Hobokocher

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Klassischer Hobokocher, angefertigt aus einer Konservendose,
mit aufgesetztem Kochtopf

Ein Hobokocher, auch Hobo-Ofen, ist eine Feuer- bzw. Kochstelle, die nach dem Kamineffekt funktioniert. Er ist benannt nach den Hobos, nordamerikanischen Wanderarbeitern, vor allem während der Großen Depression, denen er als Herd und Heizung diente. Heute wird die Bezeichnung oft auch für industriell gefertigte Trekking-Holzkocher verwendet, die nach demselben Prinzip arbeiten.

Im einfachsten Fall lässt sich ein Hobokocher aus einer leeren Konservendose improvisieren.

Die althergebrachte Methode, einen Topf auf drei Steine zu stellen und dazwischen ein Feuer zu entfachen, ist ineffizient, denn nur ein geringer Teil der Wärme erhitzt den Topf. Der Hobokocher nutzt diese Energie effizienter.

Aufbau und Funktion[Bearbeiten]

Konvektion im Hobokocher (Schnittdarstellung)
Variante eines Hobokochers aus zwei Konservendosen sowie mit dem Schutzgitter eines PC-Ventilators als Grillrost (zwischen den beiden Dosen). Am Rand der oberen Dose eine Aluminium-Griffzange.

Ein Hobokocher besteht stets aus einem hohen, unten offenen Metallgefäß, das als Brennraum und Topfträger dient. Im unteren Teil des Gefäßes befinden sich Löcher, über die dank des Kamineffekts Luft angesaugt wird. Der Kocher ist am wirkungsvollsten, wenn sich der Brennstoff auf einem Rost aus Draht oder gelochtem Blech befindet. Ansonsten liegt der Brennstoff einfach auf dem Boden, auf dem auch der Kocher steht. Rauch und Abgase verlassen das Gefäß über eine oder mehrere Abzugsöffnungen am oberen Rand. In der Regel ist der Hobokocher oben offen und erhitzt ein aufgestelltes Kochgefäß. Vom improvisierten Konservendosenkocher sind aber auch Varianten bekannt, bei denen der Boden der kopfstehenden Dose direkt als Garfläche dient.

Durch die Metallwandungen des Kochers wird die Strahlungswärme eines darin betriebenen Feuers konzentriert; gleichzeitig führt der Kamineffekt zu einer hohen Luftzufuhr. Im Hobokocher verbrennen daher schon kleine Mengen Brennmaterials effizient, das heißt vollständig und bei hoher Temperatur. Leistungsangaben für kleine Hobokocher liegen meist deutlich über den Werten von tragbaren Spirituskochern, aber unter denen von Gas- oder Benzinkochern. Wie bei allen offenen Kochern kann Wind die Leistung stark verringern.

Typische Brennmaterialien sind am Boden gefundenes Astholz, Reisig, Zapfen, brennbare Abfälle. Selbst feuchtes oder morsches Holz kann zugegeben werden. Außerhalb von Wüsten und Hochgebirgen ist Brennstoff praktisch überall verfügbar. Hobokocher mit geschlossenem Boden oder einem entsprechenden Einsatz können auch mit Flüssigbrennstoffen betrieben werden. Um der Gefahr von Stichflammen und Verpuffungen zu begegnen, wird empfohlen, stark flüchtige Brennstoffe wie Spiritus oder Benzin in einer Schicht aus Sand zu binden.

Einige Hobokocher funktionieren nach dem Prinzip der Holzvergasung.

Moderne Hobokocher[Bearbeiten]

Im Zuge des Outdoor-Booms wurden auch kommerziell angebotene Varianten des ursprünglichen Selbstbaukochers populär. Sie sind meist falt- oder zerlegbar und aus rostfreiem Stahlblech. Besonders kompakte Ausführungen sind zum Rucksack-Trekking geeignet, Holzöfen von Eimergröße sind Kanuwanderern und PKW-Reisenden vorbehalten.

Einsatz beim Trekking[Bearbeiten]

Faltbarer Trekking-Holzkocher (15 cm hoch)

Wie das offene Kochfeuer erspart ein Hobokocher auf Reisen vor allem das Mitführen von Brennstoff. Er braucht weniger und anspruchsloseres Brennmaterial bei gleichzeitig höherer Leistung. Hobokocher können daher interessant sein für Reisen

  • mit besonders langer Autonomie,
  • in Regionen mit mangelndem Angebot an käuflichen fossilen Brennstoffen,
  • mit ausgiebigem Kocherbetrieb (Schnee schmelzen, Trinkwassersterilisation, Heizung, Licht).

Typische Nachteile sind unter anderem

  • das oft hohe Gewicht zumindest käuflicher Kocher,
  • die meist durch Naturschutz- und Brandschutzvorschriften beschränkte Einsetzbarkeit,
  • die hartnäckige Verunreinigung von Kochgeschirr und anderer Ausrüstung durch Ruß und Rauch,
  • die Untauglichkeit in großen Höhen.
  • Gefahr durch Verbrennungsprodukte beim Einsatz im Zelt

Der Betrieb von Holzkochern in der Natur wird vereinzelt weniger streng gesehen als der eines klassischen Lagerfeuers, es gelten aber grundsätzlich dieselben Gefahren, dieselben Vorsichtsmaßnahmen und eine besondere Verantwortung des Betreibers. Der Naturschutz gebietet insbesondere, den Untergrund gegen Versengen zu schützen und Verbrennungsrückstände (Asche, Ruß) spurlos zu beseitigen. Wo knappes Totholz ein wertvolles Biotop darstellt oder Einheimischen als Brennstoff dient, sollte auf Holzfeuer verzichtet werden.

Einsatz in der Entwicklungshilfe[Bearbeiten]

Großer Hobokocher

In vielen Entwicklungsländern sind Kochfeuer noch stark verbreitet, zum Beispiel eine offene Feuerstelle mit drei Steinen, auf die der Topf oder Tonkrug platziert wird. Die geringe Energieeffizienz führt zu einem hohen Brennstoffverbrauch, was die Holzbestände gefährdet. Durch den Einsatz von Hobokochern, die aus Blechresten oder alten Fässern vor Ort gebaut werden können, kann der Holzeinschlag verringert werden. Außerdem kann die Gesundheitsgefährdung, die von dreckigen Öfen ausgeht, verringert werden.[1] Um diese Verhaltensänderung beim Kochen zu begleiten, werden Akzeptanzprogramme durchgeführt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Dasselbe Prinzip nutzt der Anzündkamin zum schnellen und einfachen Entzünden von Grillkohle. Die meisten Anzündkamine sind auch als Hobokocher verwendbar, allerdings auf Reisen etwas unhandlich.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Frisierte Windräder und aufgebohrte Öfen. In: Der Spiegel vom 18. Mai 2007, abgerufen am 7. August 2011
  2. Studie über traditionelle Kochverfahren in Burkina Faso (französisch; PDF; 615 kB)