Hitlers Zweites Buch

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Hitlers Zweites Buch ist ein zu Lebzeiten unveröffentlichtes Manuskript Adolf Hitlers, das 1928 entstand. Es handelt sich um einen Entwurf für eine Fortsetzung von Mein Kampf, in dem Hitler sich zum Teil mit neuen Themen befasst.

Geschichte[Bearbeiten]

Nach dem enttäuschenden Abschneiden der NSDAP bei der Reichstagswahl 1928 war Hitler der Meinung, Grund für diesen Misserfolg sei das unzureichende Verständnis seiner Ideen auf Seiten der Öffentlichkeit gewesen. Er zog sich nach München zurück, um eine Fortsetzung von Mein Kampf zu diktieren, in der es vor allem um außenpolitische Fragen gehen sollte. Grundlage war nach wie vor die Weltanschauung von Mein Kampf, aus der Hitler schloss, es würde um 1980 zu einem Endkampf um die Weltherrschaft zwischen den Vereinigten Staaten und den verbündeten Streitkräften von Großdeutschland und dem britischen Empire kommen.

Die Ursprünge des Zweiten Buches lassen sich auf eine der Hauptfragen der Reichstagswahl 1928 zurückverfolgen. In Südtirol, das nach dem Ersten Weltkrieg unter italienische Herrschaft kam, hatte die faschistische Regierung Benito Mussolinis eine Politik der zwangsweisen „Italienisierung“ gegen den Willen der deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit angeordnet. In den Reichstagswahlen 1928 vertrat der Vorsitzende der DVP, Außenminister Gustav Stresemann, die Ansicht, dass mit einer deutlichen (diplomatischen) Abwehrhaltung gegen die Politik der Italienisierung Wählerstimmen zu gewinnen seien. Diese Ansicht teilten mit einer Ausnahme alle politischen Parteien, und sie folgten dem Vorbild Stresemanns, indem sie versuchten, sich mit möglichst starken Verurteilungen der Behandlung der Südtiroler durch Mussolinis Regierung zu überbieten. Die eine Ausnahme bildeten die Nationalsozialisten. Hitler bekannte öffentlich, dass Deutschland Italien als Bündnispartner benötige und die deutsche Regierung dementsprechend zur Tirolfrage keine Stellung beziehen sollte. Hierfür wurde Hitler von den anderen Parteien scharf verurteilt. Selbst in der Führung der eigenen Partei fanden sich viele, die Schwierigkeiten mit Hitlers Position hatten. Das Zweite Buch sollte zunächst Hitlers Meinung erläutern, der zufolge Deutschland nicht die Vertretung der deutschsprachigen Bevölkerung Südtirols übernehmen sollte. Er hielt Mussolini für einen der größten Staatsmänner der Welt und glaubte, dass eine Freundschaft mit ihm auch die Preisgabe der Volksdeutschen Südtirols wert wäre.

Außerdem kritisierte Hitler Stresemann für sein Ziel, Deutschland wieder in den status quo von Anfang 1914 zurückzuführen. Hitler zufolge waren die bloße Revision der Versailler Verträge und die Wiederherstellung der Grenzen von 1914 Probleme zweiten Ranges. Im Zweiten Buch legt Hitler seine Ansicht dar, dass Deutschlands drängendstes Problem der fehlende „Lebensraum“ des deutschen Volkes sei. Für Hitler war ausreichender „Lebensraum“ eine Grundbedingung nationaler Größe. Im Zweiten Buch verkündete Hitler, dass die Befreiung von den „Fesseln“ von Versailles nur der erste Schritt einer nationalsozialistischen Außenpolitik sein könne, deren vorrangiges und letztendliches Ziel sein müsse, auf russischem Territorium neuen Lebensraum zu erobern (vgl. Nationalsozialistische Europapläne).

Nur zwei Exemplare des ursprünglich rund 200 Seiten umfassenden Manuskripts wurden angefertigt. Das Zweite Buch wurde 1928 nicht veröffentlicht, weil der Verkauf von Mein Kampf schleppend verlief und der Verlag, Franz Eher Nachf., Hitler wissen ließ, dass eine weitere Buchveröffentlichung zu diesem Zeitpunkt den Verkauf eher noch behindern würde.[1] Als der Verkauf von Mein Kampf infolge der Reichstagswahl 1930 wieder anstieg, befand Hitler, dass das Zweite Buch zu viele seiner außenpolitischen Absichten verrate. Auf Hitlers Befehl streng geheim gehalten, wurde das Manuskript ab 1935 in einem Luftschutzbunker aufbewahrt, wo es bis zu seiner Entdeckung 1945 durch einen amerikanischen Offizier verblieb. Für die Echtheit des Buches bürgten Josef Berg, ein ehemaliger Angestellter des Nazi-eigenen Eher-Verlags, sowie Telford Taylor, ehemaliger Brigadegeneral der US Army und Hauptankläger bei den Nürnberger Prozessen. Die Wiederentdeckung des zu Lebzeiten Hitlers unveröffentlichten (und ohne Titel verbliebenen) Buches erfolgte 1958 in den in die USA verbrachten Nazi-Archiven durch den in Deutschland geborenen jüdischen amerikanischen Historiker Gerhard Weinberg. Da er in den USA keinen Verlag finden konnte, wandte sich Weinberg an seinen Mentor Hans Rothfels und dessen Mitarbeiter Martin Broszat am Institut für Zeitgeschichte in München, die das Buch 1961 veröffentlichten. Der über die Entdeckung seines Zöglings hocherfreute Rothfels trug das Vorwort bei. Bereits 1962 erschien jedoch eine nicht genehmigte englische Übersetzung in New York. Die erste autorisierte Übersetzung erschien 2003.

Inhalt[Bearbeiten]

Lebensraum[Bearbeiten]

In den ersten beiden Kapiteln verkündet Hitler die Eroberung von Lebensraum als zentrales Motiv der nationalsozialistischen Bewegung und gibt dafür eine weitreichende Begründung ab.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist der „Kampf um das tägliche Brot“ als Grundlage der menschlichen Gesellschaft. Daraus entwickelt er seinen zentralen Gedanken von der Übereinstimmung zwischen der Bevölkerungszahl und der Größe des Lebensraumes eines Volkes. Steht dies in einem Missverhältnis, so setzt Degeneration und Niedergang eines Volkes ein. Den Kampf um ausreichenden Lebensraum erhebt er zu einem zentralem Grundprinzip der menschlichen Geschichte. Dieser Kampf kann für Hitler nur militärisch ausgefochten werden.

Als Alternativen zum Kampf um Lebensraum sieht er Geburtenkontrolle, Auswanderung um die Bevölkerungszahl zu senken, die Steigerung der Lebensmittelproduktion und den Export, um die Nahrungsmittel kaufen zu können.

All diese Alternativen verwirft er im Weiteren. Geburtenkontrolle und Auswanderung lehnt er als Schwächung des Volkes ab. Die Steigerung der Lebensmittelproduktion erklärt er für nicht ausreichend durchführbar. Den Export verwirft er, da er zu einem verschärften Kampf um Absatzmärkte mit anderen Nationen führt, und daher nur in die Situation führen könne, in der Deutschland 1914 stand. Auf diese Überlegungen kommt Hitler in den weiteren Kapiteln zurück und wiederholt sie mehrfach.

Außenpolitik[Bearbeiten]

In den weiteren Kapiteln entwickelt Hitler seine Gedanken zur künftigen nationalsozialistischen Außenpolitik, die dem Kampf um Lebensraum dient. Wie in Mein Kampf erklärt Hitler auch im Zweiten Buch die Juden zu seinen und des deutschen Volkes ewigen und gefährlichsten Gegnern und umreißt seinen politischen „Stufenplan“. Dieser Begriff wurde allerdings nie von Hitler selbst verwendet, sondern vom Historiker Andreas Hillgruber in seinem Buch Hitlers Strategie (1965) geprägt. Der „Stufenplan“ enthält drei Stufen, deren erste die Revision von Versailles sowie Bündnisse mit dem faschistischen Italien und dem britischen Weltreich sein sollten. In der zweiten sollten, im Bündnis mit Italien und Großbritannien, Frankreich und dessen etwaige Verbündete in Mittel- und Osteuropa – die Tschechoslowakei, Polen, Rumänien und Jugoslawien – in einer Reihe von Blitzkriegen niedergeworfen werden. Die dritte Stufe schließlich würde ein Krieg zur Auslöschung der von Hitler als „jüdisch-bolschewistisch“ bezeichneten Sowjetunion sein.

Im Vergleich zu Mein Kampf erweitert Hitler im Zweiten Buch den „Stufenplan“ um eine vierte Stufe. War zuvor noch die Sowjetunion der internationale Hauptfeind Hitlers gewesen, so lässt Hitler dies jetzt zwar noch mittelfristig gelten, sieht aber zugleich auf lange Sicht die Auseinandersetzung mit den USA als gefährlichstem Gegner als unabwendbar an. Dieser „Endkampf“ würde, wie eingangs geschildert, um 1980 herum stattfinden. Zwischen 1924 und 1928 hatten Hitlers Ansichten über Amerika also eine tiefgreifende Veränderung erfahren.

In Mein Kampf hatte Hitler die USA nur gelegentlich und auch nur mit Geringschätzung erwähnt. Sie galten ihm als „rassisch verkommene“ Gesellschaft, die dem Untergang entgegensehe. Dagegen beschreibt Hitler im Zweiten Buch die Vereinigten Staaten als eine dynamische, „rassisch erfolgreiche“ Gesellschaft, die Eugenik und Rassentrennung praktiziere und eine vorbildliche Einwanderungspolitik auf Kosten „minderwertiger“ Einwanderer aus Süd- und Osteuropa betreibe. Woher dieser Wandel in Hitlers Einstellung zwischen 1924 und 1928 rühren mag, ist unbekannt. Historiker haben darauf hingewiesen, dass Hitler über die Welt außerhalb Deutschlands notorisch schlecht informiert war und zu Zeiten der Niederschrift von Mein Kampf (1924) wohl kaum etwas über die USA gewusst hat. Seinem eigenen Zeugnis nach hatte Hitler sein Wissen über Amerika vor allem aus den Westernromanen Karl Mays bezogen. Dies scheint sich bis 1928 geändert zu haben; Hitler wird von Wohlstand und Industrialisierung in den USA ebenso gehört haben wie vom Einwanderungsgesetz von 1924, der Rassentrennung und davon, dass mehrere Bundesstaaten Eugenikbehörden hatten und die Zwangssterilisierung vermeintlich geistig zurückgebliebener Menschen praktizierten. Hitler erklärte seine Bewunderung für solche Maßnahmen sowie seinen Wunsch, Deutschland möge eine ähnliche Politik in größerem Maßstab betreiben.

Unter allen potenziellen Gegnern galten Hitler die USA als der gefährlichste. Dagegen betrachtete er die Engländer als eine „arische Bruderrasse“, die sich - im Gegenzug für Deutschlands Verzicht auf Flotten- und Kolonialpolitik - mit Deutschland verbünden würde. Frankreich würde sich selbst durch Mischung mit fremden Völkern schwächen. Was die Sowjetunion angeht, tat Hitler das russische Volk als slawische „Untermenschen“ ab, die zu jeglicher geistigen Leistung unfähig seien. Dazu passt auch Hitlers Ansicht, die sowjetische Regierung bestünde aus blutrünstigen, aber unfähigen jüdischen Revolutionären. Die Mehrheit der US-Amerikaner dagegen seien „Arier“, obschon laut Hitler von einer jüdischen Plutokratie regiert. Es war allerdings genau diese Kombination „arischer Macht“ mit „jüdischer Regierung“, welche die USA Hitler so gefährlich erscheinen ließen.

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Vgl. Adam Tooze (2007): The Wages of Destruction - The Making & Breaking of the Nazi Economy. London. S. 13.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hitlers Zweites Buch. Ein Dokument aus dem Jahr 1928, hg. von Gerhard L. Weinberg, mit einem Geleitwort von Hans Rothfels. Stuttgart: DVA, 1961 (Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte, Bd. 7).
  • Hitler’s Secret Book. Introduced by Telford Taylor. Translated by Salvator Attanasio. New York: Grove Press, 1962.
  • Hitler's Second Book: The Unpublished Sequel to Mein Kampf edited by Gerhard L. Weinberg, (2003). New York: Enigma Books. ISBN 1-929631-16-2
  • Außenpolitische Standortbestimmung nach der Reichstagswahl Juni - Juli 1928. Eingeleitet von Gerhard L. Weinberg. Herausgegeben und kommentiert von Gerhard L. Weinberg, Christian Hartmann und Klaus A. Lankheit, (Hitler. Reden, Schriften, Anordnungen), München 1995. ISBN 3-598-22004-9

Weblinks[Bearbeiten]