Hinterhermsdorf

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50.92361111111114.358333333333374Koordinaten: 50° 55′ 25″ N, 14° 21′ 30″ O

Hinterhermsdorf
Stadt Sebnitz
Höhe: 374 m ü. NN
Einwohner: 650
Eingemeindung: 1. Oktober 1998
Vorwahl: 035971
Karte

Lage von Hinterhermsdorf in Sebnitz

Gesamtansicht von Hinterhermsdorf

Gesamtansicht von Hinterhermsdorf

Hinterhermsdorf ist ein Ortsteil der Stadt Sebnitz im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge in Sachsen, direkt an der Grenze zu Tschechien, mit rund 650 Einwohnern.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Hinterhermsdorf befindet sich am östlichen Rande der Sächsischen Schweiz, in einer Grenzregion zur Tschechischen Republik. Der Ort ist ein sehr beliebtes Touristenziel aufgrund seiner unmittelbaren Nähe zu den beiden Nationalparks Sächsische und Böhmische Schweiz sowie seiner zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten.

Hinterhermsdorf war bis 2012 einer der wenigen Ortsteile in Sachsen, die keine gemeinsame Grenze mit dem Kerngebiet der Gemeinde haben, zu der sie gehören. Zwischen Hinterhermsdorf und dem restlichen Sebnitzer Stadtgebiet lagen Ortsteile der Gemeinde Kirnitzschtal.

Verkehr[Bearbeiten]

Hinterhermsdorf ist nur über eine Straße mit dem öffentlichen Straßennetz verbunden. Durch den Ort führt eine kreisförmig angelegte Einbahnstraße. Des Weiteren verfügt Hinterhermsdorf über Busverbindungen nach Dresden und Sebnitz. Über die Grenze nach Tschechien führen drei Rad- und Wanderwege, einmal über das Kirnitzschtal nach Zadní Jetřichovice (Hinterdittersbach) und einmal bei Zadní Doubice (Hinterdaubitz) über das Kyjovské údolí (Khaatal) nach Krásná Lípa (Schönlinde) und einmal über den Weifberg nach Mikulasovice (Nixdorf).

Ortsansicht[Bearbeiten]

Blick von der Buchenparkhalle auf Hinterhermsdorf, hinter dem Ort erhebt sich der Weifberg

Geschichte[Bearbeiten]

Blick auf das sogenannte "Hessesche Haus" (erbaut 1804). Die bauliche Erscheinung von Hinterhermsdorf wird durch zahlreiche Umgebindehäuser geprägt, von denen ein Großteil nach 1990 saniert wurde.

Der Dorfgründer hieß Hermann und hatte das Erbgericht zum Lehen. Ursprünglich lebte das Dorf fast ausschließlich von der Holzwirtschaft und dem Transport des geschlagenen Holzes in Richtung Bad Schandau, Dresden und Meißen. Davon zeugen noch heute die Obere sowie die Niedere Schleuse, entlang des Flusses Kirnitzsch, die mit ihrem Tal östlich sowie südlich am Ort vorbeiführt und die aktuelle Grenze zu Tschechien markiert. Beide Schleusen sind heute nicht mehr in Betrieb und technische Denkmäler, wobei sich auf der Obere Schleuse die Tradition einer Kahnfahrt auf einem künstlich aufgestauten See erhalten hat.

Neben zahlreichen regionstypischen Umgebindehäusern weist Hinterhermsdorf noch weitere Merkmale alter Siedlungsstrukturen auf. So befindet sich im Zentrum das Erbgericht, der frühere Hauptsitz des Lehnsherren, dem neben der größten Hufe (zugeteilte Landfläche) und der Gerichtsbarkeit auch das Brau- und Schankrecht zustand, wovon bis heute eine Gastwirtschaft am Platze zeugt.

Die Gemeinde wurde am 1. Oktober 1998 in die Große Kreisstadt Sebnitz eingemeindet.[1]

Im Jahr 2001 erhielt Hinterhermsdorf eine Goldmedaille im Bundeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft" (früher "Unser Dorf soll schöner werden"), nachdem es bereits zuvor zum schönsten Dorf Sachsens gekürt worden war.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Tal der Kirnitzsch und die Obere Schleuse[Bearbeiten]

Der Fluss Kirnitzsch bildet nahe Hinterhermsdorf den Grenzfluss zu Tschechien. Die Kirnitzschklamm verläuft durch die Kernzone des Nationalpark Sächsische Schweiz, in der sich auch die Obere Schleuse befindet. Die Obere Schleuse ist eine historische Stauanlage, die auf das 16. Jahrhundert zurückgeht und staut das Wasser auf einer Länge von 700 Meter. Sie war ursprünglich eine Anlage zur Holzflößerei. Auf dem Stausee werden heute in den Sommermonaten Kahnfahrten angeboten. 2009 zählten die Kahnfahrten nahezu 55.000 Besucher.[2]

Der Weifbergturm[Bearbeiten]

Kahnstation an der Oberen Schleuse
Aussichtsturm auf dem Weifberg bei Hinterhermsdorf
Die Engelkirche vom Weifbergturm aus gesehen
Heimatmuseum Hinterhermsdorf

Auf dem Weifberg im Norden des Ortes steht seit dem Jahr 2000 der Weifbergturm. Sein Grundgerüst besteht komplett aus Holz, das durch Stahlfachwerkträger verstärkt ist, um den Turm sturmsicher zu machen. Von seiner Spitze bietet sich eine schöne Aussicht über die gesamte östliche Sächsische Schweiz und weiter nach Tschechien.

Die Waldhusche[Bearbeiten]

Die Waldhusche soll Kinder auf spielerische Art an das Thema Wald heranführen. Auf vier verschiedenen Schauwegen und 40 Stationen in einem südlich von Hinterhermsdorf gelegenen Waldgebiet erfolgen neben Aufklärungen und Informationen zu den Themen Wald- und Forstwirtschaft auch Erläuterung zur Bedeutung der natürlichen Prozesse in einem Wald.

Die Engelkirche[Bearbeiten]

Die Engelkirche wurde im späten 17. Jahrhundert errichtet und trägt ihren ungewöhnlichen Namen durch einen barocken Taufengel. Sehenswert ist zudem der ebenfalls barocke Flügelaltar.

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Heimatmuseum "Waldarbeiterstube"
  • Aussichtspunkte in der Umgebung (Königsplatz, Großes und Kleines Pohlshorn, Arnstein, etc.): Der Aussichtspunkt Königsplatz (437 m) verdankt seinen Namen dem sächsischen König Friedrich August II. (Sachsen), welcher dort verweilte. Er wurde 1836 vom damaligen Revierförster Voigt erschlossen.

Gedenkstätten[Bearbeiten]

  • Drei Gedenktafeln am Ortseingang, gegenüber der Richter-Schmiede und am Mönchstein-Felsen wurden zur Erinnerung an 600 KZ-Häftlinge eines Todesmarsches aus dem KZ-Außenlager Schwarzheide des KZ Sachsenhausen im April 1945 aufgestellt. Acht Häftlinge wurden in der Nähe des Ortes durch SS-Männer ermordet: Paul Fischer, Wilhelm Slatin, Herbert Altschul, Friedrich Kaumann, Erwin Teichner, Kurt Altschul, der Pole Matejsky und ein Franzose.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998
  2. Sächsische Zeitung (Ausgabe Pirna) vom 26. Januar 2010

Literatur[Bearbeiten]

  • Zwischen Sebnitz, Hinterhermsdorf und den Zschirnsteinen. (Werte der deutschen Heimat. Band 2). 1. Auflage. Akademie Verlag, Berlin 1959.
  • Joh. Langer: Hinterhermsdorf (Sächs. Schweiz). Ein Waldwinkel Sachsens. In: Mitteilungen des Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Band 27, Heft 9/12, 1938, ISSN 0941-1151, S. 277–287, Digitalisat.
  • Karl Möckel: Flur- und Forstortsnamen im Hinterhermsdorfer Gebiet. In: Mitteilungsheft des Arbeitskreises Sächsische Schweiz im Landesverband Sächsischer Heimatschutz. Bd. 3, 2006, ZDB-ID 2214906-5, S. 10–17.
  • Richard Steche: Hinterhermsdorf. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 1. Heft: Amtshauptmannschaft Pirna. C. C. Meinhold, Dresden 1882, S. 28.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hinterhermsdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Hinterhermsdorf – Reiseführer