Hiroshima

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Hiroshima (Begriffsklärung) aufgeführt.
Hiroshima-shi
広島市
Hiroshima
Geographische Lage in Japan
Hiroshima (Japan)
Red pog.svg
Region: Chūgoku
Präfektur: Hiroshima
Koordinaten: 34° 23′ N, 132° 27′ O34.385277777778132.45527777778Koordinaten: 34° 23′ 7″ N, 132° 27′ 19″ O
Basisdaten
Fläche: 905,25 km²
Einwohner: 1.184.785
(1. Juni 2014)
Bevölkerungsdichte: 1309 Einwohner je km²
Gemeindeschlüssel: 34100-2
Symbole
Flagge/Wappen:
Flagge/Wappen von Hiroshima
Baum: Campherbaum
Blume: Oleander
Rathaus
Adresse: Hiroshima City Hall
1-6-34, Kokutaiji
Naka-ku, Hiroshima-shi
Hiroshima 730-8586
Webadresse: www.city.hiroshima.lg.jp
Lage Hiroshimas in der Präfektur Hiroshima
Lage Hiroshimas in der Präfektur

Hiroshima ([hi'ɺoɕima], Aussprache?/i, jap. 広島市, -shi, dt. „weiträumige Insel“; im Deutschen auch Hiroschima[1]) ist eine Hafenstadt im Südwesten der japanischen Hauptinsel Honshū und der Verwaltungssitz der gleichnamigen Präfektur Hiroshima.

Weltweite Bekanntheit erlangte Hiroshima als Ziel des ersten kriegerischen Kernwaffeneinsatzes am 6. August 1945.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ursprünglich zwischen 1592 und 1599 erbaute Burg wurde 1945 vollkommen zerstört und 1958 neu aufgebaut. Sie dient heute als Museum.
Burgmauer der wieder errichteten Burg Hiroshima

Hiroshima wuchs um eine Burg (genannt die „Karpfenburg“) aus dem späten 16. Jahrhundert und wurde unter der Herrschaft der Familie Asano ausgebaut, die bis zur Meiji-Restauration hier regierte.

Der Ausbau des Hafens 1889 und der Anschluss an die 1894 fertiggestellte Sanyō-Eisenbahnlinie zwischen Kōbe und Shimonoseki führten zu einem weiteren Aufschwung der Stadt.

Während des Ersten Japanisch-Chinesischen Krieges (1894–1895) war die Stadt Standort des kaiserlichen Hauptquartiers und wurde in der Folgezeit zu einem militärischen Zentrum des Kaiserreichs Japan. Bis zum Zweiten Weltkrieg gewann Hiroshima zunehmend an Bedeutung und war mit 245.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt des Landes.

Zerstörte Stadtfläche

Auf die Metropole wurde am Morgen des 6. August 1945 aus dem Bomber Enola Gay der USAAF die Atombombe Little Boy abgeworfen. Die Explosion in 600 Meter Höhe zerstörte um 8:15 Uhr Ortszeit ungefähr 80 % der bis dahin unbeschädigten Stadt. Bei diesem ersten Einsatz einer Kernwaffe in einem Krieg wurden schätzungsweise 90.000 Personen sofort getötet; an den Spätfolgen starben weitere 90.000 bis 166.000 Menschen. Die noch lebenden Opfer des Angriffs werden in Japan als „Hibakusha“ bezeichnet und leiden an den Folgen der Verstrahlung bis heute.

Schematisches Bild des Ortes und der Höhe der Explosion

Nach dem Wiederaufbau ab 1949 entwickelte sich Hiroshima zu einem wichtigen Industriestandort und steht heute mit über 1,1 Millionen Einwohnern auf Platz 11 der größten Städte Japans.

Da "Little Boy" einige hundert Meter über der Stadt explodierte, wurden eventuelle Schäden durch radioaktiven Niederschlag gering gehalten; die meisten Strahlenschäden wirkten sich nur unmittelbar bei der Explosion aus. Die Strahlenbelastung ist heute nicht über dem Niveau der gewöhnlichen Hintergrundstrahlung durch natürliche Radioaktivität und somit nicht höher als in anderen Gebieten der Erde.[2]

Eine einfache Tafel weist heute noch auf den Ort des Hypozentrums hin.

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Jahr Einwohner
1980 992.736
1985 1.051.748
1990 1.093.707
1995 1.117.117
2000 1.134.134
2005 1.154.391
2010 1.173.482

Politik und Verwaltung[Bearbeiten]

Bürgermeister von Hiroshima ist seit den einheitlichen Regionalwahlen 2011 in erster Amtszeit Kazumi Matsui, ein ehemaliger Beamter des Gesundheits- und Sozialministeriums. Er wurde mit Unterstützung von LDP und Kōmeitō zum Nachfolger von Tadatoshi Akiba gewählt. Ebenfalls bei den Regionalwahlen 2011 wurde der 55-köpfige Stadtrat (Hiroshima-shigikai) neu gewählt; die LDP wurde mit 21 Mandaten klar stärkste Partei.[3]

In Hiroshima befinden sich einige Außenstellen von Ministerien der Zentralregierung mit Zuständigkeit für die Region Chūgoku. Auch der Gerichtsbezirk des Obergerichts Hiroshima mit Hauptsitz im Bezirk Naka umfasst ganz Chūgoku.

Die Stadt Hiroshima war die erste Gebietskörperschaft Japans, in der ein Referendum nach Artikel 95 der Verfassung von 1947 stattfand, der für Gesetze, die nur für eine bestimmte Gebietskörperschaft gelten, die Zustimmung der Wahlberechtigten fordert: Im Juli 1949 stimmten die Bürger Hiroshimas über das Hiroshima heiwa kinen toshi kensetsu-hō (広島平和記念都市建設法, „Baugesetz für die Friedensgedenkstadt Hiroshima“) ab, das die Grundlage für die Einrichtung des Friedensdenkmals bildete. Das Gesetz fand eine klare Mehrheit unter den Bürgern und trat noch im selben Jahr in Kraft.

2003 war Hiroshima die erste „Großstadt per Regierungserlass“ Japans, die Ausländern die Teilnahme an kommunalen Volksabstimmungen erlaubte.[4] Stimmberechtigt sind Ausländer über 18 Jahren, die seit mindestens drei Monaten in der Stadt registriert sind.[5]

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Als „Großstadt per Regierungserlass“ (seirei shitei toshi) gliedert sich Hiroshima in acht Bezirke: Naka (Mitte), Higashi (Ost), Minami (Süd), Nishi (West), Asaminami, Asakita, Aki und Saeki.

Die letzte Gebietsveränderung erfolgte 2005, als die Gemeinde Yuki in den Bezirk Saeki integriert wurde.

Verkehr[Bearbeiten]

Hiroshima ist seit 1976 an den Sanyō-Shinkansen (Schnellfahrstrecke, Bahnhof Hiroshima) angeschlossen. Ein neuer Flughafen Hiroshima liegt weit östlich ca 50 km außerhalb der Stadt, der alte ist unter dem Namen Hiroshima-Nishi weiterhin für Regionalflüge in Betrieb. Hiroshima hat auch Anschluss an die Chugoku- und die Sanyō-Autobahn sowie die Nationalstraße 2, die das Stadtgebiet von Ost nach West durchquert. Vom Hafen bestehen zahlreiche Fährverbindungen zu den Inseln in der Seto-Inlandsee und nach Shikoku.

Hiroshima hat mit der Straßenbahn Hiroshima mit neun Linien, die sich auf die Innenstadt beschränken, das größte Straßenbahnnetz Japans. Eine Überlandlinie führt nach Miyajima-guchi, von wo eine Fährverbindung zur Insel Miyajima besteht. In den 80er Jahren wurden zwei Straßenbahnwagen des Typs GT8 aus Dortmund gekauft, einer davon ist heute noch als Museums- und Sonderwagen mit Vollwerbung für Königs-Pilsener im Einsatz. Sechs Busgesellschaften betreiben zahlreiche Buslinien – vor allem in die Vororte – und die JR deckt den Eisenbahn-Regionalverkehr ab. Zwei moderne ÖPNV-Systeme gibt es auch – die Astram und die Einschienenbahn Hiroshima – allerdings tragen die Straßenbahnen, Mopeds, Motorräder, Eisenbahnen und Busse die Verkehrshauptlast.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Die aus Hiroshima stammende Schülerin Sadako Sasaki (1943–1955) kämpfte bis zu ihrem Tod mit dem Falten von Origami-Kranichen gegen ihre Leukämie-Erkrankung, die durch die freigewordene Strahlung nach dem Atombombenabwurf verursacht wurde. Aufgrund der weltweiten Anteilnahme an ihrem Schicksal wurden Papierkraniche zu einem Symbol der internationalen Friedensbewegung und des Widerstandes gegen den Atomkrieg.

Hara Tamiki wurde am 15. November 1905 in Hiroshima geboren. Nach einem Anglistikstudium in Tokio arbeitete er als Englischlehrer, war daneben aber auch literarisch tätig. Das beherrschende Thema seiner Werke ist bereits damals der Tod, doch noch mit dem „schönen Tod“ kokettierend. 1944 starb seine Frau, worauf er in seine Heimatstadt Hiroshima zurückkehrte. Dort erlebte er den Atombombenabwurf am 6. August 1945. Von da an stand sein Schaffen unter dem Motto: „Lebe nicht um deiner selbst willen! Lebe, um die Toten zu beklagen!“ Besonders bekannt ist er für seine Erzählung Natsu no hana (1949; dt. Sommerblumen, in: Seit jenem Tag, Hg. Ito Narihiko 1984). Sie gehört zu den besten Stücken der japanischen Kriegsliteratur und übte starken Einfluss auf die japanische Friedensbewegung aus. Aus Verzweiflung über den Ausbruch des Koreakriegs warf er sich am 13. März 1951 in Musashino vor einen Zug.

Seit 1939 lebte und wirkte der deutsche Jesuitenpater Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, einer der bedeutendsten Vermittler zwischen Christentum und Buddhismus, in Hiroshima.

Aus Hiroshima stammt auch der bedeutende japanische Komponist Toshio Hosokawa (geboren am 23. Oktober 1955), der mit seiner Sinfonie „Memory of the Sea“ den Selbstheilungskräften seiner Geburtsstadt ein eindrucksvolles Klang-Denkmal setzte.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Da die Stadt selbst bei dem Atombombenabwurf größtenteils zerstört wurde, sind nur wenige Sehenswürdigkeiten vorhanden.

Die Atombombenkuppel, die Ruine des ehemaligen Gebäudes der Industrie- und Handelskammer von Jan Letzel, ist als Mahnmal im Zustand unmittelbar nach dem Atombombenabwurf konserviert worden. Auf der anderen Seite des Flusses Ōta befindet sich der Friedensgedenkpark mit dem Friedensmuseum Hiroshima. Erst mit Verzögerung wurde auch ein Denkmal für die koreanischen Opfer des Atombombenabwurfes auf Hiroshima errichtet. In der Nähe des Zentrums befindet sich der Shukkei-en, ein im 17. Jahrhundert angelegter japanischer Garten mit Teichanlage. In den Hiroshima umsäumenden Bergen liegt in einem kleinen Tal der Mitaki-Tempel mit Moosgärten und verschiedenen Kloster- und Tempelanlagen.

Die „Karpfenburg“ wurde 1958 wieder im alten Stil aufgebaut. Südlich der Burg befindet sich das 1978 eröffnete Hiroshima Museum of Art mit seiner Sammlung europäischer und japanischer Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Okonomiyaki ist eine Art Crêpe, auf der in feine Streifen geschnittener Kohl und Fleisch oder Meeresfrüchte gegart werden. In Hiroshima werden die Zutaten im Gegensatz zur Kansai-Region geschichtet, als auch Nudeln verwendet.[6]

Sport[Bearbeiten]

Hiroshima hat gemeinsam mit Nagasaki ein Komitee für eine mögliche Bewerbung um die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2020 eingerichtet.[7] Nach der ablehnenden Haltung des Japanischen Olympischen Komitees (nihon olympic iinkai) zog sich Nagasaki zurück. Hiroshima will sich nun alleine um die Spiele 2020 bewerben.[8]

Wirtschaft[Bearbeiten]

In Hiroshima befindet sich der Hauptsitz der Firma Mazda. Neben Verwaltung und Entwicklung ist in Hiroshima eines der beiden japanischen Werke. Dadurch entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Autoindustrie und der Zuliefererindustrie. Hiroshima verfügt über einen Export- und Fischereihafen und einen Flughafen. Auch im Schiffbau sind mehrere Unternehmen tätig.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.duden.de/rechtschreibung/Hiroshima
  2. Question #12: Is there still radiation in Hiroshima and Nagasaki? Even now, if people go to Hiroshima or Nagasaki, might they be affected by radiation? Hiroshima, abgerufen am 27. Juli 2010 (englisch).
  3. Website des Stadtrats
  4. <在日社会>永住外国人住民投票権 全国31の自治体に拡大. In: Tōyō Keizai Nippō. 25. April 2003, abgerufen am 12. Dezember 2010 (japanisch).
  5. Stadt Hiroshima: 広島市住民投票制度について
  6. Okonomiyaki Menu. In: Otafuku Foods website. Otafuku Foods, abgerufen am 20. Juli 2010 (englisch).
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatHiroshima, Nagasaki seek Olympic. A-bombed cities' bid for 2020 games greeted with reluctance by Japan Olympic Committee. In: The Japan Times. 12. Oktober 2009, abgerufen am 12. Oktober 2009 (englisch).
  8. Nagasaki drops bid to host '20 Olympics with Hiroshima. In: The Japan Times. 16. Januar 2010, abgerufen am 22. Februar 2010 (englisch).

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hiroshima – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Hiroshima – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien