Hochseeflotte

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Hochseeflotte war ab 1907 die Bezeichnung der aktiven Heimatflotte der deutschen Kaiserlichen Marine.

Noch bis zum Ende des 19. Jahrhunderts war es allgemein üblich, Flotten nur in den Sommermonaten aktiv zu halten, während im Winter die meisten Schiffe aufgelegt wurden. Nach der Aktivierung im Frühjahr bedurfte es großer Anstrengungen, um Schiffe und Besatzungen einsatzfähig zu machen. Zu diesem Zweck wurden die Kriegsschiffe der Kaiserlichen Marine ab 1873 alljährlich zu Übungs- bzw. Manövergeschwadern zusammengezogen und ab 1891 einem Flottenkommando unterstellt. 1903 wurde die Übungsflotte in Aktive Schlachtflotte, diese ab 1907 in Hochseeflotte umbenannt. Einsätze und Selbstversenkung der Hochseeflotte im Ersten Weltkrieg sind nicht Gegenstand dieses Artikels.

Das Übungsgeschwader 1873 bis 1885[Bearbeiten]

Ab 1873 wurden die großen Kriegsschiffe der Kaiserlichen Marine alljährlich zu einem Verband zusammengezogen, der gemeinsame Manöver unternahm. Das sogenannte „Übungsgeschwader“ bestand allerdings nur in den Sommermonaten.

Manöverzeitraum Geschwaderchef Flaggschiff
1873 – 10.06.-11.09. Konteradmiral Henk SMS Hertha
1874 – 06.06.-21.09. Konteradmiral Henk SMS Kronprinz
1875 – 03.06.-24.09. Konteradmiral Henk SMS König Wilhelm
1876 – 22.05.-18.09. Konteradmiral Batsch SMS Kaiser
1877 – 28.05.-22.10. Konteradmiral Batsch SMS Kaiser
1878 – 27.05.-06.09. Konteradmiral Batsch SMS König Wilhelm
1879 – 22.05.-15.09. Konteradmiral Kinderling SMS Friedrich Carl
1880 – 24.05.-17.09. Kommodore von Wickede SMS Friedrich Carl
1881 – 24.05.-18.09. Kommodore von Wickede SMS Friedrich Carl
1882 – 14.05.-17.09. Konteradmiral von Wickede SMS Friedrich Carl
1883 – 13.05.-17.09. Konteradmiral von Wickede SMS Kaiser
1884 – 22.04.-30.09. Konteradmiral Graf von Monts SMS Baden
1885 – 01.06.-23.09. Konteradmiral von Blanc SMS Stein

Vom Manövergeschwader zur Manöverflotte 1886 bis 1892[Bearbeiten]

1886 wurde die Bezeichnung Übungsgeschwader abgeschafft. Der in diesem Jahr für die Sommermonate formierte Verband führte stattdessen die Bezeichnung Manövergeschwader. Er bestand aus zwei Divisionen, der I. Division mit dem Panzerschiff Baden als Flaggschiff und der II. Division mit dem Schulgeschwader. Im Herbst 1887 wurde das Geschwader noch durch die Torpedobootsflottille als III. Division und die Panzerfahrzeugflottille als IV. Division verstärkt. 1888 führte der Geschwaderchef erstmals die Dienstbezeichnung „zugleich Chef der Manöverflotte“. Das eigentliche Manövergeschwader bildete wieder die I. Division, das Schulgeschwader die II. Division. 1889 wurde erneut ein „Übungsgeschwader“ aufgestellt. Dieses bildete neben der I. Division, dem Manövergeschwader, nunmehr die II. Division der Manöverflotte (das Schulgeschwader war aufgelöst worden). Das blieb auch 1890 und 1891 so.

Manöverzeitraum Chef des Manövergeschwaders
zugleich Chef der Manöverflotte
Flaggschiff
1886 Konteradmiral von Wickede SMS Baden
1887 Konteradmiral Paschen SMS König Wilhelm
1888 Konteradmiral von Knorr SMS Baden
1889 Konteradmiral von Kall SMS Baden
1890 Vizeadmiral Deinhard SMS Baden
1891 Vizeadmiral Deinhard SMS Baden
1892 Frühjahr Vizeadmiral Schröder SMS Baden

Die (Herbst-)Übungsflotte 1892 bis 1903[Bearbeiten]

1892 wurde erstmals die Bezeichnung „Herbst-Übungsflotte“ für die zu den Herbstmanövern zusammengezogenen aktiven und Reserve-Einheiten gebraucht. Ein Jahr später fiel die Bezeichnung Manöverflotte fort, und das ganze Geschwader führte wieder den Titel Herbst-Übungsflotte. Der Begriff wurde 1896–1902 auf „Übungsflotte“ verkürzt und erst 1903 erneut und zum letzten Mal als Herbst-Übungsflotte bezeichnet.

Manöverzeitraum Chef der Übungsflotte
zugleich Flottenchef
Flaggschiff
1892 – 23.08.-26.09. Admiral von der Goltz SMS Mars
1893 – 20.08.-23.09. Admiral von der Goltz SMS Mars
1894 – 19.08.-21.09. Admiral von der Goltz SMS Wörth
1895 – 19.08.-15.09. Admiral von Knorr SMS Mars
1896 – 09.08.-15.09. Admiral von Knorr SMS Blücher
1897 – 14.08.-17.09. Admiral von Knorr SMS Blücher
1898 – 14.08.-17.09. Admiral von Knorr SMS Blücher
1899 – 16.08.-16.09. Admiral von Koester SMS Blücher
1900 – 15.08.-19.09. Admiral Hoffmann SMS Kaiser Wilhelm II.
1901 – 11.08.-15.09. Admiral von Koester SMS Kaiser Wilhelm II.
1902 – 17.08.-12.09. Admiral von Koester SMS Kaiser Wilhelm II.
1903 – 15.08.-12.09. Admiral von Koester SMS Kaiser Wilhelm II.

Aktive Schlachtflotte 1903 bis 1907[Bearbeiten]

1903 wurde an Stelle der Herbstübungsflotte durch AKO vom 4. August 1903 die „Aktive Schlachtflotte“ geschaffen. Nach dem 2. Flottengesetz sollte die Aktive Schlachtflotte aus dem I. und II. Geschwader gebildet werden, daneben eine Reserve-Schlachtflotte aus dem III. und IV. Geschwader. Von der Aktiven Schlachtflotte waren sämtliche Einheiten ganzjährig im Dienst zu halten. Die Anweisung (AKO vom 26. September 1903) lautete:

Aus den beiden aktiven Geschwadern und den zugeteilten Aufklärungsschiffen wird die „Aktive Schlachtflotte“.
Der Chef des I. Geschwaders ist gleichzeitig Chef der Aktiven Schlachtflotte.

Das I. Geschwader bestand seit 1901/02 aus den Linienschiffen der Kaiser- und der Wittelsbach-Klasse. Erstmals existierte zusätzlich zum Flaggschiff des I. Geschwaders ein Flottenflaggschiff. Am 29. Juni 1903 wurde durch Kabinettsordre die Bildung eines II. Geschwaders verfügt, mit der Aufstellung konnte aber erst 1904/05 nach vollendetem Umbau der Brandenburg-Klasse begonnen werden. Es blieb zunächst materiell schwach und erreichte erst 1907/08 mit den Linienschiffen der Braunschweig- und Deutschland-Klasse seine volle Stärke. Erst damit war die Forderung des Kaisers nach zwei aktiven Geschwadern erfüllt.

Befehlszeitraum Flottenchef Flaggschiff
22.09.1903 – 25.02.1906 Admiral Hans von Koester SMS Kaiser Wilhelm II.
26.09.1906 – 16.02.1907 Admiral Prinz Heinrich von Preußen SMS Deutschland

Die Hochseeflotte 1907 bis 1919[Bearbeiten]

Am 16. Februar 1907 wurde die Aktive Schlachtflotte in „Hochseeflotte“ umbenannt. Dies geschah auf Vorschlag von Tirpitz, nach dessen Überzeugung die Bezeichnung „Aktive Schlachtflotte“ ungewollt einen aggressiven Beiklang hatte und so nicht gedeutet werden sollte. 1908 begann die Hochseeflotte ihre Übungen bis in den Atlantik hinaus auszudehnen. Zwischen Herbst 1909 und Frühjahr 1912 erfolgte die Umstellung des I. Geschwaders auf Großlinienschiffe der Nassau-Klasse. Mit einer Novelle zum Flottengesetz begann im Sommer 1912 die Bildung des aktiven III. Geschwaders. Sie war im Herbst 1914 abgeschlossen. Ab 1909 nahmen Unterseeboote an den Manövern der Hochseeflotte teil, ab 1913 Marineflieger.

Befehlszeitraum Flottenchef Flaggschiff
16.02.1907 – 30.09.1909 Admiral Prinz Heinrich von Preußen SMS Deutschland
01.10.1909 – 28.01.1913 Admiral Henning von Holtzendorff SMS Deutschland
29.01.1913 – 02.02.1915 Admiral Friedrich von Ingenohl SMS Friedrich der Große
03.02.1915 – 09.01.1916 Admiral Hugo von Pohl SMS Friedrich der Große
24.01.1916 – 07.08.1918 Admiral Reinhard Scheer SMS Friedrich der Große
11.08.1918 – 30.11.1918 Admiral Ritter Franz von Hipper SMS Baden
01.12.1918 – 05.01.1919 Konteradmiral Hugo Meurer SMS Baden
06.01.1919 – 10.01.1919 Kommodore Victor Harder SMS Baden

Dislozierungstabellen[Bearbeiten]

1873[Bearbeiten]

Geschwaderflaggschiff SMS Hertha (KAdm. Henk) SMS Arcona, SMS Vineta, SMS Ariadne, Kanonenboot SMS Nautilus.

1886[Bearbeiten]

Geschwaderflaggschiff SMS Baden, I. Division (VAdm von Wickede) Flaggschiff SMS Baden, SMS Sachsen, SMS Württemberg, SMS Oldenburg, SMS Zieten (Aviso), II. Division = Schulgeschwader (Kommodore Stenzel) Flaggschiff SMS Stein, SMS Moltke, SMS Prinz Adalbert, SMS Sophie, SMS Hansa, III. Division = Torpedobootsflottille (KK Tirpitz).

1889[Bearbeiten]

Flottenflaggschiff SMS Baden, I. Geschwader = Manövergeschwader (VAdm von Wickede) Flaggschiff SMS Baden, SMS Sachsen, SMS Oldenburg, SMS Wacht, SMS Irene, II. Geschwader = Übungsgeschwader (KAdm. Hollmann) Flaggschiff SMS Kaiser, SMS Deutschland, SMS Preußen, SMS Zieten.

1896[Bearbeiten]

Flottenflaggschiff (Adm von Knorr) SMS Blücher, I. Geschwader (VAdm Thomsen) Flaggschiff SMS Kurfürst Friedrich Wilhelm, SMS Weißenburg , SMS Wörth, SMS Zieten, II. Geschwader (KAdm Barandon) Flaggschiff SMS Baden, SMS Württemberg, SMS Oldenburg, SMS Greif,

1903[Bearbeiten]

Flottenflaggschiff SMS Kaiser Wilhelm II., Tender SMS Grille, I. Geschwader (Admiral von Koester) Flaggschiff SMS Kaiser Wilhelm II., SMS Kaiser Friedrich III., SMS Kaiser Wilhelm der Große, SMS Kaiser Barbarossa (bis 14.12.), dann SMS Mecklenburg, SMS Kaiser Karl der Große, SMS Zähringen, SMS Wittelsbach', SMS Wettin, II. Geschwader (VAdm Fritze) Flaggschiff SMS Hildebrand, SMS Frithjof, SMS Odin, SMS Beowulf, Aufklärungsschiffe (KAdm Gustav Schmidt) Flaggschiff SMS Prinz Heinrich, SMS Victoria Louise (bis 12.12.), dann: SMS Friedrich Carl, SMS Amazone, SMS Ariadne, SMS Frauenlob, SMS Niobe, SMS Medusa, Arcona.

1909[Bearbeiten]

Flottenflaggschiff SMS Deutschland, I. Geschwader (VAdm. von Holtzendorff, KAdm Grapow) Flaggschiff SMS Hannover, SMS Schlesien, SMS Mecklenburg, SMS Zähringen, Flaggschiff SMS Wittelsbach, SMS Kaiser Karl der Große, SMS Kaiser Barbarossa, SMS Wettin, II. Geschwader (VAdm. Schröder, KAdm. Gühler) Flaggschiff SMS Preußen, SMS Schleswig-Holstein, SMS Hessen, SMS Elsass, Flaggschiff SMS Braunschweig, SMS Pommern, SMS Lothringen, Aufklärungsgruppe (VAdm von Heeringen, KAdm Jacobsen) Flaggschiff SMS Yorck, SMS Gneisenau, SMS Danzig, SMS Königsberg, Flaggschiff SMS Roon, SMS Berlin, SMS Lübeck, SMS Stettin

1913[Bearbeiten]

Flottenflaggschiff SMS Friedrich der Große, I. Geschwader (VAdm. von Lans, KAdm Schaumann) Flaggschiff SMS Ostfriesland, SMS Thüringen, SMS Helgoland, SMS Oldenburg, Flaggschiff SMS Posen, SMS Rheinland, SMS Nassau, SMS Westfalen, II. Geschwader (VAdm. Scheer, KAdm. Souchon) Flaggschiff SMS Preußen, SMS Pommern, SMS Hessen, SMS Lothringen, Flaggschiff SMS Hannover, SMS Schlesien, SMS Schleswig-Holstein, SMS Deutschland, V. Division (VAdm Schmidt) Flaggschiff SMS Kaiser, SMS Braunschweig, später: SMS König Albert, SMS Elsass, später: SMS Kaiserin, Aufklärungsgruppe (VAdm Bachmann) Flaggschiff SMS Moltke, SMS Goeben (später -> Mittelmeerdivision), SMS Von der Tann, SMS Yorck, später: SMS Seydlitz, Flaggschiff SMS Cöln, SMS Straßburg, SMS Stettin, SMS Kolberg, SMS Dresden, SMS Mainz, SMS Breslau (später -> Mittelmeerdivision), SMS Stralsund.

1914[Bearbeiten]

Flottenflaggschiff SMS Friedrich der Große, I. Geschwader (VAdm. von Lans, KAdm Gädeke) Flaggschiff SMS Ostfriesland, SMS Helgoland, SMS Thüringen, SMS Oldenburg, Flaggschiff SMS Posen, SMS Nassau, SMS Westfalen, SMS Rheinland, II. Geschwader (VAdm. Scheer, KAdm. Mauve) Flaggschiff SMS Preußen, SMS Schlesien, SMS Hessen, SMS Lothringen, Flaggschiff SMS Hannover, SMS Schleswig-Holstein, SMS Pommern, SMS Deutschland, III. Geschwader (KAdm. Funke, KAdm Schaumann) Flaggschiff SMS Prinzregent Luitpold, SMS Kaiser, SMS Kaiserin, SMS König Albert, SMS König, SMS Großer Kurfürst, SMS Markgraf, : SMS Kronprinz, IV. Geschwader (VAdm Schmidt, KAdm Alberts) Flaggschiff SMS Wittelsbach, SMS Wettin, SMS Schwaben, SMS Mecklenburg, Flaggschiff SMS Braunschweig, SMS Elsass, SMS Zähringen, V. Geschwader (VAdm Grapow, KzS Begas) Flaggschiff SMS Kaiser Wilhelm II., SMS Kaiser Wilhelm der Große, SMS Kaiser Barbarossa, SMS Kaiser Friedrich III.; Flaggschiff SMS Kaiser Karl der Große, SMS Wörth, SMS Brandenburg, VI. Geschwader (KAdm. Eckermann, KAdm Behring) Flaggschiff SMS Hildebrand, SMS Heimdall, SMS Hagen, SMS Frithjof; Flaggschiff SMS Ägir, SMS Odin, SMS Beowulf, SMS Siegfried. I. Aufklärungsgruppe (KAdm. Hipper, KAdm. Tapken) Flaggschiff SMS Seydlitz, Flaggschiff SMS Derfflinger, SMS Moltke, SMS Blücher, SMS Von der Tann, II. Aufklärungsgruppe (KAdm Maass) Flaggschiff SMS Cöln, SMS Mainz, SMS Stralsund, SMS Kolberg, SMS Rostock; SMS Straßburg, SMS Graudenz, III. Aufklärungsgruppe (KAdm von Rebeur-Paschwitz) Flaggschiff SMS Roon, SMS Yorck, SMS Prinz Adalbert, SMS Prinz Heinrich, IV. Aufklärungsgruppe (Kpt.z.S. von Restorff) Flaggschiff SMS München, SMS Danzig, SMS Stuttgart, SMS Hela, SMS Frauenlob, V. Aufklärungsgruppe (KAdm. Jasper) Flaggschiff SMS Hansa, SMS Vineta, SMS Victoria Louise, SMS Hertha.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans H. Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart, Köhler: Hamburg 1973 ff.
  • Hans Jürgen Witthöft: Aktive Schlachtflotte, Hochseeflotte, Übungsflotte, Manövergeschwader und Übungs-Geschwader. In: Lexikon zur deutschen Marinegeschichte. 2 Bände, Koehler: Herford 1977