Hiratsuka Raichō

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Raichō Hiratsuka

Hiratsuka Raichō (jap. 平塚 雷鳥, sehr häufig findet man den persönlichen Namen Raichō in der historischen Kana-Schreibweise らいてう für Klassisch-japanisch Raiteu; * 10. Februar 1886 als Hiratsuka Haruko in Tokio; † 24. Mai 1971) war eine japanische Autorin, Journalistin, politische Aktivistin und als solche eine Pionierin des Feminismus in Japan.

Leben[Bearbeiten]

Sie wurde als zweite Tochter eines hochrangigen Zivilbeamten geboren. Nachdem sie 1903 ihr Studium an der Nihon Joshi Daigaku begann, kam sie unter den Einfluss der zeitgenössischen Strömungen der westlichen Philosophie wie auch des Zen-Buddhismus, den sie selbst praktizierte.

Besonderen Einfluss auf sie hatte die schwedische feministische Autorin Ellen Key, von der sie einige Werke ins Japanische übersetzte. Nach ihrer Graduierung arbeitete sie für die Narumi Women’s English School wo sie 1911 Japans erstes nur von Frauen erstellte Literaturmagazin, Seitō-sha (青鞜社, Blaustrumpf-Gesellschaft) gründete, dessen Motto „Am Anfang war die Frau die Sonne“ (原始、女性は太陽であった) war – ein Bezug auf den shintoistischen Schöpfungsmythos. Zu dessen Autoren gehörte unter anderem die bekannte Dichterin und Frauenrechtlerin Akiko Yosano und Ito Noe.

Unter dem Künstlernamen Raichō (wörtlich: „Donnervogel“ aber auch japanische Bezeichnung des Alpenschneehuhns) begann sie eine spirituelle Revolution der Frauen zu fordern. In den ersten Jahren verschob sich der Schwerpunkt der Zeitschrift von Literatur hin zu Frauenfragen einschließlich offener Diskussionen zu weiblicher Sexualität, sexueller Enthaltsamkeit und Abtreibung. Die Zeitschrift wurde dafür bald einschlägig bekannt und die Zensurbehörden verboten einige Ausgaben.

1914 begann Hiratsuka mit ihrem jüngeren Liebhaber, dem Künstler Hiroshi Okumura offen in wilder Ehe zu leben, hatte mit ihm zwei uneheliche Kinder und heiratete ihn schließlich 1941.

Das Erscheinen der Zeitschrift wurde 1941 eingestellt, ihre Gründerin hatte sich mit ihr aber schon als eine der führenden Personen in der jungen japanischen Frauenbewegung etabliert.

Eine 1920 durchgeführte Untersuchung zu den Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen der Textilfabriken in Nagoya stärkte ihre politische Entschlossenheit. Sie gründete mit der Frauenrechtsaktivistin Fusae Ichikawa die Neue Frauenvereinigung (新婦人協会).

Es ist zu großen Teilen den Aktivitäten dieser Gruppe zuzuschreiben, dass der Artikel 5 der Polizeilichen Sicherheitsregularien, der Frauen an der Mitgliedschaft in politischen Organisationen und dem Abhalten oder dem Besuch politischer Versammlungen hinderte, 1922 abgeschafft wurde. An ein Frauenwahlrecht war jedoch damals in Japan nicht zu denken.

Eine kontrovers geführte Debatte, die von Hiratsuka angeführt wurde, richtete sich darauf, dass es Männern mit Geschlechtskrankheiten nicht erlaubt sein sollte, zu heiraten. Diese erfolglose Kampagne bleibt ein umstrittener Punkt in Hiratsukas Karriere, da sie sich damit in die Eugenik-Bewegung der damaligen Zeit einreihte, indem sie meinte, dass die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten einen „verschlechternden Einfluss auf die japanische Rasse“ habe.

Die nächsten beiden Dekaden zog sich Hiratsuka etwas aus der Öffentlichkeit zurück, da sie verschuldet war und ihr Liebhaber gesundheitliche Probleme hatte, sie schrieb jedoch weiter und hielt Vorlesungen.

In den Nachkriegsjahren trat sie als Figur der Friedensbewegung erneut ins Licht der Öffentlichkeit. Einen Tag nach dem Ausbruch des Koreakrieges 1950 reiste sie mit der Schriftstellerin Yaeko Nogami und drei anderen Mitgliedern der Japanischen Frauenbewegung (婦人運動家) in die USA, um von US-Außenminister John Foster Dulles die Schaffung eines Systems zu fordern, das es erlaubte, dass Japan neutral und pazifistisch bleibt.

Hiratsuka trat weiter für die Frauenrechte ein und gründete 1963 zusammen mit Nogami und der bekannten Künstlerin Chihiro Iwasaki die Neue Japanische Frauenvereinigung (新日本婦人の会), die bis heute aktiv ist. Sie setzte ihre schriftstellerische und Vortragstätigkeit bis zu ihrem Tode 1971 fort.

Sie beeinflusste als führende Figur der Frauenbewegung des frühen 20. Jahrhunderts zahlreiche andere Personen wie z. B. die koreanische feministische Autorin Na Hyesok (나혜석).

Werke[Bearbeiten]

  • 円窓より (Marumado yori, ‚Der Blick aus dem runden Fenster‘)
  • 原始、女性は太陽であった (Genshi, josei wa taiyō de atta, ‚Am Anfang war die Frau die Sonne‘)
  • 私の歩いた道 (Watakushi no aruita michi, ‚Die Straße, die ich ging‘)
  • 母性の復興 (Bosei no fukko – eine Übersetzung von Ellen Karolina Keys The Renaissance of Motherhood)
  • 愛と結婚 (Ai to kekkon – Ursprungsautor?, Love and Marriage)

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • 父が子に送る一億人の昭和史:人物現代史 (Die Geschichte von Einhundert Millionen Menschen der Shōwa-Zeit vom Vater zum Kind – Moderne biographische Geschichte), Mainichi Shimbun Press, 1977.
  • Sumiko Otsubo: Engendering Eugenics: Women’s Pursuit of Anti-V.D. Marriage Restriction Law in Taisho Japan, Ohio State University Press.

Weblinks[Bearbeiten]

Japanische Namensreihenfolge Japanischer Name: Wie in Japan üblich steht in diesem Artikel der Familienname vor dem Vornamen. Somit ist Hiratsuka der Familienname, Raichō der Vorname.