Historisches Präsens

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Als historisches Präsens (lat. praesens historicum, auch narratives Präsens) wird die Verwendung des Präsens in Erzählungen von Vergangenem – vor allem in historischen Chroniken – bezeichnet.

Verwendung[Bearbeiten]

Die Verwendung des historischen Präsens ist eine Möglichkeit, dem Zuhörer oder Leser die Geschichtsdaten nahezubringen. Der Leser soll durch die Verwendung des historischen Präsens die geschichtlichen Ereignisse besser nachvollziehen können, ebenso können wichtige punktuelle Ereignisse im historischen Präsens beschrieben werden. Es wird gelegentlich in Geschichtsbüchern, geschichtlichen Zusammenfassungen und Zeittafeln verwendet. Oft werden auch Zitate mit dem historischen Präsens eingeleitet.

Kritik[Bearbeiten]

In der Geschichtswissenschaft wird jedoch die Verwendung des historischen Präsens nicht empfohlen. Die gebräuchliche Zeitform der historischen Darstellung ist das Präteritum. Präsensformen werden nur in argumentierenden Passagen, etwa zur Auseinandersetzung mit einer Quelle oder der Fachliteratur, verwendet. Das in eher trivialeren Darstellungen beliebte Stilmittel des Tempuswechsels zum Präsens, „wenn es spannend wird“, wirkt im fachwissenschaftlichen Kontext verwirrend – nicht zuletzt, weil es eine nicht vorhandene Nähe suggeriert – und sollte deshalb vermieden werden.[1]

Beispiele[Bearbeiten]

  • Im Jahr 800 wird Karl der Große gekrönt.
  • Konfuzius sagt: „…“
  • Am 15. April 1912 um 2:20 Uhr sinkt die Titanic auf 41° 46′ N 50° 14′ W.
  • Ein Dach ist gestern schneebedeckt. [Etwa als Bildlegende in einer Zeitung.]

Siehe auch[Bearbeiten]

Grammatik, Deutsche Tempusformen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Peter Borowsky, Barbara Vogel, Heide Wunder: Einführung in die Geschichtswissenschaft I, 5. Aufl., Opladen 1989, S. 185f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: historisches Präsens – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen