Hirzenhain

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Dieser Artikel erläutert die Gemeinde und den Ort Hirzenhain in der Wetterau, für den gleichnamigen Ort in der Gemeinde Eschenburg im Lahn-Dill-Kreis siehe Hirzenhain (Eschenburg).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Hirzenhain
Hirzenhain
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Hirzenhain hervorgehoben
50.3902777777789.1361111111111260Koordinaten: 50° 23′ N, 9° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Wetteraukreis
Höhe: 260 m ü. NHN
Fläche: 16,11 km²
Einwohner: 2901 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 180 Einwohner je km²
Postleitzahl: 63697
Vorwahl: 06045
Kfz-Kennzeichen: FB, BÜD
Gemeindeschlüssel: 06 4 40 011
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Karl-Birx-Straße 6
63697 Hirzenhain
Webpräsenz: www.hirzenhain.de
Bürgermeister: Freddy Kammer (SPD - in der Wahl angetreten als unabhängiger Bewerber)
Lage der Gemeinde Hirzenhain im Wetteraukreis
Butzbach Münzenberg Rockenberg Ober-Mörlen Bad Nauheim Friedberg (Hessen) Rosbach v.d. Höhe Wöllstadt Karben Bad Vilbel Wölfersheim Reichelsheim (Wetterau) Niddatal Florstadt Echzell Reichelsheim (Wetterau) Nidda Hirzenhain Gedern Ranstadt Glauburg Altenstadt (Hessen) Limeshain Ortenberg (Hessen) Kefenrod Büdingen Lahn-Dill-Kreis Landkreis Gießen Vogelsbergkreis Hochtaunuskreis Frankfurt am Main Main-Kinzig-KreisKarte
Über dieses Bild
Hirzenhain im Juli 2010: Blick von der Klostermauer. Rechts von der Bildmitte das Buderus-Hauptgebäude.
Ev. spätgotische Hallenkirche
1439-1534 Augustinerkloster „St. Maria“

Hirzenhain ist eine Gemeinde in der Wetterau. Sie wird von der Nidder durchflossen.

Geografie[Bearbeiten]

Hirzenhain liegt im westlichen Vogelsberg.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Hirzenhain grenzt im Norden an die Stadt Schotten (Vogelsbergkreis), im Osten an die Stadt Gedern, im Süden an die Stadt Ortenberg, sowie im Westen an die Stadt Nidda.

Gliederung[Bearbeiten]

Hirzenhain besteht aus den Ortsteilen Glashütten, Hirzenhain und Merkenfritz. Der Ortsteil Glashütten hat noch die angegliederten Ortsteile Streithain und Igelhausen.

Geschichte[Bearbeiten]

  • Erste urkundliche Erwähnung am 13. Januar 1330.[2]
  • Entstehung einer Waldschmiede und des Augustinerklosters im Jahr 1375. 1554 wurde das Kloster in eine Lateinschule umgewandelt, die bis in das Jahr 1595 bestand. Heute erinnert noch die spätgotische Kirche in Hirzenhain an diese Zeit. Die Waldschmiede entwickelte sich zu einem Eisenwerk, das 1678 die Familie Buderus, die die ersten Hochöfen baute, pachtete.
  • Kauf des Eisenwerks durch die Familie Buderus im Jahr 1869.
  • In Hirzenhain bestand eine Außenstelle des Arbeitserziehungslagers Frankfurt-Heddernheim. Dort mussten deutsche und ausländische Häftlinge unter KZ-Bedingungen in der Produktion der Breuer-Werke (Rangierloks) arbeiten. Am 23. März 1945, kurz vor Kriegsende, wurden 49 Frauen aus dem Arbeitserziehungslager Frankfurt-Heddernheim zur Außenstelle nach Hirzenhain transportiert, dem Arbeitserziehungslager Hirzenhain. Während des Transports flohen 5 Frauen. Die verbliebenen 44 wurden mit 37 weiteren Frauen und 6 Häftlingen aus dem Lager am 26. März 1945 durch die SS erschossen. Sie wurden später im Kloster Arnsburg auf dem dortigen Kriegsopferfriedhof beigesetzt.
  • In der Gemeinde selbst hielten sich unabhängig von Breuer im Juli 1944 dreiundzwanzig Zwangsarbeiter auf, darunter zwölf Letten. Im März 1945 waren es 25 Zwangsarbeiter.[3]

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Oktober 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Merkenfritz eingegliedert. Am 1. April 1972 kam Glashütten hinzu.[4]

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 hatte folgendes Ergebnis:[5]

Kommunalwahl 2011
 %
50
40
30
20
10
0
45,4 %
31,4 %
23,2 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 25
 20
 15
 10
   5
   0
  -5
-10
-15
-6,8 %p
-10,6 %p
+23,2 %p
-5,8 %p
Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 45,4 7 52,2 8
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 31,4 5 42,0 6
UWG Unabhängige Wählergemeinschaft 23,2 3
NPD Nationaldemokratische Partei Deutschlands 5,8 1
Gesamt 100,0 15 100,0 15
Wahlbeteiligung in % 45,5 49,6

Bürgermeister[Bearbeiten]

Die vergangenen Bürgermeisterwahlen lieferten folgende Ergebnisse:

Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
2008(1) Elfriede Pfannkuche SPD 47,7
Freddy Arthur Kammer 52,3
Wahlbeteiligung in % 62,3
2008 Elfriede Pfannkuche SPD 36,7
Mario Müller CDU 28,3
Freddy Arthur Kammer 34,9
Wahlbeteiligung in % 63,2
Jahr Kandidaten Partei %
Ergebnis
2002 Elfriede Pfannkuche SPD 71,1
Wahlbeteiligung in % 75,6
1996 Elfriede Pfannkuche SPD 67,8
Jörg Scherbarth HWI 21,8
Andreas Müth CDU 10,3
Wahlbeteiligung in % 75,0

(1)Stichwahl

Freddy Arthur Kammer setzte sich in einer Stichwahl am 28. September 2008 gegen Elfriede Pfannkuche (SPD) durch, die seit 1991 Bürgermeisterin war. Kammer ist ebenfalls SPD-Mitglied, trat aber als unabhängiger Bewerber an[6].

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge wurde am 5. September 1969 durch das Hessische Innenministerium genehmigt.

„Auf dem von Schwarz und Gelb geteilten Flaggentuch das Gemeindewappen.“[7]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

Die Wirtschaft Hirzenhains wurde über eine sehr lange Zeit (es ist nicht übertrieben, von rund 300 Jahren zu sprechen) vom Unternehmen Buderus dominiert. Deshalb erhielt Hirzenhain auch die Bezeichnung "Industriegemeinde".

In der Hochzeit in den 50er und 60er Jahren hatte der Standort Hirzenhain der Buderus AG rund 2.000 Beschäftigte. Die hohen Gewerbesteuereinnahmen ermöglichten der Gemeinde Hirzenhain eine Infrastruktur, z.B. ein großzügig angelegtes Freibad, die unter Gemeinden ähnlicher Größe ihresgleichen suchte.

Im Jahr 2003 kaufte der Robert Bosch Konzern die Firma Buderus (wobei Bosch nur an der Heiztechnik Sparte interessiert war). Die Giesserei Aktivitäten am Standort Hirzenhain (Feinguss und Kunstguss) wurde 2005 an den Venture Capital Fonds SSVP verkauft.

Im Jahre 2006 wurde die kleinste Sparte Kunstguss wieder zur Bosch Thermotechnik GmbH rücküberführt und der Heiztechnik angegliedert. Somit beschäftigt die Bosch Thermotechnik GmbH (Heiztechnik und Kunstguss) noch ca. 55 Mitarbeiter & die Buderus Feinguss Hessen GmbH (gehört heute zum PERUSA-Fond) noch ca. 100 Mitarbeiter.

Bosch Thermotechnik GmbH - Buderus Kunstguss unterhält in Hirzenhain noch das Kunstgussmuseum, welches im Gebäude der Kunstgiesserei unter einem eigenständigen Verein geführt wird.

Im Ortsteil Merkenfritz befindet sich eine Werkstatt für behinderte Menschen der Behindertenhilfe Wetteraukreis gGmbH.

Auf dem Friedhof der Gemeinde befinden sich in einem abgegrenzten Bereich die letzten Ruhestätten vieler Persönlichkeiten der Familie Buderus.

Freizeit- und Sportanlagen[Bearbeiten]

  • Märchenland Merkenfritz
  • Der Vulkanradweg verläuft auf der Trasse der ehemaligen Vogelsbergbahn durch den Ort. Heute ist der Vulkanradweg Teil des BahnRadweg Hessen, der auf ehemaligen Bahntrassen ca. 250  km durch den Vogelsberg und die Rhön führt.
  • Naturerlebnisbad Hirzenhain

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen[Bearbeiten]

  • Eisenkunstgussmuseum (So 10–12 Uhr, 13–16 Uhr)

Bauwerke[Bearbeiten]

  • Augustinerkirche mit dreijochigem Kirchenschiff. Der Lettner ist ein Meisterwerk spätgotischer Steinmetzarbeit.


Literatur[Bearbeiten]

  • Hirzenhain Glashütten Merkenfritz. Bilder aus vergangenen Tagen. Horb am Neckar 1996.
  • Michael Keller: „Das mit den Russenweibern ist erledigt“: Rüstungsproduktion, Zwangsarbeit, Gestapo-KZ, Massenmord einer SS-Kampfgruppe und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit am Tatort Hirzenhain wie auf dem Kriegsgräberfriedhof im Kloster Arnsburg 1943-1996. Bindernagel, Friedberg (Hessen) 2000, ISBN 3-87076-087-7 (2. stark erweiterte Auflage)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Regest: Battenberg, Isenb. Urk. 1, S. 105 Nr. 383.
  3. Klaus D. Rack, Monica Kingreen, Dirk Richhardt: Fern der Heimat unter Zwang : der „Einsatz fremdländischer Arbeitskräfte“ während des Zweiten Weltkriegs in der Wetterau, Geschichtsverein für Butzbach und Umgebung, Butzbach 2004 S. 112-114, ISBN=3-9802328-8-3
  4.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 352 und 353.
  5. Kommunalwahlen 2011 in Hessen. Abgerufen am 16. April 2011.
  6. Freddy Kammer ist neuer Bürgermeister von Hirzenhain. In: Kreis-Anzeiger. Verlag Wetterau und Vogelsberg GmbH. September 29, 2008. Abgerufen am 11. November 2008.
  7. Staatsanzeiger für das Land Hessen 1969 Amtsblatt Nr. 38 Seite 1618

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Hirzenhain – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien