Histoire du Soldat

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Histoire du soldat (L’Histoire du soldat, lue, jouée et dansée, dt. „Die Geschichte vom Soldaten“, 1917) ist ein Musiktheater-Werk für kleines Ensemble, das der russische Komponist Igor Strawinsky in Zusammenarbeit mit dem Waadtländer Dichter Charles-Ferdinand Ramuz schuf.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Werk wurde geschrieben für eine Wanderbühne, bestehend aus einem Vorleser, zwei Schauspielern, einer Tänzerin und sieben Musikern. Für den Theatertext benutzte Ramuz zwei Geschichten aus einer Sammlung russischer Märchen von Alexander Afanassjew. Der Text wird teils in Gedichtform vom Vorleser zusammen mit der Musik rhythmisch deklamiert, teils vom Vorleser und den Schauspielern (Soldat, Teufel) als Drama gesprochen (wobei der Vorleser meist noch in Reimen und der Teufel nur im Dialog mit dem Soldaten spricht).

Die erste deutsche Nachdichtung (Die Geschichte vom Soldaten) stammt von Hans Reinhart, dem Bruder des Winterthurer Musikmäzens Werner Reinhart, der die Uraufführung des Werkes (am 28. September 1918 im Théâtre Municipal de Lausanne unter der Leitung von Ernest Ansermet) ermöglichte und dem dieses Werk auch gewidmet ist.

1919 bearbeitete Strawinsky fünf Sätze von Histoire du soldat für Geige, Klarinette und Klavier, die unter dem Titel Suite from ‚The Soldier’s Tale‘ erschienen.

Inhalt[Bearbeiten]

Ein Soldat tauscht mit dem Teufel seine Geige gegen ein Buch, das große Reichtümer verspricht. Auch muss er dem Teufel binnen drei Tagen das Geigenspiel beibringen. In Wahrheit vergehen jedoch drei Jahre, so dass der Soldat als fahnenflüchtig gilt. Wieder zu Hause angelangt, wird er nicht mehr erkannt, und seine Braut ist verheiratet. Mit Hilfe des Buches wird er ein reicher Kaufmann, doch das Geld macht ihn nicht glücklich. Stattdessen wünscht er sich, durch sein Geigenspiel die kranke Prinzessin zu heilen. Bei einem verlorenen Kartenspiel mit dem betrunkenen Teufel bekommt er zwar die Geige wieder, doch dafür darf er seine Heimat nicht mehr betreten. Als er es tut, wird er vom Teufel bereits erwartet. Wieder im Besitz seiner Geige, heilt er durch sein Spiel die Prinzessin, und sie werden ein Paar. Ob der Soldat am Ende dem Teufel in sein Reich folgt, bleibt offen.

Die Moral dieses einfachen Märchens ist:

„Man soll zu dem, was man besitzt, begehren nicht, was früher war. Man kann zugleich nicht der sein, der man ist und der man war. Man kann nicht alles haben. Was war, kehrt nicht zurück.“

Aufnahmen[Bearbeiten]

Buchausgaben[Bearbeiten]

  • Die Geschichte vom Soldaten. Gelesen, gespielt und getanzt. In 2 Teilen. Freie Nachdichtung von Hans Reinhart. Musik von Igor Strawinsky. Lesezirkel Hottingen, Zürich 1924; ergänzt um 9 Holzschnitte von Frans Masereel: Oprecht, Zürich 1951
  • Die Geschichte vom Soldaten. Unter Benutzung der freien Nachdichtung von Hans Reinhart aufgrund der letzten Fassung des französischen Originaltextes neu ins Deutsche übertragen von Hans Rudolf Hilty und Erich Holliger. Tschudy, St. Gallen 1961
  • L’histoire du Soldat / Die Geschichte vom Soldaten. Decors et costumes / Bühnenbilder und Kostüme. Mit Bühnenentwürfen von Fritz Wotruba. Erker, St. Gallen 1979
  • Histoire du soldat. Die Geschichte vom Soldaten. Zweisprachige Ausgabe nach der letzten von Ramuz bereinigten Fassung aus dem Jahre 1946, erstmals übersetzt von Mani Matter. Edition Lesabéndio, Bern 1991, ISBN 3-905498-00-6. Neuauflage beim Zytglogge-Verlag, Oberhofen 2012, ISBN 978-3-7296-0844-3

Literatur[Bearbeiten]

  • Joël Aguet: Histoire du Soldat. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz – Dictionnaire du théâtre en Suisse. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 849. (französisch)
  • Werner Krützfeldt: Die Geschichte vom Soldaten. Analyse und Interpretation. Junker, Altenmedingen 2000, ISBN 3-928783-88-2 (= Oper & Theater für alle, Band 8)
  • Peter Loeffler: Die Geschichte vom Soldaten. Das Profil der Uraufführung in Lausanne im September 1918. Birkhäuser, Basel 1994, ISBN 3-7643-2958-0
  • Andreas Traub: Strawinsky. L’histoire du Soldat. Fink, München 1981, ISBN 3-7705-1738-5 (= Meisterwerke der Musik, Heft 22)
  • Matthias Theodor Vogt: Die Genese der „Histoire du soldat“ von Charles-Ferdinand Ramuz, Igor Strawinsky und René Auberjonois. Diss. TU Berlin 1989
  • Richard Taruskin: Stravinsky and the Russian Traditions. A Biography of the Works through Mavra. University of California Press, Los Angeles 1996.
  • Alexander N. Afanasjew: Russische Volksmärchen - Gesamtausgabe. DTV klassik, Frankfurt am Main 1985

Weblinks[Bearbeiten]