dieser Unterbrechung ein weiteres Mal 1871, diesmal in Leipzig, und wurde zum Ende des Sommersemesters 1874 zum außerordentlichen Professor ernannt. Seine Berufung auf den zoologischen Lehrstuhl der neu errichteten Forstakademie Tharandt erfolgte am 1. Oktober 1876. Ab 1878 hielt er daneben jeweils im November Lehrkurse über Forellen- und Karpfenzucht ab, zudem gehörte er - bis zu seinem Tod infolge eines Schlaganfalls - dem Beirat der biologischen Abteilung des kaiserlichen Gesundheitsamtes an und war ordentlicher Professor der Zoologie an der königlich sächsischen Forstakademie Tharandt.

Aus seiner Ehe mit Marie Peschel, geschlossen 1875, Tochter des Geographen Oscar Ferdinand Peschel (1826-1875), entstammen zwei Töchter, Marie und Helene, letztere wurde nur 19 Jahre alt.

Wissenschaftliche Arbeit[Bearbeiten]

Mit seinen Promotions- und Habilitationsschriften über Süsswasserbryozoen begründete er die Einteilung dieser Tiergruppe. Arbeiten auf dem Gebiete der Forst- und Jagdzoologie waren u. a. die Tabelle zur Altersbestimmung des Reh-, Rot- und Damwildes nach der Entwicklung des Gebisses, Studien zur Entstehung der Perückengehörne des Rehbocks und eine wegen des frühzeitigen Todes unvollendete Arbeit über das Brutgebiet des Kranichs.

Im In- und Ausland hielt er Vorträge auf Zoologenversammlungen und Ausstellungen (Sankt Petersburg 1889, Cambridge 1898, Sarajewo 1899, Berlin 1901 und Wien 1902), Studienreisen führten ihn nach Italien, Tirol, Ungarn, Norwegen und Helgoland. Die hier gewonnenen Erkenntnisse und praktischen Erfahrungen fanden Eingang in seine von ihm verfasste Fachliteratur.

Ehrungen[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

als Autor[Bearbeiten]

Aufsätze
  • Untersuchungen über den Bau der Taenien. In: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie, Bd. 22 (1872).
  • Die Zukunft unserer Fischwässer. Vortrag. In: Mitteilungen der Oekonomischen Gesellschaft im Königreiche Sachsen, Bd. 6 (1880/81), S. 1–15.
  • Bemerkungen über zwei aus Spitzbergen stammende Rentierschädel. In: Jahreshefte des Vereins für vaterländische Naturkunde in Württemberg, Bd. 49 (1893), Heft 19, ISSN 0368-4717
Monographien
  • Beiträge zur Anatomie und Entwicklungsgeschichte der phylactolaemen Süsswasserbryozoen insbesondere von Alcyonella fungosa Pall. sp. BiblioBazaar, Charleston, S.C. 2009, ISBN 1-1173-0582-1 (Nachdr. d. Ausg. Gebr. Unger, Berlin 1868; zugl. Dissertation, Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin; vom 15. August 1868).
  • Beiträge zur Kenntnis der Bryozoen. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1869-1871 (4 Bde.)
  • Beiträge zur Kenntniss der Bryozoen. Neue Folge. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1871 (zugl. Habilitations-Schrift, Universität Leipzig 1871; Sonderdruck aus: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie, Bd. 21 (1871)).
  • zusammen mit Heinrich Dohrn und S. Friedländer: Amtliche Berichte über die Internationale Fischerei-Ausstellung zu Berlin 1880, Bd. 4: Fischereiproducte und Wasserthiere. Nabu-Press, Charleston, S.C. 2011, ISBN 978-1-246-61950-8 (Nachdr. d. Ausg. Berlin 1881).
  • Bericht über den Stand der künstlichen Fischzucht im Königreich Sachsen bis zum Jahre 1882. Päler, Dresden 1883.
  • Der Flussaal und seine wirthschaftliche Bedeutung. Vortrag, gehalten vor der oekonomischen Gesellschaft im Königreich Sachsen, Dresden, am 5. Februar 1886. Schönfeld´s Verlagsbuchhandlung, Dresden 1886.
  • Die Nonne (Liparis monacha L.). Ihr Leben, ihr Schaden und ihre Bekämpfung nach fremden und eigenen Beobachtungen dargestellt. Hölzel, Wien 1892.
  • zusammen mit Johann Friedrich Judeich und Julius Theodor Christian Ratzeburg: Lehrbuch der mitteleuropäischen Forstinsektenkunde. Nabu Press, Charleston, S.C. 2010, ISBN 1-1432-3503-7 (2 Bde, Nachdr. d. Ausg. 8. Aufl. Wien 1895).
  1. Ratzeburg's Leben, Einleitung, Allgemeiner Theil, Specieller Theil 1: Gerad- und Netzflügler, Käfer und Hautflügler.
  2. Specieller Theil 2: Schmetterlinge, Zweiflügler, Schnabelkerfe, Nachträge, Die Feinde der einzelnen Holzarten.
  • andere Ausgabe zusammen mit Karl Escherich und Johann Friedrich Judeich: Die Forstinsekten Mitteleuropas. Ein Lehr- und Handbuch. Verlag Paul Parey, Berlin 1914.
  • Die Süßwasserfische Deutschlands. Ihre Kennzeichen, Fortpflanzung, Verbreitung und wirtschaftliche Bedeutung. 8. Aufl. Verlag Reichel, Berlin 1932 (im Auftrag des Deutschen Fischerei-Vereins; EA Berlin 1897).
  • Studien über Hirsche. Gattung Cervus im weitesten Sinne, Bd. 1: Untersuchungen über mehrstangige Geweihe und die Morphologie der Hufthierhörner im allgemeinen. Verlag W. Engelmann, Leipzig 1898 (mehr nicht erschienen).

als Herausgeber[Bearbeiten]

  • zusammen mit Rudolf Leuckart: Erklärungen zu den zoologischen Wandtafeln. Theodor Fischer, Kassel 1877.
  • Wandtafel für den Unterricht in der künstlichen Zucht der Forellen. Fischer, Kassel 1883.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernhard Danckelmann (Begr.): Zeitschrift für Forst- und Jagdwesen, Jg. 35 (1903), Januar, S. 1 (Nachruf).
  • K. M. Heller: † Hinrich Nitsche, in: Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft ISIS in Dresden, Jahrgang 1902, Königlich Sächs. Buchhandlung Burdach, Dresden 1903, S. V-XI

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Nekrolog. In: Leopoldina. Organ der Kaiserlichen Leopoldino-Carolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher, Jg. 35 (1899), S. 136.