Historisch-Technisches Museum Peenemünde

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Historisch-Technisches Museum Peenemünde
Kraftwerk Peenemuende 2.jpg
Ausstellungsgebäude Kraftwerk Peenemünde
Daten
Ort Peenemünde, Deutschland
Art Technik- und Militärmuseum
Eröffnung 1991
Betreiber Historisch-Technisches Museum Peenemünde GmbH
Website www.peenemuende.de
A4-Modell (HTM Peenemünde)

Das Historisch-Technische Museum Peenemünde (HTM) ist ein seit 1991 in der Bunkerwarte und dem Areal des ehemaligen Kraftwerks in Peenemünde auf der Insel Usedom im Osten des Landes Mecklenburg-Vorpommern befindliches Museum, das sich mit der Geschichte der Heeresversuchsanstalt Peenemünde (HVA) und der Erprobungsstelle der Luftwaffe „Peenemünde-West“, insbesondere der dort zwischen 1936 und 1945 entwickelten Raketen und anderen Flugkörpern befasst. Seit Januar 2007 ist das Informationszentrum ein Ankerpunkt der Europäischen Route der Industriekultur (ERIH), einem europaweiten Netzwerk von Industriedenkmälern, und damit Teil der ERIH-Themenrouten Energie sowie Transport & Kommunikation.

Von der Eröffnung des Museums bis zum Jahr 2011 haben mehr als 4,6 Millionen Besucher die Ausstellung besichtigt,[1] darunter viele Schulklassen. In die Sanierung und den Ausbau wurden bisher rund 6,5 Millionen Euro investiert, weitere 3,9 Millionen Euro sind vorgesehen. Das HTM erhielt 2002 das Nagelkreuz von Coventry.

Ausstellung[Bearbeiten]

Die Ausstellung im Kraftwerk ist in erster Linie eine historische Ausstellung, in welcher neben der Technikgeschichte auch das Andenken der Opfer seinen Platz findet. Die Besucher werden anhand von Exponaten, Dokumenten und Filmen darüber informiert, welch verhängnisvollen Pakt die Raketenbauer und ihr technischer Leiter Wernher von Braun mit den damaligen Machthabern eingingen.

Aufbauend auf den technischen Erfahrungen aus Peenemünde konnten Wernher von Braun und viele der vormaligen Mitarbeiter aus Peenemünde Mitte der 1960er-Jahre für die NASA die Saturn-V-Rakete für den Flug zum Mond konstruieren. Der Auftrag für die damaligen Raketenbauer war jedoch in HVA die Entwicklung von Kriegswaffen. Die Wirkung der „Wunderwaffen“ wird dem Besucher anhand eindrucksvoller Filme gezeigt.

Der Wissensschatz aus der HVA bildeten auch die Grundlage zur Entwicklung der Atomraketen bei den Siegermächten. Laut Unterlagen in der Ausstellung waren daran in den Ländern USA, UdSSR, Großbritannien und Frankreich (Force de frappe) auch Peenemünder Fachleute beteiligt.

Peenemünde, Kapelle 2008

Im Rahmen einer ausführlichen Chronik der Versuchsanstalt werden auch die Situation und die Arbeitsbedingungen der Zwangsarbeiter in Peenemünde beleuchtet. Ausführlich wird auch der KZ-Häftlinge gedacht, die auch in Bayern sowie in Österreich unter unmenschlichen Bedingungen die „Wunderwaffen“ montierten.

In der Kapelle Peenemünde aus dem Jahr 1876 neben dem Gelände wird aller Opfer in Peenemünde gedacht. Ab 1936 befand sich die Kapelle im militärischen Sperrgebiet, nicht mehr genutzt und dem Verfall preisgegeben, in den 1990er-Jahren abgetragen, wurde sie anschließend originalgetreu wiederaufgebaut.

Schaustücke im Freigelände[Bearbeiten]

Besondere Schaustücke sind der Nachbau der Fieseler Fi 103 und der A4-Rakete im Freiareal des Museums.

Einige Exponate im Historisch-Technischen Museum:

Informationstafeln auf dem Peenemünder Haken[Bearbeiten]

Gedenktafel, Himmel und Hölle, Ostseestraße

Verteilt über den gesamten Peenemünder Haken betreibt das HTM eine Vielzahl von Informationstafeln an historischen Orten, die mit der Heeresversuchsanstalt und der Erprobungsstelle der Luftwaffe in Verbindung stehen. Darunter befinden sich unter anderem das Sauerstoffwerk II, zwei ehemalige Zwangsarbeiterlager und ein Haltepunkt der ehemaligen Peenemünder Werksbahn. Die gezeigten Objekte und Gelände sind zumeist frei begehbar und oft unscheinbar. Einige wurden in Zusammenarbeit mit Jugendlichen freigelegt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Bernd Kuhlmann: Peenemünde – Das Raketenzentrum und seine Werkbahn. GVE-Verlag, Berlin, 2. Auflage 2003, ISBN 3-89218-081-4.
  • Johannes Erichsen, Bernhard M. Hoppe (Hg.): Peenemünde – Mythos und Geschichte der Rakete 1923–1989. Katalog des Museums Peenemünde. Nicolai-Verlag, Berlin 2004.
  • Volkhard Bode, Christian Thiel: Raketenspuren – Peenemünde 1936–2004. Eine historische Reportage (Mit aktuellen Fotos von Christian Thiel). Links-Verlag, Berlin 2004, ISBN 3-86153-345-6.
  • Thomas Stamm-Kuhlmann: Raketenrüstung und internationale Sicherheit von 1942 bis heute (= Historische Mitteilungen Im Auftrage der Ranke-Gesellschaft, Bd. 56). Wiesbaden 2004.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Historisch-technisches Museum Peenemünde – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.peenemuende.de/fileadmin/user_upload/Allgemeine_Pressemappe_HTM_Peenemuende_2011.pdf Allgemeine Presseinformation auf www.peenemuende.de

54.13777777777813.768888888889Koordinaten: 54° 8′ 16″ N, 13° 46′ 8″ O