Hinterstein

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hinterstein (Begriffsklärung) aufgeführt.

47.48027777777810.406388888889865Koordinaten: 47° 28′ 49″ N, 10° 24′ 23″ O

Hinterstein
Höhe: 865 m ü. NN
Fläche: 104,95 km²
Einwohner: 612 (31. Dez. 2006)
Postleitzahl: 87541
Vorwahl: 08324

Hinterstein ist ein Ortsteil von Bad Hindelang im Landkreis Oberallgäu in Bayern. Hinterstein liegt auf 865 m im Ostrachtal mitten in den Allgäuer Alpen.

Geschichte[Bearbeiten]

Blick über Hinterstein

Ursprung[Bearbeiten]

Die Sagen der Gegend deuten auf keltische Ursprünge hin. Das abgelegene Dorf hatte jahrhundertelang wenig Kontakt zu anderen Gemeinden.

Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sich in Hinterstein, wo keine Kämpfe mehr zu erwarten waren, rund 1200 Flüchtlinge, 2000 Soldaten und mehrere hundert Arbeiter.

Am 29. April 1945 wurden auch Konrad Zuse und seine Frau in Hinterstein angemeldet. Eine Inschrift an dem Haus, das sie damals bewohnten, erinnert an diese Zeit. Zuses Zuse Z4 wurde zerlegt in einem Schuppen des Gasthofs Steinadler sowie in der Turnhalle des Ortes vor den alliierten Truppen versteckt, wäre jedoch mehrfach beinahe entdeckt worden.[1] Aus Zuses Hintersteiner Zeit stammen zahlreiche Ölgemälde sowie Holzschnitte, mit denen er damals seinen Lebensunterhalt verdiente.[2] Eine Ausstellung über berühmte Personen im Ostrachtal im Kurhaus von Bad Hindelang zeigte im Jahr 2008 zahlreiche Dokumente über Zuses Zeit in Hinterstein.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Bemerkenswert sind die frühklassizistische Kirche St. Antonius von 1805 sowie die Antoniuskapelle aus dem 16. Jahrhundert mit hochbarockem Altar, die Marienkapelle und das Kutschenmuseum Hinterstein. Insgesamt hat Hinterstein eine Kirche und vier Kapellen.

Hinterstein verfügt außerdem mit dem Prinze Gumpe über ein Naturschwimmbad, das durch das Wasser des Zipfelbachs gespeist wird. Benannt ist das Bad nach Prinzregent Luitpold, der einen Gumpen oberhalb des Zipfelsfalls geschätzt haben soll

Mittleres und Hinteres Dorf vom Fünkebichl aus gesehen

Kulturelle Einrichtungen[Bearbeiten]

Hinterstein hat eine eigene Turn- und Festhalle. Sie wird für diverse Veranstaltungen genutzt, wie zum Beispiel für regelmäßig stattfindende Aufführungen von Theaterstücken oder das jährliche Dorffest. Südöstlich des Ortskerns befinden sich ein Kinderspielplatz und der Sportplatz.

Sage[Bearbeiten]

Vor langer Zeit sollen im Wildfräuleinstein (unweit des Wanderwegs zur Willersalpe) drei „Wilde Fräulein“ mit den Namen Rezabell, Stuzzemuzz und Hurlahuzz gehaust haben. Das Volksmusical Hurlahutsch, dem diese Sage zugrunde liegt, sollte am 12. Juli 2008 in Bad Hindelang uraufgeführt werden.

Mittleres Dorf von Hinterstein

Veranstaltungen[Bearbeiten]

Jedes Jahr findet im September der festlich gestaltete Almabtrieb, Viehscheid genannt, statt. Anfang August findet jedes Jahr das Hintersteiner Dorffest statt und im Sommer gibt es regelmäßig Schießwettbewerbe für Gäste.

Umgebung[Bearbeiten]

Das Ostrachtal beginnt etwa neun Kilometer oberhalb von Hinterstein beim Giebelhaus, das nur mit einer Genehmigung mit privaten Pkw angefahren werden kann. Von hier aus besteht eine Busverbindung nach Hinterstein. Zwischen Giebelhaus und Hinterstein befindet sich im Ostrachtal die 85 m tiefe Eisenbreche, eine Schlucht, die nach den minimalen Erzvorkommen, die früher dort abgebaut wurden, benannt wurde. Eine weitere, 65 m tiefe Schlucht findet sich im Berg Aueles Wändle. Am Weg zwischen Giebelhaus und Hinterstein findet man außerdem die Hubertuskapelle sowie zahlreiche Kruzifixe und Gedenkstätten für in den Bergen Verunglückte.

Der Schrecksee, der oberhalb von Hinterstein auf 1823 m in den Bergen liegt und eine Insel hat, ist zu Fuß 3½ Stunden von Hinterstein entfernt und kann auch von Nicht-Bergsteigern besucht werden (passende Ausrüstung vorausgesetzt). Zahlreiche Bergtouren sind von Hinterstein aus durchführbar. Rund um Hinterstein ragen Berge wie der pyramidenförmige Hochvogel (2593 m), der Große Daumen (2280 m), das Rauhhorn (2240 m), das Gaishorn (2247 m), der dreiecksförmige felsige Giebel (1902 m), der steilgrasige Schneck (2268 m), der wuchtige Große Wilde (2380 m) und zahlreiche andere Berge der Allgäuer Alpen in den Himmel. Über die Willersalpe (1456 m) kann man den Jubiläumsweg erreichen, der über den Rauhhornzug (den östlichen Teil des Hauptkammes der Allgäuer Alpen) zum Prinz-Luitpold-Haus (1846 m) der Sektion Allgäu-Immenstadt des Deutschen Alpenvereins am Fuße des Hochvogels führt.

Breitenberg

Vom Nebelhorn (2224 m) über die Wengenköpfe (2235 m, 2206 m), den Großen sowie den Kleinen Daumen (2191 m), die Heubatspitze (2003 m) und den Breitenberg (1893 m) führt auch der bekannte Hindelanger Klettersteig.

Bewirtschaftete Alphütten[Bearbeiten]

Vom Giebelhaus aus sind Wanderungen zu in der Umgebung liegenden Alphütten möglich. Zu der ganzjährig bewirtschafteten Schwarzenberghütte wird vom Giebelhaus zu Fuß etwa eine Stunde benötigt, von Hinterstein bis zum Giebelhaus etwa 2½ Stunden. Im Winter beginnt dort eine drei Kilometer lange Rodelbahn. Nach dem Abzweig zum Schwarzenberg liegen am Weg ins Obertal die Engeratsgund-Alpe, die Laufbichl-Alpe und die Alpe Plättele. Die Laufbichl-Alpe hat ihre eigene Sennerei, in der im Sommer täglich Käse hergestellt wird. Eine weitere Alpe ist die Bärgündle-Alpe, die sich auf der südlichen Seite des Giebels im Bärgündle-Tal befindet und nur im Sommer bewirtschaftet ist. Sie liegt unterhalb des Prinz-Luitpold-Hauses, von wo aus viele Bergtouren durchgeführt werden können. Direkt oberhalb von Hinterstein liegt die Zipfelsalpe, welche 1½ Stunden zu Fuß von Hinterstein entfernt ist. Zwei Stunden von Hinterstein ist die Willersalpe entfernt, in der auch übernachtet werden kann und die Ausgangspunkt für viele Bergtouren ist. Außerdem liegt 2½ km von Hinterstein entfernt auf dem Weg zum Giebelhaus das Konstanzer Jägerhaus, das von den Einheimischen Skihütte genannt wird.

Vereine[Bearbeiten]

In Hinterstein gibt es mehrere Vereine, wie zum Beispiel den Hintersteiner Schützenverein oder den Hintersteiner Sportverein. Hinterstein verfügt zudem über eine eigene Freiwillige Feuerwehr und Bergwacht.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hinterstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Allgäuer Anzeigenblatt 175 vom 29. Juli 1995
  2. Thomas Niehörster, Konrad Zuse. Der Vater des Computers - seine Zeit in Hinterstein und Hopferau, Hindelanger Hefte 3, 2007, bes. S. 15 f.