Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

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Die Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften wurde 1858 auf Initiative des Historikers Leopold von Ranke vom bayerischen König Maximilian II. gegründet. Sie ist einerseits eine Gelehrtengesellschaft, eine Akademie für deutsche Geschichte – so Ranke –, andererseits mit derzeit 26 wissenschaftlichen Mitarbeitern in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine der größten außeruniversitären historischen Forschungseinrichtungen der Bundesrepublik Deutschland. Von 1997 bis 2012 war Lothar Gall Präsident der Historischen Kommission. Am 7. März 2012 hat die Kommission, der derzeit 43 Mitglieder angehören, Gerrit Walther für die nächsten fünf Jahre zu ihrem Präsidenten gewählt.

Aufgaben und Ziele[Bearbeiten]

Im Mittelpunkt der Kommissionsarbeit stehen seit den Anfängen qualitativ hochwertige Quelleneditionen. Das Spektrum der rund 650 Veröffentlichungen reicht vom Spätmittelalter bis zur Zeitgeschichte[1]. Dazu zählen zentrale Editionen wie die Deutschen Reichstagsakten, die Deutschen Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts, die Akten der Reichskanzlei, Regierung Hitler 1933–1945 oder das maßgebliche historisch-biographische Lexikon des deutschen Sprachraums, die Neue Deutsche Biographie.

Die Kommission verfolgt ein ambitioniertes Digitalisierungsprogramm mit dem Ziel, aus Hunderten von Quelleneditionen und ihren diversen biographischen Angeboten wie der Neuen Deutschen Biographie (NDB), der Allgemeinen Deutschen Biographie (ADB) oder dem Repertorium Academicum Germanicum (RAG), einer Datenbank der Gelehrten des Alten Reiches (1250–1550), ein wissenschaftliches, vernetztes Gesamtangebot zu schaffen, das alle ihre Arbeitsgebiete für Forschung und Lehre weltweit und benutzerfreundlich zugänglich macht. 2007 ging mit den Akten der Reichskanzlei die zentrale Quellenedition zur Geschichte der Weimarer Republik online.

Gemeinsam mit der Bayerischen Staatsbibliothek, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Stiftung Historisches Lexikon der Schweiz betreut die Historische Kommission seit Juli 2009 das Biographie-Portal.

Abteilungen[Bearbeiten]

laufend[Bearbeiten]

  • Deutsche Reichstagsakten (ab 1858, geteilt in Ältere, Mittlere und Neuere Reihe sowie Reichsversammlungen)
  • Repertorium Academicum Germanicum 1250–1550 (ab 2000)
  • Deutsche Handelsakten des Mittelalters und der Neuzeit (ab 1913)
  • Die Wahlkapitulationen der römisch-deutschen Könige 1519–1792
  • Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges
  • Deutsche Geschichtsquellen des 19. und 20. Jahrhunderts (ab 1917)
  • Forschungen zur deutschen Sozialgeschichte (ab 1962)
  • Die Protokolle des Bayerischen Staatsrats 1799–1817 (ab 2000)[2]
  • Quellen zu den Reformen in den Rheinbundstaaten (ab 1982)
  • Quellen zur Geschichte des Deutschen Zollvereins (1834–1865)
  • Quellen zur Geschichte des Deutschen Bundes (ab 1988)
  • Akten der Reichskanzlei. Regierung Hitler 1933–1945 (ab 1976)
  • Die Protokolle des Bayerischen Ministerrats 1945–1954 (ab 1991)
  • Rheinischer Kapitalismus: Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in der Bonner Republik 1949–1990
  • Neue Deutsche Biographie (ab 1950)

abgeschlossen[Bearbeiten]

  • Jahrbücher der Deutschen Geschichte (1858–2002)
  • Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis in’s 16. Jahrhundert (1862–1968)
  • Hanserecesse (1859–1897)
  • Die Urkunden und Akten der oberdeutschen Städtebünde (1650–2005)
  • Pfalzgeschichte (1862–1888)
  • Quellen und Erörterungen zur bayerischen und deutschen Geschichte (1860–1864, Neue Folge 1899–1915)
  • Geschichte der Wissenschaften in Deutschland (1864–1952)
  • Volkslieder (1865–1913)
  • Deutsche und ostmitteleuropäische Europa-Pläne des 19. und 20. Jahrhunderts (2000–2005)
  • Leopold von Ranke: Aus Werk und Nachlaß (1959–1980)
  • Dokumentation der deutsch-französischen Beziehungen 1949–1963 (1990–1999)
  • Forschungsverbund „Historische Innovationsforschung“ (2000–2005)
  • Allgemeine Deutsche Biographie (1875–1912)

Archiv[Bearbeiten]

Das Archiv der Historischen Kommission (ca. 6 lfm.) dokumentiert das Wirken dieser – so Leopold von Ranke – „Akademie der deutschen Geschichtswissenschaft“ von ihrer Gründung durch Statut des bayerischen Königs Maximilian II. vom 26. November 1858 bis zum Jahr 1961, in dem die Kommission ihre 86. Plenarversammlung in München abhielt. Das Material stellt eine erstrangige Quelle für die historiographische Forschung in Deutschland, Österreich und der Schweiz dar. Ein Findbuch [3] mit ausführlichem Personen-, Institutionen- und Sachregister (139 S. und 336 Nummern) erschließt den Bestand.

Literatur[Bearbeiten]

  • Lothar Gall (Hg.): »... für deutsche Geschichts- und Quellenforschung«. 150 Jahre Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2008, ISBN 978-3-486-58286-4.
  • Helmut Neuhaus: 150 Jahre Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Eine Chronik von Helmut Neuhaus. Historische Kommission, München 2008, ISBN 978-3-929691-12-2.
  • Akademie Aktuell, Heft 25, 2/2008 (Sonderheft zu 150 Jahre Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, PDF, 5,06 MB)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schriftenübersicht der Historische Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften
  2. Bd. 1 1799–1801, Bd. 2 1802–1807
  3. Archivfindbuch der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (PDF-Datei; 512 kB)

Weblinks[Bearbeiten]