Hochschule

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Hochschulwesen ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zur Zeitschrift siehe Das Hochschulwesen.
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Hochschule (Abkürzung: HS) ist ein Oberbegriff für verschiedene wissenschaftliche, wissenschaftlich-anwendungsorientierte, künstlerisch-wissenschaftliche, gestalterisch-wissenschaftliche oder künstlerische Einrichtungen des tertiären Bildungsbereichs zur beruflichen Ausbildung, Pflege der Wissenschaften und Künste durch Forschung und Lehre.

Überblick[Bearbeiten]

Im engeren Sinn bezeichnet eine Hochschule eine Einrichtung, die Forschung betreibt und damit neues Wissen schafft, wissenschaftliche Lehre (Studium und wissenschaftliche Weiterbildung) vermittelt und akademische Grade als Studienabschlüsse verleiht. Im Rahmen des Bologna-Prozesses werden an den Hochschulen gestufte Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor und Master angeboten, die überwiegend die bisherigen Abschlüsse Diplom und Magister ersetzen.

Eine besondere Form der Hochschulausbildung kennzeichnet eine Fernuniversität oder Fernhochschule. Neben staatlichen Hochschulen gibt es auch private Hochschulen. Diese werden zumeist von Kirchen, Gemeinden, aber auch von Stiftungen und in neuerer Zeit auch von Privatunternehmen getragen.

Die rechtliche Stellung der Hochschulen wird in den meisten Staaten durch ein spezielles Hochschulgesetz geregelt. In der Bundesrepublik Deutschland ist das Hochschulsystem Ländersache und wird durch deren Hochschulgesetze geregelt. Das Hochschulrahmengesetz des Bundes, das bisher Rahmenvorgaben für die Länder gegeben hat, läuft im Rahmen der Föderalismusreform aus.

Hochschulen haben sich im Laufe der Zeit (in entsprechender Zusammenarbeit mit dem jeweiligen Bundesland) zusammengeschlossen, sich spezialisiert oder umbenannt. Ein Beispiel hierfür sind Technische Hochschulen, die fast alle in „Technische Universität” umbenannt wurden, wie erstmals 1946 die Technische Universität Berlin. Ausnahmen sind beispielsweise die RWTH Aachen oder die ETH Zürich.

Viele „Fachhochschulen“ bezeichnen sich seit einigen Jahren einfach als „Hochschule“ mit dem Fachgebiet, beispielsweise „Hochschule für Wirtschaft“, „Hochschule für Technik“ usw. oder allgemein als „Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW)“. Zudem führen sie die englische Bezeichnung University[1] oder University of Applied Sciences (wörtlich übersetzt Universität für angewandte Wissenschaften). Dies begründet sich darin, dass der Begriff University in angloamerikanisch geprägten Bildungssystemen diejenigen Institutionen bezeichnet, die postgraduale Studiengänge anbieten, was in Deutschland, Österreich und der Schweiz allgemein den Hochschulen entspricht und nicht nur der Hochschulform „Universität“. Der englische Begriff High School („Hohe“ oder „Höhere Schule“) ist dagegen dem Schulbereich (Sekundarbereich) zuzuordnen.

Die Pädagogischen Hochschulen (1971 in der BR Deutschland aus den Pädagogischen Akademien erwachsen) sind heute sich selbst verwaltende Zentren der Bildungswissenschaften mit uneingeschränktem Promotions- und Habilitationsrecht im Universitätsrang.[2] Sie wurden in den 1970/80er Jahren in den bundesdeutschen Ländern entweder in die Universitäten eingegliedert oder – wie in Baden-Württemberg – in selbstständige bildungswissenschaftliche Einrichtungen mit universitären Strukturen umgewandelt.

An bundesdeutschen Hochschulen betreut derzeit im Fächerdurchschnitt statistisch ein einzelner Professor etwa 52 Studenten. Genauer sind dies an Universitäten etwa 60, an Fachhochschulen etwa 38 Studenten. Die Anzahl der Studierenden ist von 1972 bis 2005 um das Dreifache angestiegen (auf 1.953.504), die Anzahl der Professoren jedoch nur um das 1,8-Fache (auf 37.364). Nach diesen Zahlen sieht der Wissenschaftsrat einen Verbesserungsbedarf bei der Lehre an den Hochschulen, insbesondere an den Universitäten. Im Vergleich dazu stehen die US-amerikanischen Eliteinstitutionen wie Harvard oder Stanford mit einem Betreuungsverhältnis von 1:10 oder besser wesentlich günstiger dar.

Die öffentlichen und privaten Hochschulen in der Bundesrepublik Deutschland gaben 2010 etwa 41,2 Milliarden Euro aus. Die Summe beinhaltet Kosten für Forschung, Lehre und medizinische Behandlung. Damit stiegen die Ausgaben gegenüber 2009 um 6,1 %.[3]

Übersicht über die Hochschulorganisation

Aufbau und Organisation[Bearbeiten]

Eine Hochschule besteht aus Fakultäten / Instituten oder Fachbereichen. Diese sind Abteilungen, an deren Spitze ein Dekan bzw. eine Dekanin steht. Der Hochschule steht eine Hochschulleitung mit einem Rektorat oder Präsidium sowie meist einem Kanzler vor. Außerdem gibt es eine zentrale Hochschulverwaltung, den Akademischen Senat sowie zentrale Service-Einrichtungen der Hochschule wie Hochschulbibliothek, Rechenzentrum, Zentrale Studienberatung, Career Service oder Akademisches Auslandsamt.

Die an einer Hochschule eingeschriebenen Studierenden bilden je nach landesgesetzlicher Regelung die Studierendenschaft.

Für den Betrieb von Mensen und Wohnheimen, für die Verwaltung des BAföG und für weitere Angebote im Umfeld einer Hochschule sind zumeist die Studentenwerke zuständig.

Abgrenzung[Bearbeiten]

Bildungsgänge im deutschen Bildungssystem

Volkshochschulen sind in Deutschland dem quartären Bildungsbereich der Weiterbildung zugeordnet, allerdings entgegen ihrer Bezeichnung keine Hochschulen.[4]

Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien (VWA) sind Institutionen des tertiären Bildungsbereichs und keine Hochschulen. Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien sind nach Einschätzung des Bayerischen Obersten Landesgerichtes wie auch des baden-württembergischen Wirtschaftsministeriums in verschiedener Hinsicht lediglich mit einer Hochschule vergleichbar.[5]

Berufsakademien (BA) hatten einen ähnlichen Status und verliehen ihren Absolventen daher nicht einen akademischen Grad, sondern eine staatliche Abschlussbezeichnung ab. Seit der Umwandlung 2006 in die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DH), werden die akademischen Grade Bachelor und Master verliehen. Ein Promotionsrecht besteht weiterhin nicht.

Fachakademien und weiterbildende höhere Fachschulen werden dem tertiären Bildungsbereich zugeordnet, sofern der Bildungsgang nicht weniger als 2400 Stunden hat. Abschlüsse sind das Staatsexamen oder das Diplom (FS).[6]

Formen der Hochschulen[Bearbeiten]

Hochschulen, die künstlerisch-wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildungen betreiben:

Hochschulen, die Lehre und Forschung auf wissenschaftlicher Grundlage mit anwendungsorientiertem Schwerpunkt betreiben:

Andere Einrichtungen des tertiären Bildungsbereichs sind:

Listen von Hochschulen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Uwe Schmidt: Kosteninformationen für universitäre Hilfsdienste. Bedarf und Erhebungskonzept, Eul 2004, ISBN 3-89936-012-5
  • George Turner, Hochschule zwischen Vorstellung und Wirklichkeit. Zur Geschichte der Hochschulreform im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts, Berlin 2001.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Hochschule – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Hochschule – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vgl. Hochschule Reutlingen
  2. Pädagogische Hochschulen Baden-Württemberg
  3. Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes
  4. http://dvv-vhs.de Dachverband deutscher Volkshochschulen
  5. http://berufenet.arbeitsagentur.de/berufe/docroot/r2/blobs/pdf/recht/r_00856.pdf Rahmenstudienordnung VWA
  6. http://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2002/2002_11_07-RV-Fachschulen.pdf Rahmenvereinbarung der Kultusministerkonferenz über Fachschulen