Leistungssport

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Glasmosaik „Sport“ von Eduard Bargheer neben dem Südeingang der HDI-Arena in Hannover.

Unter Leistungssport versteht man das intensive Ausüben eines Sports mit dem Ziel, im Wettkampf eine hohe Leistung zu erreichen. Der Leistungssport unterscheidet sich vom Breitensport insbesondere durch den wesentlich höheren Zeitaufwand (in der Regel tägliches Training) sowie die Fokussierung auf den sportlichen Erfolg.

Leistungssport – Hochleistungssport – Körperkultur[Bearbeiten]

Umgangssprachlich wird der Begriff Leistungssport oft mit Hochleistungssport (auch Spitzensport) gleichgesetzt. Wissenschaftlich versteht man unter Hochleistungssport jedoch Leistungssport, der mit dem ausdrücklichen Ziel betrieben wird, Spitzenleistungen im internationalen Maßstab zu erzielen. Die Ausübung des Hochleistungssports erfolgt in der Regel in einem von nationalen und internationalen Sportverbänden organisierten und strukturierten Wettkampfsystem. An der Spitze dieses Wettkampfsystems stehen Weltmeisterschaften und Weltcup-Serien sowie in vielen Sportarten die Olympischen Spiele.

Man kann nahezu alle Sportarten als Leistungssport betreiben. Allgemein wird Leistungssport nicht nur über die damit verbrachte Zeit (in der Regel tägliches Training), sondern auch die körperliche Anstrengung während des Trainings definiert.

Unterschiedliche Auffassungen gab und gibt es zur Einordnung einzelner Sportarten wie Boxen, Motorsport – insbesondere Formel-1-Rennen –, Schach oder Angeln in den Leistungssport bzw. Hochleistungssport. Die Liste dieser Beispiele ließe sich beliebig fortsetzen. Die Einschätzung ist abhängig von der Definition. Folgt man beispielsweise dem Gedanken, dass körperliche Anstrengung zu den notwendigen Merkmalen des Sports schlechthin gehöre, kann selbst intensiv betriebenes Angeln oder Schachspiel nicht zum Leistungssport gehören, auch wenn diese Form der sportlichen Betätigung einen ähnlichen Zeitaufwand erfordert.

Der Gedanke der körperlichen Anstrengung und Formung des Körpers war tragend für den veraltenden Begriff der Körperkultur. Danach würden sicher Sportarten wie Schach aus der Betrachtung fallen – gleichzeitig ist der Gedanke der Hoch- bzw. Höchstleistung nicht tragend. Auf der anderen Seite hat die wirtschaftliche Bedeutung des Leistungssports durch den Übergang vieler Sportarten zum Profisport sowie die intensive Vermarktung von Sport und Sportlern weiter zugenommen. Dabei geht die Vermarktung über die Nutzung des Sportlers als Werbeträger und die Verwendung der Ausübung des Sports als ästhetische Vorlage weit hinaus: Sportler, die über einen längeren Zeitraum in ihrer Sportart zur Leistungsspitze gehören, werden so aufgebaut, dass ihre Rolle als vorbildhafte Persönlichkeit ihre Werbewirksamkeit noch weiter erhöht. Oft werden sie auch als Repräsentanten der Sponsoren sowohl außerhalb des Wettkampfes als auch über ihre aktive Laufbahn hinaus tätig. Diese auch weiter wachsende wirtschaftliche Bedeutung des Sports wirkt bereits seit geraumer Zeit auf die gesamte Organisation des heutigen Sport- und Wettkampfsystems zurück.

Leistungsaufbau und Sportkarriere[Bearbeiten]

Allgemeines[Bearbeiten]

Es gibt im Leistungssport wichtige Punkte zu beachten, die bei allen Sportarten gleich sind und für alle Altersklassen gelten, wenn ein optimaler Trainingseffekt erreicht werden soll:

  • Die Ernährung erfolgt ausgewogen, nährstoffreich und dem Training gemäß gestaltet. Je nach Trainingsziel: Aufbau von Muskulatur, Superkompensation, unmittelbare Wettkampfvorbereitung usw. ist die Zusammensetzung variabel. (Siehe Sporternährung.)
  • Regelmäßiges und häufiges Training, etwa 5-14 Einheiten pro Woche, und meist von einem Trainer geplant und überwacht.
  • Das langfristige Training wird sowohl in Mehrjaheszyklen, als auch in Perioden während des Trainingsjahres geplant, um eine möglichst hohe Leistung langfristig sicherzustellen.[1]
  • Regelmäßige Trainingskontrollen in Form von (standardisierten) Leistungstests oder Testwettkämpfen ermöglichen eine Überprüfung der Wirksamkeit und Effizienz des Trainings.

Jugendbereich[Bearbeiten]

Im Jugendbereich beginnt Leistungssport in vielen Sportarten (Ausnahmen z.B. Schwimmen, Eiskunstlauf und Turnen mit z.T. 6 Jahren) ab etwa 12 Jahren, gemäß der körperlichen Entwicklung und der Gesundheit. Um letztere zu gewährleisten, verpflichten die meisten Vereine die Jugendlichen zu regelmäßigen sportmedizinischen Untersuchungen. Leistungssport wird von einem geringen Teil der jugendlichen Sportler betrieben. Mit Sportinternaten, Sportgymnasien, oder der Eliteschule des Sports unter der Führung des deutschen Sportbundes DOSB und der Stiftung Deutsche Sporthilfe, in Zusammenarbeit mit den Olympiastützpunkten werden Eliten gefördert, in Vereinen auch durch Hausaufgabenbetreuung. Die für dieses Auswahltraining nominierten Leistungssportler/innen werden als Kader bezeichnet.

Erwachsenenbereich[Bearbeiten]

Nach Beendigung der Schulzeit und der Ausbildung bzw. Studium wird Leistungssport in der Regel nur noch im Profibereich betrieben, wo auch die materielle Unterstützung gewährleistet werden kann.[2] Die Bundeswehr bietet angehenden Profis oder Sportlern in bestimmten Randsportarten bezahlte Sportfördergruppen in Kombinationen von Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten. Annähernd 50% der Olympiamannschaften bei den Sommerspielen sind Studierende.

Nach der aktiven Zeit[Bearbeiten]

Einige professionelle Sportler schließen an die Zeit als aktiver Sportler eine Karriere als Trainer oder Sportfunktionär an. Andere bereiten sich frühzeitig auf eine Karriere außerhalb des Sports vor.

Probleme[Bearbeiten]

Kinder im Leistungssport[Bearbeiten]

Körperliche und auch seelische Entwicklungsschäden sind bekannte Risiken, wenn Kinder zu früh in den Leistungssport einsteigen. In diversen Sportarten, etwa dem Kunst- und Gerätturnen, werden Talente häufig bereits im Kindergartenalter mit schwerem Training überfordert. Dem steht allerdings das Konsenspapier der britischen und amerikanischen Sportpädagogen und Kinderärzten gegenüber, die auch im Kindesalter "Krafttraining" mit freien Hanteln fordern, da sie in Bewegungsmangel und zu geringer Belastung das viel größere gesundheitliche Risiko sehen.[3]

Risiken für den Körper[Bearbeiten]

Durch Leistungssport bedingte körperliche Schäden, die sich unter Umständen erst nach Karriereende bemerkbar machen, können auftreten.

Leistungssportler haben ein höheres Risiko für Herzkrankheiten.[4] Häufig werden Analgetika, die zu einer Analgetikanephropathie führen können, zur Erhöhung der Schmerzschwelle eingenommen.[5] Die Sportmedizin beschreibt viele Krankheiten, die durch übermäßigen Sport verursacht werden, wie zum Beispiel der Tennisellenbogen, das Läufer-, Jumper- bzw. Fußballerknie, der Skidaumen, die Boxernase, das Ringerohr, die Dementia Pugilistica ("Boxer-Enzephalopathie") sowie Ermüdungsfrakturen. Bekannte Beispiele für Schäden durch Doping im Leistungssport sind das chronische Nierenversagen von Ivan Klasnić oder die Beinamputation von Ilke Wyludda. Doping stellt im Sport und so auch im Leistungssport ein Hauptproblem dar. In Sportarten mit hohem finanziellen Anreiz sind Dopingkontrollen durch die WADA und NADA angeordnet. Die Dunkelziffer ist hoch. In der Regel ist jedoch der körperliche Schaden, der ohne (Leistungs)sport eintritt, hochsignifikant größer als der durch Leistungssport.

Professionelle Betreuung[Bearbeiten]

Wegen der Risiken wird das Training von einem gut ausgebildeten Trainer überwacht und kontrolliert. Daneben werden - insbesondere bei Hochleistungssportlern - weitere Berater (Coaches) und medizinische Betreuer eingesetzt. Trainer, die oft auch als Coach bezeichnet werden, verfügen unter anderem über:

  • Kenntnis der geeigneten Trainingsmittel
  • Kenntnis der wichtigsten sportwissenschaftlichen Erkenntnisse über die richtige Dosierung und Planung des Trainings
  • genaue Kenntnis der Bewegungsabläufe und häufiger Fehler im Bewegungsablauf
  • Kenntnis des systematischen Aufbaus des Trainings, um diese auszuschließen
  • Grundkenntnisse der Ernährungslehre
  • Kenntnisse altersbedingter Einschränkungen

Psychologische Betreuung[Bearbeiten]

Die Sportpsychologie erfasst menschliches Verhalten, Handeln und Erleben von Personen im Praxisfeld Sport und strebt, den künftigen Verlauf vorherzusagen und in ethisch vertretbarer Weise zu beeinflussen. Spitzenathleten sehen sich vor Wettkämpfen einem hohen psychischen Druck ausgesetzt, so dass sie häufig sportpsychologisch betreut werden. Auch nach dem Tod von Robert Enke sind nur wenige Sportler wegen psychischer Belastungen an die Öffentlichkeit getreten, wie beispielsweise Sebastian Deisler oder Sven Hannawald.

Weblinks[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Matveev, Lev P. (1972). Periodisierung des sportlichen Trainings. (Problema periodizacii sportivnoj trenirovki. dt. Aus d. Russ. übers. von Peter Tschiene. Bearb. von Arnd Krüger u. H. J. Ehrlich). Berlin: Bartels und Wernitz. ISBN 3-87039-948-1 (3. Aufl. 1978).
  2. Arnd Krüger: Der Leistungssportler als Kleinunternehmer. Eine neue sozioökonomische Interpretation von Sport und Arbeit, in: Leistungssport 2 (1972), 3, 211-216.
  3. Lloyd RS, Faigenbaum AD, Stone MH et al. (2014). Position statement on youth resistance training: the 2014 International Consensus. "British Journal Sports Med." 48(7): 498-505.
  4. http://www.spiegel.de/sport/sonst/ploetzlicher-herztod-bei-sportlern-a-831319.html
  5. http://www.aerzteblatt.de/v4/archiv/artikel.asp?id=61465