Hochgebirgsjägerzug

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Hochgebirgsjägerzüge sind Spezialzüge der deutschen Gebirgsjägerbataillone 231 (Bad Reichenhall), 232 (Berchtesgaden), 233 (Mittenwald) sowie – bis zu deren Auflösung - 234 Mittenwald (1992) und 571 Schneeberg (2008). Hochgebirgsjäger qualifizieren sich durch hohe körperliche Fitness, Ausdauer und alpinistische sowie skiläuferische Fähigkeiten. Ihr Aufgabenspektrum geht über das gewöhnlicher Gebirgsjägereinheiten weit hinaus.

Der Hochgebirgsspähzug des Gebirgsaufklärungsbataillons 230 (Füssen), der vornehmlich Spähaufträge wahrnimmt, ist davon zu unterscheiden.

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Anwärter der Hochgebirgsjägerzüge müssen sich einem strengen Aufnahmetest unterziehen. Der zweitägige Test umfasst eine Konditions- (750 Höhenmeter pro Stunde Berggehen), eine Ski- und eine Kletterprüfung (5. Grad UIAA muss beherrscht werden) im alpinen Gelände und unter erschwerten Umständen. Erhöhte Anforderungen werden auch an die psychische Eignung gestellt. Durch dieses Auswahlverfahren stellen „Hochzügler“ – wie sie unter den Gebirgsjägern genannt werden – eine hochqualifizierte und homogene Truppe von Bergsoldaten dar.

Hochgebirgsjäger unterliegen als Sondereinheiten einer besonderen Ausbildung: Neben der militärischen Ausbildung wird unter anderem behelfsmäßige und planmäßige Bergrettung, Orientierung im Gelände und das Überleben im Felde ausgebildet. Außerdem werden ständig die alpinen Fähigkeiten geschult. Zur Verbesserung der Kondition bilden regelmäßige Bergläufe und Märsche einen wichtigen Teil des Dienstalltags.

Ein weiterer wichtiger Teil und das eigentliche Handwerkszeug des Hochgebirgsjägerzuges ist der Gefechtsdienst im Hochgebirge mit Angriff und Verteidigung sowie Aufklärung und Besondere Gefechtshandlungen wie Handstreich und Hinterhalt im Jagdkampf.

Aufbau[Bearbeiten]

In Friedenszeiten ist der Hochgebirgsjägerzug Teil der 1.  Stabs- und Versorgungskompanie der Gebirgsjägerbataillone.

Im Verteidigungsfall untersteht er direkt dem Befehl des Bataillonskommandeurs.

Zug- und Gruppenführer sind Heeresbergführer, der Zug ist wie ein Infanteriezug in drei Gruppen und Zugtrupp gegliedert.

Aufgaben[Bearbeiten]

Einsatzgebiete des Hochgebirgsjägerzugs sind militärisches Gefecht (sowohl Sommer- als auch Winterkampf im extremen, unwegsamen und steilen Gelände, in der Regel im Hochgebirge), das Herstellen von Seilsicherungsanlagen für nachfolgende Truppen, sowie die planmäßige und behelfsmäßige Bergrettung. Im Katastrophenfall unterstützen die Hochgebirgszüge die zivile Bergrettung.

Ausrüstung[Bearbeiten]

Die Hochgebirgsjägerzüge können zur Erfüllung ihrer speziellen Aufgaben auf ein breites Spektrum moderner Ausrüstung zurückgreifen. Neben der Standardwaffe G36 gehören eine vollständige Kletter-, Skitouren- und Eiskletterausrüstung zur Ausstattung, die damit wesentlich spezieller und umfangreicher ist als die gewöhnlicher Gebirgsjäger. Der Hochgebirgsjägerzug verfügt darüber hinaus unter anderem über spezielle Bergrettungsgeräte wie Lawinensonden, behelfsmäßige Skiverschraubung, Lawinenschaufeln, diverse Akias (z. B. UT2000). Als Transportfahrzeuge dienen der Unimog 406, das Hägglund BV 206 und der Wolf.

Kameradschaft[Bearbeiten]

Für die Soldaten der Hochgebirgszüge sind während der Ausbildung die Gefahren der Berge „real existierend“. Sie werden subjektiv wahrgenommen, auch wenn versucht wird, diese objektiv durch Überlegungen und Maßnahmen der Sicherung auf ein kalkulierbares Restrisiko zu reduzieren. Die Gefahren zwingen den einzelnen wie auch die jeweilige Gruppe zu besonderer geistiger und körperlicher Auseinandersetzung mit dieser feindlichen Umwelt. [1] Dabei bildet sich in den Hochgebirgszügen eine besonders intensive Kameradschaft heraus, die sich sowohl im Umgang zwischen Vorgesetzten und Untergebenen wie auch in einer engen Verbundenheit nach dem aktiven Dienst in der Bundeswehr zeigt.

Bild in den Medien[Bearbeiten]

Eine im Februar 2010 bekannt gewordene, beim Wehrbeauftragten des Bundestages, Reinhold Robbe, eingegangene Beschwerde eines ehemaligen Angehörigen des Mittenwalder Hochgebirgsjägerzuges, in der von Aufnahmeritualen und einer internen Hierarchie innerhalb der Mannschaftsdienstgrade berichtet wurde, sorgte für ein negatives Bild des Hochgebirgsjägerzuges in Medien und Bevölkerung. Eine Beschreibung dieser Rituale, u. a. das Essen roher Schweineleber, in Rollmöpsen eingewickelter Hefe und das Konsumieren von Alkohol bis zum Erbrechen, führte zu internen Ermittlungen. Dies hatte auch die vorübergehende Auflösung des Mittenwalder Hochgebirgsjägerzuges zur Folge. Der Zug wurde am 1. Oktober 2010 wieder aufgestellt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heckmair, Bernd, Michl, Werner, Erleben und Lernen, Einstieg in die Erlebnispädagogik, Neuwied; Kriftel; Berlin: Luchterhand, 1993 S. 40, ISBN 3-472-01526-8

Weblinks[Bearbeiten]