Hirsau

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48.7388.7328327Koordinaten: 48° 44′ 17″ N, 8° 43′ 58″ O

Hirsau
Stadt Calw
Wappen von Hirsau
Höhe: 327 m
Einwohner: 2260 (2005)
Eingemeindung: 1. Januar 1975
Postleitzahl: 75365
Vorwahl: 07051
Brückenfiguren von Peter Lenk und Ruinen in Hirsau
Der französische General Mélac mit Brandfackel, Werk des Bildhauers Peter Lenk in Hirsau
Vorderansicht
Hirsau 1907

Hirsau, bis 1975 eine eigenständige Gemeinde, ist jetzt ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Calw im nördlichen Schwarzwald. Hirsau hat 2400 Einwohner und ist überwiegend touristisch geprägt.

Geographie[Bearbeiten]

Der württembergische Luftkurort liegt im Nordschwarzwald, ca. 2 km nördlich der Kernstadt Calw im tief eingeschnittenen Nagoldtal (zwischen 330 m bei St. Aurelius, 560 m bei der Landesklinik). Im Hirsauer Kurpark mündet der Tälesbach, der durch ein Seitental östlich des Calwer Stadtteils fließt. Auf der gegenüberliegenden, westlichen Nagoldtalseite befindet sich das Seitental des Schweinbachs, der ebenfalls in Hirsau in die Nagold mündet. Nördlich von Hirsau befindet sich die Bruderhöhle.

Geschichte[Bearbeiten]

Die wesentliche Rolle für die Geschichte des Ortes Hirsau spielte das Kloster Hirsau, an dem sich der gleichnamige Ort bildete. Oberhalb des Flusses Nagold entstanden 1082 bis 1091 das damals größte deutsche Kloster und der größte romanische Kirchenbau Deutschlands, eine dreischiffige, fast 100 Meter lange Basilika mit zwei Westtürmen, die um 1120 fertiggestellt wurden. Das Kloster war der wichtigste deutsche Stützpunkt der klösterlichen Erneuerungsbewegung, die im Mittelalter vom französischen Kloster Cluny ausging.

1556 wurde das Kloster nach der Reformation eine evangelische Klosterschule. Württembergs Herzöge ließen zudem 1586–1592 ein dreiflügeliges Renaissance-Schloss auf dem Klostergelände errichten. 1692 wurden im pfälzischen Erbfolgekrieg die mächtige Klosterkirche, die Klosterschule und das Schloss von französischen Truppen unter dem Kommando von General Mélac in Brand gesteckt und damit zerstört. Danach wurden die Steine der Ruinen als Material für andere Gebäude genutzt. Diese weitergehende Zerstörung wurde erst 1808 durch ein Dekret des Königs von Württemberg beendet.

Das Gebiet des Klosters Hirsau wurde bis 1807 vom Klosteramt Hirsau verwaltet, das dann mit dem Oberamt Calw vereinigt wurde. 1830 wurde eine eigenständige Gemeinde Hirsau innerhalb des Oberamts Calw gebildet.

Bahnhof Hirsau

1874 erfolgte der Anschluss an die Nagoldtalbahn, der dem Ort Anbindungen in Richtung Pforzheim und Horb bescherte, außerdem konnte man ab Calw, eine Station südlich von Hirsau, mit der Württembergischen Schwarzwaldbahn Richtung Stuttgart fahren.

1956 wurde St. Aurelius nach Restaurierungsarbeiten als katholische Gemeindekirche neu geweiht. St. Aurelius war das zweite und ältere Kloster in Hirsau, dessen Ursprünge auf den Beginn des 9. Jahrhunderts zurückgehen.

1968 begann die Erschließung der westlichen Anhöhe für den Bau der Landesklinik Nordschwarzwald, heute Klinikum Nordschwarzwald. Die Einrichtung nahm ihren Betrieb 1975 auf.

Im Zuge der Gemeindereform wurde die Gemeinde Hirsau zum 1. Januar 1975 mit der Stadt Calw zur Stadt Calw-Hirsau vereinigt. Doch bereits mit Wirkung vom 1. Januar 1976 wurde die neue Stadt in Stadt Calw umbenannt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Kloster Hirsau
  • Ruine Kloster St. Peter und Paul mit
    • Kreuzgang
  • Ruine des Jagdschlosses
  • St. Aurelius-Kirche (rechts der Nagold)
  • Brückenfiguren von Peter Lenk an der B 463: Melac, Abt Wilhelm und eine Rockerbraut

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Es gibt ein Kurzentrum mit Kurhalle, Anwendungseinrichtungen und Kurpark und einem Minigolfplatz. Im Ortskern befindet sich das alte Rathaus, in dem die Verwaltung des Ortsteils und eine Leihbücherei untergebracht sind.

Hirsau hat zwei Sportvereine. Der VFR Hirsau ist ein Fußballverein mit einem größeren Sportplatz. Der TSV Hirsau bietet unter anderem Handball, Tennis, Tischtennis und Turnen an.

Hirsau hat eine Grundschule.

Religion[Bearbeiten]

Außer evangelisch-lutherischen und katholischen Kirchen befinden sich in Hirsau auch eine Moschee sowie zwei Christliche Freikirchen, die evangelische Gemeinde Gottes (Freikirchlicher Bund der Gemeinde Gottes) und die evangelische Kingdom-Faith-Gemeinde.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Wolfgang Hartmann: Vom Main zur Burg Trifels – vom Kloster Hirsau zum Naumburger Dom. Auf hochmittelalterlichen Spuren des fränkischen Adelsgeschlechts der Reginbodonen. Veröffentlichungen des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Bd. 52, Aschaffenburg 2004, ISBN 3-87965-098-5.
  • Albrecht Kottmann, Helmut Schloß: Hirsau, Württemberg. Kunstführer. Schnell & Steiner, Regensburg 1994, (ohne ISBN).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hirsau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien